Die Rebec ist ein gestrichenes Chordophon aus dem europäischen Mittelalter. Sie entstand vermutlich im 10. bis 11. Jahrhundert und geht auf das arabische Rabāb sowie die byzantinische Lira zurück, die über das maurische Spanien (al-Andalus) den Weg nach Europa fanden. Kennzeichnend ist der schlanke, birnenförmige Korpus, der aus einem einzigen Stück Holz geschnitzt wird und deutlich schmaler ist als der einer Laute. Traditionell besitzt die Rebec drei in Quinten gestimmte, bundlose Saiten. Als einer der wichtigsten Vorläufer der Fidel und, über mehrere Zwischenstufen, auch der Violine gilt sie als zentrales Streichinstrument der mittelalterlichen Spielleute (Jongleurs) und der frühen höfischen Musik.
Wie klingt die Rebec?
Der Klang der Rebec ist hell, nasal und durchdringend, bedingt durch den kleinen, schmalen Resonanzkörper, der weniger Volumen als der einer Geige hat, dafür aber eine sehr direkte, obertonreiche Ansprache liefert. Die drei Saiten erzeugen einen eher schneidenden, tragfähigen Ton, der sich im Freien und über Sprechstimmen oder andere Instrumente hinweg gut durchsetzt. Genau diese Durchsetzungskraft machte die Rebec zu einem beliebten Begleitinstrument für Tanz und Gesang im Mittelalter.
Woraus besteht die Rebec?
Der Korpus der Rebec wird, ähnlich wie bei einer Laute, aus einem einzigen Holzstück ausgehöhlt (geschnitzt), sodass Zargen und Boden ohne Fugen ineinander übergehen; eine dünne Holzdecke wird darübergeleimt. Der kurze, bundlose Hals geht ohne klare Trennung in den Korpus über. Traditionell trägt die Rebec drei Saiten, die über einen Steg auf der Decke laufen und am unteren Ende in einem Saitenhalter befestigt sind; an der Kopfplatte werden sie über seitlich stehende Wirbel gestimmt. Spätere Renaissance-Varianten wurden gelegentlich mit vier Saiten gebaut, der historische Grundtyp bleibt jedoch dreisaitig.
Wie spielt man die Rebec?
Gespielt wird die Rebec mit einem einfachen, leicht gewölbten Bogen ohne die spätere Frosch-Mechanik moderner Streichbögen. Das Instrument wird meist gegen die Brust oder Schulter gestützt, teils auch auf dem Arm balanciert, eine feste Kinnhalter-Technik wie bei der modernen Violine gibt es nicht. Da der Hals bundlos ist, muss die linke Hand die Tonhöhen freihändig und exakt mit den Fingerspitzen greifen, ähnlich wie bei der Violine. Wegen der Quintstimmung der drei Saiten lassen sich Doppelgriffe und Bordunklänge gut realisieren, was die Rebec besonders für die Begleitung von Tanzmusik und einstimmigem Gesang geeignet macht.
Typische Musikstile mit der Rebec
Die Rebec begleitete im Mittelalter vor allem weltliche Musik: Tänze der Spielleute, höfische Unterhaltungsmusik und die Lieder von Troubadouren und Trouvères. In der Renaissance wurde sie zunehmend von der Fidel und später der Viola da Gamba und der Violine verdrängt, blieb aber in ländlichen Traditionen, etwa als Vorbild für Volksfiedel-Bauformen in Osteuropa, noch länger in Gebrauch. Heute lebt sie fast ausschließlich in der historischen Aufführungspraxis der Alte-Musik-Szene weiter.
Bekannte Lieder mit der Rebec
Da aus dem Mittelalter keine für die Rebec bestimmte Solo-Literatur mit Titeln im modernen Sinn überliefert ist, zeigt sich ihr Repertoire vor allem in der Alte-Musik-Praxis: Das Ensemble Alcatraz (mit Shira Kammen an Rebec und Fidel) und das 1977 von Benjamin Bagby und Barbara Thornton gegründete Ensemble Sequentia gehören zu den bekanntesten Interpreten mittelalterlicher Musik, die die Rebec regelmäßig einsetzen. Zum typischen Repertoire zählen anonyme Tanzsätze wie "Saltarello", "Trotto" und "Istampitta" aus der italienischen Sammlung British Library Add MS 29987 (14. Jahrhundert) sowie Rekonstruktionen der "Cantigas de Santa Maria" Alfons X. und Melodien der Troubadoure, etwa von Bernart de Ventadorn.




