Franz Liszt war ein ungarischer Komponist und einer der bedeutendsten Pianisten der Romantik. Er gilt als Schöpfer der sinfonischen Dichtung und als der Musiker, der die Virtuosität am Klavier auf ein zuvor unerreichtes Niveau hob. Nach jahrzehntelangen Konzertreisen durch Europa wirkte er ab 1848 als Kapellmeister in Weimar und empfing 1865 niedere Weihen der katholischen Kirche. Seine Ungarischen Rhapsodien und die einsätzige Klaviersonate h-moll gehören bis heute zum festen Repertoire der Klavierliteratur.
Wer war Franz Liszt?
Franz Liszt war Komponist, Pianist und Dirigent und zählt zur ersten Generation der musikalischen Romantik. Er wurde 1811 in Raiding geboren, damals Teil des Königreichs Ungarn und heute Burgenland in Österreich. Klavierunterricht erhielt er zuerst von seinem Vater Adam Liszt, 1822 zog die Familie nach Wien, wo Carl Czerny ihn am Klavier und Antonio Salieri ihn in Komposition unterrichtete. Noch im selben Jahrzehnt übersiedelte Liszt nach Paris, das für die folgenden zwei Jahrzehnte sein wichtigster Wohnort blieb.
| Merkmal | Franz Liszt |
|---|---|
| Lebensdaten | 1811 bis 1886 |
| Geburtsort | Raiding, damals Königreich Ungarn, heute Burgenland/Österreich |
| Sterbeort | Bayreuth |
| Epoche | Romantik |
| Wirkungsstätten | Wien, Paris, Weimar, Rom, Budapest |
| Werkgattungen | Klaviermusik, sinfonische Dichtung, Ungarische Rhapsodien, geistliche Chorwerke |
| Lehrer | Carl Czerny (Klavier), Antonio Salieri (Komposition) |
| Besonderheit | gilt als Schöpfer der Gattung sinfonische Dichtung |
Wie verlief Liszts Karriere als Virtuose?
Liszt trat schon als Kind öffentlich auf und baute in den 1830er und 1840er Jahren eine Konzertkarriere auf, wie es sie zuvor nicht gegeben hatte. Er bereiste als Solist einen Großteil Europas und spielte, anders als bis dahin üblich, ganze Konzertabende allein und ohne weitere Mitwirkende. 1832 hörte er in Paris ein Konzert des Geigers Niccolò Paganini und nahm sich vor, auf dem Klavier eine vergleichbare Virtuosität zu erreichen; seine Bearbeitungen von Paganinis Capricen für Klavier gehen auf dieses Erlebnis zurück. Der Publikumsjubel um seine Auftritte erhielt in den 1840er Jahren den Namen Lisztomanie, geprägt vom Schriftsteller Heinrich Heine.
Warum wechselte Liszt nach Weimar?
Liszt beendete seine Konzertkarriere 1847 und übernahm 1848 die Stelle des Kapellmeisters am Hoftheater in Weimar. Dort dirigierte er Opern und eigene Werke und baute Weimar zu einem Zentrum neuer Musik aus. 1850 brachte er dort Richard Wagners Oper Lohengrin zur Uraufführung, während Wagner selbst wegen seiner Beteiligung am Dresdner Maiaufstand im Exil in der Schweiz saß. Liszts Tochter Cosima heiratete Wagner später, 1870, nachdem ihre erste Ehe mit dem Dirigenten Hans von Bülow geschieden worden war.
1861 zog Liszt nach Rom. Dort empfing er 1865 die niederen Weihen der katholischen Kirche und trug von da an die Bezeichnung Abbé, ohne die höheren Weihen zum Priester abzulegen. Ab 1869 teilte er sein Jahr zwischen Weimar, Rom und Budapest auf und unterrichtete in allen drei Städten unentgeltlich jüngere Pianistinnen und Pianisten. Liszt starb 1886 in Bayreuth, während dort die von seinem Schwiegersohn Wagner gegründeten Festspiele liefen.
Was sind die wichtigsten Werke von Franz Liszt?
Liszts Werkverzeichnis reicht von kurzen Klavierstücken bis zu abendfüllenden Orchesterwerken. Vier Werkgruppen tragen seinen Ruhm bis heute.
- Ungarische Rhapsodien: 19 Klavierstücke, die ungarische und Roma-Musiktraditionen aufgreifen, mit den langsam-schnellen Kontrasten des Verbunkos-Tanzes. Die Rhapsodie Nr. 2 in cis-Moll gehört zu den meistgespielten Klavierwerken überhaupt.
- Sinfonische Dichtungen: 13 einsätzige Orchesterwerke, die Liszt in Weimar nach außermusikalischen Vorlagen schrieb und mit denen er die Gattung begründete. Les Préludes trägt ein Motto nach einem Gedicht von Alphonse de Lamartine, Tasso nimmt Bezug auf den italienischen Dichter Torquato Tasso.
- Klaviersonate h-moll: ein einziger, rund halbstündiger Satz von 1853, der wenige Themen durch das gesamte Werk führt und dabei fortlaufend verwandelt. Liszt widmete sie Robert Schumann.
- Transzendentale Etüden: zwölf Klavierstücke in ihrer endgültigen Fassung von 1852, die technische Einzelaufgaben wie große Sprünge und durchgehende Oktaven zu Konzertstücken ausbauen.
Was kennzeichnet Liszts musikalischen Stil?
Liszt behandelte das Klavier wie ein Orchester. Seine Transkriptionen der neun Sinfonien Beethovens und zahlreicher Lieder von Franz Schubert übertragen Orchesterfarben und mehrstimmigen Satz auf zehn Finger, und seine eigenen Klavierwerke nutzen die gesamte Tastatur, große Griffweiten und durchgehende Oktavpassagen.
Programmusik verbindet Instrumentalmusik mit einer außermusikalischen Idee, etwa einem Gedicht oder einer historischen Gestalt, meist über einen erklärenden Titel. Liszt setzte diese schon von Hector Berlioz verfolgte Idee in den sinfonischen Dichtungen konsequent um und gab jedem Werk einen Titel, der seine Vorlage benennt.
Thematische Transformation heißt, dass ein einziges musikalisches Thema im Verlauf eines Werks Tempo, Rhythmus und Charakter wechselt, ohne seine erkennbare Grundform zu verlieren. Aus einer getragenen Melodie kann so ein Marsch werden, aus einem ruhigen Motiv ein virtuoser Lauf. Die Klaviersonate h-moll und mehrere sinfonische Dichtungen bauen ihre gesamte Form auf diesem Verfahren auf und lösen damit die klassische Sonatenform mit klar getrennten Themen ab.
Thematische Transformation verwandelt ein Thema, statt neue Themen aneinanderzureihen. Liszt hielt damit eine einsätzige, oft halbstündige Form zusammen, ohne auf die wiederholenden Schemata der klassischen Sonate zurückzugreifen. Richard Strauss übernahm das Verfahren später für seine Tondichtungen.
Welchen Einfluss hatte Franz Liszt?
Liszts sinfonische Dichtung wurde zum Vorbild für die Tondichtungen von Richard Strauss und für vergleichbare Orchesterwerke von Bedřich Smetana. Gemeinsam mit Wagner und Berlioz stand er für eine Richtung, die im 19. Jahrhundert als Neudeutsche Schule bekannt wurde und der Programmusik den Vorrang vor der absoluten Musik gab; ihr stand eine konservativere Richtung um Johannes Brahms gegenüber. Über seine zahlreichen unentgeltlichen Schüler in Weimar, Rom und Budapest, darunter Hans von Bülow, wirkte seine Spieltechnik in die folgenden Pianistengenerationen hinein. Nach dem Tod seines Zeitgenossen Frédéric Chopin im Jahr 1849 veröffentlichte Liszt 1852 dessen erste Biografie. Die Ungarischen Rhapsodien und die Klaviersonate h-moll stehen bis heute in den Programmen großer Klavierabende der Romantik.
Häufige Fragen zu Franz Liszt
Welche Werke schrieb Franz Liszt?
Franz Liszt schrieb vor allem für Klavier solo: die 19 Ungarischen Rhapsodien, die einsätzige Klaviersonate h-moll, die Transzendentalen Etüden und zahlreiche Transkriptionen fremder Werke. Für Orchester komponierte er 13 sinfonische Dichtungen, darunter Les Préludes und Tasso, dazu geistliche Chorwerke wie das Oratorium Christus.
Was ist eine sinfonische Dichtung?
Eine sinfonische Dichtung ist ein einsätziges Orchesterwerk, das einer außermusikalischen Vorlage folgt, etwa einem Gedicht oder einer historischen Gestalt, und diesen Bezug über einen erklärenden Titel offenlegt. Franz Liszt schuf die Gattung in Weimar und schrieb 13 Werke dieser Art, darunter Les Préludes nach einem Motto von Alphonse de Lamartine.
Warum wird Franz Liszt Abbé genannt?
Franz Liszt trägt die Bezeichnung Abbé, weil er 1865 in Rom die niederen Weihen der katholischen Kirche empfing. Die höheren Weihen zum Priester legte er nie ab, blieb also zeitlebens Laie im kirchenrechtlichen Sinn. Ab 1869 lebte und unterrichtete er im jährlichen Wechsel in Weimar, Rom und Budapest.
Wo starb Franz Liszt?
Franz Liszt starb 1886 in Bayreuth, während dort die Bayreuther Festspiele liefen, die sein Schwiegersohn Richard Wagner gegründet hatte. Er wurde auf dem dortigen Stadtfriedhof beigesetzt.




