Der Kontrabass à anche (französisch für "Kontrabass mit Rohrblatt") ist trotz seines Namens kein Streichinstrument, sondern ein seltenes Blasinstrument mit Doppelrohrblatt. Er wurde 1868 von dem belgischen Instrumentenbauer Victor-Charles Mahillon in Brüssel entwickelt und geht auf das Ophikleide zurück, ein älteres, konisches Blechblasinstrument mit Klappen. Der Kontrabass à anche sollte ursprünglich das damals gebräuchliche Kontrafagott im Orchester und in Blasorchestern ergänzen beziehungsweise ersetzen, konnte sich jedoch nie durchsetzen und blieb ein Randinstrument. Heute ist er vor allem ein Museumsstück und wird nur noch von wenigen Spezialisten der historischen Instrumentenkunde gespielt. Ähnliche Konstruktionsziele verfolgte im gleichen Zeitraum auch das etwas bekanntere Kontrabass-Sarrusophon, ein ebenfalls aus Metall gefertigtes Doppelrohrblattinstrument, das der französische Militärkapellmeister Pierre-Auguste Sarrus bereits in den 1850er-Jahren entwickelt hatte und das in französischen Blasorchestern eine vergleichbare Rolle als Fagott-Ersatz einnahm. Beide Instrumente gehören zu einer ganzen Reihe von Versuchen des 19. Jahrhunderts, das eher zerbrechliche Holzfagott im Freien und in großen Besetzungen durch robustere Metallkonstruktionen zu ersetzen.
Wie klingt der Kontrabass á anche?
Der Kontrabass á anche hat einen tiefen, dunklen und kräftigen Klang, ähnlich einem Kontrafagott oder einer Tuba, jedoch mit dem charakteristischen schnarrenden Timbre eines Doppelrohrblattinstruments. Er hat eine starke Präsenz und eine reiche Resonanz, die sich durch den ganzen Raum erstreckt. Sein Ton ist ausdrucksstark und kann sowohl weich als auch kraftvoll sein, konnte sich klanglich jedoch nie wirklich gegen das etablierte Kontrafagott durchsetzen.
Woraus besteht der Kontrabass á anche?
Der Kontrabass à anche ist ein Blasinstrument mit einem langen, konisch gebohrten Metallrohr, das - ähnlich wie beim Ophikleide oder einem metallenen Kontrafagott - mehrfach auf sich selbst zurückgefaltet ist, um das Instrument in einer handhabbaren Baugröße zu halten. Der Korpus besteht aus Messing oder einer anderen Metalllegierung und ist mit einem System aus Klappen ausgestattet, ähnlich dem eines Saxophons oder Ophikleide, mit dem der Spieler die Tonlöcher öffnet und schließt. Am oberen Ende des Rohrs sitzt ein gebogenes Ansatzrohr (Bocal) aus Metall, an dessen Spitze ein Doppelrohrblatt - zwei gegeneinander schwingende Schilfblättchen - befestigt ist, mit dem der Ton erzeugt wird. Am unteren Ende des Instruments befindet sich ein weiter, trichterförmiger Schallbecher aus Metall, der den Klang abstrahlt. Ausgerollt misst das Rohr über zwei Meter, gefaltet kommt das Instrument aber auf eine Bauhöhe von rund anderthalb Metern und wiegt mehrere Kilogramm - ähnlich wie bei einem Kontrafagott oder einer Tuba.
Wie spielt man den Kontrabass á anche?
Um den Kontrabass á anche zu spielen, setzt der Musiker die Lippen um das Doppelrohrblatt am Bocal und bringt es durch Anblasen zum Schwingen, ähnlich wie bei einem Fagott oder einer Oboe. Die entstehende Schwingung wird durch das lange, gefaltete Metallrohr verstärkt und am Schallbecher abgestrahlt. Mit den Fingern beider Hände bedient der Spieler die zahlreichen Klappen am Korpus, um die Tonhöhe zu verändern. Das Doppelrohrblatt ist deutlich größer und kräftiger geschnitten als das einer gewöhnlichen Oboe oder eines Fagotts und kommt in seinen Ausmaßen eher einem Kontrafagott-Rohrblatt gleich, was einen kräftigen, gut kontrollierten Ansatz voraussetzt.
Da das Instrument groß und schwer ist, wird es beim Spielen meist auf einem Ständer oder mit einem Trageriemen abgestützt. Der Spieler benötigt außerdem einen kräftigen, gut kontrollierten Luftstrom, um das lange Rohr zum Klingen zu bringen und die tiefen Töne stabil zu halten.
Weil der Kontrabass à anche nie in großer Stückzahl gebaut wurde und heute nur noch in wenigen Sammlungen und Museen erhalten ist, wird er kaum noch gespielt und gilt unter Instrumentenkundlern als ausgesprochene Rarität. Ensembles der historischen Aufführungspraxis setzen ihn gelegentlich ein, um die Klangwelt spätromantischer Blasorchester originalgetreu zu rekonstruieren.
Insgesamt bietet der Kontrabass á anche, wo er noch zum Einsatz kommt, ein ungewöhnliches Klangbild zwischen Fagott, Tuba und Ophikleide - ein Erbe der zahlreichen Experimente mit tiefen Rohrblattinstrumenten im 19. Jahrhundert.
Typische Musikstile mit dem Kontrabass á anche
Der Kontrabass à anche wurde im späten 19. Jahrhundert vor allem für Militär- und Blasorchester in Belgien und Frankreich entwickelt, wo er die Bassgruppe der Rohrblattinstrumente verstärken sollte. Da sich parallel jedoch das robustere und klanglich etablierte Kontrafagott sowie später die Kontrabass-Tuba durchsetzten, blieb die Verbreitung des Instruments auf wenige Orchester und Ausstellungsstücke beschränkt. Victor-Charles Mahillon war neben seiner Tätigkeit als Instrumentenbauer auch Kurator der Instrumentensammlung des Brüsseler Konservatoriums und ein bedeutender früher Instrumentenkundler; seine systematische Klassifikation von Musikinstrumenten nach Klangerzeugung bildet bis heute eine Grundlage der modernen Instrumentenkunde. Erhalten gebliebene Exemplare des Kontrabass à anche finden sich heute vor allem in Instrumentensammlungen wie dem Musical Instruments Museum in Brüssel, das aus eben dieser Sammlung Mahillons hervorging.
Bekannte Lieder mit dem Kontrabass á anche
Da der Kontrabass à anche nie zu einem festen Bestandteil des Orchester- oder Kammermusikrepertoires wurde, existieren keine bekannten Werke oder Aufnahmen, die eigens für dieses Instrument komponiert wurden. Er ist heute in erster Linie ein Studienobjekt der Instrumentenkunde und in historischen Sammlungen zu sehen, weniger ein aktiv bespieltes Konzertinstrument.




