Dudelsack ist der deutsche Sammelbegriff für eine ganze Familie von Instrumenten, die Fachleute Sackpfeifen nennen. Allen gemeinsam sind ein luftdichter Sack als Windspeicher, eine Spielpfeife mit Grifflöchern für die Melodie und meist eine oder mehrere Bordunpfeifen, die einen gleichbleibenden Ton halten. Den Ton erzeugen in allen klingenden Pfeifen Rohrblätter, weshalb der Dudelsack zu den Rohrblattinstrumenten zählt. Die bekannteste Bauform ist der Große Hochland-Dudelsack aus Schottland.
Wie ist ein Dudelsack aufgebaut?
Ein Dudelsack besteht aus vier Baugruppen: dem Sack, der Luftzufuhr, der Spielpfeife und den Bordunpfeifen. Der Sack besteht traditionell aus Ziegen- oder Schafleder, moderne Instrumente nutzen synthetische Materialien. Beim schottischen Hochland-Dudelsack verdeckt ihn ein Bezug aus kariertem Tartanstoff.
Über ein Blasrohr füllt der Spieler den Sack mit Luft, ein Rückschlagventil hält sie darin. Bei einigen Bauformen übernimmt ein Blasebalg unter dem Arm diese Aufgabe, etwa bei den irischen Uilleann Pipes.
Die Spielpfeife, auf Englisch Chanter, trägt die Grifflöcher für die Melodie. Die Bordunpfeifen klingen dagegen auf einem festen Ton, den der Spieler nur beim Stimmen verändert. Beim Hochland-Dudelsack sitzt in der Spielpfeife ein Doppelrohrblatt und in jeder Bordunpfeife ein einfaches Rohrblatt; andere Sackpfeifen kombinieren das anders. Die Rohrblätter fertigen die Hersteller aus Schilfrohr, zunehmend auch aus Kunststoff.
Wie klingt ein Dudelsack?
Der Dudelsack klingt laut, durchdringend und mehrstimmig, weil Spielpfeife und Bordunpfeifen ständig gleichzeitig erklingen. Über dem stehenden Bordunton hebt sich die Melodie deutlich ab.
Einzelne Töne kann der Dudelsack weder anschwellen noch verklingen lassen: Der Druck im Sack bleibt konstant, und mit ihm die Lautstärke. Auch eine Pause zwischen zwei gleichen Tönen gibt es nicht, weil die Luft nie abreißt.
Wie ein Dudelsack klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:
Welche Dudelsäcke gibt es?
Dudelsäcke gibt es in fast jeder europäischen Volksmusiktradition. Sie unterscheiden sich in Größe, Stimmung, Zahl der Bordunpfeifen und Art der Luftzufuhr, folgen aber alle demselben Prinzip aus Sack, Spielpfeife und Bordun.
Der Große Hochland-Dudelsack aus Schottland ist die lauteste und bekannteste Form; er trägt drei Bordunpfeifen und klingt vor allem im Freien. Die irischen Uilleann Pipes füllt ein Blasebalg, sie klingen leiser und tragen zusätzlich Regulatoren, mit denen der Spieler Akkorde dazuspielt. In Spanien und Portugal ist die Gaita verbreitet, in Südwestfrankreich die Boha.
Wie spielt man Dudelsack?
Der Spieler bläst zuerst den Sack auf, klemmt ihn unter den Arm und presst ihn gleichmäßig zusammen. Der Arm hält den Druck, während der Spieler zwischendurch nachbläst; nur so bleibt der Ton stabil.
Die Melodie greifen beide Hände auf der Spielpfeife. Weil der Luftstrom nicht abreißt, kann der Spieler zwei gleiche Töne nicht durch Absetzen trennen. Stattdessen schiebt er kurze Verzierungen dazwischen, die Gracenotes und Doublings heißen und zugleich den Rhythmus betonen.
Vor dem Spiel stimmt der Spieler die Bordunpfeifen auf die Spielpfeife, indem er an jeder Pfeife einen Stimmzylinder verschiebt.
Wie schwer ist Dudelsack lernen?
Dudelsack lernen beginnt fast immer ohne Sack: Anfänger üben Griffe und Verzierungen monatelang auf einem Practice Chanter, einer leisen Übungspfeife ohne Sack und Bordune. Erst danach kommt das vollständige Instrument dazu.
Der Grund liegt in der Luftführung: Sack füllen, Druck halten und gleichzeitig sauber greifen lässt sich schlecht nebeneinander lernen.




