Die besten Songs der 2000er sind hier nach ihrer prägenden Wirkung ausgewählt, nicht nach der Verkaufszahl. Das Jahrzehnt beginnt auf dem Höhepunkt der CD und endet mit dem Abspielen im Netz. Dieser Wechsel des Vertriebswegs verändert den Bau der Stücke selbst. Dazu kommen zwei hörbare Studioentwicklungen: der Lautheitswettlauf und die Tonhöhenkorrektur als Gestaltungsmittel.
Wonach wählt dieser Artikel die besten Songs der 2000er aus?
Der Maßstab ist die prägende Wirkung, nicht die Verkaufszahl. Drei Fragen entscheiden: Setzt der Titel eine Produktionstechnik durch? Öffnet er einem Genre ein großes Publikum? Prägt er ein Klangmerkmal, das nach ihm zum Standard wird? Verkaufszahlen bleiben außen vor, weil sich die gezählte Größe mitten im Jahrzehnt ändert.
| Merkmal | Populäre Musik der 2000er |
|---|---|
| Leitgeräte | Rechner mit Aufnahmeprogramm, Software-Instrumente, Software zur Tonhöhenkorrektur |
| Tonträger | CD zu Beginn des Jahrzehnts, ab 2003 der einzeln gekaufte Download, gegen Ende das Abspielen im Netz |
| Klangmerkmale | stark komprimierte Aufnahmen, hörbar sprunghafte Tonhöhenkorrektur, kurze instrumentale Anfänge |
| Verbreitung | Radio, Musikfernsehen, Castingformate im Fernsehen, ab Mitte des Jahrzehnts Videoportale und Netzwerkseiten |
| Stilrichtungen | Nu Metal, Deutschrap, Indie-Rock, R&B mit Tonhöhenkorrektur, Popmusik aus Castingformaten |
| Wendepunkt | 2000 höchster CD-Absatz, danach Rückgang über das ganze Jahrzehnt |
Wie veränderte der Einzeldownload die Songs der 2000er?
Der Einzeldownload löste in den 2000ern das Album als Verkaufseinheit ab. Apple eröffnete am 28. April 2003 den iTunes Music Store und verkaufte dort jeden Titel einzeln für 99 Cent. Die CD stand da schon im Rückgang: Ihr Absatz erreichte im Jahr 2000 seinen höchsten Stand und fiel danach über das ganze Jahrzehnt. Den dritten Weg eröffnete Spotify am 7. Oktober 2008 in mehreren europäischen Ländern.
Für den Bau der Stücke hat das zwei Folgen. Erstens verliert das Album als geschlossene Folge an Gewicht, weil der Käufer einzelne Titel herausnimmt. Zweitens bekommt der Anfang eines Stücks mehr Gewicht. Eine Untersuchung der amerikanischen Jahrescharts von 1986 bis 2015 misst das: Der instrumentale Anfang vor dem ersten Gesang dauerte Mitte der 80er rund 22 Sekunden, im Jahr 2015 noch etwa 5 Sekunden.
Der Vertriebsweg formte in den 2000ern den Bau der Stücke. Solange das Album die Verkaufseinheit war, durfte ein Titel Zeit lassen und aus seiner Umgebung heraus wirken. Sobald Hörer einzelne Titel aus einer Liste ziehen, entscheidet der Anfang über das Weiterhören, und die Stücke rücken ihre Hauptmelodie nach vorn.
Was ist der Lautheitswettlauf der 2000er?
Der Lautheitswettlauf ist die Steigerung des mittleren Pegels von Aufnahmen über das Jahrzehnt hinweg. Eine digitale Aufnahme hat eine feste Obergrenze, den Spitzenpegel, den kein Signal überschreiten kann. Lauter wird eine Aufnahme deshalb nicht über die Spitzen, sondern über alles darunter. Genau das leisten Kompressor und Limiter: Der Kompressor senkt die lauten Stellen ab, danach hebt eine Verstärkung das ganze Signal wieder an. Der Abstand zwischen leise und laut schrumpft, der mittlere Pegel steigt, der Spitzenpegel bleibt.
Den Anlass gibt der Vergleich: Im Radio und in einer Wiedergabeliste folgt ein Titel auf den anderen, und der lautere wirkt bei gleicher Reglerstellung durchsetzungsfähiger. Der mittlere Pegel eines Rockstücks lag in den 80ern rund 17 Dezibel unter der Obergrenze, in den 2000ern deutlich näher daran.
Verloren geht die Dynamik, also der Abstand zwischen den leisesten und den lautesten Stellen. Ein Schlagzeugschlag lebt vom kurzen, hohen Ausschlag am Anfang; senkt der Kompressor ihn ab und hebt die Verstärkung den Rest an, verliert er seinen Anschlag. Der Refrain kann nicht mehr lauter einsetzen als die Strophe, weil beide schon oben anliegen. Wer weitertreibt, schneidet die Spitzen ab, und das wird als Verzerrung hörbar. Als Beispiele gelten Californication der Red Hot Chili Peppers von 1999 und Death Magnetic von Metallica von 2008; Messreihen setzen den Höhepunkt um 2005 an.
Wie wurde die Tonhöhenkorrektur in den 2000ern zum Gestaltungsmittel?
Die Tonhöhenkorrektur wurde in den 2000ern vom Reparaturwerkzeug zum hörbaren Gestaltungsmittel. Das Verfahren misst die Tonhöhe einer Gesangsaufnahme und zieht sie auf den nächsten Ton einer eingestellten Tonleiter. Wer langsam einstellt, lässt die Stimme gleiten wie zuvor. Wer die schnellste Stufe wählt, lässt sie von Ton zu Ton springen, ohne die Zwischenstufen zu durchlaufen. An diesem Sprung erkennt das Ohr den Klang.
Cher hatte den Effekt schon 1998 eingesetzt, wie der Artikel über die besten Songs der 90er beschreibt. Breite Verwendung fand er erst danach: T-Pain machte ihn ab seinem Album Rappa Ternt Sanga von 2005 zum Kennzeichen seiner Aufnahmen, Kanye West legte 2008 auf 808s & Heartbreak den gesamten Gesang darüber.
Welche Rolle spielten Castingshows für die Hits der 2000er?
Castingshows schufen in den 2000ern einen eigenen Weg in die Charts. Bis dahin führte er über Plattenvertrag, Single und Radio; die Fernsehformate drehten die Reihenfolge um und machten die Sänger bekannt, bevor eine Aufnahme vorlag. RTL II zeigte Popstars ab dem 14. November 2000, Großbritannien Pop Idol ab 2001 und die Vereinigten Staaten dessen Fassung American Idol ab 2002. RTL startete Deutschland sucht den Superstar am 24. November 2002.
Welche Stilrichtungen prägten die Songs der 2000er?
Drei Richtungen prägen die Songs der 2000er neben der Popmusik aus den Castingformaten.
- Nu Metal verbindet heruntergestimmte Gitarren mit Sprechgesang und programmierten Rhythmusspuren. Linkin Park veröffentlichte Hybrid Theory am 24. Oktober 2000 und stellte darauf gesungene Refrains gegen gerappte Strophen. Wie das Genre entstand, beschreibt der Artikel über Nu Metal.
- Deutschrap wurde zur Massenware. Das Berliner Label Aggro Berlin entstand am 1. Januar 2001, Bushido veröffentlichte 2003 Vom Bordstein bis zur Skyline, Sido 2004 das Album Maske. Die weitere Entwicklung beschreibt der Artikel über Deutschrap.
- Indie-Rock kehrte mit kurzen Stücken, wenigen Spuren und rauem Klangbild zurück. The Strokes veröffentlichten Is This It 2001, Franz Ferdinand ihr erstes Album 2004. Arctic Monkeys wurden über die Netzwerkseite MySpace bekannt, bevor 2006 ihr erstes Album erschien. Was das Genre ausmacht, steht im Artikel über Indie.
Häufige Fragen zu den besten Songs der 2000er
Welche Technik prägte die Songs der 2000er?
Die Songs der 2000er prägten drei Entwicklungen: der Wechsel vom Album zum einzeln gekauften Download ab 2003, der Lautheitswettlauf in der Endbearbeitung und die Tonhöhenkorrektur als hörbares Gestaltungsmittel. Alle drei laufen im Rechner ab, der in diesem Jahrzehnt zum Mittelpunkt des Studios wurde.
Was ist der Lautheitswettlauf der 2000er?
Der Lautheitswettlauf bezeichnet die Steigerung des mittleren Pegels von Aufnahmen. Weil der Spitzenpegel digital fest begrenzt ist, senken Kompressor und Limiter zuerst die lauten Stellen ab, danach hebt eine Verstärkung das ganze Signal an. Die Aufnahme wirkt lauter, verliert aber den Abstand zwischen leise und laut. Messreihen setzen den Höhepunkt dieser Entwicklung um 2005 an.
Wie veränderte der Download die Songs der 2000er?
Der Download löste ab 2003 das Album als Verkaufseinheit ab. Weil Hörer Titel einzeln kauften, verlor die Reihenfolge auf dem Album an Bedeutung. Zugleich bekam der Anfang eines Stücks mehr Gewicht, denn in einer Liste einzelner Titel entscheiden die ersten Sekunden über das Weiterhören.
Warum nennt dieser Artikel kaum Chartplatzierungen der 2000er-Songs?
Chartplatzierungen aus den 2000ern lassen sich schlecht vergleichen, weil sich die gezählte Größe mitten im Jahrzehnt ändert. In Großbritannien zählten Downloads ab April 2005 nur neben einer physischen Ausgabe mit, erst ab dem 1. Januar 2007 zählte jeder Download. Andere Länder stellten zu anderen Zeitpunkten um. Dieser Artikel begründet seine Auswahl deshalb mit der prägenden Wirkung eines Titels.




