Der Massenmarkt für Geigen läuft über Fabrikate und Werkstätten, nicht über wenige große Markennamen wie bei E-Gitarre oder Klavier. Firmen wie Stentor, Yamaha, Gliga, Eastman und Höfner bauen oder vertreiben Serien der Geige vom Einsteiger- bis zum gehobenen Mittelklasse-Instrument, gefertigt in eigenen Werkstätten in Europa oder Asien. Historische Meistergeigenbauer wie Stradivari, Guarneri del Gesù oder Amati gehören in eine andere Kategorie: Ihre erhaltenen Originale sind museale Einzelstücke im Millionenbereich und keine Kaufoption für den heutigen Markt. Dieser Überblick nennt zu jedem Fabrikat Gründung, Herkunftsland und Positionierung im Sortiment als Fakten, nicht als Kaufempfehlung.
Wie unterscheiden sich Geigen-Marken von Marken bei anderen Instrumenten?
Der Massenmarkt für Geigen verteilt sich auf Fabrikate und Werkstätten statt auf wenige dominante Markennamen. Bei E-Gitarre, Klavier oder Schlagzeug prägen einzelne Traditionsfirmen mit eigenem Markennamen den Markt; bei der Geige übernehmen diese Rolle Hersteller, die selbst häufig aus einer einzelnen Geigenbauwerkstatt oder aus dem Handel mit Werkstattinstrumenten hervorgegangen sind. Fünf Fabrikate deckten in den vergangenen Jahrzehnten einen großen Teil des weltweiten Einsteiger- und Mittelklasse-Marktes ab: Stentor, Yamaha, Gliga, Eastman und Höfner. Jedes davon bietet innerhalb des eigenen Sortiments mehrere Serien an, von einfachen Schülergeigen bis zu Instrumenten für fortgeschrittene Laien oder Studierende.
Welche Fabrikate bauen heute Einsteiger- und Mittelklasse-Geigen?
Die folgende Tabelle ordnet die fünf Fabrikate nach Herkunftsland und grober Positionierung im eigenen Sortiment ein.
| Marke | Herkunftsland | Positionierung |
|---|---|---|
| Stentor | Großbritannien | Einsteiger- bis Mittelklasse, Fertigung seit 1995 auch in China |
| Yamaha | Japan | Einsteiger- bis gehobene Mittelklasse, Teil eines breiten Instrumentensortiments |
| Gliga | Rumänien | Einsteiger- bis Meisterklasse, in Handarbeit gefertigt |
| Eastman | USA | Einsteiger- bis Profiklasse, Fertigung in eigener Werkstatt in Peking |
| Höfner | Deutschland | Einsteiger- bis Mittelklasse, hochwertigere und Meisterinstrumente weiterhin in Deutschland gefertigt |
Welche Geigen-Fabrikate stammen aus Großbritannien und Japan?
Stentor entstand 1895 in London, als der Musikprofessor Edward C. Doughty den Namen für Darmsaiten und Kolophonium eintragen ließ. Die heutige Stentor Music Co. Ltd. formierte sich in den frühen 1960er Jahren aus der Doughty-Familie und hat ihren Sitz im britischen Reigate. Seit 1995 betreibt das Unternehmen eine eigene Fabrik im chinesischen Taixing, in der Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe für den Schulmarkt entstehen. Serien wie Student, Conservatoire und Arcadia staffeln das Sortiment vom einfachen Schulinstrument in Bruchteilsgrößen bis zum hochwertig handgearbeiteten Orchesterinstrument; welche Größe zu welchem Alter passt, erklärt der Artikel Geige lernen.
Yamaha wurde 1887 in Japan als Hersteller von Tasteninstrumenten gegründet und baute sein Sortiment im Lauf des 20. Jahrhunderts auf Blasinstrumente, Schlagzeug und Streichinstrumente aus. Die Geigenserien reichen von der Einsteigerlinie V5 bis zur höherwertigen Stufe V20 und richten sich an Schüler und fortgeschrittene Laien. Wie bei den anderen Instrumentengruppen des Konzerns steht der Name Yamaha für ein durchgängiges Sortiment vom Einsteiger- bis zum gehobenen Modell, nicht für eine auf Streichinstrumente spezialisierte Werkstatt.
Welche Geigen-Fabrikate stammen aus Rumänien und den USA?
Der Geigenbauer Vasile Gliga gründete sein Unternehmen 1991 im rumänischen Reghin, nachdem er und seine Frau Elena zuvor in der staatlichen Geigenfabrik der Stadt gelernt hatten. Das Sortiment reicht von den einfachen Serien Gems und Genial über fortgeschrittene Modelle bis zur in Handarbeit gefertigten Maestro-Reihe für Berufsmusiker. Als Tonholz verwendet die Werkstatt Fichte und Ahorn aus dem nahen Gurghiu-Tal in den Karpaten. Aus der kleinen Werkstatt wurde ein Familienunternehmen, das nach eigenen Angaben heute mehr als 3000 Geigen im Monat fertigt.
Eastman Strings entstand 1992 in den USA, gegründet vom Musiker Qian Ni zunächst als Importeur chinesisch gefertigter Geigen, Bratschen und Celli. Ab 1994 baute das Unternehmen eine eigene Werkstatt in Peking auf, in der Geigen bis heute in Handarbeit entstehen. Das Sortiment deckt eine Spanne vom Einsteigerinstrument bis zum Profimodell für Orchestermusiker und Studierende ab. Neben Streichinstrumenten fertigt Eastman seit den 2000er Jahren auch Gitarren.
Baut Höfner auch Geigen?
Höfner baut neben seinen bekannten Gitarren und Bässen bis heute auch Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe. Karl Höfner gründete das Unternehmen 1887 im böhmischen Schönbach, dem damaligen Zentrum des mitteleuropäischen Streichinstrumentenbaus, und verkaufte dort seine ersten Geigen; erst in den 1930er Jahren kam der Gitarrenbau hinzu. Nach der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus dem Sudetenland nach dem Zweiten Weltkrieg baute die Familie den Betrieb ab 1949 in Bubenreuth in Bayern neu auf, der heutige Firmensitz liegt im nahegelegenen Hagenau. Einsteigermodelle der Reihe Alfred Stingl by Höfner entstehen in einer eigenen Fabrik in Peking, mittlere und hochwertige Meisterinstrumente fertigt das Unternehmen weiterhin in Deutschland.
Warum gehören Stradivari und Guarneri nicht in diese Liste?
Stradivari, Guarneri del Gesù und Amati gehören zur Geschichte des Geigenbaus, nicht zum heutigen Kaufmarkt. Antonio Stradivari und Giuseppe Guarneri del Gesù arbeiteten im 17. und 18. Jahrhundert im italienischen Cremona, die Familie Amati bereits davor; von ihren Werkstätten sind nur einige hundert Instrumente erhalten. Diese Originale wechseln heute für Beträge im ein- bis zweistelligen Millionenbereich den Besitzer und liegen meist in Museen, Stiftungen oder bei Solisten, die sie leihweise spielen. Wer heute eine Geige für den eigenen Gebrauch sucht, kauft ein Fabrikat wie die oben genannten, keine Stradivari.
Ein Fabrikat ist kein Ersatz für eine Stradivari und keine Vorstufe dazu. Die Serieninstrumente von Stentor, Yamaha, Gliga, Eastman oder Höfner und die musealen Einzelstücke historischer Meistergeigenbauer bedienen getrennte Märkte, die sich preislich um mehrere Größenordnungen unterscheiden.
Häufige Fragen zu Geigen-Marken
Welche Marken gibt es bei der Geige?
Bei der Geige dominieren Fabrikate und Werkstätten statt einzelner großer Markennamen wie bei E-Gitarre oder Klavier. Zu den bekanntesten Fabrikaten für Einsteiger- und Mittelklasse-Geigen zählen Stentor aus Großbritannien, Yamaha aus Japan, Gliga aus Rumänien, Eastman aus den USA und Höfner aus Deutschland. Jedes bietet mehrere Serien vom Schulinstrument bis zum höherwertigen Modell an, eine Rangliste der besten Marke gibt es nicht.
Sind Stradivari-Geigen heute noch käuflich?
Erhaltene Originale von Antonio Stradivari sind käuflich, kosten aber Beträge im ein- bis zweistelligen Millionenbereich und wechseln nur selten den Besitzer, meist über spezialisierte Auktionshäuser oder Stiftungen. Für den Alltagsgebrauch kommen sie damit nicht infrage; Käufer, die eine Geige zum Spielen suchen, greifen zu einem Fabrikat wie Stentor, Yamaha, Gliga, Eastman oder Höfner.
Woher stammt die Geigenmarke Gliga?
Die Geigenmarke Gliga stammt aus Reghin in Rumänien, wo der Geigenbauer Vasile Gliga sein Unternehmen 1991 gründete. Die Werkstatt fertigt Geigen in Handarbeit aus Fichte und Ahorn der nahen Karpaten und deckt mit mehreren Serien eine Spanne vom Einsteiger- bis zum Meisterinstrument ab.
Baut Höfner neben Gitarren auch Geigen?
Höfner baut neben Gitarren und Bässen bis heute auch Geigen, Bratschen, Celli und Kontrabässe. Das Unternehmen entstand 1887 im böhmischen Schönbach als reine Geigenbauwerkstatt und nahm erst in den 1930er Jahren zusätzlich den Gitarrenbau auf.




