Clara Schumann war eine deutsche Pianistin und Komponistin und eine der bedeutendsten Konzertpianistinnen des 19. Jahrhunderts. Sie trat mit neun Jahren erstmals öffentlich auf und stand bis 1891 auf dem Podium, insgesamt über sechs Jahrzehnte. Sie stellte ihre Programme aus Werken anderer Komponisten zusammen statt aus eigenen Virtuosenstücken und spielte sie auswendig; beides war zu Beginn ihrer Laufbahn unüblich. Ihre eigenen Kompositionen für Klavier, Kammermusik und Singstimme blieben lange unbeachtet und stehen erst seit dem späten 20. Jahrhundert wieder regelmäßig auf Programmen und Aufnahmen.
Wer war Clara Schumann?
Clara Schumann kam 1819 als Clara Wieck in Leipzig zur Welt. Ihr Vater Friedrich Wieck, Klavierlehrer und Musikalienhändler, unterrichtete sie von klein auf und plante ihre Laufbahn. Mit neun Jahren trat sie erstmals im Leipziger Gewandhaus auf, mit elf gab sie dort ihr erstes eigenes Konzert. 1840 heiratete sie den Komponisten Robert Schumann; ihr Vater verweigerte die Zustimmung, das Paar setzte die Ehe vor Gericht durch. Aus der Ehe gingen acht Kinder hervor.
| Merkmal | Clara Schumann |
|---|---|
| Lebensdaten | 1819 bis 1896 |
| Geburtsname | Clara Wieck |
| Geburtsort | Leipzig |
| Sterbeort | Frankfurt am Main |
| Epoche | Romantik |
| Wirkungsstätten | Leipzig, Dresden, Düsseldorf, Berlin, Baden-Baden, Frankfurt am Main |
| Werkgattungen | Klavierwerke, Lieder, Kammermusik, ein Klavierkonzert |
| Instrument | Klavier |
| Besonderheit | Konzertlaufbahn von 1828 bis 1891, mehr als sechs Jahrzehnte |
Was machte Clara Schumann als Pianistin aus?
Clara Schumann spielte in ihren Konzerten überwiegend Werke anderer Komponisten. Zu Beginn ihrer Laufbahn war das die Ausnahme: Virtuosen traten vor allem mit selbst geschriebenen Stücken an, mit Variationen über bekannte Melodien, Fantasien über Opernthemen und Bravourstücken, die die eigene Technik vorführten. Sie stellte ihre Programme aus Werken von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin, Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann und Johannes Brahms zusammen und spielte ganze Werke statt einzelner beliebter Sätze.
Dazu kam der Vortrag aus dem Gedächtnis. Auswendigspiel war in den 1830er Jahren selten, und Clara Schumann gehörte zu denen, die es zur Gewohnheit machten. Beides zusammen verschob den Konzertabend von der Vorführung des Auftretenden hin zum Werk.
Ihre Laufbahn fiel in die Jahrzehnte, in denen das Klavier seine heutige Bauform bekam. Der gusseiserne Rahmen hielt höhere Saitenspannung aus, die Repetitionsmechanik erlaubte schnellere Tonwiederholung, und der Flügel setzte sich als Konzertinstrument durch. Erst diese Instrumente trugen ihre Programme in großen Sälen.
Wie verliefen Clara Schumanns Konzertjahre und Kompositionsjahre?
Ihre Konzerttätigkeit lief über 63 Jahre, ihre veröffentlichte Kompositionstätigkeit über gut zwei Jahrzehnte. Beides überschneidet sich nur in der ersten Hälfte ihres Lebens.
Welche Werke schrieb Clara Schumann?
Clara Schumann veröffentlichte 23 Werke mit Opuszahl, den Schwerpunkt bilden Klavierstücke und Lieder. Vier davon stehen im Konzertrepertoire an erster Stelle.
- Klavierkonzert a-Moll op. 7 begann sie als Dreizehnjährige. Das Leipziger Gewandhausorchester spielte es 1835 unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy, die Solistin war sie selbst.
- Klaviertrio g-Moll op. 17 entstand 1846 und gilt als ihr meistgespieltes Kammermusikwerk.
- Drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22 schrieb sie 1853 für den Geiger Joseph Joachim.
- Lieder schrieb sie über ihre gesamte Schaffenszeit. Drei davon erschienen 1841 in der gemeinsam mit Robert Schumann herausgegebenen Sammlung nach Gedichten Friedrich Rückerts; bei ihm tragen sie op. 37, bei ihr op. 12.
Nach 1853 erschien kein neues Werk mehr von ihr. Sie war damals 34 Jahre alt.
Clara Schumann hörte mit Mitte dreißig auf zu komponieren, nicht aufzutreten. Auf das Jahr 1853 mit den Opuszahlen 20 bis 23 folgten Robert Schumanns Erkrankung, sein Tod 1856 und die Aufgabe, acht Kinder allein zu versorgen. Das Konzertpodium war ihre Einnahmequelle, das Komponieren nicht. In ihrem Tagebuch bezweifelte sie zudem, dass eine Frau überhaupt komponieren solle.
Wie verbreitete Clara Schumann die Werke von Robert Schumann und Johannes Brahms?
Clara Schumann brachte die Klavierwerke ihres Mannes ins Repertoire. Zu seinen Lebzeiten hörte man viele davon selten; sie spielte sie über Jahrzehnte in ganz Europa und stellte sie neben Bach und Beethoven. Nach seinem Tod gab sie die Gesamtausgabe seiner Werke bei Breitkopf und Härtel heraus, dazu eine Unterrichtsausgabe der Klavierwerke mit Fingersätzen und Vortragszeichen.
Johannes Brahms lernte sie 1853 kennen, als er bei den Schumanns in Düsseldorf vorspielte. Die Freundschaft hielt bis zu ihrem Tod 1896. Sie las seine Manuskripte, äußerte sich zu einzelnen Stellen und nahm seine Klavierwerke in ihre Programme auf, als er in Deutschland noch wenig bekannt war. Auch Werke von Frédéric Chopin standen früh bei ihr auf dem Programm.
Was unterrichtete Clara Schumann in Frankfurt?
Clara Schumann unterrichtete von 1878 bis 1892 Klavier am neu gegründeten Dr. Hochs Konservatorium in Frankfurt am Main. Sie handelte dabei Bedingungen aus, die ihre Konzertreisen weiter zuließen und ihr fortgeschrittene Schülerinnen und Schüler sicherten. Zu ihnen gehörten Fanny Davies und Leonard Borwick, die ihre Spielweise nach England weitertrugen.
Ihr letztes öffentliches Konzert gab sie 1891 in Frankfurt, fünf Jahre vor ihrem Tod. Begraben ist sie in Bonn neben Robert Schumann. Der deutsche Hundertmarkschein der letzten Serie zeigte ihr Bildnis, und ihr Name steht heute wieder auf Programmen der klassischen Musik, mit ihren eigenen Werken.
Häufige Fragen zu Clara Schumann
Was komponierte Clara Schumann?
Clara Schumann veröffentlichte 23 Werke mit Opuszahl, darunter das Klavierkonzert a-Moll op. 7, das Klaviertrio g-Moll op. 17, die Drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22 sowie zahlreiche Klavierstücke und Lieder. Den Schwerpunkt bilden Werke für Klavier und für Singstimme mit Klavier. Nach 1853 veröffentlichte sie keine neuen Kompositionen mehr.
Wie lange dauerte Clara Schumanns Konzertlaufbahn?
Clara Schumanns Konzertlaufbahn dauerte 63 Jahre, von ihrem ersten Auftritt im Leipziger Gewandhaus 1828 bis zu ihrem letzten öffentlichen Konzert 1891 in Frankfurt am Main. Sie reiste in dieser Zeit durch ganz Europa, wiederholt nach England, Wien, Paris und Russland. Nach dem Tod Robert Schumanns 1856 trat sie weitere 35 Jahre auf.
Warum sind Clara Schumanns Kompositionen wenig bekannt?
Clara Schumanns Kompositionen sind wenig bekannt, weil sie nach 1853 nichts mehr veröffentlichte und Verlage wie Veranstalter ihre Werke danach über hundert Jahre kaum druckten und kaum spielten. Ihr Ruf als Pianistin und ihre Arbeit an den Werken Robert Schumanns überdeckten das eigene Schaffen. Seit dem späten 20. Jahrhundert liegen ihre Werke wieder in Ausgaben vor, und Pianistinnen und Ensembles spielen sie regelmäßig.
In welchem Verhältnis stand Clara Schumann zu Johannes Brahms?
Clara Schumann und Johannes Brahms verband eine Freundschaft von 1853 bis zu ihrem Tod 1896. Sie begann, als der zwanzigjährige Brahms bei den Schumanns in Düsseldorf vorspielte. Clara Schumann las später seine Manuskripte, äußerte sich zu einzelnen Stellen und spielte seine Klavierwerke öffentlich, als er noch wenig bekannt war.




