Ranat Thum Lek ist ein thailändisches Idiophon aus der Familie der Metallophone und fester Bestandteil des klassischen Piphat-Ensembles Thailands. Der allgemeine Oberbegriff "Ranat" bezeichnet in der thailändischen Musik grundsätzlich Instrumente mit nebeneinander aufgehängten oder aufgelegten Klangstäben, unabhängig vom Material, die genaue Bauart und Tonlage unterscheidet die einzelnen Familienmitglieder jedoch deutlich voneinander. Anders als beim hölzernen Ranat Ek oder Ranat Thum besteht der klingende Teil des Ranat Thum Lek aus abgestuften Metallstäben, der Namenszusatz "Lek" bedeutet auf Thai "Metall". Wichtig: Ranat Ek, Ranat Thum und Ranat Thum Lek sind drei eigenständige, unterschiedlich gebaute und unterschiedlich klingende Instrumente und keineswegs alternative Bezeichnungen für ein und dasselbe Instrument. Die Erfindung des Ranat Thum Lek wird einem Bruder von König Rama IV. Mitte des 19. Jahrhunderts zugeschrieben.
Wie klingt das Ranat Thum Lek?
Der Ranat Thum Lek erzeugt einen warmen, tiefen, metallisch-glockenartigen Klang mit deutlich hörbarem Nachklingen der Metallstäbe, tiefer und resonanter als sein helleres Pendant, der Ranat Ek Lek. Im Ensemble sorgt er für ein dichtes, schimmerndes Klangfundament, über dem sich die schnelleren, höheren Linien der übrigen Melodieinstrumente entfalten. Er übernimmt dabei eine ähnliche Funktion wie ein Bassinstrument in westlichen Ensembles, ohne jedoch auf feste, isolierte Einzeltöne beschränkt zu sein.
Woraus besteht das Ranat Thum Lek?
Das Instrument besteht aus einem einzelnen, trogförmigen Holzresonanzkasten, über dem etwa 18 bis 19 flache Metallstäbe abgestufter Länge und Dicke aufgehängt sind. Die Stäbe hängen an Schnüren, die durch Bohrungen nahe ihrer Schwingungsknoten geführt sind, sodass sie frei mitschwingen können, ohne dass der Resonanzkasten die Schwingung dämpft. Die Stimmung der einzelnen Stäbe erfolgt durch das gezielte Abschleifen von Metall an den Enden (zum Erhöhen der Tonhöhe) oder in der Stabmitte (zum Absenken), eine Technik, die von erfahrenen Instrumentenbauern über Generationen weitergegeben wird.
Gespielt wird mit zwei Holzschlägeln, deren Köpfe mit Gummi oder Stoff gepolstert sind, um einen weicheren, runderen Ton zu erzeugen als ein harter Schlägel es täte.
Wie spielt man das Ranat Thum Lek?
Die spielende Person sitzt im Schneidersitz seitlich oder hinter dem Instrument und schlägt mit je einem gepolsterten Schlägel in jeder Hand auf die aufgehängten Metallstäbe. Im typischen thailändischen Ensemblesatz übernimmt der Ranat Thum Lek dabei die tiefere, ruhigere "Thum"-Stimme, die im Vergleich zur schnelleren, stärker verzierten Linie des höheren Ranat Ek einen dichten, tragenden Kontrapunkt bildet. Anfängerinnen und Anfänger im klassischen thailändischen Musikunterricht beginnen häufig am Ranat Thum Lek oder seinem hölzernen Gegenstück, da die tiefere, langsamere Stimme leichter zu erlernen ist als die virtuose, schnelle Führungsstimme des Ranat Ek.
Charakteristisch für die thailändische Ensembletechnik ist eine heterophone Spielweise: Mehrere Melodieinstrumente, darunter Ranat Ek, Ranat Thum Lek und die Gongkreise Khong Wong, spielen gleichzeitig unterschiedlich verzierte, aber auf derselben Grundmelodie basierende Stimmen, wodurch der dichte, vielschichtige Klangteppich des Piphat-Ensembles entsteht.
Typische Musikstile mit dem Ranat Thum Lek
Der Ranat Thum Lek ist fester Bestandteil des Piphat-Ensembles, das zeremonielle Musik, Begleitmusik für die maskierten Tanztheaterformen Khon und Lakhon sowie eigenständige Konzertstücke der thailändischen Klassik aufführt. Auch bei weiteren regionalen Theaterformen Südostasiens, die von thailändischer klassischer Musik beeinflusst sind, kommen piphat-ähnliche Ensembles mit Metallophonen wie dem Ranat Thum Lek zum Einsatz.
Zu den zentralen Ensembleformen, in denen der Ranat Thum Lek mitwirkt, zählen die Homrong-Ouvertüren vor Khon- und Lakhon-Aufführungen sowie das gesamte klassische Piphat-Repertoire, einschließlich zeremonieller Eröffnungsstücke wie dem Sathukan.
Bekannte Lieder mit dem Ranat Thum Lek
1. Sathukan: das traditionelle, zeremonielle Eröffnungsstück, mit dem klassische Piphat-Aufführungen und wichtige Zeremonien in Thailand eingeleitet werden; es dient traditionell dazu, Lehrer und Schutzgeister um ihren Segen für die folgende Aufführung zu bitten. 2. Homrong-Ouvertüren: die klassischen Einleitungsstücke, die vor Khon- und Lakhon-Theateraufführungen erklingen und meist aus mehreren kurzen, ineinander übergehenden Sätzen unterschiedlichen Charakters bestehen. 3. Begleitmusik zum Khon, dem maskierten Tanztheater, das die Geschichten des Ramakien (der thailändischen Fassung des Ramayana) erzählt; die Choreografie folgt dabei eng den musikalischen Phrasen des Ensembles, sodass Tanz und Musik untrennbar miteinander verwoben sind. 4. Das Fine Arts Department (Bangkok) sowie das College of Dramatic Arts, an denen bis heute die traditionelle mündliche Weitergabe des klassischen Piphat-Repertoires mitsamt Ranat Thum Lek von Lehrenden an Schülerinnen und Schüler gepflegt wird. 5. Traditionelle "Thao"-Kompositionen des Piphat-Repertoires, in denen dieselbe Melodie in unterschiedlichen Tempi und Verzierungsdichten variiert wird, eine Form, die den technischen und musikalischen Reifegrad der ausführenden Musikerinnen und Musiker besonders deutlich hervortreten lässt.




