Ratsche

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Bild: danielphoto33 / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Ratsche ist ein Idiophon aus der Familie der Zahnradrasseln, kein Tasteninstrument, sondern ein reines Rhythmus- und Effektinstrument ohne festgelegte Tonhöhe. Der Name "Ratsche" ist zugleich Gattungsbegriff für unterschiedlich große Bauformen, von kleinen, einhändig schwingbaren Handratschen bis zu meterhohen, kurbelbetriebenen Standratschen, die bei Prozessionen von mehreren Personen gemeinsam getragen und bedient werden.

Die Ratsche ist ein Idiophon aus der Familie der Zahnradrasseln, kein Tasteninstrument, sondern ein reines Rhythmus- und Effektinstrument ohne festgelegte Tonhöhe. Der Name "Ratsche" ist zugleich Gattungsbegriff für unterschiedlich große Bauformen, von kleinen, einhändig schwingbaren Handratschen bis zu meterhohen, kurbelbetriebenen Standratschen, die bei Prozessionen von mehreren Personen gemeinsam getragen und bedient werden. Sie ist in ganz Europa und Asien seit Jahrhunderten verbreitet und wurde sowohl als Signalgerät (etwa zur Warnung vor Gasangriffen im Ersten und Zweiten Weltkrieg) als auch in rituellen Zusammenhängen eingesetzt, etwa in der katholischen Karwoche oder beim jüdischen Purimfest.

Wie klingt die Ratsche?

Der Klang der Ratsche ist scharf, trocken und rasselnd: eine schnelle Folge einzelner, klackernder Impulse, die entstehen, wenn eine federnde Zunge über die Zähne eines rotierenden Zahnrads schnappt. Es handelt sich um einen reinen Geräuschklang ohne definierte Tonhöhe, der sich durch seine Lautstärke und Durchdringungskraft auszeichnet. Größere Standratschen erzeugen dabei einen tieferen, kräftigeren und weiter tragenden Klang als kleine Handratschen, deren Geräusch heller und schärfer ausfällt.

Woraus besteht die Ratsche?

Im Zentrum der Ratsche steht ein gezähntes Holz- oder Metallrad, das drehbar auf einer Achse mit Griff sitzt. An einem feststehenden Rahmen ist eine oder sind mehrere federnde Zungen aus Holz oder Metall befestigt, die gegen die Zähne des Rades drücken.

Bei kleinen Handratschen ist das Zahnrad fest mit einer Achse verbunden, während der umgebende Rahmen samt Zunge frei um diese Achse schwingt; beim Schwenken des Griffs dreht sich das Rad gegenüber der feststehenden Zunge und erzeugt so das charakteristische Klackern. Große, prozessionstaugliche Standratschen dagegen besitzen eine Handkurbel, mit der das Zahnrad direkt gegen mehrere feste Zungen gedreht wird. Manche traditionelle Standratschen besitzen mehrere übereinander angeordnete Zahnräder mit jeweils eigenen Zungen, wodurch sich ein noch dichteres, mehrstimmiges Rasselgeräusch erzeugen lässt.

Wie spielt man die Ratsche?

Die Handratsche wird am Griff gefasst und in einer schnellen Kreisbewegung geschwenkt: Durch die Fliehkraft dreht sich das Zahnrad frei gegen die feststehende Feder, wodurch die typische, schnell aufeinanderfolgende Klapper- und Knattergeräuschfolge entsteht. Größere Standratschen werden dagegen über eine Handkurbel gedreht. Bei besonders großen, in Prozessionen mitgeführten Standratschen übernehmen häufig mehrere Kinder gemeinsam das Tragen und Kurbeln, was dem Brauch zusätzlich einen ausgeprägt gemeinschaftlichen Charakter verleiht.

Beim jüdischen Purimfest wird die Ratsche (jiddisch "Gragger") während der öffentlichen Lesung der Estherrolle bei jeder Nennung des Namens Haman kräftig geschwenkt, um dessen Namen buchstäblich zu übertönen. In der katholischen Karwoche ziehen vielerorts, vor allem in Österreich und Bayern, Kinder mit Handratschen und großen Standratschen von Gründonnerstag bis Karsamstag durch die Straßen, um die zu dieser Zeit traditionell schweigenden Kirchenglocken zu ersetzen, begleitet von festen, überlieferten Sprüchen.

Typische Musikstile mit der Ratsche

Die Ratsche steht nicht für einen musikalischen Stil im engeren Sinn, sondern für einen funktionalen und rituellen Einsatz: als Ersatz für Kirchenglocken in der Karwoche, als Lärminstrument beim Purimfest oder historisch als militärisches Warngerät. Auch im Orchester findet sie als perkussives Effektinstrument Verwendung, und auch im Fußballstadion war sie, bevor sie weitgehend von Trommeln und Gesangsanlagen abgelöst wurde, jahrzehntelang ein klassisches Utensil, mit dem Fans ihre Mannschaft akustisch unterstützten.

So schreibt Richard Strauss in seiner Tondichtung "Till Eulenspiegels lustige Streiche" op. 28 (1895) eine große Ratsche im Schlagwerk vor, um die Szene zu untermalen, in der Till durch den Marktplatz reitet und Töpfe zerschlägt.

Bekannte Lieder mit der Ratsche

1. Richard Strauss, "Till Eulenspiegels lustige Streiche" op. 28: Eines der bekanntesten Orchesterwerke, dessen Partitur ausdrücklich eine "Ratsche (Holzklapper)" im Schlagwerk verlangt, ein für die damalige Orchesterliteratur ungewöhnlich unkonventionelles Klangmittel. 2. "Ratschengehen" in der Karwoche: der lebendige österreichisch-bayerische Brauch, bei dem Kinder mit Ratschen von Gründonnerstag bis Karsamstag durch die Ortschaften ziehen und dabei traditionelle, von Region zu Region leicht variierende Verse rufen. 3. Der jüdische "Gragger" beim Purimfest: die rituelle Verwendung der Ratsche zum Übertönen des Namens Haman während der Megilla-Lesung, ein Brauch, der auf das biblische Buch Esther zurückgeht. 4. Britische Gasalarm-Ratschen des Ersten Weltkriegs: großformatige "Gas rattles", deren durchdringendes Geräusch sich deutlich von Gewehr- und Granatenlärm unterschied und so eindeutig als Warnsignal in den Schützengräben erkennbar war. 5. Orchester- und Filmmusik-Perkussion: Die Ratsche gehört bis heute zum festen Repertoire der "Krachinstrumente" für komische oder mechanische Geräuscheffekte, neben Peitsche und Holzklapper, und war bereits in Stummfilm-Begleitmusik ein festes Requisit.

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