Ein Plektrum ist ein kleiner, meist tropfenförmiger Körper aus Kunststoff, Metall oder historisch aus Schildpatt, mit dem die Schlaghand die Saiten eines Zupfinstruments anschlägt. Gitarristen halten es zwischen Daumen und Zeigefinger und ersetzen damit den direkten Anschlag mit dem Fingernagel; neben Saiten und Kapodastern zählt es zum gängigen Zubehör für die E-Gitarre, kommt aber ebenso auf Akustikgitarren zum Einsatz. Material, Dicke und Form verändern, wie hell oder warm ein angeschlagener Ton klingt und wie viel Kontrolle die Hand über den Anschlag behält. Wer Rhythmus spielt, greift meist zu einem anderen Plektrum als jemand, der Soli spielt oder mit Fingerstyle-Technik zupft.
Was ist ein Plektrum?
Ein Plektrum ist ein flacher Körper, der die Bewegung der Schlaghand härter und präziser auf die Saite überträgt als ein Fingernagel und dadurch einen lauteren, klareren Anschlag erzeugt. Der Begriff stammt aus dem griechischen Wort plektron für ein Werkzeug zum Schlagen, im deutschen Sprachgebrauch ist gleichbedeutend die englische Bezeichnung Pick gebräuchlich. Beim Spiel einer Gitarre hält die Schlaghand das Plektrum zwischen Daumen und Zeigefinger und führt es in einer kurzen, kontrollierten Bewegung über die Saite.
Aus welchem Material besteht ein Plektrum?
Ein Plektrum besteht heute fast immer aus Kunststoff, seltener aus Metall. Zelluloid war das erste Kunststoffmaterial für Plektren: John Wesley Hyatt entwickelte es 1869 als günstigen Ersatz für Elfenbein und Schildpatt, und Hersteller griffen den Werkstoff bald für Plektren auf. Zelluloid klingt vergleichsweise hell und spitz, verfärbt sich mit der Zeit leicht und nutzt sich schneller ab als neuere Kunststoffe.
Nylon hält mechanisch mehr aus als Zelluloid und liefert einen ausgeglicheneren, mittigen Ton ohne ausgeprägte Spitzen im Klangbild. Delrin, ein Markenname für den Kunststoff Acetal, nutzt sich nur wenig ab und behält seine Kante über lange Zeit, weshalb Hersteller ihn häufig für Plektren in mehreren Farben je Dicke verwenden. Metall-Plektren aus Messing oder Stahlblech übertragen die Anschlagsenergie am härtesten auf die Saite und erzeugen einen sehr hellen, perkussiven Ton mit kaum Nachgeben; sie kommen seltener zum Einsatz, vor allem dort, wo ein besonders durchsetzungsfähiger Anschlag gefragt ist.
| Material | Eigenschaft | Klangcharakter |
|---|---|---|
| Zelluloid | vergleichsweise weich, nutzt sich schneller ab | hell, spitz |
| Nylon | griffig, mechanisch belastbar | ausgeglichen, mittig |
| Delrin/Acetal | hohe Verschleißfestigkeit, behält die Kante | klar, gleichmäßig |
| Metall | keine Flexibilität, sehr hart | sehr hell, perkussiv |
| Schildpatt (historisch) | Naturmaterial, seit 1975 Handelsverbot | warm, mit feinen Obertönen |
Warum sind Schildpatt-Plektren heute verboten?
Schildpatt-Plektren sind seit den 1970er Jahren verboten, weil ihr Rohstoff vom Panzer einer gefährdeten Schildkrötenart stammt. Das Material kommt vom Hornschild der Echten Karettschildkröte, die durch die Jagd auf ihren Panzer stark dezimiert wurde. Das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) stellte den internationalen Handel mit Schildpatt in die strengste Schutzkategorie; seit dessen Inkrafttreten 1975 dürfen Karettschildkröten und ihr Panzermaterial nicht mehr gehandelt werden. Bereits vorhandene Schildpatt-Plektren aus der Zeit davor dürfen zwar weiter benutzt werden, ein Verkauf ist jedoch weiterhin untersagt.
Echtes Schildpatt darf seit 1975 nicht mehr gehandelt werden. Jedes heutige Plektrum mit Schildpatt-Optik besteht aus gefärbtem Kunststoff, meist aus Zelluloid oder Acetal, der die Maserung nur nachbildet.
Wie beeinflusst die Dicke eines Plektrums den Klang?
Die Dicke eines Plektrums entscheidet mit, wie hell oder warm ein angeschlagener Ton klingt und wie stark sich das Plektrum beim Anschlag durchbiegt. Ein dünnes Plektrum federt beim Anschlag nach, gibt seine Energie über einen längeren Moment an die Saite ab und erzeugt dadurch einen helleren, perkussiveren Ton mit weniger Grundton. Ein dickes Plektrum biegt sich kaum durch, überträgt die Energie in einem kurzen, harten Impuls und klingt dadurch wärmer und voller, mit mehr Kontrolle bei einzelnen Anschlägen.
- Dünn, bis etwa 0,50 mm: heller, perkussiver Anschlag mit spürbarem Nachgeben, bewährt für Strumming und Rhythmusspiel, weil sich mehrere Saiten gleichmäßig anschlagen lassen.
- Mittel, etwa 0,60 bis 0,80 mm: ausgeglichenes Verhältnis aus Nachgeben und Kontrolle, die häufigste Wahl für gemischtes Rhythmus- und Solospiel.
- Dick, ab etwa 0,80 mm: kaum Durchbiegung, wärmerer und vollerer Ton, bevorzugt für Sologitarre und schnelle Einzeltonlinien, weil das Plektrum bei jedem Anschlag präzise an derselben Stelle auf die Saite trifft.
Rhythmusspiel auf einer Westerngitarre verlangt vor allem gleichmäßige, schnelle Anschläge über mehrere Saiten, wofür ein nachgebendes, dünnes Plektrum kleine Unregelmäßigkeiten der Schlaghand ausgleicht. Sologitarre verlangt dagegen präzisen Kontakt mit einzelnen Saiten bei hohem Tempo, wofür ein steifes, dickes Plektrum weniger Energie beim Durchbiegen verliert.
Welche Formen haben Plektren?
Plektren unterscheiden sich in Größe und Zuschnitt der Spitze, und jede Form passt zu einer bestimmten Spielweise. Die Standardform ist tropfenförmig oder leicht dreieckig, trägt zwei nutzbare, abgerundete Spitzen und eignet sich sowohl für Rhythmus- als auch für Solospiel.
Der Jazz-Pick fällt kleiner aus als die Standardform und läuft in einer schmaleren, stärker zugespitzten Kante zusammen. Die kleinere Auflagefläche liegt näher an der Fingerkuppe, was die Kontrolle bei schnellem Wechselschlag erhöht; die spitzere Kante trifft die Saite auf kürzerer Strecke und klingt dadurch präziser und dünner als der Anschlag mit einer Standardform. Jazz-Picks kommen deshalb vor allem bei schnellen Einzeltonlinien zum Einsatz, wie es der Name nahelegt häufig im Jazz, aber auch in anderen Stilen mit schnellem Soloanschlag.
Der Daumenpick sitzt über einen Ring auf dem Daumen der Schlaghand und trägt an dessen Außenseite ein kleines, gebogenes Blatt anstelle einer freien Spitze. Damit schlägt der Daumen die Basssaiten wie mit einem Plektrum an, während die übrigen Finger gleichzeitig andere Saiten zupfen, eine Kombination, die Fingerstyle-Spieler etwa beim Travis Picking nutzen. Der Ring hält das Plektrum ohne Griffdruck in Position und macht die Hand frei für den Wechsel zwischen Zupfen und Anschlagen. Neben der Gitarre kommen Plektren in der Standardform auch bei der Mandoline zum Einsatz.




