Wer eine Geige kauft, trifft mehrere Entscheidungen zugleich: die passende Größe, ein Instrument aus geeignetem Material, eine vollständige Grundausstattung und einen Bogen, der zur Hand passt. Bei Kindern kommt die richtige Bruchteilsgröße hinzu, denn eine zu große Geige verdirbt die Haltung. Dieser Ratgeber ordnet die Kaufkriterien für Schülergeigen, nennt grobe Preisspannen und erklärt den Unterschied zwischen einer neuen und einer gebrauchten Geige. Wie eine Geige aufgebaut ist und klingt, steht im Artikel zur Geige, wie man das Spielen darauf lernt, im Artikel Geige lernen.
Welche Geigengröße braucht man beim Kauf?
Die Geigengröße richtet sich nach der Armlänge des Spielers, nicht nach dem Alter. Gemessen wird der ausgestreckte linke Arm vom Hals bis zur Mitte der Handfläche. Daraus ergeben sich Bruchteilsgrößen von 1/16 über 1/8, 1/4, 1/2 und 3/4 bis zur vollen Größe 4/4, dazwischen gibt es zusätzlich die Größe 7/8 für Erwachsene mit kleineren Händen. Eine zu groß gekaufte Geige zwingt den Arm in eine gestreckte Haltung und das Handgelenk knickt ab, eine zu klein gekaufte bremst die Entwicklung des Spielers nicht, wächst aber schneller heraus. Die genauen Armlängen je Größe und die Messmethode stehen im Artikel Geige lernen. Weil Kinder im Wachstum die Größe häufig wechseln, mieten viele Familien die ersten Instrumente, statt sie zu kaufen.
Woraus besteht eine gute Schülergeige?
Eine gute Schülergeige hat Decke und Boden aus massivem Holz: Die Decke besteht aus Fichte, Boden und Zargen aus Ahorn. Massives Holz schwingt frei über seine gesamte Fläche und reagiert auf Druck und Geschwindigkeit des Bogens, wodurch der Ton Obertöne und Tragfähigkeit entwickelt. Sehr günstige Instrumente ersetzen Decke oder Boden dagegen teils durch Sperrholz, also verleimte Holzschichten. Sperrholz dämpft die Schwingung, weil die Leimschichten zwischen den Lagen die Bewegung des Holzes bremsen, und der Ton bleibt dadurch flacher und obertonärmer. Der Unterschied bleibt über die gesamte Lebensdauer des Instruments bestehen und lässt sich nachträglich nicht beheben, deshalb lohnt sich bei der Anschaffung ein Blick auf das verwendete Holz.
Was gehört zu einer Schülergarnitur?
Eine Schülergarnitur bündelt Geige, Bogen und einen Kasten oder Koffer als gemeinsames Set, häufig ergänzt um ein Stück Kolophonium für den Bogen. Der Ausstattungsumfang ist ein eigenständiges Kaufkriterium, weil er bestimmt, was nach dem Kauf noch fehlt: Manche Angebote enthalten nur die Geige mit Kasten und keinen Bogen, andere liefern einen einfachen Bogen ohne Kolophonium mit. Ein vollständiges Set spart die separate Beschaffung dieser Teile und stellt sicher, dass Geige und Bogen zueinander passen, zum Beispiel bei der Baugröße. Der Kasten schützt das Instrument beim Transport und sollte das Innenfutter gepolstert und die Geige darin fest fixiert haben, damit sie beim Tragen nicht verrutscht.
Worauf achtet man beim Bogen einer Geige?
Der Bogen einer Geige trägt einen Bezug aus Rosshaar, der zwischen Frosch und Spitze gespannt wird und erst mit Kolophonium eingerieben genug Griff auf der Saite entwickelt, um sie zum Schwingen zu bringen. Beim Kauf zählt, dass das Haar gleichmäßig über die gesamte Breite gespannt ist und die Frosch-Mechanik die Spannung sauber verstellt. Ebenso wichtig ist die Gewichtsbalance: Ein gut balancierter Bogen liegt weder kopflastig zur Spitze noch schwer am Frosch in der Hand und lässt sich über die gesamte Länge gleichmäßig führen. Bei der Bogenstange stehen zwei Materialien zur Wahl: Holz, meist Pernambuk- oder Brasilholz, gilt als traditionelles Material mit charakteristischer Elastizität, während Carbon-Bögen unempfindlicher gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen sind, seltener sich verziehen und deshalb häufig in Einsteigersets stecken.
| Kriterium | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Größe | Armlänge entscheidet, nicht das Alter; Bruchteile von 1/16 bis 4/4, dazwischen 7/8 für Erwachsene mit kleineren Händen |
| Material von Decke und Boden | Massives Fichten- und Ahornholz schwingt frei, Sperrholz dämpft den Ton und klingt flacher |
| Ausstattungsumfang | Eine vollständige Schülergarnitur mit Geige, Bogen und Kasten im Set spart separate Anschaffungen |
| Bogen | Gleichmäßig gespanntes Rosshaar, ausgewogene Gewichtsbalance, Holz oder Carbon als Stangenmaterial |
Welche Preisklassen gibt es beim Geigenkauf?
Geigen teilen sich grob in drei Preisklassen, die sich an Holzqualität, Verarbeitung und Fertigungsaufwand unterscheiden lassen, nicht an einem festen Betrag. Die folgenden Angaben sind eine grobe Größenordnung, keine tagesaktuellen Preise.
- Einsteigerklasse: niedriger bis mittlerer dreistelliger Eurobereich, meist als Schülergarnitur mit Bogen und Kasten, mit maschinell vorgefertigten Teilen.
- Mittelklasse: oberer dreistelliger bis mittlerer vierstelliger Bereich, mit mehr Handarbeit am Korpus und feiner abgestimmtem Aufbau durch eine Werkstatt.
- Profiklasse: ab hohem vierstelligem Bereich aufwärts, handgefertigte Meisterinstrumente einzelner Geigenbauer, die deutlich darüber liegen können.
Neu oder gebraucht: worauf beim Kauf einer Geige achten?
Eine neue Geige kommt ungespielt und meist mit Garantie, eine gebrauchte Geige kostet für vergleichbare Qualität häufig weniger, verlangt aber eine genaue Prüfung vor dem Kauf. Drei Stellen zeigen den Zustand eines gebrauchten Instruments am deutlichsten.
- Risse im Holz: Feine Linien in Decke oder Boden, besonders entlang der Schalllöcher oder an den Zargen, mindern die Stabilität und den Klang und sind teuer in der Reparatur.
- Zustand des Stegs: Der Steg sollte gerade stehen, nicht zur Seite kippen und sauber auf die Wölbung der Decke geschnitten sein, sonst überträgt er die Saitenschwingung ungleichmäßig.
- Zustand der Wirbel: Die Wirbel im Wirbelkasten müssen sich leicht drehen lassen und trotzdem halten, ohne durchzurutschen. Ausgeleierte oder klemmende Wirbel gehören in eine Fachwerkstatt.
Auch eine neu gekaufte Geige klingt selten sofort optimal. Die Werkseinstellung ist meist grob gehalten. Erst wenn ein Geigenbauer Stegposition, Stimmstock und Saitenlage einrichtet, entfaltet das Instrument seinen vollen Klang.
Häufige Fragen zum Geigenkauf
Welche Geigengröße braucht ein Erwachsener?
Ein Erwachsener braucht in der Regel die volle Geigengröße 4/4, gemessen ab einer Armlänge von etwa 56 Zentimetern. Erwachsene mit kleineren Händen greifen häufiger zur Zwischengröße 7/8, die etwas kürzer mensuriert ist und sich leichter greifen lässt. Entscheidend bleibt die gemessene Armlänge, nicht ein fester Altersrichtwert.
Was kostet eine gute Einsteigergeige?
Eine gute Einsteigergeige liegt als grobe Orientierung im niedrigen bis mittleren dreistelligen Eurobereich und kommt meist als Schülergarnitur mit Bogen und Kasten. Ausschlaggebend für die Qualität in dieser Preisklasse ist vor allem, ob Decke und Boden aus massivem Holz statt aus Sperrholz gefertigt sind. Der genaue Preis hängt von Ausstattung und Anbieter ab.
Lohnt sich eine gebrauchte Geige?
Eine gebrauchte Geige lohnt sich, wenn drei Stellen vorher geprüft werden: Risse im Holz, ein gerade stehender, sauber geschnittener Steg und leichtgängige, aber haltende Wirbel. Fehlt eine dieser Prüfungen, bleiben Mängel oft unentdeckt, die erst später als Reparaturkosten auffallen. Bei Unsicherheit prüft eine Fachwerkstatt das Instrument vor dem Kauf.
Braucht eine neue Geige eine Einrichtung beim Geigenbauer?
Eine neue Geige profitiert häufig von einer Einrichtung beim Geigenbauer, weil die Werkseinstellung von Steg, Stimmstock und Saitenlage meist nur grob vorgenommen ist. Erst die Nachjustierung durch eine Fachwerkstatt bringt Klang und Bespielbarkeit auf das Niveau, das im Instrument steckt. Bei einer Schülergeige aus einem Set lohnt sich diese Prüfung besonders, da hier häufig am stärksten gespart wird.




