Doedelzak ist das niederländische und flämische Wort für den Dudelsack, in der Fachsprache eine Sackpfeife. Der Begriff bezeichnet keine eigene Instrumentenfamilie, sondern eine historische Bauform, die in den Niederlanden und in Flandern über Jahrhunderte gespielt wurde und die auf Gemälden von Pieter Bruegel dem Älteren aus dem späten 16. Jahrhundert zu sehen ist. Wie jede Sackpfeife besteht der Doedelzak aus einem luftgefüllten Sack, einem Spielrohr mit Grifflöchern für die Melodie und Bordunpfeifen für einen gleichbleibenden Begleitton. Kennzeichnend für ihn sind zwei oder mehr Bordunpfeifen, die gemeinsam in einem einzigen Stock stecken, sowie ein konisch gebohrtes Spielrohr mit Doppelrohrblatt. Aus der lebendigen Musizierpraxis verschwand der Doedelzak fast vollständig, bevor ihn die Folk-Revival-Bewegung ab den 1970er Jahren zurückbrachte.
Wodurch unterscheidet sich der Doedelzak vom Dudelsack?
Dudelsack ist im Deutschen der Sammelbegriff für die gesamte europäische Familie der Sackpfeifen, der Doedelzak dagegen bezeichnet eine bestimmte historische Bauform aus den Niederlanden und Flandern. Kennzeichnend für ihn ist, dass zwei oder mehr Bordunpfeifen gemeinsam in einem einzigen Stock stecken, während viele andere Sackpfeifen der Familie, etwa der Große Hochland-Dudelsack mit seinen drei Bordunen, ihre Pfeifen einzeln am Sack anschließen. Auf den Gemälden Pieter Bruegels des Älteren trägt der Spieler den Sack zudem vor dem Körper und nicht wie bei späteren Bauformen unter dem Arm. Diese Merkmale machen den Doedelzak zu einer eigenständigen Regionalvariante innerhalb der Sackpfeifenfamilie, nicht zu einer bloßen Übersetzung des deutschen Wortes.
Wie ist der Doedelzak aufgebaut?
Der Doedelzak besteht aus einem luftdichten Sack, einem Blasrohr, einem Spielrohr und den Bordunpfeifen. Der Sack bestand historisch aus gegerbter Ziegen- oder Schafshaut, moderne Nachbauten nutzen häufig synthetische Materialien. Über das Blasrohr füllt der Spieler den Sack mit Atemluft, ein Ventil hält sie darin, sobald der Arm den Sack zusammenpresst. Das Spielrohr trägt Grifflöcher für die Melodie und ist konisch gebohrt, sein Doppelrohrblatt sitzt am sackseitigen Ende und ähnelt darin dem Rohrblatt einer Schalmei. Die Bordunpfeifen tragen dagegen je ein einfaches Rohrblatt und stecken zu zweit oder mehreren gemeinsam in einem einzigen Stock, statt wie bei vielen anderen Sackpfeifen einzeln am Sack anzuschließen. Historische Instrumente standen meist in D oder E, nicht in G wie ein Großteil der heute gebauten Nachbauten.
| Merkmal | Doedelzak |
|---|---|
| Familie | Sackpfeife (Aerophon mit Luftsack) |
| Region | Niederlande und Flandern |
| Bordunpfeifen | zwei oder mehr, gemeinsam in einem Stock |
| Spielrohr | konische Bohrung, Doppelrohrblatt |
| Bordunrohrblätter | je ein einfaches Rohrblatt |
| Historische Stimmung | D oder E |
| Weitere Namen | moezel, moezelzak, pijpzak, lullepijp |
Nicht jede ähnlich klingende Sackpfeife ist ein Doedelzak. Erst die Kombination aus zwei oder mehr Bordunpfeifen in einem gemeinsamen Stock und einem konisch gebohrten Spielrohr mit Doppelrohrblatt kennzeichnet die historische niederländisch-flämische Bauform.
Woher kommt der Name Doedelzak?
Doedelzak setzt sich aus doedelen und zak zusammen, doedelen bezeichnet im Niederländischen ein monotones, brummendes Tönen, ähnlich dem deutschen Verb dudeln, von dem sich auch das Wort Dudelsack ableitet. Der Name ist jünger als das Instrument selbst: Mittelniederländische Quellen belegen für den Doedelzak ältere Bezeichnungen wie sackpijpe, pijpsac, moesel, musele und cornemuse, die das 1599 erschienene Wörterbuch Etymologicum Teutonicae Linguae bereits als gebräuchlich verzeichnet. Aus moesel und musele stammt die bis heute in Teilen der Niederlande und Flanderns gebräuchliche Nebenform moezel beziehungsweise moezelzak.
Welche Geschichte hat der Doedelzak in den Niederlanden und Flandern?
Im 14. und 15. Jahrhundert genoss der Doedelzak noch hohes Ansehen: Er erklang am Hof von Philipp dem Kühnen, Herzog von Burgund, und ist für religiöse Prozessionen belegt, etwa 1342 in Bergen und 1409 in Ypern. Um 1500 verlor das Instrument diesen Rang, es wurde zum Instrument von Hirten und Bauern, die damit zum Tanz aufspielten, und tauchte in der Malerei zunehmend in Höllendarstellungen als Sinnbild ausschweifenden Verhaltens auf. Mit der wachsenden Beliebtheit von Klavier und Gitarre im Wohnzimmer zog sich der Doedelzak weiter aufs Land zurück, traditionelle Volksmusiker mit Doedelzak und Drehleier zogen noch bis ins frühe 20. Jahrhundert durchs Land. Danach verschwand das Instrument fast vollständig aus der lebendigen Praxis. Erst die Folk-Revival-Bewegung brachte es zurück: in den Niederlanden ab dem Ende der 1960er Jahre mit einem Höhepunkt Ende der 1970er Jahre, in Flandern folgte die Wiederbelebung in den 1980er Jahren über die Folktreffen von Galmaarden und später Gooik.
Wie klingt der Doedelzak?
Der Doedelzak brummt wie jede Sackpfeife ohne Pause, weil der Sack als Luftspeicher zwischen Atem und Pfeifen sitzt und den Ton nie abreißen lässt. Über dem gleichbleibenden Ton der Bordunpfeifen liegt die Melodie des Spielrohrs, deren Klangfarbe das Doppelrohrblatt im konischen Rohr prägt: voller und weicher als das schnarrende einfache Rohrblatt der Bordunpfeifen. Weil beide Bordunpfeifen in einem gemeinsamen Stock stecken und meist im Abstand einer Quinte gestimmt sind, verschmelzen sie zu einem dichten, tief liegenden Klangteppich, der die Melodie deutlicher trägt als ein einzelner Bordunton.
Wer spielt den Doedelzak heute?
Der Doedelzak lebt heute vor allem in der niederländischen und flämischen Folk- und Mittelalterszene. Die niederländische Band Rapalje etwa spielt und unterrichtet den Doedelzak neben Instrumenten wie Bodhrán und Tin Whistle. Historische Nachbauten stützen sich auf die Gemälde Pieter Bruegels des Älteren und auf die Beschreibungen des Instrumentenkundlers Michael Praetorius aus dem frühen 17. Jahrhundert, weil aus der eigentlichen Blütezeit des Doedelzak kaum vollständig erhaltene Originalinstrumente überliefert sind.
Häufige Fragen zum Doedelzak
Was bedeutet das Wort Doedelzak?
Doedelzak ist die niederländische und flämische Bezeichnung für den Dudelsack und setzt sich aus doedelen (monoton tönen) und zak (Sack) zusammen. Historische Nebenformen sind moezel, moezelzak, pijpzak und lullepijp, die in mittelniederländischen Quellen und im Wörterbuch Etymologicum Teutonicae Linguae von 1599 belegt sind.
Ist der Doedelzak dasselbe Instrument wie der Dudelsack?
Der Doedelzak ist eine bestimmte historische Bauform innerhalb der Dudelsack-Familie, kein anderes Wort für denselben Gegenstand. Dudelsack ist im Deutschen der Sammelbegriff für alle Sackpfeifen, während den Doedelzak zwei oder mehr Bordunpfeifen in einem gemeinsamen Stock und ein konisches Spielrohr mit Doppelrohrblatt kennzeichnen, wie es aus den Niederlanden und Flandern überliefert ist.
Wie viele Bordunpfeifen hat ein Doedelzak?
Ein Doedelzak trägt mindestens zwei Bordunpfeifen, die gemeinsam in einem einzigen Stock stecken und meist im Abstand einer Quinte gestimmt sind. Historische Abbildungen und Rekonstruktionen zeigen auch Ausführungen mit mehr als zwei Bordunen, stets aber mit einfachem Rohrblatt in jeder Pfeife.
Warum verschwand der Doedelzak fast vollständig?
Der Doedelzak verlor um 1500 sein hohes Ansehen am Hof und in der Kirche und wurde zum Instrument von Hirten und Bauern. Mit der wachsenden Beliebtheit von Klavier und Gitarre zog er sich weiter aufs Land zurück, wo die letzten traditionellen Spieler noch bis ins frühe 20. Jahrhundert auftraten. Danach verschwand das Instrument fast vollständig aus der lebendigen Praxis, bis die Folk-Revival-Bewegung es ab den 1970er Jahren in den Niederlanden und ab den 1980er Jahren in Flandern zurückbrachte.




