Jiaohu

5 Min. Lesezeit
Redaktion

Zusammenfassung

Jiaohu ist ein traditionelles chinesisches Streichinstrument aus der großen Familie der Huqin, zu der auch die bekannte Erhu gehört. Es wird vor allem von der Gelao, einer ethnischen Minderheit in den Provinzen Guizhou und Guangxi im Süden Chinas, gespielt. Der Name Jiaohu bedeutet sinngemäß "Horn-Huqin" und verweist auf den namensgebenden Klangkörper aus einem Rinderhorn.

Jiaohu ist ein traditionelles chinesisches Streichinstrument aus der großen Familie der Huqin, zu der auch die bekannte Erhu gehört. Es wird vor allem von der Gelao, einer ethnischen Minderheit in den Provinzen Guizhou und Guangxi im Süden Chinas, gespielt. Der Name Jiaohu bedeutet sinngemäß "Horn-Huqin" und verweist auf den namensgebenden Klangkörper aus einem Rinderhorn. Wie bei der Erhu wird das Jiaohu mit einem Bogen gespielt, dessen Haare zwischen den beiden Saiten geführt werden. Der Klang des Instruments ist warm und leicht rau, mit einer für Huqin-Instrumente typischen, gesangartigen Klangfarbe. Jiaohu ist ein wichtiger Bestandteil der Musikkultur der Gelao und wird bei traditionellen Festen und Zeremonien gespielt. Die Huqin-Familie umfasst zahlreiche regionale Bogeninstrumente Chinas, die sich vor allem durch das Material ihres Resonanzkörpers und ihre Stimmung unterscheiden, von der überall bekannten Erhu bis zu kleineren, spezialisierten Bauformen wie dem Jiaohu. Während die Erhu meist einen sechseckigen Resonanzkörper aus Holz mit Schlangenhautbespannung besitzt, verwendet das Jiaohu stattdessen ein Rinderhorn als Klangkörper, was ihm seinen eigenständigen, etwas raueren Klangcharakter verleiht.

Wie klingt das Jiaohu?

Der Klang des Jiaohu ist warm, etwas rau und sehr ausdrucksstark, ähnlich dem der bekannteren Erhu, aber mit einer eigenen, dunkleren Klangfarbe, die vom Resonanzkörper aus Rinderhorn herrührt. Der Ton ist voll und resonant und trägt gut, auch ohne Verstärkung. Weil die Saiten mit einem Bogen gestrichen werden, kann der Spieler den Ton fließend halten und in der Lautstärke sowie im Ausdruck fein steuern, etwa durch Vibrato oder Gleittöne zwischen den Tonhöhen. Diese Ausdrucksfähigkeit macht das Jiaohu zu einem sehr gesanglichen Instrument, das oft eingesetzt wird, um menschliche Stimmen oder Vogelrufe nachzuahmen. Im direkten Vergleich zur Erhu, die einen helleren, singenden Ton hat, klingt das Jiaohu erdiger und bodenständiger, was gut zu seiner Rolle in der ländlichen Festmusik der Gelao passt. Manche Spieler beschreiben den Klang als näher an der menschlichen Stimme als an anderen Streichinstrumenten, weshalb das Jiaohu traditionell häufig zur Begleitung von Gesang eingesetzt wird. Da der Resonanzkörper aus Naturmaterial gefertigt ist, unterscheidet sich der Klang von Instrument zu Instrument leicht, abhängig von Größe und Form des verwendeten Horns sowie der Spannung der Schlangenhaut.

Woraus besteht das Jiaohu?

Das Jiaohu besteht aus einem Resonanzkörper, der traditionell aus einem Rinderhorn gefertigt wird. Das offene Ende des Horns ist mit Schlangenhaut bespannt, die als schwingende Membran den Klang erzeugt. An den Resonanzkörper schließt sich ein langer, sechseckiger Hals aus Hartholz an, der etwa 70 Zentimeter lang ist. Am oberen Ende des Halses sitzen zwei Stimmwirbel, an denen die beiden Saiten des Instruments befestigt sind. Die Saiten führen über den Resonanzkörper und werden mit einem Bogen aus Pferdehaar gestrichen, dessen Haare zwischen den beiden Saiten hindurchgeführt werden, wie es auch bei der Erhu üblich ist. Der Hals besitzt keine Bünde, sodass der Spieler die Tonhöhe frei mit den Fingern der linken Hand bestimmt. Die Wahl des Rinderhorns beeinflusst den Klang erheblich: Größere, dickere Hörner erzeugen einen volleren, tieferen Ton, während kleinere Hörner heller und durchsetzungsfähiger klingen. Die Schlangenhaut wird vor der Verarbeitung gereinigt und getrocknet und anschließend straff über die Öffnung des Horns gespannt, ähnlich wie bei der Bespannung der Erhu. Die beiden Saiten wurden traditionell aus Seide gefertigt, moderne Instrumente verwenden häufig auch Metall- oder Nylonsaiten, die haltbarer sind und seltener nachgestimmt werden müssen. Der sechseckige Querschnitt des Halses erleichtert dem Spieler zudem das sichere Greifen und Verschieben der linken Hand entlang des Halses, da die Kanten eine bessere Orientierung bieten als ein runder Hals. Die beiden Wirbel am oberen Ende sind meist aus Hartholz gedrechselt und werden von Hand nachgestimmt, da das Jiaohu über keine mechanischen Stimmmechaniken verfügt.

Wie spielt man das Jiaohu?

Das Jiaohu wird wie andere Huqin-Instrumente im Sitzen gespielt, wobei der Resonanzkörper auf dem Oberschenkel des Spielers ruht. Der Bogen wird mit der rechten Hand geführt, wobei die Bogenhaare zwischen den beiden Saiten liegen und je nach Bewegungsrichtung die eine oder die andere Saite zum Klingen bringen.

Mit den Fingern der linken Hand drückt der Spieler die Saiten am bundlosen Hals herunter, um verschiedene Tonhöhen zu erzeugen, ohne die Saiten dabei bis auf den Hals zu drücken. Durch feine Bewegungen der linken Hand lassen sich Vibrato und Gleittöne erzeugen, die dem Klang seinen charakteristischen, gesangartigen Ausdruck geben.

Das Spiel des Jiaohu erfordert eine ruhige Bogenführung sowie ein gutes Gehör, um die Tonhöhen ohne Bünde präzise zu treffen. Es wird traditionell innerhalb der Gelao-Gemeinschaft von erfahrenen Musikern an jüngere Spieler weitergegeben.

Das Erlernen des Jiaohu erfolgt traditionell mündlich, indem jüngere Musiker älteren Spielern zuhören und deren Fingersätze sowie Bogentechnik nachahmen, da es für viele Stücke der Gelao keine schriftliche Notation gibt. Ein erfahrener Jiaohu-Spieler kann durch minimale Änderungen im Bogendruck und in der Bogengeschwindigkeit sehr unterschiedliche Klangfarben erzeugen, von einem sanften, gesungenen Ton bis zu einem kräftigen, rhythmisch betonten Spiel, das Tänze begleitet.

Typische Musikstile mit dem Jiaohu

Das Jiaohu ist eng mit der Musik- und Festkultur der Gelao in Südchina verbunden und wird bei traditionellen Zeremonien, Erntedankfesten und geselligen Anlässen gespielt. Häufig begleitet es Gesang oder wird gemeinsam mit anderen regionalen Instrumenten in kleinen Ensembles eingesetzt. Wie andere Huqin-Instrumente eignet sich das Jiaohu besonders für melodische, gesangartige Musik und wird oft eingesetzt, um Emotionen und Stimmungen auszudrücken. In der Musik der Gelao begleitet das Jiaohu häufig rituelle Gesänge, die bei Erntedankfesten, Ahnenverehrung und anderen gemeinschaftlichen Anlässen gesungen werden. Weil die Gelao eine vergleichsweise kleine ethnische Minderheit sind, ist ihre Musiktradition heute stärker gefährdet als die größerer Bevölkerungsgruppen Chinas. Chinesische Kulturbehörden und lokale Musikschulen bemühen sich in den letzten Jahren verstärkt darum, das Spiel des Jiaohu sowie andere Elemente der Musikkultur der Gelao zu dokumentieren und an jüngere Generationen weiterzugeben, unter anderem durch Workshops und Aufnahmeprojekte. Als Instrument einer ethnischen Minderheit ist das Jiaohu heute vor allem regional bekannt und wird von Kulturinstitutionen in Guizhou und Guangxi gefördert, um die musikalische Tradition der Gelao zu bewahren.

Bekannte Lieder mit dem Jiaohu

Da das Jiaohu ein regionales Instrument der Gelao-Minderheit ist, lassen sich ihm keine zuverlässig belegten, weltweit bekannten Lieder zuordnen. Wer den Klang des Jiaohu kennenlernen möchte, findet ihn am ehesten in ethnomusikologischen Aufnahmen und Dokumentationen aus den chinesischen Provinzen Guizhou und Guangxi, die sich der Musiktradition der Gelao widmen. Auch in westlichen ethnomusikologischen Sammlungen ist das Jiaohu bislang nur begrenzt dokumentiert, da Feldforschung in den abgelegenen Bergregionen von Guizhou und Guangxi aufwendig ist. Interessierte finden am ehesten in universitären Archiven für chinesische Regionalmusik sowie in Sammlungen chinesischer Kulturinstitute weiterführendes Ton- und Bildmaterial.

Weitere Artikel in Streichinstrumente

Knatele

Knatele

Die Kanklės, im deutschsprachigen Raum gelegentlich auch "Knatele" geschrieben, ist ein gezupftes Kastenzitherinstrument (Chordophon) aus Litauen und gehört zur Familie der baltischen Psalterien, zu der auch die lettische Kokles, die estnische Kannel und die finnische Kantele zählen. Der trapezförmige Korpus besteht meist aus einem einzigen, ausgehöhlten Stück Hartholz, häufig Linde, Esche, Ahorn oder Erle, mit einer dünnen Decke aus Fichtenholz, in die stern- oder blütenförmige Schalllöcher eingeschnitzt sind.

Kontrabass

Kontrabass

Der Kontrabass ist das größte und tiefste Streichinstrument des Orchesters. Seine vier Saiten stehen in Quarten auf E, A, D und G, und er klingt eine Oktave tiefer, als die Noten ihn schreiben. Damit fällt er aus der Violinfamilie heraus: Seine Bauform geht auf die Gambenfamilie zurück. Wer ihn spielt, steht dabei oder sitzt auf einem hohen Hocker.

Kontrabass á anche

Kontrabass á anche

Der Kontrabass à anche (französisch für "Kontrabass mit Rohrblatt") ist trotz seines Namens kein Streichinstrument, sondern ein seltenes Blasinstrument mit Doppelrohrblatt. Er wurde 1868 von dem belgischen Instrumentenbauer Victor-Charles Mahillon in Brüssel entwickelt und geht auf das Ophikleide zurück, ein älteres, konisches Blechblasinstrument mit Klappen.

Lirone

Lirone

Die Lirone, auch Lira da gamba oder Lirone perfetto genannt, ist ein gestrichenes Chordophon, das Bass-Mitglied der Lira-da-braccio-Familie. Sie entstand im späten 16. und frühen 17. Jahrhundert in Italien und war vor allem in der Kirchenmusik, insbesondere in jesuitischen Kontexten, sowie im Generalbass früher Opern und Oratorien verbreitet. Anders als eine Laute ist die Lirone kein Zupf-, sondern ein Streichinstrument, das zwischen den Beinen gehalten wird wie eine Gambe oder ein Cello.