Die Kanklės, im deutschsprachigen Raum gelegentlich auch "Knatele" geschrieben, ist ein gezupftes Kastenzitherinstrument (Chordophon) aus Litauen und gehört zur Familie der baltischen Psalterien, zu der auch die lettische Kokles, die estnische Kannel und die finnische Kantele zählen. Der trapezförmige Korpus besteht meist aus einem einzigen, ausgehöhlten Stück Hartholz, häufig Linde, Esche, Ahorn oder Erle, mit einer dünnen Decke aus Fichtenholz, in die stern- oder blütenförmige Schalllöcher eingeschnitzt sind. Über die Decke, parallel zu ihrer Oberfläche, spannen sich traditionell 9 bis 13 Saiten, die, anders als bei Instrumenten mit Hals wie Gitarre oder Geige, ausschließlich mit den Fingern gezupft werden; ein Bogen kommt bei der Kanklės niemals zum Einsatz.
Wie klingt die Kanklės?
Der Klang der Kanklės ist hell, glockig und obertonreich, mit einem warmen, leicht schwebenden Nachklang, der durch den massiven Holzkorpus und die frei mitschwingenden Saiten entsteht. Diatonisch oder pentatonisch gestimmt, eignet sich das Instrument besonders für die vielstimmigen, sich überlagernden Melodien der litauischen Volksmusik.
Woraus besteht die Kanklės?
Die Kanklės ist ein litauisches Instrument und gehört damit zur baltischen Instrumentenfamilie, nicht, wie mitunter fälschlich behauptet, ein polnisches Instrument. Ihr Korpus wird meist aus einem einzigen Stück Hartholz gehöhlt und trapezförmig zugeschnitten; die dünne Decke aus Fichtenholz trägt die charakteristischen, oft stern- oder blütenförmigen Schalllöcher.
Die Saiten, historisch aus Darm oder Pferdehaar, heute meist aus Metall, laufen vom schmaleren, hoch gestimmten Ende des Korpus, wo sie an Stimmwirbeln befestigt sind, über einen niedrigen Steg zum breiteren Ende, wo sie an Stiften verankert sind. Es gibt weder eine Membran noch eine Klangplatte aus Metall: Die Holzdecke selbst ist der klangformende Resonanzboden. Traditionelle Instrumente besitzen 9 bis 13 Saiten, moderne Konzert-Kanklės, wie sie seit den 1960er-Jahren gebaut werden, können mit chromatischer Mechanik und zusätzlichen Registern deutlich mehr Saiten besitzen.
Wie spielt man die Kanklės?
Die Kanklės wird auf dem Schoß oder auf einem Tisch liegend gespielt. Beide Hände zupfen die Saiten: Häufig zupft eine Hand, meist die rechte, mit den Fingern oder einem kleinen Plektrum Melodie und Begleitakkorde über mehrere Saiten hinweg, während die andere Hand einzelne, nicht benötigte Saiten mit den Fingerspitzen abdämpft, sodass nur die gewünschten Töne klingen bleiben, eine für baltische Psalterien typische Technik.
Bei manchen traditionellen Spielweisen, insbesondere zur Begleitung der mehrstimmigen litauischen Sutartinės-Gesänge, wird die Kanklės auch von zwei Personen gleichzeitig gespielt oder in einfachen, sich wiederholenden Ostinato-Mustern eingesetzt. Eine Streichtechnik mit Bogen, wie sie gelegentlich fälschlich beschrieben wird, existiert bei der Kanklės nicht, ebenso wenig eine fellbespannte Membran, wie sie bei Rahmentrommeln vorkommt: Die Kanklės ist und bleibt ein reines Zupfinstrument ohne jede Membran.
Typische Musikstile mit der Kanklės
Die Kanklės ist seit Jahrhunderten in der litauischen Volksmusik verwurzelt; früheste schriftliche Erwähnungen finden sich bereits in Jonas Bretkūnas' Bibelübersetzung von 1579 bis 1590, archäologische Belege für baltische Kastenzithern reichen bis ins 11. und 12. Jahrhundert zurück. Traditionell begleitete sie Sologesang sowie die mehrstimmigen Sutartinės-Gesänge, die von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt wurden.
Im frühen 20. Jahrhundert entstand um das 1906 von Pranas Puskunigis in Skriaudžiai gegründete Kanklės-Ensemble eine Bewegung zur Pflege und Weiterentwicklung des Instruments; 1925 wurde die Litauische Gesellschaft der Kanklės-Spieler gegründet, die 1930 eine eigene Kanklės-Schule in Kaunas etablierte. Heute wird die Kanklės sowohl in traditionellen Volksmusikensembles als auch in zeitgenössischer litauischer Konzertmusik, Folk und gelegentlich in Fusion-Projekten eingesetzt.
Bekannte Lieder mit der Kanklės
- Sutaras, bekanntes litauisches Folk-Ensemble, das die Kanklės neben Sutartinės-Gesängen und anderen traditionellen Instrumenten pflegt.
- Skriaudžiai-Kanklės-Ensemble, 1906 von Pranas Puskunigis gegründet, gilt als Wiege der modernen litauischen Kanklės-Ensemblebewegung und besteht bis heute.
- Indrė Jurgelevičiūtė, Žemyna Trinkūnaitė und Regina Marozienė, zeitgenössische litauische Kanklės-Spielerinnen, die traditionelle Spieltechniken mit neueren Konzert-Repertoires verbinden.
- Dainų šventė, das große litauische Lied- und Tanzfest, bei dem Kanklės-Ensembles regelmäßig auftreten und das ebenfalls zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO zählt.




