Jiaohu

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Ein Jiaohu mit hornförmigem, schlangenhautbespanntem Resonanzkörper liegt neben seinem Bogen auf einem Tisch. Bild: KI generiert.
Ein Jiaohu mit hornförmigem, schlangenhautbespanntem Resonanzkörper liegt neben seinem Bogen auf einem Tisch. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Der Jiaohu ist ein zweisaitiges Streichinstrument aus der chinesischen Huqin-Familie, dessen Resonanzkörper aus einem Ochsenhorn statt aus Holz besteht. Gespielt wird er vor allem von der Gelao im Autonomen Gebiet Guangxi im Süden Chinas, daneben in einzelnen Gemeinden der Miao und Dong. Trotz seines Namens ist der Jiaohu kein Bassinstrument: Er liegt mit einer Quintstimmung auf a1 und e2 im mittleren bis hohen Tonbereich der Huqin-Familie und klingt heller als die verwandte Erhu.

Der Jiaohu ist ein zweisaitiges Streichinstrument aus der chinesischen Huqin-Familie, dessen Resonanzkörper nicht aus Holz, sondern aus einem Ochsenhorn besteht. Gespielt wird er vor allem von der Gelao, einer kleinen ethnischen Minderheit im Autonomen Gebiet Guangxi im Süden Chinas, sowie in einzelnen Gemeinden der Miao und Dong. Wie bei der Erhu läuft das Pferdehaar des Bogens fest zwischen den beiden Saiten hindurch, sodass sich Bogen und Instrument nicht trennen lassen. Anders als der Name vermuten lässt, ist der Jiaohu kein tiefer gestimmtes Bassinstrument der Huqin-Familie, sondern eine kleine, hoch und hell klingende Bauform.

2Saiten
OchsenhornResonanzkörper
70 cmHalslänge
GuangxiVerbreitungsgebiet

Was ist ein Jiaohu?

Der Jiaohu ist ein Mitglied der Huqin-Familie, der großen Gruppe chinesischer Stachelgeigen, zu der auch die bekanntere Erhu und die höher gestimmte Gaohu gehören. Der Name setzt sich aus jiao, Horn, und hu, der Kurzform von Huqin, zusammen und benennt damit das Baumaterial des Resonanzkörpers. In der Sprache der Gelao trägt das Instrument den Namen Bojiaoni, auf Chinesisch wird es auch als Niujiaoqin bezeichnet, wörtlich Ochsenhorn-Qin. Verbreitet ist der Jiaohu vor allem in den Kreisen Longlin, Rongshui und Sanjiang im Autonomen Gebiet Guangxi, allesamt Gebiete mit anerkannten Bevölkerungsanteilen der Gelao, Miao und Dong.

Woraus besteht der Jiaohu?

Der Resonanzkörper des Jiaohu besteht aus einem echten Ochsenhorn von etwa 20 Zentimetern Länge. Das breitere, offene Ende des Horns trägt eine Membran aus Schlangenhaut von etwa 6 bis 7 Zentimetern Durchmesser, in den Schaft des Horns sind zusätzlich Schalllöcher eingebracht. An den Resonanzkörper schließt sich ein sechseckiger Hals aus Hartholz an, der auf etwa 70 Zentimeter Gesamtlänge kommt und an der Spitze häufig mit einem geschnitzten Ochsenkopf verziert ist. Am oberen Ende sitzen zwei spulenförmige Wirbel aus Holz von rund 14 Zentimetern Länge, an denen die beiden Saiten aus Seide oder Stahl gestimmt werden. Die Saiten laufen über einen kleinen Steg aus Bambus oder Holz auf der Schlangenhautmembran. Gespielt wird der Jiaohu mit einem Bogen aus Bambus und Pferdehaar von etwa 60 Zentimetern Länge, dessen Haare wie bei der Erhu fest zwischen den beiden Saiten eingefädelt sind und sich deshalb nicht vom Instrument trennen lassen.

MerkmalJiaohu
FamilieHuqin, zweisaitiges Streichinstrument
ResonanzkörperOchsenhorn, etwa 20 cm lang
BespannungSchlangenhaut, Membran etwa 6 bis 7 cm im Durchmesser
Halssechseckiges Hartholz, etwa 70 cm lang
Saiten2, Seide oder Stahl
StimmungQuintintervall, a1 und e2
Tonumfanga1 bis a3, zwei Oktaven
BogenBambus mit Pferdehaar, etwa 60 cm lang, zwischen den Saiten eingefädelt
VerbreitungGelao, Miao und Dong in den Kreisen Longlin, Rongshui und Sanjiang, Guangxi

Wie unterscheidet sich der Jiaohu von Erhu und Gaohu?

Der Jiaohu unterscheidet sich von Erhu und Gaohu vor allem im Baumaterial des Resonanzkörpers. Die Erhu trägt einen meist sechseckigen Resonanzkörper aus Hartholz mit einer Bespannung aus Pythonschlangenhaut, die Gaohu einen kleineren, runden Holzkörper, ebenfalls mit Pythonhaut bespannt. Der Jiaohu ersetzt den Holzkörper vollständig durch ein gewachsenes Ochsenhorn und bespannt dessen offenes Ende mit gewöhnlicher Schlangenhaut statt mit Pythonhaut. Dieser Materialunterschied, nicht die Stimmung, ist das entscheidende Erkennungsmerkmal: Alle drei Instrumente liegen im mittleren bis hohen Tonbereich der Huqin-Familie, eine eigene, tiefer gestimmte Bass-Bauform mit dem Namen Jiaohu ist durch die vorliegenden Quellen nicht belegt.

Erhu Holz, sechseckig Gaohu Holz, rund Jiaohu Ochsenhorn
Erhu und Gaohu nutzen Holzkörper in unterschiedlicher Form, der Jiaohu ein echtes Ochsenhorn als Resonanzkörper.

Das Ochsenhorn ersetzt beim Jiaohu nur das Baumaterial, nicht die Stimmlage. Erhu, Gaohu und Jiaohu unterscheiden sich vor allem im Resonanzkörper; alle drei werden gestrichen und liegen im mittleren bis hohen Tonbereich der Huqin-Familie.

Wie klingt der Jiaohu und wie wird er gespielt?

Der Jiaohu klingt hoch, klar und durchsetzungsfähig, heller als die Erhu. Seine beiden Saiten sind im Quintintervall auf a1 und e2 gestimmt, der Tonumfang reicht über zwei Oktaven von a1 bis a3. Der Spieler sitzt und legt den Resonanzkörper auf den linken Oberschenkel. Die linke Hand greift die Saiten am bundlosen Hals, die rechte Hand führt den Bogen, dessen Pferdehaar zwischen den beiden Saiten liegt; der Wechsel zwischen den Saiten erfolgt wie bei der Erhu durch eine Drehung des Handgelenks, mit der die Bogenhaare gegen die jeweils andere Saite gedrückt werden. Kurze, knappe Bogenstriche sind für den Jiaohu typisch und erzeugen den hellen, perkussiven Charakter, der ihn von der weicheren Erhu abhebt.

Wer spielt den Jiaohu und wo?

Den Jiaohu spielen vor allem Musiker der Gelao in Guangxi, daneben auch Musiker aus Miao- und Dong-Gemeinden derselben Region. Innerhalb der traditionellen Ensemblemusik zu Hochzeiten und Festen übernimmt der Jiaohu häufig die führende Melodiestimme oder tritt solistisch auf. Ein Stück, das in mehreren Quellen übereinstimmend dem Jiaohu-Repertoire zugeordnet wird, trägt den Titel Kaimen, auf Deutsch etwa Die Tür öffnen. Zu einem Erfindungsjahr, einem Erbauer oder einer über die Region hinaus bekannten Aufnahme liegen keine belastbaren Angaben vor. Die vorhandene Dokumentation des Jiaohu stammt überwiegend aus chinesischen Regionalquellen zur Musik der Gelao und ist deutlich dünner als die zu Erhu und Gaohu, weshalb dieser Artikel bewusst auf Werklisten und Spielerbiografien verzichtet.

Häufige Fragen zum Jiaohu

Ist der Jiaohu ein Bassinstrument der Huqin-Familie?

Nein, der Jiaohu ist kein Bassinstrument der Huqin-Familie. Trotz seines eigenen Namens liegt er im mittleren bis hohen Tonbereich, mit einer Quintstimmung auf a1 und e2 und einem Tonumfang von zwei Oktaven bis a3. Das eigenständige Merkmal des Jiaohu ist das Baumaterial seines Resonanzkörpers, ein Ochsenhorn, nicht seine Tonlage.

Woraus besteht der Resonanzkörper des Jiaohu?

Der Resonanzkörper des Jiaohu besteht aus einem echten Ochsenhorn von etwa 20 Zentimetern Länge, dessen breiteres Ende mit einer Membran aus Schlangenhaut bespannt ist. Damit unterscheidet er sich von der Erhu und der Gaohu, die beide einen Resonanzkörper aus Holz mit einer Bespannung aus Pythonschlangenhaut besitzen.

Wer spielt traditionell den Jiaohu?

Traditionell spielen Musiker der Gelao den Jiaohu, eine ethnische Minderheit im Autonomen Gebiet Guangxi im Süden Chinas. Auch in einzelnen Gemeinden der Miao und Dong in derselben Region kommt das Instrument vor, meist als führende Melodiestimme oder solistisch in der Ensemblemusik zu Hochzeiten und Festen.

Wird der Jiaohu wie die Erhu gespielt?

Ja, der Jiaohu wird ähnlich wie die Erhu gespielt: Der Spieler sitzt, legt den Resonanzkörper auf den Oberschenkel und führt einen Bogen, dessen Pferdehaar fest zwischen den beiden Saiten eingefädelt ist. Die linke Hand greift die Saiten am bundlosen Hals, kurze und knappe Bogenstriche erzeugen den hellen, durchsetzungsfähigen Klang des Instruments.

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