Qanun

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Bild: Levent Konuk / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Qanun ist eine Kastenzither aus der Familie der Chordophone, ein trapezförmiges, gezupftes Saiteninstrument, das in der arabischen, türkischen, persischen, armenischen, griechischen und zentralasiatischen klassischen Musik gleichermaßen zu Hause ist.

Der Qanun ist eine Kastenzither aus der Familie der Chordophone, ein trapezförmiges, gezupftes Saiteninstrument, das in der arabischen, türkischen, persischen, armenischen, griechischen und zentralasiatischen klassischen Musik gleichermaßen zu Hause ist. Sein Name leitet sich vom arabischen Wort für "Regel" oder "Gesetz" ab (verwandt mit dem griechischen "kanon") und verweist auf die systematische, regelhafte Anordnung seiner Saiten und Tonstufen; erste schriftliche Erwähnungen finden sich bereits bei mittelalterlichen Gelehrten wie Al-Farabi im 10. Jahrhundert. Es ist damit kein rein arabisches, sondern ein länderübergreifendes Instrument des gesamten östlichen Mittelmeerraums und Nahen Ostens, das je nach Land unter leicht unterschiedlichen Namen bekannt ist. Mit seinen zahlreichen Saiten und den charakteristischen kleinen Stimmhebeln gehört der Qanun zu den harmonisch komplexesten traditionellen Zupfinstrumenten der Region und ist fester Bestandteil des klassischen Takht-Ensembles, in dem er neben Oud, Ney, Violine und Riqq (Rahmentrommel) meist die harmonische Grundlage liefert und gleichzeitig als eines der wenigen mehrstimmig einsetzbaren Instrumente der arabischen Kunstmusik gilt.

Wie klingt der Qanun?

Der Klang des Qanun ist glasklar, obertonreich und sehr resonant, mit einem schimmernden Nachklang, der durch die vielen mitschwingenden Saiten entsteht, ein Effekt, der dem eines ungedämpften Klaviers oder einer Harfe ähnelt. Durch die feine Verstellbarkeit der Tonhöhe während des Spiels kann er die charakteristischen Vierteltonschritte und Mikrointervalle des arabischen Maqam-Systems nahtlos abbilden, von sanften, meditativen Passagen bis zu schnellen, virtuosen Tremolo- und Glissando-Läufen. Gerade das schnelle, gleichmäßige Tremolo einzelner Töne, mit dem sich ein scheinbar gehaltener Klang erzeugen lässt, gilt als eines der klanglichen Kennzeichen des Instruments.

Woraus besteht der Qanun?

Der Korpus des Qanun ist trapezförmig, nicht rechteckig, und besteht aus einem flachen Holzrahmen mit dünner Decke, in die meist mehrere kleine Schallöffnungen eingelassen sind. Historisch wurde ein Teil der Decke, insbesondere im rechten unteren Bereich unter den kürzesten Saiten, mit dünn ausgearbeitetem Fischhäutchen anstelle von Holz bespannt, um die Klangabstrahlung in diesem Bereich zu verbessern, eine Bauweise, die bei traditionell gefertigten Instrumenten bis heute vorkommt. Bespannt ist der Qanun mit typischerweise 70 bis 84 Saiten, die in 24 bis 27 Chören zu je drei gleichgestimmten Saiten gruppiert sind, nicht in Zweiergruppen. Bünde im Sinne fester Halbtonstufen besitzt der Qanun nicht.

Stattdessen sitzt an der linken Seite jeder Saitengruppe eine Reihe winziger Metallhebel, die Mandal (auch Urab genannt): Werden sie während des Spiels umgelegt, verkürzen sie die schwingende Saitenlänge minimal und verändern so die Tonhöhe um Bruchteile eines Halbtons, was die feine Modulation zwischen verschiedenen Maqamat erst ermöglicht. Ältere Instrumente besaßen oft nur wenige feste Mandal-Stufen pro Saitengruppe, moderne Konzertinstrumente können hingegen mehrere umschaltbare Zwischenstufen pro Gruppe bieten, was Musikerinnen und Musikern erlaubt, während des Spiels nahezu in Echtzeit zwischen benachbarten Maqamat zu wechseln.

Wie spielt man den Qanun?

Der Qanun liegt beim Spiel flach auf dem Schoß oder einem kleinen Ständer vor der spielenden Person. Gezupft wird mit Plektren (Risha) aus Schildpatt oder Horn, die an den Zeigefingern beider Hände befestigt sind, anders als bei vielen anderen Zupfinstrumenten kommen also beide Hände gleichermaßen für den eigentlichen Anschlag zum Einsatz.

Mit der linken Hand werden während des Spiels zusätzlich die kleinen Mandal-Hebel bedient, um Töne blitzschnell umzustimmen und so zwischen verschiedenen Maqamat zu modulieren, eine Technik, die intensive Koordination erfordert. Ein zentrales Element des Qanun-Spiels ist der Taqsim, eine improvisierte Einleitung, in der ein Maqam frei erkundet wird, bevor ein Stück in festem Metrum beginnt. Neben dem Zupfen einzelner Töne und Akkorde sind Tremolo, Glissando und perkussive Anschlagtechniken auf dem Korpus gebräuchliche Ausdrucksmittel. Fortgeschrittene Spielerinnen und Spieler entwickeln über Jahre hinweg eine hochgradig individuelle Anschlagskultur, die sich in feinsten Nuancen von Anschlagstärke, Fingerwinkel und Timing der Mandal-Umlegungen zeigt und die stilistische Handschrift einer Musikerin oder eines Musikers ebenso prägt wie der Personalstil bei anderen Soloinstrumenten.

Da der Qanun beim Spiel flach vor dem Körper liegt, unterscheidet sich seine Spielhaltung grundlegend von aufrecht gehaltenen Zupfinstrumenten wie der Oud: Die spielende Person blickt von oben auf die Saiten und kann dadurch beide Hände gleichzeitig und unabhängig voneinander einsetzen, die rechte meist für die eigentliche Melodieführung, die linke zusätzlich zu den Mandal-Hebeln häufig für Begleitfiguren oder rhythmische Bassnoten.

Typische Musikstile mit dem Qanun

Der Qanun ist ein Grundpfeiler des klassischen Takht-Ensembles der arabischen Kunstmusik und begleitet dort Gesang, Oud, Ney und Violine. Er spielt zudem eine zentrale Rolle im Maqam-System sowie in der Muwashshah-Liedtradition und wird in nahezu identischer Form (dort "Kanun" oder "Kanuni" genannt) auch in der türkischen Fasıl- und osmanischen Kunstmusik sowie in der armenischen und griechischen klassischen Musik eingesetzt. In jeder dieser Traditionen ist die genaue Zahl und Anordnung der Mandal-Hebel leicht unterschiedlich an das jeweilige regionale Tonsystem angepasst.

Im 20. Jahrhundert wurde der Qanun im Zuge der Institutionalisierung arabischer Musikausbildung, etwa an Konservatorien in Kairo und Beirut, zunehmend auch als eigenständiges Solo- und Konzertinstrument etabliert; heute findet er zudem Eingang in zeitgenössische Weltmusik-Fusionsprojekte, in denen er mit Jazz-, Klassik- oder elektronischen Ensembles kombiniert wird, ohne seine charakteristische mikrotonale Ausdruckskraft zu verlieren.

Bekannte Lieder mit dem Qanun

1. Simon Shaheen & Abraham Salman, Album "Taqsim" (1980er-Jahre): eine viel beachtete Aufnahme, auf der der irakisch-jüdische Qanun-Virtuose Abraham Salman gemeinsam mit dem Geiger und Oud-Spieler Simon Shaheen improvisiert; Salman gilt als einer der einflussreichsten Qanun-Musiker des 20. Jahrhunderts. 2. Julien Jalâl Eddine Weiss: französischer Qanun-Virtuose und Gründer des Ensembles Al-Kindî in Aleppo, das sich der historisch informierten Aufführung arabischer und osmanischer Kunstmusik widmet und eng mit traditionellen syrischen Meistersängern (Munshidin) zusammenarbeitete. 3. Göksel Baktagir: einer der bekanntesten türkischen Kanun-Virtuosen der Gegenwart, der über Jahrzehnte am Konservatorium der Universität Istanbul lehrte und die moderne türkische Kanun-Schule maßgeblich prägte. 4. Maya Youssef: syrisch-britische Qanun-Spielerin, deren 2017 erschienenes Album "Syrian Dreams" ihre Fluchterfahrung aus dem syrischen Bürgerkrieg musikalisch verarbeitet und international vielfach besprochen wurde, unter anderem in Radiosendungen der BBC. 5. Das Taqsim als Kunstform: Die frei improvisierte Maqam-Erkundung ist keine feste "Komposition", sondern folgt bestimmten Konventionen der Modulation zwischen verwandten Maqamat, wodurch jede Improvisation gleichzeitig frei und traditionsverbunden bleibt und von Generation zu Generation mündlich als Teil der klassischen Ausbildung weitergegeben wird.

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