Bombarde

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Bild: Ayush Parasher / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Bombarde ist ein bretonisches Holzblasinstrument mit großem Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Rohr aus der Familie der Kegeloboen. Ihr lauter, durchdringender Klang entsteht, weil die Lippen des Spielers ohne Windkapsel direkt auf dem Rohrblatt liegen. Traditionell spielt sie im Duo mit dem Dudelsack Biniou kozh, der eine Oktave höher klingt und die Melodie in ihren Atempausen fortführt. Bis heute prägt die Bombarde das bretonische Tanzfest Fest-Noz und die Bagadoù genannten Blasorchester.

Die Bombarde ist ein bretonisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Rohr, das zur Familie der Kegeloboen zählt und eng mit Schalmei und Oboe verwandt ist. Sie klingt sehr laut und durchdringend, weil das große Rohrblatt ohne Windkapsel direkt zwischen den Lippen des Spielers liegt. Traditionell tritt die Bombarde im Duo mit dem bretonischen Dudelsack Biniou kozh auf, der eine Oktave höher klingt und die Melodie in den Atempausen der Bombarde fortführt. Dieses Zusammenspiel heißt sonneur de couple und trägt bis heute das bretonische Tanzfest Fest-Noz sowie die Bagadoù genannten Blasorchester der Region.

BStandardstimmung
2Oktaven Tonumfang
500+Jahre Duo-Tradition mit dem Biniou
2012Fest-Noz als UNESCO-Kulturerbe

Wie ist die Bombarde aufgebaut?

Die Bombarde besteht aus einem konisch gebohrten Melodierohr aus Hartholz, meist Buchsbaum, Pflaume oder Ebenholz, mit sechs bis sieben Grifflöchern auf der Vorderseite. Am unteren Ende öffnet sich das Rohr zu einem weit ausladenden Schalltrichter, der den Klang verstärkt und nach außen richtet. Die gebräuchlichste Stimmlage, die Diskant-Bombarde, misst etwa 30 Zentimeter und deckt einen Tonumfang von zwei diatonischen Oktaven ab. Tiefere Bauformen wie die Alt- oder Tenor-Bombarde sind entsprechend länger gebaut. Manche Instrumente tragen zusätzlich ein oder zwei Klappen, mit denen sich weitere Halbtöne ergänzen lassen.

MerkmalBombarde
FamilieHolzblasinstrument mit Doppelrohrblatt, Kegeloboe
Bohrungkonisch, Diskant-Bombarde etwa 30 cm lang
Grifflöchersechs bis sieben vorderseitig, teils zusätzliche Klappen
MaterialHartholz wie Buchsbaum, Pflaume oder Ebenholz
Rohrblattgroßes Doppelrohrblatt aus Pfahlrohr, ohne Windkapsel
Duo-PartnerBiniou kozh, eine Oktave höher gestimmt
AuftrittsorteFest-Noz, Bagadoù, bretonische Tanzmusik

Warum klingt die Bombarde so laut und durchdringend?

Das Doppelrohrblatt der Bombarde liegt ohne Windkapsel direkt zwischen den Lippen des Spielers, den die Bretonen talabarder nennen. Anders als die historische Schalmei, deren Pirouette genannte Lippenstütze das Rohrblatt einst komplett umschloss und dem Spieler nur groben Einfluss auf den Ton ließ, steuert der talabarder Tonhöhe und Lautstärke direkt über Lippendruck und Anblasdruck, ähnlich wie bei der modernen Oboe. Das Rohrblatt der Bombarde fällt dabei deutlich größer aus als das der Oboe, was den nötigen Kraftaufwand erhöht und den Klang voller und lauter macht. Diese Bauweise machte die Bombarde zum passenden Instrument für Musik im Freien, für Feste, Umzüge und Hochzeiten, bei denen sie sich gegen Lärm und offenen Raum durchsetzen muss.

Ohne Windkapsel bestimmen allein die Lippen des Spielers Tonhöhe und Lautstärke der Bombarde. Diese direkte Rohrblattkontrolle verlangt viel Kraft, macht das Instrument dafür so durchdringend, dass es sich im Freien gegen Menschenmengen und Umgebungslärm behauptet.

Wie spielen Bombarde und Biniou kozh zusammen?

Die Bombarde tritt traditionell im Duo mit dem Biniou kozh auf, einem kleinen bretonischen Dudelsack aus Melodiepfeife und Bordunpfeife, der eine Oktave höher gestimmt ist als die Bombarde. Dieses Paar heißt sonneur de couple und gilt als seit mindestens 500 Jahren ununterbrochen gepflegte bretonische Tradition. Die Bombarde führt die Melodie, doch weil das Anblasen so viel Kraft kostet, muss der Spieler regelmäßig pausieren; in diesen Pausen trägt der Biniou kozh den Ton allein weiter, bevor die Bombarde wieder einsetzt. Dieses Wechselspiel folgt demselben Grundprinzip wie der gesungene Kan ha diskan, bei dem sich zwei Sänger abwechseln, bleibt als Instrumentalform aber ein eigenständiger Begriff.

Bombarde (Melodie) Atempause Atempause Biniou kozh (eine Oktave höher) durchgehender Ton ohne Unterbrechung Pausiert die Bombarde zum Atemholen, trägt der Biniou kozh den Klang allein weiter.
Die Bombarde spielt die Melodie in Phrasen und pausiert danach zum Atemholen, der Biniou kozh hält in dieser Zeit einen Ton eine Oktave höher durch.

Welche Rolle spielt die Bombarde im Bagad?

Ein Bagad ist ein bretonisches Blasorchester, das nach dem Vorbild schottischer Pipe Bands mehrere Biniou-Dudelsäcke, mehrere Bombarden und eine Trommelgruppe zusammenführt; die Gründungsregeln von 1949 verlangten mindestens sechs Biniou, vier Bombarden und zwei Trommeln. Die Bombarden übernehmen darin meist die führende Melodiestimme neben den Biniou. Seit 1949 ermittelt die Nationalmeisterschaft der Bagadoù, ausgerichtet von Bodadeg ar Sonerion, in mehreren Kategorien die besten Orchester; das Finale der höchsten Kategorie findet beim Interkeltischen Festival in Lorient statt. Getrennt davon tragen einzelne Bombarde-Biniou-Duos ihren eigenen Wettbewerb aus, den Championnat de Bretagne des Sonneurs, der seit 1993 auf dem Gelände des Schlosses Tronjoly in Gourin stattfindet.

Wo erklingt die Bombarde beim Fest-Noz?

Fest-Noz nennt die Bretagne ihre traditionellen Tanzfeste, bei denen Paare und Ketten von Tänzern zu Live-Musik tanzen. Die UNESCO nahm das Fest-Noz am 5. Dezember 2012 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf; jährlich finden in der Region rund tausend solcher Feste statt. Bombarde und Biniou kozh liefern dabei die Musik für Tänze wie die Gavotte, den An Dro, den Hanter Dro oder den Plinn, deren Schrittfolgen sich von Region zu Region unterscheiden. Ohne den durchdringenden Klang der Bombarde würden die hinteren Reihen einer langen Tanzkette die Musik im Freien kaum hören.

Woher stammt die Bombarde?

Die Bombarde geht auf die Schalmei zurück, ein lautes Doppelrohrblattinstrument, das spätestens im 12. Jahrhundert vermutlich aus dem Vorderen Orient nach Europa gelangte und im Mittelalter und in der Renaissance die wichtigste Melodiestimme für Musik im Freien stellte. Als sich die Schalmei am französischen Hof im 17. Jahrhundert zur leiseren, für den Innenraum gebauten Oboe wandelte, blieb die Bretagne von dieser Entwicklung weitgehend unberührt und bewahrte die laute, ursprüngliche Bauweise unter dem eigenen Namen Bombarde. Dieser Sonderweg erklärt, warum die Bombarde klanglich näher an der alten Schalmei geblieben ist als die Oboe, obwohl beide auf dasselbe Doppelrohrblattprinzip zurückgehen.

Häufige Fragen zur Bombarde

Was ist eine Bombarde?

Eine Bombarde ist ein bretonisches Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt und konisch gebohrtem Rohr, das zur Familie der Kegeloboen gehört und mit Schalmei und Oboe verwandt ist. Sie erzeugt einen sehr lauten, durchdringenden Klang und tritt traditionell im Duo mit dem Dudelsack Biniou kozh auf.

Wie unterscheidet sich die Bombarde von der Oboe?

Die Bombarde unterscheidet sich von der Oboe vor allem in der Größe: Ihr Doppelrohrblatt ist deutlich größer, das Rohr weiter und der Schalltrichter stärker ausladend, was einen viel lauteren, kräftigeren Klang erzeugt. Beide Instrumente gehen auf dieselbe Schalmei-Tradition zurück, doch während sich die Oboe im 17. Jahrhundert zu einem leiseren Instrument für den Innenraum entwickelte, bewahrte die Bombarde in der Bretagne die ursprüngliche, für Freiluftmusik gebaute Lautstärke.

Warum spielen Bombarde und Biniou kozh immer zusammen?

Bombarde und Biniou kozh spielen zusammen, weil der Biniou kozh die vom kräftigen Anblasen erschöpfte Bombarde in ihren Atempausen musikalisch trägt. Dieses als sonneur de couple bezeichnete Duo ist in der Bretagne seit mindestens 500 Jahren belegt, und der Biniou kozh klingt dabei stets eine Oktave höher als die Bombarde.

Wo hört man die Bombarde traditionell?

Die Bombarde erklingt traditionell beim bretonischen Fest-Noz, einem Tanzfest, das die UNESCO 2012 zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärte, sowie in den Bagadoù genannten bretonischen Blasorchestern. Dort begleitet sie Tänze wie Gavotte, An Dro und Plinn und tritt bei überregionalen Wettbewerben wie dem Championnat de Bretagne des Sonneurs in Gourin auf.

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