Das Didgeridoo ist ein Blasinstrument der Aborigines Nordaustraliens, gefertigt aus einem von Termiten ausgehöhlten Eukalyptusast. Es hat weder Grifflöcher noch Ventile: Allein Länge und Durchmesser des Rohrs legen den Grundton fest, den der Spieler wie bei einer Trompete über die schwingenden Lippen anregt. Charakteristisch ist die Zirkularatmung, mit der ein Spieler durch die Nase einatmet, während er gleichzeitig zuvor gespeicherte Luft aus den Wangen durch das Rohr bläst, sodass der Ton nicht abreißt. In seiner Ursprungsregion, vor allem im Arnhemland, ist das Instrument in vielen Gemeinschaften zeremoniell bedeutsam, mit unterschiedlichen Regeln, wer es spielen darf.
Wie ist ein Didgeridoo aufgebaut?
Ein Didgeridoo besteht aus einem Ast oder jungen Stamm des Eukalyptusbaums, dessen Inneres nicht herausgeschnitzt, sondern von Termiten ausgehöhlt wurde. Termiten fressen im lebenden Baum gezielt das abgestorbene Kernholz, weil das äußere Splintholz für sie ungenießbar ist, und der Baum lebt trotz des hohlen Kanals weiter. Bauer suchen geeignete Äste anhand von Rinde, Wuchsform und einer Klopfprobe auf den richtigen hohlen Klang.
Nach dem Fällen entfernt der Bauer die Rinde und säubert das Innere. Am schmaleren Ende trägt er häufig einen Rand aus Bienenwachs als Mundstück auf, das sich der Lippenform anpassen lässt. Grifflöcher, Ventile oder Klappen besitzt das Instrument nicht, deshalb legen nur Länge und Innendurchmesser den Grundton fest.
| Merkmal | Didgeridoo |
|---|---|
| Familie | Aerophon, lippenerregtes Blasinstrument |
| Material | Von Termiten ausgehöhlter Eukalyptusast, Mundstück aus Bienenwachs |
| Grifflöcher | keine |
| Ventile oder Klappen | keine |
| Grundton | fest, abhängig von Länge und Durchmesser des Rohrs, meist zwischen A2 und G3 |
| Übliche Länge | 1 bis 3 Meter, meist rund 1,2 Meter |
| Ursprungsregion | Aborigine-Kulturen Nordaustraliens, vor allem Arnhemland |
Wie erzeugt das Didgeridoo seinen Ton?
Das Didgeridoo erzeugt seinen Ton wie ein Blechblasinstrument über die schwingenden Lippen des Spielers, nicht über ein Rohrblatt. Der Spieler presst die Lippen locker gegen das wachsumrandete Mundstück und lässt sie im Luftstrom vibrieren, diese Schwingung regt die Luftsäule im Rohr an.
Darin ähnelt die Tonerzeugung dem Alphorn, das ebenfalls ohne Grifflöcher auskommt und die Tonhöhe über die Lippen und das Rohr bestimmt. Der Unterschied liegt im musikalischen Ergebnis: Ein Alphornspieler wechselt über die Lippenspannung zwischen mehreren Naturtönen. Ein Didgeridoo-Spieler hält seinen Grundton dagegen meist als durchgehenden Ton und erzeugt klangliche Vielfalt über Zunge, Kehle und Stimme statt über einen Tonhöhenwechsel.
Wie funktioniert die Zirkularatmung beim Didgeridoo?
Die Zirkularatmung hält den Ton beim Didgeridoo-Spiel ohne hörbare Unterbrechung. Der Spieler atmet durch die Nase ein, während er gleichzeitig mit den Wangenmuskeln zuvor im Mund gespeicherte Luft durch das Rohr presst, die Lippen schwingen währenddessen weiter. Der Wechsel zwischen beiden Luftquellen läuft so schnell, dass keine Pause im Ton entsteht.
Die Technik verlangt Übung, weil Ein- und Ausatmung normalerweise denselben Weg nutzen. Wie lange sich ein Ton so halten lässt, zeigt die Einspielung Didgeridoo Concerto von Mark Atkins aus dem Jahr 1994 mit über 50 Minuten Dauerton am Stück.
Zirkularatmung trennt Ein- und Ausatmung nicht in der Zeit, sondern im Weg. Die Nase atmet ein, während die Wangen zeitgleich zuvor gespeicherte Luft durch den Mund ausblasen, sodass am Mundstück nie eine Pause im Luftstrom entsteht.
Wie verändert der Spieler den Klang beim Didgeridoo-Spiel?
Ein Didgeridoo-Spieler verändert den Klang, ohne den Grundton selbst zu wechseln, denn dafür fehlen Grifflöcher und Ventile. Er formt mit Zunge und Lippen den Luftstrom im Mundraum und verschiebt dadurch die Obertöne über dem Grundton, wodurch der Ton heller, dunkler, rauer oder weicher klingt.
Zusätzlich vokalisiert der Spieler mit den Stimmbändern, während er weiter durch das Rohr bläst. Die Stimme legt eine zweite Tonhöhe oder ein Geräusch über den Grundton, das im Rohr mitschwingt und verstärkt wird. Erfahrene Spieler ahmen so Tierlaute nach, etwa das Bellen eines Dingos oder den Ruf eines Kookaburra, indem sie diese Laute mit der Stimme formen, während der Atem gleichzeitig den Grundton hält.
Woher stammt das Didgeridoo?
Das Didgeridoo stammt aus den Aborigine-Kulturen Nordaustraliens, mit einem Zentrum im Arnhemland. Die Yolŋu, eine der dortigen Sprachgruppen, nennen ihr Instrument Yidaki. Das Wort Didgeridoo selbst ist keine Aborigine-Bezeichnung, sondern eine lautmalerische Bildung des Englischen aus dem frühen 20. Jahrhundert.
Wie alt die Nutzung des Instruments ist, lässt sich nicht sicher belegen. Felsmalereien in der Region Kakadu zeigen Spieler des Instruments, eine Darstellung wird auf etwa 1.500 Jahre datiert, wissenschaftliche Auswertungen der Felsbilder kommen für die dortigen Darstellungen selbst eher auf ein Alter von unter 1.000 Jahren. Weit höhere Altersangaben, wie sie in populären Darstellungen kursieren, sind nicht gesichert belegt.
Wer darf ein Didgeridoo spielen?
Wer ein Didgeridoo spielen darf, regelt keine einheitliche Aborigine-Vorschrift, sondern die jeweilige Gemeinschaft. In vielen Regionen, in denen das Instrument zeremoniell genutzt wird, etwa bei Initiationsritualen im Arnhemland, spielen traditionell Männer, während Frauen dort öffentlich nicht auftreten. Für den informellen Gebrauch sind dagegen keine einheitlichen Einschränkungen belegt, aus einzelnen nördlichen Regionen sind sogar Aufnahmen spielender Frauen dokumentiert. Die verbreitete Vorstellung eines grundsätzlichen Verbots für Frauen lässt sich als allgemeine Aborigine-Regel nicht nachweisen; manche Forscher führen sie eher auf Vermarktung im Tourismus zurück. Für Außenstehende zählen deshalb die Regeln der jeweiligen Gemeinschaft oder Lehrperson, nicht eine pauschale Vorstellung.
Welche Rolle spielt das Didgeridoo in der heutigen Musik?
Außerhalb der zeremoniellen Nutzung hat das Didgeridoo seit dem späten 20. Jahrhundert Eingang in weitere Musikbereiche gefunden. Der australische Musiker William Barton, ein Kalkadungu-Mann, gilt als einer der bekanntesten Didgeridoo-Spieler und brachte das Instrument in die klassische Konzertmusik: 1998 spielte er die Uraufführung eines Konzerts für Didgeridoo und Orchester mit dem Queensland Symphony Orchestra.
Im internationalen Musikhandel taucht das Didgeridoo häufig in Aufnahmen auf, die unter dem Sammelbegriff Weltmusik geführt werden, oft kombiniert mit Gitarre oder Schlagzeug. Diese Einordnung sagt mehr über die Vermarktung solcher Aufnahmen aus als über eine gemeinsame musikalische Machart.
Häufige Fragen zum Didgeridoo
Was bestimmt den Grundton eines Didgeridoos?
Der Grundton eines Didgeridoos ergibt sich allein aus Länge und Innendurchmesser des Rohrs, denn das Instrument besitzt keine Grifflöcher, Ventile oder Klappen. Ein längeres Rohr klingt tiefer als ein kürzeres, ein sich zum Ende hin öffnendes Rohr klingt etwas höher als ein gleich langes, gerades Rohr. Übliche Instrumente sind zwischen 1 und 3 Meter lang und liegen im Grundton meist zwischen A2 und G3.
Was ist Zirkularatmung beim Didgeridoo?
Zirkularatmung ist die Technik, mit der ein Didgeridoo-Spieler einen Ton ohne hörbare Unterbrechung hält. Der Spieler atmet durch die Nase ein, während er gleichzeitig zuvor in den Wangen gespeicherte Luft mit den Wangenmuskeln durch das Rohr presst. Geübte Spieler halten damit einen Ton über mehrere Minuten, in Aufnahmen sind auch mehr als 40 Minuten am Stück dokumentiert.
Dürfen Frauen Didgeridoo spielen?
Ob Frauen Didgeridoo spielen dürfen, regelt keine einheitliche Aborigine-Vorschrift, sondern hängt von der jeweiligen Gemeinschaft und dem Anlass ab. Bei zeremoniellen Anlässen in Regionen wie dem Arnhemland spielen traditionell Männer das Instrument, während für den informellen Gebrauch keine durchgängige Einschränkung belegt ist. Die verbreitete Vorstellung eines allgemeinen Verbots lässt sich als einheitliche traditionelle Regel nicht nachweisen.
Woher hat das Didgeridoo seinen Namen?
Das Wort Didgeridoo stammt nicht aus einer Aborigine-Sprache, sondern ist eine lautmalerische Bildung des Englischen, die zuerst Anfang des 20. Jahrhunderts in australischen Zeitungen belegt ist. Aborigine-Sprachen verwenden eigene Namen für das Instrument, etwa Yidaki bei den Yolŋu im Arnhemland. Insgesamt sind unter den verschiedenen Aborigine-Völkern mehrere Dutzend solcher Namen bekannt.




