Maultrommel

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Redaktion
Maultrommel aus Metall in Nahaufnahme, der hufeisenförmige Rahmen und die federnde Zunge liegen frei. Bild: KI generiert.
Maultrommel aus Metall in Nahaufnahme, der hufeisenförmige Rahmen und die federnde Zunge liegen frei. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Maultrommel ist ein Zupfidiophon aus einem Rahmen mit einer federnden Zunge, den der Spieler an die Zähne setzt und anzupft. Die Zunge liefert dabei immer denselben Grundton. Die Melodie entsteht ausschließlich im Mundraum, der als veränderlicher Resonanzraum einzelne Teiltöne dieses Grundtons verstärkt. Trotz des Wortes Trommel im Namen hat das Instrument weder Fell noch Kessel und zählt zu den Idiophonen.

Die Maultrommel ist ein Zupfidiophon: ein Rahmen aus Metall oder Bambus mit einer federnden Zunge, den der Spieler an die Zähne setzt und anzupft. Die Zunge liefert dabei immer denselben Grundton. Die Melodie entsteht ausschließlich im Mundraum, den der Spieler als veränderlichen Resonanzraum nutzt und mit dem er einzelne Teiltöne des Grundtons verstärkt. Trotz des Wortes Trommel im Namen hat das Instrument weder Fell noch Kessel.

1Grundton je Instrument
IdiophonInstrumentenfamilie
MundraumResonanzraum
Federstahlhäufigster Werkstoff

Was ist eine Maultrommel?

Die Maultrommel ist ein Zupfidiophon, also ein Instrument, dessen Klang im festen Material selbst entsteht. Ein hufeisenförmiger Rahmen läuft in zwei parallele Schenkel aus, zwischen denen eine schmale Zunge frei schwingt. Der Spieler setzt den Rahmen an die Schneidezähne und zupft das abgewinkelte Ende der Zunge mit dem Zeigefinger an. Die Zunge schwingt zwischen den Schenkeln hindurch, ohne sie zu berühren.

MerkmalMaultrommel
FamilieIdiophon (Zupfidiophon), kein Membranophon
Klangerzeugerfedernde Zunge im Rahmen
ResonanzraumMundhöhle des Spielers
Tonvorratein fester Grundton und dessen Teiltöne
WerkstoffFederstahl, früher auch Bronze, in Asien Bambus
Bauformenheteroglott (eingesetzte Zunge), idioglott (herausgeschnittene Zunge)
Andere NamenBrummeisen, Mundharfe, englisch jaw harp
VerbreitungEuropa, Zentralasien, Sibirien, Südostasien

Warum ist die Maultrommel keine Trommel?

Die Maultrommel hat kein Fell und keinen Kessel, ihr fehlt also alles, was eine Trommel ausmacht. In der Systematik der Musikinstrumente steht sie bei den Idiophonen: Der schwingende Körper ist die Zunge selbst, und sie besteht aus demselben festen Material wie der Rahmen. Membranophone wie Pauke, Djembe oder Conga erzeugen ihren Ton dagegen mit einer gespannten Haut über einem Hohlkörper.

Der Name ist trotzdem seit Jahrhunderten gebräuchlich, und auch die deutschen Nebenformen Brummeisen und Mundharfe halten sich. Im Englischen heißt das Instrument jaw harp, im Russischen Wargan, bei den Jakuten in Sibirien Chomus.

Wie erzeugt die Maultrommel ihre Melodie?

Die Melodie entsteht im Mund des Spielers, nicht im Instrument. Die angezupfte Zunge schwingt immer mit derselben Frequenz und liefert damit einen einzigen Grundton, dazu dessen vollständige Teiltonreihe. Alle diese Teiltöne klingen gleichzeitig und zunächst gleichförmig. Erst der Mundraum entscheidet, welcher von ihnen laut wird.

Der Spieler verändert Volumen und Form der Mundhöhle mit Zunge, Kiefer und Lippen. Jede Form hat eine eigene Resonanzfrequenz und verstärkt genau den Teilton, der ihr am nächsten liegt; die übrigen bleiben leise. Ein weiter Mundraum hebt einen tiefen Teilton hervor, ein enger einen hohen. Das Instrument liefert also nur das Rohmaterial, die Melodie formt der Spieler mit dem Mund.

Die Zunge liefert immer denselben Grundton mit seiner ganzen Teiltonreihe. Der Mundraum verstärkt daraus jeweils einen einzelnen Teilton. weiter Mundraum enger Mundraum Teilton 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Grundton Nur der getroffene Teilton wird laut. Der Grundton der Zunge ändert sich dabei nie.
Die Zunge liefert Grundton und Teiltöne unverändert. Der Mundraum wirkt als Filter: Bei weitem Mund liegt seine Resonanz über einem tiefen Teilton, bei engem Mund über einem hohen.

Daraus folgt eine harte Grenze. Spielbar sind nur Töne aus der Teiltonreihe über diesem einen Grundton, eine beliebige Tonleiter ist nicht möglich. Brauchbar ist vor allem der mittlere Bereich der Reihe: Die tiefen Teiltöne liegen zu weit auseinander, um daraus eine Melodie zu bilden, die hohen werden zu leise.

Die Zunge einer Maultrommel gibt nur einen einzigen Ton her. Alles, was nach Melodie klingt, sind verstärkte Teiltöne genau dieses Grundtons. Der Spieler singt dabei nicht und verändert am Instrument nichts; er verändert ausschließlich die Form seiner Mundhöhle.

Wie spielt man eine Maultrommel?

Der Spieler drückt den Rahmen leicht gegen die oberen und unteren Schneidezähne und hält ihn dort ruhig. Die Lippen legen sich locker um den Rahmen, berühren die schwingende Zunge aber nicht. Der Zeigefinger der anderen Hand zupft das abgewinkelte Ende an, nach außen oder nach innen; die Zupfrichtung verändert den Anschlag hörbar.

Zwei Techniken kommen dazu. Erstens die Atmung: Ein- und Ausatmen durch das Instrument verstärkt den Klang und trägt lange Bögen ohne Pause. Zweitens die Zunge im Mund, die den Resonanzraum in kleinere Kammern teilt und damit schnelle Tonwechsel möglich macht. Zu fester Druck gegen die Zähne schadet dem Zahnschmelz, und ein Fehlgriff lässt die Metallzunge gegen die Zähne schlagen.

Welche Bauformen der Maultrommel gibt es?

  • Heteroglotte Maultrommel trägt eine getrennt gefertigte Zunge aus Federstahl, die in einen geschmiedeten Rahmen eingesetzt ist. Das ist die in Europa übliche Bauform.
  • Idioglotte Maultrommel entsteht aus einem einzigen Stück, meist Bambus, Holz oder Knochen, aus dem die Zunge herausgeschnitten wird. Das philippinische Kubing aus Bambus gehört dazu.
  • Schnurmaultrommel wird nicht mit dem Finger angezupft, sondern über eine Schnur am Rahmen ruckartig in Schwingung versetzt. Diese Bauform ist in Südostasien und Sibirien verbreitet.
  • Sätze aus mehreren Instrumenten gleichen den festen Grundton aus. Wie bei der Handpan legt der Bau die Tonart fest, deshalb hält ein Spieler zwei oder drei Maultrommeln unterschiedlicher Stimmung bereit und wechselt das Instrument statt den Griff.

Woher stammt die Maultrommel?

Die Maultrommel ist über weite Teile Eurasiens verbreitet, und mehrere Regionen haben eigene Bauformen und Spielweisen hervorgebracht. In Europa belegen Bodenfunde das Instrument seit dem Mittelalter; eiserne Exemplare kommen bei Grabungen in Burgen und Städten regelmäßig zutage. Ein Zentrum der europäischen Herstellung liegt in Molln in Oberösterreich, wo Werkstätten die Maultrommel seit Jahrhunderten in Handarbeit schmieden.

In Sibirien und Zentralasien hat sie einen anderen Rang. Der jakutische Chomus gilt als Nationalinstrument, und in Tuwa und der Mongolei steht die Maultrommel neben dem Obertongesang, der nach demselben Prinzip arbeitet: Auch dort formt der Mundraum aus einem festen Grundton eine Melodie aus Teiltönen. In Südostasien übernehmen Bambusinstrumente wie das Kubing dieselbe Rolle.

Häufige Fragen zur Maultrommel

Ist die Maultrommel eine Trommel?

Die Maultrommel ist keine Trommel, sondern ein Idiophon. Sie hat weder Fell noch Kessel; der Klang entsteht in einer federnden Zunge aus Metall oder Bambus. Membranophone wie Pauke oder Conga brauchen dagegen eine gespannte Haut. Der Name führt in die Irre, die Einordnung in der Instrumentensystematik ist eindeutig.

Wie entsteht die Melodie auf der Maultrommel?

Die Melodie der Maultrommel entsteht im Mundraum des Spielers. Die Zunge des Instruments erzeugt nur einen einzigen Grundton samt seiner Teiltöne. Indem der Spieler Kiefer, Zunge und Lippen bewegt, verändert er die Resonanzfrequenz seiner Mundhöhle und verstärkt damit genau einen dieser Teiltöne, während die übrigen leise bleiben. Das Instrument selbst wechselt die Tonhöhe nie.

In welcher Tonart spielt eine Maultrommel?

Eine Maultrommel spielt in genau einer Tonart, festgelegt durch den Grundton ihrer Zunge. Spielbar sind nur Töne aus der Teiltonreihe über diesem Grundton. Wer in einer anderen Tonart begleiten will, greift zu einem zweiten Instrument; Spieler halten deshalb oft mehrere Maultrommeln unterschiedlicher Stimmung bereit.

Schadet Maultrommel spielen den Zähnen?

Maultrommel spielen schadet den Zähnen nicht, solange der Rahmen nur leicht an den Schneidezähnen anliegt. Schädlich sind zu fester Druck und ungenaues Zupfen, weil dann die schwingende Metallzunge gegen die Zähne schlägt und der Zahnschmelz leidet. Anfänger arbeiten deshalb zuerst an einem ruhigen, lockeren Ansatz.

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