Der Barbat ist eine persische Kurzhalslaute mit birnenförmigem Korpus und bundlosem Griffbrett. Sein Hals ist kurz, der Wirbelkasten am Ende nach hinten abgeknickt. Der Barbat gilt als Vorläufer der arabischen Oud und damit auch der europäischen Laute. Belegt ist er in der Zeit der Sassaniden, also in den Jahrhunderten vor der islamischen Eroberung Persiens.
Wie klingt ein Barbat?
Der Barbat klingt warm und dunkel, ohne scharfe Höhen. Weil das Griffbrett keine Bünde trägt, gleitet der Spieler zwischen den Tönen und trifft die Zwischentöne der persischen Tonleitern, die auf einem Klavier nicht vorkommen. Genau darin liegt der musikalische Sinn des bundlosen Halses.
Wie ein Barbat klingt, zeigt dieses Klangbeispiel:
Wie ist ein Barbat aufgebaut?
Der Korpus des Barbat ist birnenförmig und tief gewölbt. Heutige Instrumentenbauer leimen ihn aus schmalen Holzspänen zusammen, frühe Formen entstanden dagegen aus einem einzigen Holzblock. Die Decke trägt ein oder mehrere Schalllöcher mit geschnitzter Rosette.
Der Hals fällt im Verhältnis zum Korpus kurz aus und hat keine Bünde. An seinem Ende knickt der Wirbelkasten steil nach hinten ab. Die Saiten liegen chorweise, also paarweise auf demselben Ton: Historische Instrumente trugen vier solcher Chöre, heutige meist fünf oder sechs.
Wie spielt man den Barbat?
Der Spieler legt den Barbat auf den Oberschenkel und stützt ihn mit dem rechten Unterarm. Die rechte Hand führt ein längliches Plektrum über die Saiten, das die Spieler früher aus einer Feder schnitten. Die linke Hand greift auf dem bundlosen Hals.
Weil kein Bund die Tonhöhe vorgibt, entscheidet allein die Fingerposition darüber, ob ein Ton stimmt. Der Spieler schmückt die Melodie mit kurzen Vorschlägen und Läufen aus, wie es die persische Kunstmusik verlangt.
Woher stammt der Barbat?
Der Barbat stammt aus Persien und war am Hof der Sassaniden bekannt. Mit ihm verbindet sich der Name des Hofmusikers Barbad, der unter Chosrau II. wirkte und in der persischen Überlieferung als der große Musiker seiner Zeit gilt.
Nach der islamischen Eroberung ging der Barbat in den arabischen Raum über und entwickelte sich dort zur Oud, deren Name auf Arabisch schlicht Holz bedeutet. Über das maurische Spanien erreichte dieser Instrumententyp Europa, wo daraus die Laute wurde.
Im 20. Jahrhundert bauten iranische Werkstätten den Barbat nach alten Vorbildern neu. Seither spielt er wieder in der klassischen persischen Musik mit, oft zusammen mit dem Setar oder dem Santur.
Häufige Fragen zum Barbat
Was ist der Unterschied zwischen Barbat und Oud?
Der Barbat ist der ältere, persische Instrumententyp, die Oud seine arabische Weiterentwicklung. Beide sind bundlose Kurzhalslauten mit birnenförmigem Korpus und paarweise gespannten Saiten. Sie unterscheiden sich in Größe, Stimmung und Spielweise je nach Musiktradition, in der sie stehen.
Hat ein Barbat Bünde?
Nein, der Barbat hat keine Bünde. Der Spieler bestimmt jede Tonhöhe allein über die Fingerposition. Erst dadurch lassen sich die Zwischentöne der persischen Tonleitern spielen, für die ein bundiertes Griffbrett keinen Platz ließe.
Wie viele Saiten hat ein Barbat?
Der Barbat trägt seine Saiten paarweise. Historische Instrumente hatten vier solcher Saitenchöre, heutige meist fünf oder sechs, was zehn oder zwölf Saiten entspricht. Manche Instrumente ergänzen eine einzelne tiefe Saite.
Ist der Barbat schwer zu lernen?
Der Barbat gilt als anspruchsvoll, weil das bundlose Griffbrett jeden Ton dem Gehör überlässt. Wer von einem bundierten Instrument kommt, braucht Zeit für die Intonation. Die rechte Hand mit dem Plektrum folgt dagegen wenigen klaren Bewegungen.




