Psalterium

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A medieval psaltery: shallow trapezoidal wooden box zither. Bild: KI generiert.
A medieval psaltery: shallow trapezoidal wooden box zither. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Das Psalterium ist ein Chordophon aus der Familie der Kastenzithern: ein bundloser, mit Fingern oder einem Federkiel-Plektrum gezupfter Rahmen- bzw. Kastenresonator, der als Vorläufer der heutigen Zither und des Hackbretts (Dulcimer) gilt. Der Name leitet sich vom griechischen "psallein" (zupfen) ab und ist eng mit dem biblischen Psalter verwandt, da das Instrument in mittelalterlichen Bibelillustrationen häufig König David beim Zupfen zugeordnet wurde.

Das Psalterium ist ein Chordophon aus der Familie der Kastenzithern: ein bundloser, mit Fingern oder einem Federkiel-Plektrum gezupfter Rahmen- bzw. Kastenresonator, der als Vorläufer der heutigen Zither und des Hackbretts (Dulcimer) gilt. Der Name leitet sich vom griechischen "psallein" (zupfen) ab und ist eng mit dem biblischen Psalter verwandt, da das Instrument in mittelalterlichen Bibelillustrationen häufig König David beim Zupfen zugeordnet wurde. Seine Ursprünge liegen im Nahen Osten und stehen in enger Verwandtschaft zum arabischen Qanun; über den Mittelmeerraum und den Kontakt mit al-Andalus gelangte es etwa im 12. Jahrhundert nach Europa, wo es bis um 1500 zu den wichtigsten Instrumenten der weltlichen und geistlichen Musik zählte.

Wie klingt das Psalterium?

Der Klang des Psalteriums ist hell, silbrig und obertonreich, mit dem schnellen Anklingen und raschen Abklingen, das für gezupfte Saiten typisch ist, ähnlich dem Cembalo, jedoch ohne dessen mechanisches Anschlagwerk. Da es keine Dämpfung oder Sustainfunktion besitzt, entsteht bei mehrstimmigem Spiel ein charakteristisches, leicht schimmerndes Nachklingen, das sich hervorragend mit Vielle, Harfe, Laute oder Gesangsstimmen mischt. Da die Anzahl der Saiten und damit der spielbaren Töne begrenzt ist, eignete sich das Instrument besonders für begleitende Bordun- und Akkordfunktionen sowie für einfache, sich wiederholende melodische Muster.

Woraus besteht das Psalterium?

Der Korpus besteht aus einem flachen Holzkasten, historisch meist trapezförmig, gelegentlich auch als sogenannter "Schweinskopf" mit unregelmäßiger, mehrfach eingebuchteter Kontur gebaut. Je nach Region und Epoche variierte die Größe erheblich, von kleinen, einhändig zu haltenden Modellen mit wenigen Saiten bis zu großen, tischgroßen Instrumenten mit mehreren Dutzend Saiten. Über den Resonanzkasten sind zahlreiche Darm- oder Metallsaiten gespannt, die, anders als bei Laute oder Gitarre, ohne Bünde direkt über den Steg zu den Wirbeln laufen; jede Saite erklingt daher nur in einer festen Tonhöhe.

Kleine Schallöcher in der Decke verstärken die Resonanz. Gespielt wurde das Instrument entweder auf dem Schoß liegend, auf einem Tisch oder, mit einem Riemen um den Hals gehängt, im Stehen und in Prozessionen. Aus dem später mit kleinen Hämmerchen statt mit den Fingern gespielten Psalterium entwickelte sich das Hackbrett, aus dem wiederum Klavier und Cembalo entfernte Nachfahren sind.

Wie spielt man das Psalterium?

Gespielt wird das Psalterium durch Zupfen der Saiten mit den Fingerkuppen oder mit einem kleinen Plektrum aus einer Feder- oder Hornspitze. Häufig zupfte eine Hand eine begleitende Bordun- oder Akkordstimme, während die andere die Melodie ausführte; da keine Bünde vorhanden sind, entspricht jede Saite genau einem Ton, sodass die Stimmung des Instruments die spielbare Tonleiter direkt festlegt.

Die ungewöhnliche "Schweinskopf"-Form mancher spätmittelalterlicher Psalterien ergab sich aus dem Bestreben, möglichst viele unterschiedlich lange Saiten, und damit einen möglichst großen Tonumfang, auf kleinstem Raum unterzubringen, ohne die Bespannung unpraktikabel lang werden zu lassen. In der höfischen und geistlichen Musik des Mittelalters diente das Psalterium sowohl als Soloinstrument für improvisierte Vor- und Zwischenspiele als auch als Begleitinstrument zu Gesang, Vielle oder Laute. Illustrationen in mittelalterlichen Handschriften, etwa den Cantigas de Santa Maria, zeigen es regelmäßig in genau dieser begleitenden Rolle innerhalb kleiner Ensembles.

Typische Musikstile mit dem Psalterium

Das Psalterium war ein zentrales Instrument der europäischen Musik des Hoch- und Spätmittelalters (ca. 12.-15. Jahrhundert) und begleitete sowohl weltlichen Minne- und Trobador-Gesang als auch geistliche Musik in Kirche und Kloster. Seine Verwandtschaft zum arabischen Qanun spiegelt den intensiven kulturellen Austausch der Zeit zwischen dem christlichen Europa und der islamischen Welt wider, insbesondere über das maurische Spanien (al-Andalus). Auch außerhalb Europas ist die grundlegende Bauform bis heute lebendig: Verwandte Kastenzithern wie das persische Santur oder das chinesische Yangqin, die allerdings mit Hämmerchen statt mit den Fingern gespielt werden, gehen auf denselben grundlegenden Instrumententyp zurück.

Nach 1500 verlor das Psalterium zunehmend an Bedeutung, überlebte jedoch in ländlichen Volksmusiktraditionen (etwa dem Appalachian Dulcimer in den USA oder dem Hackbrett im Alpenraum) und wird heute vor allem im Rahmen der historischen Aufführungspraxis wiederentdeckt.

Bekannte Lieder mit dem Psalterium

1. Cantigas de Santa Maria: Die unter König Alfons X. "dem Weisen" im 13. Jahrhundert zusammengestellte galicisch-portugiesische Liedsammlung umfasst über 400 Lieder mit reich illustrierten Miniaturen, von denen viele Musikerinnen und Musiker beim Spiel unterschiedlicher Saiteninstrumente zeigen, darunter auffällig häufig das Psalterium. 2. Llibre Vermell de Montserrat: Eine katalanische Pilgerlied-Handschrift aus dem 14. Jahrhundert, verfasst für Pilger auf dem Weg zum Kloster Montserrat, die unter anderem den bis heute vielaufgeführten Tanzgesang "Stella splendens" enthält. 3. Ensemble Sequentia: Das 1977 von Benjamin Bagby und Barbara Thornton gegründete Ensemble für mittelalterliche Musik gehört zu den international führenden Interpreten, die das Psalterium in originalgetreuen Rekonstruktionen einsetzen, etwa in ihrer einflussreichen Aufnahmereihe "Canticles of Ecstasy" mit Musik Hildegards von Bingen. 4. Trobador- und Trouvère-Repertoire des 12./13. Jahrhunderts: Zu den bekanntesten erhaltenen Melodien zählt "A chantar" der Trobairitz Beatriz de Dia, die in modernen Rekonstruktionen häufig mit Psalterium-Begleitung aufgeführt wird. 5. Historische Aufführungspraxis-Ensembles wie Ensemble Unicorn oder das Ensemble für frühe Musik Augsburg gehören zu einer seit den 1970er-Jahren gewachsenen Bewegung, die mittelalterliche Instrumente wie das Psalterium anhand von Bildquellen und erhaltenen Original-Exemplaren originalgetreu nachbaut.

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