Cabrette

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Redaktion
A cabrette. Bild: KI generiert.
A cabrette. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Cabrette ist ein traditioneller französischer Dudelsack aus der Auvergne, der im Verlauf des 19. Jahrhunderts seine bis heute bekannte Form erhielt. Anders als viele andere Dudelsackarten wird die Cabrette nicht mit dem Mund, sondern über einen kleinen Blasebalg mit Luft versorgt, den der Spieler mit dem Ellenbogen bedient.

Die Cabrette ist ein traditioneller französischer Dudelsack aus der Auvergne, der im Verlauf des 19. Jahrhunderts seine bis heute bekannte Form erhielt. Anders als viele andere Dudelsackarten wird die Cabrette nicht mit dem Mund, sondern über einen kleinen Blasebalg mit Luft versorgt, den der Spieler mit dem Ellenbogen bedient. Die Luft strömt aus dem Blasebalg in einen Balg aus Ziegenleder, von dem aus sie eine konisch gebaute Holzspielpfeife mit Doppelrohrblatt speist. Ein zusätzliches, meist eher dekoratives Bordunrohr ergänzt den Klang. Die Cabrette ist ein wichtiges Instrument der volkstümlichen Musik der Auvergne und wird bis heute regelmäßig bei traditionellen Tänzen und ländlichen Festen gespielt.

Wie klingt die Cabrette?

Die Cabrette erzeugt einen durchdringenden, nasalen und zugleich melodischen Klang, der typisch für Dudelsäcke mit Doppelrohrblatt-Spielpfeife ist. Der gleichmäßige, von Blasebalg und Balg erzeugte Luftstrom sorgt für einen konstanten, gut tragenden Ton ohne Unterbrechungen zum Atemholen. Der Klang der Cabrette ist klar und durchsetzungsfähig und eignet sich besonders gut für schnelle, tänzerische Melodien. Das meist leise mitschwingende Bordunrohr verleiht dem Klangbild eine zusätzliche, gleichbleibende Klangfarbe im Hintergrund.

Woraus besteht die Cabrette?

Die Cabrette besteht aus einem Balg aus Ziegenleder, der die Luft speichert und über ein Rohr an die Spielpfeife weitergibt. Gefüllt wird der Balg nicht durch Mundluft, sondern durch einen kleinen Blasebalg, der mit dem rechten Ellenbogen des Spielers bedient wird und die Luft in den Balg pumpt. Die eigentliche Melodie wird auf einer einzelnen, konisch gebohrten Holzspielpfeife gespielt, die mit einem Doppelrohrblatt aus Schilf zum Klingen gebracht wird. Ergänzt wird das Instrument durch ein Bordunrohr, das einen gleichbleibenden Grundton erzeugt, bei der Cabrette jedoch meist eine eher untergeordnete, dekorative Rolle spielt. Balg, Blasebalg, Spielpfeife und Bordun sind über Lederriemen und Holzstutzen miteinander verbunden.

Der Name "Cabrette" leitet sich vom okzitanischen Wort für "kleine Ziege" ab und verweist auf das für den Balg verwendete Ziegenleder. Das meist leise oder gar nicht mitschwingende Bordunrohr unterscheidet die Cabrette von vielen anderen europäischen Dudelsackarten, bei denen der Bordun eine zentrale klangliche Rolle spielt; bei der Cabrette liegt der Schwerpunkt stattdessen klar auf der beweglichen, tänzerischen Melodie der Spielpfeife.

Wie spielt man die Cabrette?

Um die Cabrette zu spielen, klemmt sich der Musiker den kleinen Blasebalg unter den rechten Arm und pumpt ihn im Takt der Musik mit dem Ellenbogen, um Luft in den unter dem linken Arm gehaltenen Balg zu drücken. Aus diesem Balg strömt die Luft gleichmäßig zur Spielpfeife, deren Doppelrohrblatt dadurch in Schwingung versetzt wird. Die Finger beider Hände liegen auf den Grifflöchern der Spielpfeife und erzeugen durch das Öffnen und Schließen der Löcher die verschiedenen Töne der Melodie. Da kein Blasen mit dem Mund nötig ist, entfällt bei der Cabrette anders als bei mundgeblasenen Dudelsäcken auch die Notwendigkeit einer zirkulären Atemtechnik.

Da der Luftstrom durch den Blasebalg erzeugt wird, muss der Spieler nicht selbst hineinblasen und kann durchgehend spielen, ohne für den Atem pausieren zu müssen. Das gleichmäßige Pumpen des Blasebalgs erfordert dennoch Ausdauer und ein gutes Rhythmusgefühl, da die Balgbewegung mit dem Tempo der gespielten Melodie übereinstimmen muss. Die Cabrette wird häufig gemeinsam mit Geige oder Akkordeon gespielt und begleitet traditionell Volkstänze und Feste in der Auvergne.

Typische Musikstile mit der Cabrette

Die Cabrette ist eng mit der volkstümlichen Tanzmusik der Auvergne verbunden, etwa mit Bourrées und anderen regionalen Tanzformen, die seit dem 19. Jahrhundert überliefert sind. In Paris wurde die Cabrette im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert außerdem zum Kennzeichen der sogenannten "Bals musette", der Tanzlokale auvergnatischer Einwanderer, aus denen sich später auch der mit dem Akkordeon verbundene Musette-Stil entwickelte. Bis heute wird die Cabrette in der Auvergne bei Festen, Hochzeiten und Folkloreveranstaltungen gespielt und ist ein wichtiger Bestandteil der regionalen musikalischen Identität.

Als einer der Wegbereiter dieses Pariser Bal-musette-Milieus gilt der aus der Auvergne stammende Cabrette-Spieler Antoine Bouscatel, der Ende des 19. Jahrhunderts zu den Musikern zählte, die das Instrument in den Tanzlokalen der auvergnatischen Einwanderergemeinschaft in Paris etablierten. Aus diesen Lokalen entwickelte sich mit der Zeit eine eigenständige Musikszene, in der sich Cabrette-Spieler und später auch italienische Akkordeonisten begegneten, was maßgeblich zur Entstehung des späteren Musette-Stils beitrug. In der Auvergne selbst blieb die Cabrette parallel dazu weiterhin fest mit der ländlichen Tanz- und Festkultur verbunden.

Bekannte Lieder mit der Cabrette

Die Cabrette lebt vor allem von der mündlich überlieferten Tanzmusik der Auvergne, weshalb sich nur wenige einzelne Stücke eindeutig und gesichert einem bestimmten Komponisten zuordnen lassen. Viele der bis heute gespielten Melodien sind traditionelle Bourrées, die über Generationen von Spieler zu Spieler weitergegeben wurden. Auch in den Pariser Bals musette der auvergnatischen Einwanderergemeinschaften spielte die Cabrette lange eine zentrale Rolle. Heute wird sie von Folkloreensembles und Musikerinnen und Musikern der Auvergne gepflegt, die die traditionelle Spielweise und das überlieferte, mündlich weitergegebene Repertoire bewahren und an jüngere Generationen weitergeben.

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