Der Ruan ist ein chinesisches Zupfinstrument aus der Familie der Lauten: ein rundes, flaches Chordophon mit bundiertem Hals und vier Saiten, das ausschließlich gezupft, nicht gestrichen wird. Seine Vorform, die "Qin-Pipa", lässt sich bis in die Qin- und Han-Dynastie zurückverfolgen und ist damit über 2000 Jahre alt. Seinen heutigen Namen erhielt das Instrument erst deutlich später, während der Tang-Dynastie: Unter der Regentschaft von Kaiserin Wu Zetian (etwa 684 bis 704 nach Christus) fand man in einem Grab in Sichuan ein kupfernes Instrument, das der Qin-Pipa ähnelte, und benannte es nach dem Musiker Ruan Xian, der drei bis vier Jahrhunderte zuvor als einer der "Sieben Weisen vom Bambushain" für sein Spiel auf einem solchen Instrument bekannt war. Der Ruan ist bis heute ein tragendes Instrument der chinesischen Ensemble- und Orchestermusik.
Wie klingt der Ruan?
Der Klang des Ruan ist warm, rund und obertonreich mit relativ langem Sustain, bedingt durch den großen, flachen runden Klangkörper. Im Vergleich zur schärferen, perkussiveren Pipa klingt der Ruan weicher und getragener; er wird in chinesischen Orchestern oft als klangliches Fundament der Zupfinstrumentengruppe eingesetzt, das Harmonie und Fülle zwischen den schärferen Instrumenten liefert.
Woraus besteht der Ruan?
Der Korpus des Ruan ist rund und flach, die Decke traditionell aus Wutong-Holz gefertigt, der lange Hals mit zahlreichen Bünden für einen chromatischen Tonumfang versehen. Bespannt ist das Instrument mit vier Saiten aus Nylon oder nylonumsponnenem Metall, gestimmt meist in Quarten oder Quinten je nach Größe. Der Ruan existiert als ganze Instrumentenfamilie unterschiedlicher Größe und Tonlage, ähnlich einer Streicherfamilie von Violine bis Kontrabass: die hohe Gaoyinruan (gestimmt g-d'-g'-d''), die kleine Xiaoruan (d-a-d'-a'), die im Orchester am häufigsten verwendete mittlere Zhongruan (G-d-g-d'), die tiefe Daruan (D-A-d-a) und die noch tiefere Diyinruan (G,-D-G-d). Jede Größe trägt vier Saiten über 24 Bünden, die jeweils zwölf Halbtöne abdecken.
Wie spielt man den Ruan?
Gespielt wird der Ruan mit den Fingern der rechten Hand oder, in der modernen Orchesterpraxis, mit einem Plektrum. Die linke Hand greift die Bünde auf dem Hals und kann durch Abziehen, Gleiten (Portamento) und Vibrato die Tonhöhe zusätzlich modulieren. Für gehaltene Töne wird häufig Tremolo eingesetzt, bei dem die Saite sehr schnell wiederholt angeschlagen wird, um den vergleichsweise kurzen natürlichen Ausklang eines Zupftons zu verlängern. Im chinesischen Orchester bilden meist mehrere Zhongruan und Daruan gemeinsam die harmonische Mittelstimme der Zupfinstrumentengruppe.
Typische Musikstile mit dem Ruan
Der Ruan ist fester Bestandteil des modernen chinesischen Orchesters (Minzu Yuedui) sowie traditioneller Kammermusikbesetzungen und wird zunehmend auch als Soloinstrument in eigens komponierten Konzerten eingesetzt.
Bekannte Lieder mit dem Ruan
Als Meilenstein des Solo-Repertoires gilt das 1962 vom Musiker und Komponisten Liu Xing geschaffene Zhongruan-Konzert "Erinnerung an Yunnan" (云南回忆), das erste eigens für Zhongruan und chinesisches Orchester komponierte Konzertwerk und bis heute fester Bestandteil der Konzertprogramme chinesischer Orchester wie des China National Traditional Orchestra und des Hong Kong Chinese Orchestra. Liu Xing selbst gilt als einer der einflussreichsten Ruan-Virtuosen und Komponisten des modernen Solorepertoires für das Instrument.
Was kostet ein Ruan?
Eine neue Zhongruan, die im Orchester am häufigsten gespielte mittlere Größe, kostet beim Musikhaus Thomann aktuell 229 Euro inklusive Tasche mit Schultergurt, Stand September 2026. Spezialisierte Händler wie Eason Music bieten daneben handverlesene Instrumente renommierter chinesischer Werkstätten an, etwa aus Peking und Shanghai, deren Preise je nach Verarbeitung deutlich höher liegen als bei einem Einsteigermodell.
Häufige Fragen zum Ruan
Was ist ein Ruan?
Ein Ruan ist ein chinesisches Zupfinstrument mit rundem, flachem Korpus, bundiertem Hals und vier Saiten aus der Familie der Lauten. Es wird ausschließlich gezupft und bildet in chinesischen Orchestern oft das klangliche Fundament der Zupfinstrumentengruppe.
Seit wann heißt das Instrument Ruan?
Das Instrument heißt seit der Tang-Dynastie Ruan, benannt nach dem Musiker Ruan Xian. Unter Kaiserin Wu Zetian, etwa 684 bis 704 nach Christus, fand man in einem Grab in Sichuan ein kupfernes Instrument, das an Ruan Xians Spielweise mehrere Jahrhunderte zuvor erinnerte, und übernahm dafür seinen Namen.
Wie viele Größen des Ruan gibt es?
Der Ruan existiert in fünf Größen: die hohe Gaoyinruan, die kleine Xiaoruan, die mittlere Zhongruan, die tiefe Daruan und die noch tiefere Diyinruan. Im Orchester wird am häufigsten die mittlere Zhongruan eingesetzt.
Was kostet ein Ruan, gebraucht oder neu?
Eine neue Zhongruan kostet beim Musikhaus Thomann aktuell 229 Euro inklusive Zubehör, Stand September 2026. Handverlesene Instrumente etablierter chinesischer Werkstätten liegen im Preis deutlich darüber.
Worin unterscheidet sich der Ruan von der Pipa?
Der Ruan klingt im Vergleich zur Pipa weicher und getragener, mit einem runden, flachen Korpus statt des birnenförmigen Pipa-Korpus. Während die Pipa in chinesischen Orchestern für schärfere, perkussivere Passagen sorgt, liefert der Ruan Harmonie und klangliche Fülle als Fundament der Zupfinstrumentengruppe.
Quellen
- Ruan (instrument), Wikipedia, abgerufen am 29. September 2026
- Thomann Chinese ZhongRuan, Thomann, abgerufen am 29. September 2026
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