Der Rebab ist ein Chordophon aus der Familie der Stachelgeigen, meist mit einem Bogen gestrichen, seltener gezupft. Seine Ursprünge liegen im persisch-arabischen Raum; schriftlich belegt ist er bereits im 8. Jahrhundert. Der Name "Rebab" (auch Rabāb) ist im gesamten islamischen Kulturraum für zahlreiche verwandte Streichinstrumente gebräuchlich, sodass die genaue Bauform je nach Region, vom Maghreb bis nach Java, teils erheblich variiert, während das Grundprinzip der Stachelgeige stets erhalten bleibt. Über die islamischen Handelsrouten verbreitete er sich anschließend bis nach Nordafrika, Zentralasien und Südostasien und gilt zudem, über das maurische Spanien vermittelt, als Vorläufer der mittelalterlichen europäischen Rebec und damit indirekt der gesamten europäischen Streichinstrumentenfamilie.
Wie klingt der Rebab?
Der Klang des Rebab ist nasal, klagend und stimmähnlich, er kommt dem menschlichen Gesang mit seinen feinen Tonhöhenschwankungen und Verzierungen näher als die meisten anderen Streichinstrumente. Diese vokale Klangqualität macht ihn besonders geeignet, Gesangsmelodien eng zu begleiten oder zu umspielen. Gerade in der javanischen Gamelan-Musik wird diese stimmähnliche Qualität bewusst genutzt, um dem Ensemble eine Art gesungene, wenn auch instrumentale Leitstimme zu verleihen.
Woraus besteht der Rebab?
Der kleine Korpus des Rebab ist je nach Region rund, boot- oder kokosnussschalenförmig und wird häufig nicht mit einer Holzdecke, sondern mit gespannter Tierhaut bespannt, was den charakteristischen, obertonreichen Klang mit erzeugt. Der lange, bundlose Hals erlaubt stufenlose Tonhöhenübergänge. In manchen nordafrikanischen Varianten ist der Korpus zusätzlich mit geometrischen Schnitzereien oder Intarsien verziert, während javanische Rebabs meist schlicht gehalten und mit einem markanten, nach oben gebogenen Kopf versehen sind.
Bespannt ist der Rebab je nach regionaler Tradition mit einer bis drei Saiten aus Seide, Darm oder Metall. Namensgebend für die Instrumentenfamilie der "Stachelgeigen" ist der Dorn (Stachel), der aus dem unteren Ende des Korpus ragt und dem Instrument beim Spielen als Standfuß auf dem Boden oder dem Oberschenkel dient.
Wie spielt man den Rebab?
Der Rebab wird aufrecht gehalten, mit dem Stachel auf dem Boden oder Oberschenkel abgestützt, während er mit einem Pferdehaarbogen gestrichen wird, ähnlich der Spielhaltung von Kemençe oder Erhu. Die linke Hand greift die Saiten auf dem bundlosen Hals, wodurch fließende Tonhöhenübergänge und die für arabische Maqamat sowie javanische Pathet-Tonsysteme charakteristischen Mikrotöne möglich werden. Der Bogen selbst wird bei manchen Bauformen nicht lose gehalten, sondern die Bogenhaare werden mit den Fingern der rechten Hand zusätzlich gespannt oder gelockert, um die Anschlagstärke während des Spiels feinfühlig zu variieren.
In der zentraljavanischen Gamelan-Tradition übernimmt der Rebab häufig die führende, elaborierende Melodiestimme des Ensembles, die eng an die menschliche Gesangsstimme angelehnt ist und den übrigen Instrumenten den melodischen Verlauf vorgibt. In arabischen und verwandten Traditionen wird er dagegen meist als Begleitinstrument zu Gesang oder im Ensemble eingesetzt; vereinzelt existieren auch gezupfte Spielweisen in bestimmten Volksmusiktraditionen.
Typische Musikstile mit dem Rebab
In der historischen arabisch-persischen Kunstmusik war der Rebab ein zentrales Melodieinstrument, bevor er dort weitgehend von Kamancheh und Geige verdrängt wurde. In der zentraljavanischen Gamelan-Musik Indonesiens dagegen ist er bis heute unverzichtbar und übernimmt dort die führende melodische Rolle innerhalb des Ensembles. Über Handelsrouten gelangte der Rebab zudem nach Zentralasien, wo verwandte Stachelgeigen bis heute in der usbekischen und tadschikischen Schaschmaqam-Tradition eine Rolle spielen.
Daneben lebt der Rebab in nordafrikanischen und zentralasiatischen Volksmusiktraditionen fort, wo verwandte Stachelgeigen weiterhin gesungene Poesie begleiten, sowie, historisch vermittelt über al-Andalus, in seiner Rolle als Vorläufer der europäischen Rebec- und Fiedeltraditionen des Mittelalters.
Bekannte Lieder mit dem Rebab
1. K.P.H. Notoprojo: ein am javanischen Hof wirkender Komponist und Musiker, der als bedeutender Rebab-Spieler der zentraljavanischen Gamelan-Tradition gilt und zugleich ein bedeutender Lehrer war, der die höfische Gamelan-Tradition Yogyakartas im 20. Jahrhundert maßgeblich dokumentierte und weitergab. 2. Die Gamelan-Hoftraditionen von Yogyakarta und Surakarta: das lebendige Zentrum des heutigen Rebab-Repertoires; beide Stilrichtungen unterscheiden sich in Tempo, Verzierungsdichte und dem genauen Zusammenspiel von Rebab und Gesang deutlich voneinander. 3. Die historische osmanisch-türkische Kunstmusik, in der der Rebab traditionell auf den Maqam Hijaz gestimmt wurde, bevor er dort größtenteils von der Kemençe abgelöst wurde; historische Miniaturen und Musiktraktate aus dem 16. und 17. Jahrhundert belegen ihn als festen Bestandteil höfischer Ensembles. 4. Nordafrikanische und andalusische Ensembletraditionen (etwa die Gharnati- und Ala-Musik), die auf die klassische andalusische Kunstmusik des maurischen Spaniens zurückgehen und nach der Reconquista von muslimischen und jüdischen Geflüchteten nach Nordafrika mitgebracht wurden. 5. Seine dokumentierte historische Rolle als Vorläufer der mittelalterlichen europäischen Rebec: Abbildungen aus dem 12. und 13. Jahrhundert zeigen bereits Rebec-ähnliche Instrumente, deren Bauweise unverkennbar auf den arabischen Rebab zurückgeht.




