Antonio Vivaldi

6 Min. Lesezeit
Redaktion
Eine Barockvioline mit Bogen auf rotem Samt. Bild: KI generiert.
Eine Barockvioline mit Bogen auf rotem Samt. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Antonio Vivaldi war ein italienischer Komponist und Geiger des Barock, geboren 1678 in Venedig und gestorben 1741 in Wien. Er unterrichtete am Ospedale della Pietà in Venedig und schrieb über 500 Konzerte. Sein Ritornellprinzip mit dem Wechsel von Tutti und Solo und die Satzfolge schnell, langsam, schnell prägen das Solokonzert bis heute. Die vier Jahreszeiten gehören zu den frühen Beispielen für Programmmusik.

Antonio Vivaldi war ein italienischer Komponist und Geiger des Barock. Er wirkte den größten Teil seines Lebens am Ospedale della Pietà in Venedig, einem Heim für Mädchen mit eigenem Musikbetrieb, und schrieb über 500 Konzerte. Sein Bauprinzip ist das Ritornell: Das ganze Ensemble spielt einen wiederkehrenden Abschnitt, dazwischen führt ein Solist eigenes Material aus. Das Ryom-Verzeichnis ordnet seine Werke und vergibt dafür die RV-Nummern.

1678geboren in Venedig
1741gestorben in Wien
über 500Konzerte
RVWerkverzeichnis

Wer war Antonio Vivaldi?

Antonio Vivaldi war Komponist, Violinvirtuose, Musiklehrer und katholischer Priester. Er kam am 4. März 1678 in Venedig zur Welt; sein Vater Giovanni Battista Vivaldi spielte als Geiger an San Marco und unterrichtete ihn. 1703 empfing Vivaldi die Priesterweihe.

Im selben Jahr trat er als Violinlehrer in das Ospedale della Pietà ein und blieb dem Haus mit Unterbrechungen bis 1740 verbunden. Daneben arbeitete er als Opernkomponist und Impresario in Venedig, Mantua, Rom und weiteren Städten. 1740 zog er nach Wien. Dort starb er am 28. Juli 1741, und man begrub ihn in einem einfachen Grab.

MerkmalAntonio Vivaldi
Lebensdaten4. März 1678 bis 28. Juli 1741
GeburtsortVenedig
SterbeortWien
EpocheBarock
WirkungsstättenOspedale della Pietà in Venedig, Mantua, Rom, Wien
ÄmterPriester, Violinlehrer und Konzertmeister an der Pietà, Opernimpresario
Prägende GattungenSolokonzert, Oper, geistliche Vokalmusik
WerkverzeichnisRV, aufgestellt von Peter Ryom, nach Gattungen geordnet
Besonderheitmachte den dreisätzigen Aufbau des Solokonzerts zum Standard

Was zeichnet die Musik von Antonio Vivaldi aus?

Die Musik von Antonio Vivaldi lebt vom Wechsel zwischen Tutti und Solo. Das ganze Ensemble spielt ein Ritornell, einen geschlossenen Abschnitt mit einprägsamer Figur. Danach übernimmt der Solist und bringt Material, das nur ihm gehört. Dann kehrt das Ritornell wieder, verkürzt und in einer anderen Tonart. Am Ende steht es vollständig in der Grundtonart.

Das Ritornell kehrt verkürzt und in anderen Tonarten wieder. Tutti Solo Tutti Solo Tutti Solo Tutti Grundtonart moduliert Dominante moduliert verwandte Tonart moduliert Grundtonart Tutti: das ganze Ensemble spielt das Ritornell Solo: die Solostimme über dem Basso continuo
Im Konzertsatz Vivaldis wechseln Tutti und Solo. Das Ritornell rahmt den Satz in der Grundtonart und kehrt dazwischen verkürzt in verwandten Tonarten wieder, während die Soloepisoden modulieren.

Dieses Ritornellprinzip gibt dem Hörer eine Orientierung, die andere musikalische Formen des Barock so nicht bieten: An der Wiederkehr des Tutti erkennt er, an welcher Stelle des Satzes er sich befindet. Vivaldi legte außerdem die Satzfolge fest, die das Solokonzert bis heute prägt: schnell, langsam, schnell.

Für die Geige schreibt Vivaldi aus dem Griff heraus. Er nutzt Doppelgriffe, hohe Lagen, schnelle Saitenwechsel und Bogenfiguren, die auf dem Instrument gut liegen und trotzdem brillant klingen. Unter allem läuft der Basso continuo, den meist ein Cembalo gemeinsam mit einem tiefen Streichinstrument ausführt.

Wie weit Vivaldi die Tonmalerei trieb, zeigen Die vier Jahreszeiten. Jedem der vier Konzerte ist ein Sonett vorangestellt, und im Notentext markieren Buchstaben, welche Zeile an welcher Stelle klingt: Vogelrufe, ein Gewitter, klappernde Zähne im Winter, ein bellender Hund als liegende Bratschenfigur. Damit gehören sie zu den frühen Beispielen für Programmmusik, also für Instrumentalmusik, die einen benannten Vorgang abbildet.

Vivaldi schrieb seine Konzerte für Schülerinnen, nicht für Stars. Das Ospedale della Pietà nahm Mädchen auf und bildete einen Teil von ihnen zu Musikerinnen aus. Ihr Ensemble spielte auf den Emporen hinter Gittern, und Reisende kamen eigens nach Venedig, um es zu hören. Für dieses Ensemble entstand ein großer Teil seiner Konzerte.

Welche Werke schrieb Antonio Vivaldi?

  • Die vier Jahreszeiten, vier Violinkonzerte, die 1725 als Nummern 1 bis 4 der Sammlung Il cimento dell'armonia e dell'inventione (op. 8) erschienen.
  • L'estro armonico (op. 3), zwölf Konzerte, 1711 in Amsterdam gedruckt; sie machten Vivaldi in ganz Europa bekannt.
  • La stravaganza (op. 4), zwölf Violinkonzerte.
  • Konzert für zwei Violinen a-Moll aus L'estro armonico, das Johann Sebastian Bach für Orgel bearbeitete.
  • Gloria D-Dur (RV 589), sein meistgesungenes Chorwerk.
  • Stabat Mater, eine geistliche Vertonung für tiefe Solostimme und Streicher.
  • Opern wie Orlando furioso, Farnace und Griselda, von denen nur ein Teil erhalten ist.

Welche Stellung hatte Antonio Vivaldi zu Lebzeiten?

Antonio Vivaldi war zu Lebzeiten europaweit bekannt, und zwar durch gedruckte Noten. Der Amsterdamer Verleger Estienne Roger brachte seine Sammlungen heraus, sodass sie in Deutschland, England und Frankreich zirkulierten. Johann Sebastian Bach studierte sie und bearbeitete mehrere Konzerte für Tasteninstrumente.

Den geistlichen Stand behielt Vivaldi sein Leben lang, las aber schon bald nach 1703 keine Messe mehr. Als Grund nannte er selbst ein Brustleiden.

In den 1730er Jahren verlor sein Stil in Venedig an Zugkraft, und neue Opern brachten weniger ein. 1740 verließ er die Stadt Richtung Wien. Kaiser Karl VI., der ihn Jahre zuvor ausgezeichnet hatte, starb im Oktober 1740. Vivaldi starb im Juli 1741 in Wien; die Unterlagen seines Begräbnisses weisen die einfachste Ausstattung aus.

Welchen Einfluss hat Antonio Vivaldi bis heute?

Antonio Vivaldi prägt bis heute die Form des Solokonzerts: Dreisätzigkeit und Ritornellprinzip übernahmen Bach, Händel und über sie die spätere Konzerttradition. Nach seinem Tod verschwand seine Musik dagegen fast vollständig aus dem Spielbetrieb, und das 19. Jahrhundert kannte ihn vor allem als Namen in der Bach-Forschung.

Die Wende kam im 20. Jahrhundert. Ende der 1920er Jahre tauchten in Turin große Bestände seiner Handschriften auf und gelangten in die dortige Nationalbibliothek. Ab den 1950er Jahren brachten Schallplatten vor allem Die vier Jahreszeiten in Umlauf, bis das Werk zu den meisteingespielten der klassischen Musik zählte.

Heute steht Vivaldi im Zentrum der historisch informierten Aufführungspraxis. Ensembles mit Darmsaiten und Barockbögen spielen seine Konzerte schneller, schärfer akzentuiert und in tieferer Stimmung als die Orchester des 20. Jahrhunderts.

Häufige Fragen zu Antonio Vivaldi

Was bedeutet RV bei Antonio Vivaldi?

RV steht für Ryom-Verzeichnis, das der dänische Musikwissenschaftler Peter Ryom ab 1973 aufstellte. Es ordnet Vivaldis Werke nach Gattungen und Besetzungen, nicht nach Entstehungszeit. Daneben tragen die zu Lebzeiten gedruckten Sammlungen Opuszahlen, die Vivaldi selbst vergab.

Warum heißt Antonio Vivaldi der rote Priester?

Antonio Vivaldi trug in Venedig den Beinamen il Prete Rosso, den roten Priester, weil er rote Haare hatte. Er empfing 1703 die Priesterweihe, las aber schon nach kurzer Zeit keine Messe mehr und nannte dafür ein Brustleiden als Grund. Den geistlichen Stand behielt er bei, arbeitete aber hauptsächlich als Musiker.

Was sind Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi?

Die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi sind vier Violinkonzerte, die 1725 als erste vier Nummern der Sammlung op. 8 im Druck erschienen. Jedes Konzert hat drei Sätze und schildert eine Jahreszeit. Jedem ist ein Sonett vorangestellt, dessen Zeilen im Notentext einzelnen Stellen zugeordnet sind. Wer die Sonette verfasste, ist nicht bekannt.

Für wen schrieb Antonio Vivaldi seine Konzerte?

Antonio Vivaldi schrieb einen großen Teil seiner Konzerte für das Ensemble des Ospedale della Pietà in Venedig, an dem er als Violinlehrer und später als Konzertmeister arbeitete. Weitere Konzerte entstanden für einzelne Auftraggeber und für den Druck, darunter die Sammlungen op. 3, op. 4 und op. 8.

Weitere Artikel in Bands

Bob Dylan

Bob Dylan

Bob Dylan ist ein US-amerikanischer Songwriter, bei dem der Text die Musik bestimmt. Er begann 1961 in der Folkszene von Greenwich Village mit Gesang, Westerngitarre und einer Mundharmonika im Halter vor der Brust. 1965 stellte er auf eine elektrische Besetzung um und stieß damit einen Teil des Folkpublikums vor den Kopf. Seine Melodien folgen dem Sprachrhythmus, nicht umgekehrt. 2016 erhielt er den Nobelpreis für Literatur.

Bob Marley

Bob Marley

Bob Marley war ein jamaikanischer Sänger und Gitarrist, der den Reggae außerhalb Jamaikas bekannt machte. 1963 gründete er in Kingston mit Bunny Wailer und Peter Tosh die Gruppe The Wailers, die zunächst Ska spielte, dann Rocksteady und ab Ende der 1960er Jahre Reggae. Sein Klang beruht auf zwei Bausteinen: einer Gitarre, die nur zwischen den Zählzeiten anschlägt, und einem Schlagzeugmuster, das die erste Zählzeit frei lässt. Bob Marley starb 1981.

Clara Schumann

Clara Schumann

Clara Schumann war eine deutsche Pianistin und Komponistin und eine der bedeutendsten Konzertpianistinnen des 19. Jahrhunderts. Sie trat von 1828 bis 1891 öffentlich auf, also über sechs Jahrzehnte, und stellte ihre Programme aus Werken anderer Komponisten zusammen statt aus eigenen Virtuosenstücken. Ihre 23 veröffentlichten Werke reichen vom Klavierkonzert a-Moll op. 7 bis zu den Liedern von 1853. Von 1878 bis 1892 unterrichtete sie am Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt am Main.

David Bowie

David Bowie

David Bowie war ein britischer Sänger, Songwriter und Saxophonist, der seine Alben um wechselnde Kunstfiguren herum baute. Mit jeder Figur tauschte er Band, Produzent und Aufnahmeort, weshalb sich sein Werk in Phasen gliedert und nicht in einen durchgehenden Stil. Zwischen 1977 und 1979 erschienen drei Alben, die er mit Brian Eno und Tony Visconti aufnahm und die elektronische Klangflächen in die Rockmusik holten. Sein letztes Album Blackstar erschien im Januar 2016.