Geige

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Bild: kai foret / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Geige ist das kleinste und höchstklingende Streichinstrument der Violinfamilie und wird meist mit einem Bogen gestrichen. Ihre vier Saiten stehen in Quinten auf G, D, A und E, ein Korpus aus Fichtenholz und Ahornholz verstärkt ihre Schwingung. Neben dem Bogenstrich (Arco) kennt die Spieltechnik das Zupfen (Pizzicato) und das Anschlagen der Saite mit der Bogenstange (Col legno). Die Geige bildet zusammen mit Bratsche, Cello und Kontrabass die Streichergruppe des Orchesters und trägt darin die höchste Stimme. International heißt das Instrument Violine, umgangssprachlich und in der Volksmusik meist Geige.

Die Geige ist das kleinste und höchstklingende Streichinstrument der Violinfamilie. Ihre vier Saiten stehen in Quinten auf G, D, A und E, der Bogen zieht Rosshaar quer über eine Saite und bringt sie zum Schwingen. Ein Korpus aus Fichtenholz (Decke) und Ahornholz (Boden, Zargen, Hals) verstärkt diese Schwingung und gibt ihr die charakteristische Klangfarbe. Neben dem Bogenstrich (Arco) kennt die Spieltechnik das Zupfen (Pizzicato) und das Anschlagen der Saite mit der Bogenstange (Col legno). International heißt das Instrument Violine, umgangssprachlich und in der Volksmusik meist Geige.

4Saiten
G-D-A-EStimmung in Quinten
35,5 cmKorpuslänge (4/4)
16. Jh.Entstehung in Norditalien

Wie ist eine Geige aufgebaut?

Der Korpus einer Geige besteht aus einer gewölbten Decke aus Fichtenholz und einem ebenso gewölbten Boden aus Ahornholz, verbunden durch schmale Zargen aus demselben Ahornholz. Zwei f-förmige Schalllöcher in der Decke geben dem Klang einen Weg nach außen und machen das Holz an dieser Stelle schwingfähiger. Im Inneren steht der Stimmstock, ein loser Rundstab aus Fichtenholz zwischen Decke und Boden, der die Schwingung von der Decke auf den Boden überträgt. Auf der Innenseite der Decke verläuft der Bassbalken, eine lange Holzleiste, die tiefe Frequenzen über die gesamte Deckenfläche verteilt.

Der Hals aus Ahornholz trägt ein Griffbrett aus Ebenholz ohne Bünde und endet oben im Wirbelkasten mit den vier Stimmwirbeln und der Schnecke. Der Steg aus Ahornholz steht lose auf der Decke, hält die Saiten auf Spielhöhe über dem Griffbrett und überträgt ihre Schwingung an die Decke. Am unteren Rand hält der Saitenhalter die Saiten, ein Kinnhalter an der Decke stützt das Kinn des Spielers.

MerkmalGeige
FamilieStreichinstrument, höchste Stimme der Violinfamilie
Saiten4, in Quinten gestimmt auf G, D, A, E
Korpuslänge (4/4)ca. 35,5 cm
Decke / BodenFichte / Ahorn
GriffbrettEbenholz, ohne Bünde
SpielweisenArco (Bogenstrich), Pizzicato (gezupft), Col legno (mit der Bogenstange)

Wie erzeugt die Geige ihren Ton?

Der Bogen erzeugt den Ton durch Reibung: Das mit Kolophonium eingeriebene Rosshaar greift die Saite kurz, lässt sie los und greift erneut, dieser Wechsel aus Haften und Gleiten versetzt die Saite in eine sägezahnförmige Schwingung. Die dünne Saite allein bewegt kaum Luft, deshalb überträgt der Steg ihre Schwingung auf die Decke. Die Decke schwingt großflächig mit, der Bassbalken verteilt die tiefen Anteile, der Stimmstock koppelt Decke und Boden, und der Innenraum des Korpus verstärkt das Ergebnis als Resonanzkörper. Je nachdem, wo der Bogen die Saite streicht, ändert sich der Anteil der Obertöne: Nahe am Steg klingt der Ton schärfer, nahe am Griffbrett weicher und dunkler.

Die Saite allein macht kaum Lärm, der Korpus schon. Erst die Übertragung der Schwingung über den Steg auf die große Fläche der Decke macht aus der leisen Saitenbewegung einen Ton, der einen Konzertsaal füllt.

Wie sind die Saiten der Geige gestimmt?

Die vier Saiten einer Geige stehen im Abstand einer Quinte zueinander: G, D, A und E, von der tiefsten zur höchsten Saite. Historisch bestanden alle vier Saiten aus Schafdarm, heute tragen die drei tieferen Saiten meist einen Kern aus Stahl oder Synthetikfaser mit Metallumspinnung, während die hohe E-Saite oft blank aus Stahl besteht. Jeder Stimmwirbel im Wirbelkasten spannt eine Saite über den Sattel am Halsende, über das Griffbrett und den Steg bis zum Saitenhalter, ein Feinstimmer am Saitenhalter erlaubt danach die letzte kleine Korrektur der Tonhöhe.

hoch tief E A D G Quinte Quinte Quinte
Die vier Saiten der Geige folgen von der höchsten zur tiefsten im Abstand einer Quinte aufeinander: E, A, D und G.

Was unterscheidet die Geige von Bratsche, Cello und Kontrabass?

Die Geige bildet zusammen mit der Bratsche und dem Cello die Violinfamilie und trägt darin die höchste Stimme. Die Bratsche ist größer als die Geige, um eine Quinte tiefer gestimmt und übernimmt die Altstimme der Familie. Das Cello klingt eine weitere Oktave tiefer als die Bratsche, wird sitzend zwischen den Knien gehalten und stützt sich auf einen Stachel am Boden. Der Kontrabass gehört bauartlich nicht zur Violinfamilie, sondern geht auf die ältere Gambenfamilie zurück: Seine vier Saiten stehen in Quarten statt in Quinten, gespielt wird er stehend oder auf einem hohen Hocker sitzend.

Woher stammt die Geige?

Die Geige entstand im 16. Jahrhundert in Norditalien, vermutlich aus Vorläufern wie der Rebec und der Lira da braccio. Der Cremoneser Geigenbauer Andrea Amati gilt als einer der frühesten Baumeister dieser Form: Mehrere seiner Instrumente aus den 1560er Jahren sind bis heute erhalten, darunter Exemplare aus einer Lieferung an den französischen Königshof. Im 17. und 18. Jahrhundert bauten Antonio Stradivari und die Familie Guarneri, ebenfalls in Cremona, Geigen, die bis heute als klangliches Vorbild gelten und von Solistinnen und Solisten auf Konzertbühnen gespielt werden.

Welche Musik prägt die Geige?

In der klassischen Musik trägt die Geige die erste Stimme im Streichquartett und im Orchester und tritt daneben als Soloinstrument hervor, etwa in Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten oder in den Sonaten und Partiten für Violine solo von Johann Sebastian Bach. Außerhalb der klassischen Musik heißt das Instrument meist Fiddle: Es führt die Melodie in irischer und amerikanischer Folkmusik, im Bluegrass, im Klezmer und in der Musik des Balkans. Im Jazz, Pop und Rock kommt die Geige seltener vor, dann meist als Solo- oder Begleitinstrument.

Häufige Fragen zur Geige

Wie viele Saiten hat eine Geige und wie sind sie gestimmt?

Eine Geige hat vier Saiten, gestimmt in Quinten auf G, D, A und E von tief nach hoch. Jede Saite läuft vom Stimmwirbel im Wirbelkasten über den Sattel, das Griffbrett und den Steg bis zum Saitenhalter. Die drei tieferen Saiten tragen heute meist einen Kern aus Stahl oder Synthetikfaser mit Metallumspinnung, die hohe E-Saite besteht oft aus blankem Stahl.

Was ist der Unterschied zwischen Geige und Violine?

Zwischen Geige und Violine besteht kein Unterschied im Instrument, nur in der Bezeichnung. Violine leitet sich vom italienischen violino ab und ist der Fachbegriff in der klassischen Musik, Geige ist die deutsche Bezeichnung, die vor allem umgangssprachlich und in der Volksmusik gebräuchlich ist. Orchestermusiker sprechen meist von der Violine, in der Fiddle-Tradition der Volksmusik heißt sie Geige.

Was bedeuten Pizzicato und Col legno auf der Geige?

Pizzicato bedeutet, dass der Spieler die Saite mit den Fingern zupft statt sie mit dem Bogen zu streichen, der Ton klingt dadurch kürzer und perkussiver. Col legno bedeutet, dass der Spieler mit der Holzstange des Bogens auf die Saite schlägt oder sie streift, statt das Rosshaar zu benutzen; der Ton wird dadurch trocken und leise und tritt vor allem als klanglicher Effekt in Orchesterwerken auf.

Wie schwer ist es, Geige spielen zu lernen?

Geige spielen gilt als anspruchsvoll, weil das Griffbrett keine Bünde hat: Anders als bei der Gitarre muss die linke Hand jede Tonhöhe frei mit dem Ohr finden, statt sich an einem Steg zu orientieren. Gleichzeitig führt die rechte Hand den Bogen in gleichmäßigem Druck und Tempo über die Saite, damit der Ton nicht kratzt oder abbricht. Wer mit dem Lernen beginnt, wählt eine zur Armlänge passende Bruchteilsgröße; wie diese Auswahl funktioniert, erklärt der Ratgeber Geige kaufen.

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Eine Geige für Anfänger unterscheidet sich von einem Instrument für Fortgeschrittene vor allem in der Ausstattung: Eine komplette Schülergarnitur bringt Geige, Bogen und Koffer mit, die Saiten sind meist schon aufgezogen. Ohne Kolophonium erzeugt der Bogen dabei keinen Ton, deshalb gehört es von Anfang an zur Ausrüstung. Die richtige Größe entscheidet über Haltung und Grifftechnik schon beim ersten Kauf, denn sie richtet sich nach der Armlänge und nicht nach dem Alter. Viele Familien leihen die ersten Instrumente bei einer Musikschule, weil Kinder aus ihrer Größe schnell herauswachsen. Der häufigste Fehler bleibt ein Instrument ohne Grundeinstellung beim Geigenbauer, das sich schwer stimmen und spielen lässt.

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Bei einer Geige für Kinder entscheidet die Armlänge über die richtige Bruchteilsgröße, nicht das Lebensalter: Sieben Stufen von 1/16 bis zur vollen 4/4-Größe decken den Weg vom Vorschulkind bis zum Jugendlichen ab. Weil Kinder im Wachstum mehrfach die Größe wechseln, greifen viele Familien zu Leihinstrumenten oder gebrauchten kleinen Geigen statt zum Neukauf. Bogen, Kinnhalter und Schulterstütze müssen bei jedem Wechsel in der passenden Größe mitwachsen, denn sie entscheiden über Haltung und Gewicht ebenso wie der Korpus selbst.

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Eine Geige zu kaufen bedeutet, Größe, Material, Ausstattung und Bogen gegeneinander abzuwägen. Kinder brauchen eine Bruchteilsgröße passend zur Armlänge, während massives Fichten- und Ahornholz bei Decke und Boden für einen volleren Klang sorgt als Sperrholz. Eine Schülergarnitur bündelt Geige, Bogen und Kasten als Set, und beim Bogen entscheiden Rosshaar-Bezug, Gewichtsbalance und das Stangenmaterial. Dieser Ratgeber ordnet Preisklassen als grobe Spannen und erklärt, worauf bei einer gebrauchten oder neuen Geige zu achten ist.

Geige Pflege

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Eine Geige bleibt spielbar und klingt klar, wenn Bogen, Lack und Lagerung regelmäßig die richtige Pflege bekommen. Kolophoniumstaub wischt der Spieler nach jedem Spielen mit einem trockenen Tuch von der Decke, der Lack verträgt weder aggressive Reiniger noch großzügig aufgetragene Pflegemittel, und eine stabile Luftfeuchtigkeit von etwa 40 bis 60 Prozent schützt den Holzkorpus vor Rissen und Stimmproblemen. Den Bogen neu zu beziehen, Risse im Holz zu schließen oder den Steg und den Stimmstock auszurichten, bleibt dagegen der Geigenbauwerkstatt vorbehalten.