Indie

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Redaktion
Eine Person steht vor einem Fenster in einem grün gestrichenen Zimmer, daneben ein Verstärker und eine Gitarre. Foto: franciscarcassi / Pixabay.
Eine Person steht vor einem Fenster in einem grün gestrichenen Zimmer, daneben ein Verstärker und eine Gitarre. Foto: franciscarcassi / Pixabay.

Zusammenfassung

Indie ist die Kurzform von independent und beschreibt zuerst eine Produktionsweise, nicht einen Klang: die Veröffentlichung unabhängig von den großen Plattenfirmen. Der Begriff entstand Ende der 1970er Jahre in Großbritannien, und die britische Independent-Chart zählte ab 1980 nach Vertriebsweg statt nach Musik. Erst in den 1980er Jahren kam eine Klangvorstellung hinzu, für die klare wenig verzerrte Gitarren, zurückgenommene Produktion und ungewöhnliche Songformen stehen. Beide Bedeutungen sind bis heute gleichzeitig in Gebrauch.

Indie beschreibt zuerst eine Produktionsweise und erst danach einen Klang. Das Wort ist die Kurzform von independent, also unabhängig, und meinte ursprünglich Platten, die ohne eine der großen Plattenfirmen erschienen. Diese Bedeutung entstand Ende der 1970er Jahre in Großbritannien. Weil die unabhängigen Labels mit kleinen Budgets arbeiteten, klangen ihre Aufnahmen anders als die der Konzerne, und in den 1980er Jahren wurde aus der Vertriebsangabe zusätzlich eine Klangvorstellung.

1970erEntstehung
2Bedeutungen
1980erste Independent-Chart
GitarreLeitinstrument

Was ist Indie?

Indie bezeichnet Musik, die unabhängig von den großen Plattenfirmen erscheint, und daneben einen Klang, der aus dieser Arbeitsweise entstanden ist. Die erste Bedeutung ist eine Aussage über den Weg einer Platte vom Studio zum Käufer. Die zweite ist eine Aussage über das, was aus den Lautsprechern kommt. Beide Bedeutungen sind heute gleichzeitig in Gebrauch, und sie widersprechen sich regelmäßig.

MerkmalIndie
EntstehungszeitEnde der 1970er Jahre
EntstehungsortGroßbritannien, ab den 1980er Jahren auch die USA
Typische BesetzungE-Gitarre, Bassgitarre, Schlagzeug, Gesang, oft ein Keyboard
Prägende MerkmaleVeröffentlichung unabhängig von großen Plattenfirmen, klare wenig verzerrte Gitarren, zurückgenommene Produktion, ungewöhnliche Songformen
Wichtige SubgenresIndie-Rock, Indie-Pop, Indie-Folk, Lo-Fi
Wortherkunftenglisch independent, unabhängig

Woher stammt der Begriff Indie?

Der Begriff Indie stammt aus Großbritannien am Ende der 1970er Jahre. Im Umfeld des Punk gründeten Musiker und Plattenhändler eigene Labels, weil die Konzerne ihre Musik nicht veröffentlichen wollten und weil eine Single in kleiner Auflage bezahlbar geworden war. Rough Trade, Factory Records und Mute entstanden alle 1978. Sie pressten kleine Auflagen, verkauften über eigene Vertriebe und behielten die Rechte an den Aufnahmen.

Ab 1980 führte die britische Musikpresse eine eigene Independent-Chart. Sie zählte Verkäufe von Platten, die über unabhängige Vertriebe liefen, und war damit eine Liste nach Vertriebsweg. In den 1980er Jahren setzten sich einige Gitarrenbands dieser Labels beim Publikum durch. Weil deren Aufnahmen ähnliche Merkmale teilten, begannen Hörer, Indie auch als Beschreibung eines Klangs zu benutzen.

Warum bedeutet Indie zweierlei?

Indie bedeutet zweierlei, weil sich die Ursache und ihre Folge voneinander gelöst haben. Die Ursache war wirtschaftlich: wenig Geld, wenig Studiozeit, kleine Auflagen. Die Folge war klanglich: weniger Spuren, weniger Nachbearbeitung, hörbarer Raum. Als andere diesen Klang absichtlich nachbauten, war er von der wirtschaftlichen Lage unabhängig geworden.

Daraus entstehen zwei Aussagen, die beide stimmen und sich trotzdem beißen. Eine Band bei einem Konzern kann nach Indie klingen. Eine Band ohne Vertrag kann Techno oder Metal machen und ist im ursprünglichen Wortsinn genauso indie. Wer den Begriff benutzt, sollte deshalb sagen, welche der beiden Bedeutungen er meint.

Indie ist zuerst eine Vertriebsangabe, kein Klang. Die britische Independent-Chart zählte ab 1980, welche Platten über unabhängige Vertriebe verkauft wurden. In dieser Liste standen Punk, Synthiepop und Gitarrenmusik nebeneinander, weil sie den Vertriebsweg maß und nicht die Musik. Die Klangbedeutung kam erst dazu, als sich in den 1980er Jahren bestimmte Gitarrenbands dieser Labels durchsetzten.

Wie erscheint eine Indie-Platte?

Eine Indie-Platte erscheint ohne die Vorleistung eines Konzerns und damit ohne dessen Gegenleistung. Der Künstler bezahlt die Aufnahme selbst oder über ein kleines Label, veröffentlicht über einen unabhängigen Vertrieb und behält meist die Rechte an den Aufnahmen. Bei einem Vertrag mit einer großen Plattenfirma läuft es umgekehrt: Sie streckt Studiokosten und Werbung vor, verlangt dafür aber Verwertungsrechte und Mitsprache bei den Aufnahmen.

Major Konzern Vertrag mit einer großen Plattenfirma Vorschuss, Studio, Produzent Vertrieb und Werbung über den Konzern Rechte meist beim Label Indie unabhängig Aufnahme im kleinen Studio oder zu Hause eigenes Geld, kein Vorschuss kleines Label oder Eigenvertrieb Rechte meist beim Künstler Der Begriff Indie benennt die untere Reihe. Über den Klang der Musik sagt er zunächst nichts.
Beide Wege führen zur veröffentlichten Platte. Sie unterscheiden sich darin, wer die Aufnahme bezahlt, wer über sie entscheidet und bei wem die Rechte am Ende liegen.

Woran erkennt man den Indie-Klang?

Den Indie-Klang erkennt man an einer Produktion, die weniger tut als möglich wäre. Vier Merkmale kehren wieder.

  • Klare Gitarren: Die E-Gitarre läuft mit wenig oder ohne Verzerrung, häufig mit Hall oder Chorus. Einzelne Töne eines Akkords bleiben dadurch unterscheidbar.
  • Zurückgenommene Produktion: Wenige Spuren, wenig Kompression, hörbarer Raum. Kleine Ungenauigkeiten im Spiel bleiben stehen, statt korrigiert zu werden.
  • Ungewöhnliche Songformen: Teile mit ungleicher Länge, Stücke ohne wiederkehrenden Refrain, Übergänge ohne den Aufbau, den ein Radioformat verlangt.
  • Kleine Besetzung: Gitarre, Bassgitarre, Schlagzeug und Gesang genügen. Ein Keyboard kommt dazu, ein Orchester so gut wie nie.

Welche Spielarten gehören zum Indie?

Zum Indie gehören vier Spielarten, die den Begriff jeweils mit einem eigenen Klang füllen.

  • Indie-Rock: Die Besetzung des Rock mit lauteren Gitarren, aber ohne den geglätteten Klang großer Rockproduktionen.
  • Indie-Pop: Kurze Stücke, klare Melodien, helle Klangfarben, oft mit dünner geführtem Gesang.
  • Indie-Folk: Die akustische Besetzung des Folk trifft auf die zurückgenommene Produktion des Indie. Viele Stücke stehen einem Singer-Songwriter näher als einer Band.
  • Lo-Fi: Die Aufnahmetechnik bleibt absichtlich einfach. Rauschen, Bandsättigung und Raumhall gelten als Teil des Stücks und nicht als Fehler.

Häufige Fragen zu Indie

Was bedeutet Indie in der Musik?

Indie ist die Kurzform von independent und bedeutet in der Musik zweierlei. Ursprünglich bezeichnet der Begriff Veröffentlichungen, die ohne eine der großen Plattenfirmen erscheinen, also eine Produktions- und Vertriebsweise. Seit den 1980er Jahren steht er zusätzlich für einen Klang mit klaren Gitarren, zurückgenommener Produktion und ungewöhnlichen Songformen.

Ist Indie ein Genre oder eine Produktionsweise?

Indie war zuerst eine Produktionsweise und wurde erst später auch ein Genre. Die britische Independent-Chart zählte ab 1980 Platten nach ihrem Vertriebsweg, weshalb dort Punk, Synthiepop und Gitarrenmusik nebeneinander standen. Erst als sich in den 1980er Jahren bestimmte Gitarrenbands unabhängiger Labels durchsetzten, verband das Publikum den Begriff mit einem bestimmten Klang.

Wie klingt Indie-Musik?

Indie-Musik klingt in ihrer heutigen Bedeutung nach klaren, wenig verzerrten Gitarren und einer Produktion, die den Raum hörbar lässt. Typisch sind wenige Spuren, wenig Kompression und kleine Ungenauigkeiten, die stehen bleiben. Dazu kommen Songformen, die vom Schema aus Strophe und Refrain abweichen, etwa Teile ungleicher Länge oder Stücke ohne wiederkehrenden Refrain.

Kann ein Künstler bei einer großen Plattenfirma Indie sein?

Im Wortsinn nicht, im heutigen Sprachgebrauch schon. Wer bei einem Konzern unter Vertrag steht, veröffentlicht nicht unabhängig und erfüllt die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs nicht. Weil Indie inzwischen aber auch einen Klang bezeichnet, gelten Bands mit klaren Gitarren und zurückgenommener Produktion als Indie, unabhängig davon, wer ihre Platten vertreibt.

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