Rajao

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Bild: Lee Dong Hook / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Der Rajão ist ein kleines, portugiesisches Zupf- und Schlaginstrument aus der Gitarrenfamilie mit fünf, seltener sechs Saiten, nie mit einem Bogen gespielt. Er stammt von der Insel Madeira und gehört zu den ältesten dortigen Volksmusikinstrumenten; erste Belege reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, wobei die genaue Herkunft des Instruments, möglicherweise abgeleitet von älteren portugiesischen Gitarrentypen des Festlands, nicht abschließend geklärt ist.

Der Rajão ist ein kleines, portugiesisches Zupf- und Schlaginstrument aus der Gitarrenfamilie mit fünf, seltener sechs Saiten, nie mit einem Bogen gespielt. Er stammt von der Insel Madeira und gehört zu den ältesten dortigen Volksmusikinstrumenten; erste Belege reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück, wobei die genaue Herkunft des Instruments, möglicherweise abgeleitet von älteren portugiesischen Gitarrentypen des Festlands, nicht abschließend geklärt ist. Historisch bedeutsam ist der Rajão vor allem als einer der direkten Vorläufer der Ukulele: Zusammen mit der verwandten Cavaquinho und der Braguinha brachten madeirische Auswanderer das Instrument 1879 mit dem Schiff "Ravenscrag" nach Hawaii, wo daraus die bis heute weltbekannte Ukulele entstand. Diese Auswanderungswelle stand im Zusammenhang mit dem Bedarf an Arbeitskräften auf den hawaiianischen Zuckerrohrplantagen.

Wie klingt der Rajão?

Der Rajão klingt hell, resonant und rhythmisch-perkussiv, geprägt durch seine sogenannte reentrante Stimmung, bei der die Saiten nicht durchgehend von tief nach hoch, sondern in einer gemischten Reihenfolge gestimmt sind. Das erzeugt einen charakteristischen, leicht jangeligen Akkordklang, wie man ihn ganz ähnlich von der Ukulele kennt, verbunden mit der etwas volleren Resonanz eines größeren Korpus. Gerade diese reentrante Stimmung, eher ein Merkmal der Klangfarbe als der reinen Tonhöhenlogik, gilt als eines der wichtigsten klanglichen Erbstücke, das der Rajão an die spätere Ukulele weitergab.

Woraus besteht der Rajão?

Der Rajão hat einen kleinen, gitarrenförmigen Holzkorpus von insgesamt etwa 70 Zentimetern Länge mit flacher Decke und rundem Schallloch. Die Wölbung von Decke und Boden ist meist flacher als bei einer klassischen Gitarre, was dem Instrument sein charakteristisch leichtes, helles Klangbild verleiht. Der kurze, bebundete Hals trägt fünf, gelegentlich sechs Saiten aus Darm oder Nylon, die in der reentranten Stimmung D-G-C-E-A gestimmt werden, tiefere und höhere Saiten wechseln sich dabei ab, statt fortlaufend anzusteigen.

Gestimmt wird über Wirbel oder mechanische Stimmmechaniken am Kopf des Instruments; der Korpus ähnelt optisch einer kleinen Gitarre, ist jedoch merklich schmaler und leichter als diese. Traditionell wurden die Saiten aus Tierdarm gefertigt, seit dem 20. Jahrhundert dominieren jedoch Nylonsaiten, die klimatisch stabiler und pflegeleichter sind. Damit unterscheidet sich der Rajão deutlich von seinen kleineren Verwandten Braguinha und Cavaquinho, die mit vier statt fünf Saiten und einer anderen Stimmung eher hohe, helle Melodie- und Begleitfiguren übernehmen, während der Rajão dank seiner fünften Saite ein volleres harmonisches Fundament liefert.

Wie spielt man den Rajão?

Gespielt wird der Rajão wie eine kleine Gitarre: im Sitzen auf dem Schoß gehalten, mit den Fingern oder einem Plektrum angeschlagen. Seine Hauptfunktion in der madeirischen Volksmusik ist die eines Rhythmus- und Begleitinstruments, meist werden vollständige Akkorde geschlagen (gestrummt), um den harmonischen und rhythmischen Grundpuls eines Stücks zu liefern. Die charakteristische, meist recht zügige Anschlagbewegung mit dem Daumen oder mehreren Fingern gleichzeitig erzeugt den treibenden, tänzerischen Grundpuls, der typische madeirische Volkstänze wie den Bailinho trägt.

Seltener wird der Rajão auch fingerpicking-artig gezupft, um einzelne melodische Linien oder Läufe zu spielen. In größeren Folkloreensembles übernehmen häufig mehrere Rajão-Spielerinnen und -Spieler gemeinsam die rhythmische Begleitung, während einzelne Melodieinstrumente, etwa Akkordeon oder Braguinha, die eigentliche Liedmelodie führen; diese klare Rollenteilung zwischen Rhythmus- und Melodieinstrumenten ist charakteristisch für die gesamte madeirische Ensembletradition.

Typische Musikstile mit dem Rajão

Der Rajão ist zentrales Begleitinstrument der madeirischen Folklore, insbesondere des traditionellen Tanzes "Bailinho da Madeira", der von den Ranchos Folclóricos, den lokalen Folkloregruppen der Insel, bei Festen und Umzügen aufgeführt wird. Der Bailinho selbst ist ein Paartanz im schnellen 6/8-Takt, der ursprünglich mit Werbungs- und Erntebräuchen der Insel verbunden war. Gemeinsam mit dem hölzernen Klangspielzeug "Brinquinho", der Braguinha und der Viola de Arame prägt der Rajão das typische Klangbild der madeirischen Ensembles.

International bekannter ist der Rajão heute vor allem über seine musikhistorische Rolle als einer der unmittelbaren Vorläufer der Ukulele. Diese Instrumentenlinie, von der portugiesischen Insel Madeira über hawaiianische Zuckerrohrplantagen zur weltweit populären Ukulele, zählt zu den bemerkenswertesten Beispielen dafür, wie regionale Volksmusikinstrumente durch Migration globale Bedeutung erlangen können.

Bekannte Lieder mit dem Rajão

1. "Bailinho da Madeira": der namensgebende traditionelle Volkstanz Madeiras, der paarweise getanzt und von Gesang, Rajão, Braguinha und gelegentlich Akkordeon begleitet wird. 2. Ranchos Folclóricos da Madeira: die traditionellen Folkloregruppen der Insel, die das Rajão-begleitete Repertoire bis heute pflegen; sie tragen häufig historische Trachten und treten sowohl bei lokalen Dorffesten als auch bei internationalen Folkloretreffen als kulturelle Botschafter Madeiras auf. 3. Die Ukulele-Herkunftsgeschichte: die dokumentierte Überfahrt des Rajão (zusammen mit Cavaquinho und Braguinha) 1879 mit dem Schiff "Ravenscrag" nach Hawaii; die madeirischen Einwanderer Manuel Nunes, José do Espírito Santo und Augusto Dias gelten als die Handwerker, die die ersten Ukulelen nach dem Vorbild von Rajão, Cavaquinho und Braguinha bauten. 4. Ensembles der madeirischen Folklore, in denen der Rajão gemeinsam mit dem "Brinquinho", mehreren kleinen, an einem Ständer befestigten Puppen mit Kastagnetten und Schellen -, der Braguinha und der Viola de Arame das traditionelle Klangbild der Insel erzeugt. 5. Regionale Folklorefeste Madeiras, darunter die alljährliche Festa da Flor in Funchal, bei der Folkloregruppen aus ganz Madeira traditionelle Musik und Tänze mit Rajão-Begleitung präsentieren; auch beim herbstlichen Weinfest Festa do Vinho da Madeira, das an die traditionelle Weinlese der Insel erinnert, gehören Rajão-Ensembles zum festen Bestandteil des Programms.

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