Der Große Hochland-Dudelsack ist die weltweit bekannteste Bauform des Dudelsacks, in der Fachsprache einer Sackpfeife. Drei Bordunpfeifen, zwei in Tenorlage und eine in Basslage, halten neben der Spielpfeife (Chanter) mit Doppelrohrblatt einen gleichbleibenden Grundton. Ein Luftsack unter dem Arm des Spielers speichert die Atemluft, sodass der Ton nie abreißt. Ursprünglich das Instrument schottischer Highland-Regimenter, klingt der Große Hochland-Dudelsack heute bei Highland Games, Militärzeremonien und internationalen Pipe-Band-Wettbewerben rund um die Welt.
Wie ist der Große Hochland-Dudelsack aufgebaut?
Der Große Hochland-Dudelsack besteht aus einem Luftsack, einem Blasrohr, der Spielpfeife und drei Bordunpfeifen. Der Spieler füllt den Sack mit dem Mund über das Blasrohr, ein Rückschlagventil hält die Luft darin, sobald der Arm den Sack zusammenpresst. Der Chanter ist konisch gebohrt und trägt am sackseitigen Ende ein Doppelrohrblatt aus zwei Schilfrohrblättern; acht Grifflöcher, sieben vorne und eines für den Daumen hinten, legen die Tonhöhe fest. Jede Bordunpfeife trägt dagegen ein einfaches Rohrblatt, sitzt einzeln an einem eigenen Stutzen des Sacks und lässt sich über einen Stimmzylinder auf den Chanter abstimmen. Hersteller fertigen Sack, Blasrohr, Chanter und Bordunpfeifen heute meist aus Afrikanischem Blackwood, einem sehr dichten Tropenholz.
| Merkmal | Großer Hochland-Dudelsack |
|---|---|
| Familie | Sackpfeife, mundgeblasen |
| Herkunft | Schottisches Hochland |
| Bordunpfeifen | drei: zwei Tenor, ein Bass, alle auf A gestimmt |
| Spielpfeife | Chanter, konisch, Doppelrohrblatt, 8 Grifflöcher |
| Tonumfang | 9 Töne, tiefes G bis hohes A |
| Stimmhöhe | rund 480 Hz, über Kammerton 440 Hz |
| Material | meist Afrikanisches Blackwood |
Welchen Tonumfang hat der Große Hochland-Dudelsack?
Der Große Hochland-Dudelsack deckt neun Töne ab, von tiefem G bis hohem A, die Piper als tiefes G, tiefes A, B, C, D, E, F, hohes G und hohes A benennen. Die Tonfolge liegt nahe an A-Mixolydisch mit einer abgeflachten Septime, klingt durch die hohe Stimmung des Instruments aber deutlich höher, als die Notennamen vermuten lassen. Weil der Winddruck im Sack konstant bleibt, kann der Chanter weder leiser noch lauter werden und auch keinen Ton durch Absetzen der Zunge abtrennen. Kurze Vorschläge, in der Fachsprache Grace Notes, übernehmen stattdessen die Rolle von Lautstärke und Phrasierung und setzen gleiche, aufeinanderfolgende Töne hörbar voneinander ab.
Der Kammerton des Großen Hochland-Dudelsacks liegt bei rund 480 Hertz statt bei den üblichen 440 Hertz. Diese hohe Stimmung erklärt zusammen mit dem konstanten Winddruck aus dem Sack den lauten, durchdringenden Klang, der das Instrument von leiseren, mit Blasebalg gefüllten Dudelsäcken wie den irischen Uilleann Pipes unterscheidet.
Wodurch unterscheidet sich der Große Hochland-Dudelsack von anderen Dudelsäcken?
Drei einzeln am Sack angeschlossene Bordunpfeifen unterscheiden den Großen Hochland-Dudelsack von vielen anderen Bauformen der Dudelsack-Familie. Der niederländische Doedelzak bündelt zwei oder mehr Bordune in einem einzigen Stock, die bulgarische Gaida kommt sogar mit nur einer einzigen Bordunpfeife aus. Auch die Luftzufuhr trennt die Bauformen: Ausschließlich der Mund über das Blasrohr füllt den Sack des Großen Hochland-Dudelsacks, während etwa die irischen Uilleann Pipes einen Blasebalg am Arm nutzen.
Welche Rolle spielte der Große Hochland-Dudelsack beim Militär?
Schottische Highland-Regimenter brachten den Großen Hochland-Dudelsack ab dem 18. Jahrhundert ins britische Militär. Clanchefs, die für die Krone Regimenter aufstellten, nahmen zwischen 1740 und 1840 ihren persönlichen Piper mit in die Schlacht; das britische Kriegsministerium erkannte den Rang des Pipers offiziell erst 1854 an. Black Watch und Scots Guards unterhielten die ältesten bekannten Pipe Bands Schottlands. Am 6. Juni 1944 ging der britische Piper Bill Millin am Sword Beach in der Normandie unbewaffnet an Land und spielte auf Befehl seines Kommandeurs Highland-Melodien, während um ihn herum gekämpft wurde. Bis heute stellt das Royal Regiment of Scotland eigene Piper für Zeremonien, Paraden und Beerdigungen.
Was ist Piobaireachd?
Piobaireachd, auch Ceol Mor (die große Musik) genannt, ist die klassische Solotradition des Großen Hochland-Dudelsacks. Ein Stück besteht aus einem Grundthema, dem Urlar, und einer Folge von Variationen, die in Tempo und Verzierungsdichte zunehmen und am Ende zum Urlar zurückkehren; eine einzelne Piobaireachd kann acht bis fünfundzwanzig Minuten dauern. Die Gattung entstand über Generationen professioneller Piper-Familien, allen voran die MacCrimmons von der Isle of Skye, die zwischen 1600 und 1825 als erbliche Piper des Clans MacLeod wirkten und ab etwa 1670 in Borreraig eine eigene Pfeiferschule betrieben. Anders als Märsche, Strathspeys und Reels der Pipe Bands spielt ein einzelner Piper die Piobaireachd traditionell allein, ohne Begleitung durch Trommeln oder weitere Dudelsäcke.
Welche Wettbewerbe prägen den Großen Hochland-Dudelsack?
Zwei Solowettbewerbe gelten unter Pipern als die angesehensten der Welt: die Argyllshire Gathering im schottischen Oban im August und das Northern Meeting im schottischen Inverness im September. Beide vergeben in der Piobaireachd-Wertung eine Goldmedaille, gestiftet 1848 von der Highland Society of London. Für Pipe Bands bildet die World Pipe Band Championship den höchsten Wettbewerb; sie wird seit 1947 nach den Regeln der Scottish Pipe Band Association ausgetragen und findet heute jährlich im August auf dem Glasgow Green statt.
Wo wird der Große Hochland-Dudelsack heute außerhalb Schottlands gespielt?
Über das britische Empire verbreitete sich der Große Hochland-Dudelsack weit über Schottland hinaus. Streitkräfte, die sich am britischen Vorbild ausrichten, unterhalten bis heute eigene Pipe Bands, darunter die Armeen Indiens, Pakistans, Sri Lankas, Jordaniens, Omans und Ugandas; in Indien führt praktisch jedes Infanteriebataillon eine eigene Pipes-and-Drums-Band. Auch Polizei- und Feuerwehrbands in Kanada, den USA, Australien, Neuseeland und Hongkong spielen den Großen Hochland-Dudelsack bei Zeremonien und Beerdigungen, eine Tradition, die schottische Auswanderer dort begründeten. In Nordindien hat sich zusätzlich eine eigenständige, zivile Bagpipe-Band-Szene entwickelt, die bei Hochzeiten mit Tanz auftritt.
Häufige Fragen zum Großen Hochland-Dudelsack
Wie viele Grifflöcher hat der Große Hochland-Dudelsack?
Der Große Hochland-Dudelsack hat acht Grifflöcher am Chanter, sieben auf der Vorderseite und eines für den Daumen auf der Rückseite. Zusammen mit dem vollständig geschlossenen Griff ergeben sich neun spielbare Töne von tiefem G bis hohem A.
Warum klingt der Große Hochland-Dudelsack so laut?
Der Große Hochland-Dudelsack klingt laut, weil seine Stimmhöhe von rund 480 Hertz deutlich über dem üblichen Konzertton von 440 Hertz liegt und der konstante Winddruck aus dem Sack Chanter und Bordunpfeifen ununterbrochen mit voller Lautstärke versorgt. Der Spieler kann den Ton weder leiser regeln noch abschwellen lassen, deshalb kam das Instrument historisch vor allem im Freien und beim Militär zum Einsatz.
Was bedeutet Piobaireachd beim Großen Hochland-Dudelsack?
Piobaireachd, auch Ceol Mor genannt, ist die klassische Solotradition des Großen Hochland-Dudelsacks: ein Grundthema, der Urlar, und darauf aufbauende Variationen, die zusammen bis zu fünfundzwanzig Minuten dauern können. Die Gattung geht auf professionelle Piper-Familien wie die MacCrimmons von der Isle of Skye zurück und wird traditionell solo ohne Begleitung gespielt.
Wo außerhalb Schottlands spielt man den Großen Hochland-Dudelsack?
Außerhalb Schottlands spielen vor allem Streitkräfte sowie Polizei- und Feuerwehrbands den Großen Hochland-Dudelsack, die sich am britischen Vorbild ausrichten, darunter in Indien, Pakistan, Uganda, Kanada, den USA, Australien und Neuseeland. In Indien unterhält praktisch jedes Infanteriebataillon eine eigene Pipes-and-Drums-Band, und in Nordindien tritt das Instrument zusätzlich in einer eigenständigen zivilen Tradition bei Hochzeiten auf.




