Der Bodhrán ist eine irische Rahmentrommel: Ein runder Holzrahmen trägt auf einer Seite ein Ziegenfell, die Rückseite bleibt offen. Der Spieler hält die Trommel aufrecht auf dem Oberschenkel und schlägt das Fell mit einem beidseitig zugespitzten Holzschlägel, dem Tipper oder Cipín. Die zweite Hand liegt von innen am Fell und verändert durch ihren Druck Tonhöhe und Klangfarbe. Als zentrales Instrument der irischen Musik gilt der Bodhrán heute, seine Rolle dort ist aber jung: Vor den 1960er Jahren kam er in Sessions kaum vor.
Wie ist der Bodhrán aufgebaut?
Ein gebogener Holzrahmen aus Esche, Buche oder Sperrholz bildet den Korpus des Bodhrán. Er trägt auf einer Seite ein straff gespanntes Ziegenfell; viele moderne Bauformen nutzen stattdessen ein synthetisches Fell, das Feuchtigkeit besser verträgt. Ein bis zwei herausnehmbare Querstreben im Inneren dienen als Griff. Der Durchmesser reicht von 25 bis 65 Zentimetern, gebräuchlich sind 35 bis 45 Zentimeter bei einer Zargentiefe von 9 bis 20 Zentimetern. Ältere Instrumente spannen das Fell über Nägel oder eine umlaufende Schnur, ringsum verteilte Schrauben erlauben bei modernen Bauformen eine Nachstimmung mit dem Inbusschlüssel.
| Merkmal | Bodhrán |
|---|---|
| Familie | Rahmentrommel, Membranophon |
| Herkunft | Irland |
| Fell | Ziegenfell, einseitig bespannt |
| Durchmesser | 25 bis 65 cm, meist 35 bis 45 cm |
| Zargentiefe | 9 bis 20 cm |
| Schlägel | Tipper/Cipín, beidseitig zugespitztes Holzstäbchen |
| Spielhaltung | aufrecht auf dem Oberschenkel |
| Etablierung in der Sessionmusik | ab den 1960er Jahren |
Wie spielt man den Bodhrán?
Der Spieler hält den Bodhrán senkrecht auf dem Oberschenkel, das Fell zeigt nach vorn. Die freie Hand liegt von innen an der Fellunterseite und steuert Fläche und Druck: Mehr Druck spannt das Fell stärker und hebt die Tonhöhe, eine flach aufliegende Hand dämpft den Ton, einzelne Finger lassen gezielt Obertöne verstummen. Die Schlaghand führt den Tipper, einen beidseitig zugespitzten Stab aus Esche, Stechpalme oder Hickory, mit einer schnellen Auf-und-ab-Bewegung aus dem Handgelenk. Ein Schlag nahe der Mitte erzeugt einen tiefen, vollen Ton, ein Schlag am Rand einen hohen, trockenen. Zwei Regionalstile prägen die Technik bis heute:
- Kerry-Stil: Beide Enden des Tippers kommen gleichwertig zum Einsatz, das erleichtert schnelle Rollen und Verzierungen.
- West-Limerick-Stil: Nur ein Ende des Tippers schlägt das Fell, Verzierungen kommen allein aus der Handgelenksbewegung.
Wie alt ist der Bodhrán wirklich?
Als Musikinstrument der irischen Sessions ist der Bodhrán nicht alt. Das Wort bodhrán bezeichnete im Irischen zunächst kein Instrument, sondern ein flaches, mit Fell oder Leder bespanntes Sieb: Bauern nutzten einen solchen Rahmen zum Worfeln, also zum Trennen von Korn und Spreu durch Schütteln und Werfen in die Luft. Genau dieser Gegenstand diente auch den Wrenboys (irisch Lá an Dreoilín, Tag des Zaunkönigs) als improvisiertes Schlaginstrument: Verkleidete Gruppen zogen am Stephanstag, dem 26. Dezember, von Haus zu Haus und trommelten dabei auf dem umfunktionierten Sieb. Diese Rolle blieb auf den einen Feiertag begrenzt, in der übrigen Tanz- und Sessionmusik, die überwiegend melodisch und ohne festes Schlaginstrument auskam, fehlte der Rahmen. Ein Gemälde von Daniel Maclise aus dem Jahr 1833 zeigt zwar bereits eine tamburinartige Rahmentrommel bei einem irischen Halloween-Fest, ein durchgehender Gebrauch als Musikinstrument über Jahrhunderte lässt sich daraus aber nicht belegen.
Der Bodhrán ist als Sessioninstrument jünger als Radio und Fernsehen. Bis in die 1950er Jahre blieb er ein landwirtschaftliches Sieb und ein Requisit der Wrenboys am Stephanstag, nicht ein Instrument irischer Tanzmusik.
Wie wurde der Bodhrán zum zentralen Instrument der irischen Musik?
1959 brachte der Dramatiker John B. Keane mit seinem Stück Sive den reisenden Traveller Carthalawn auf die Bühne, der zu eigenen Klageliedern den Bodhrán schlägt. Nach dem Erfolg beim All-Ireland Amateur Drama Festival zeigte im selben Jahr auch das Dubliner Abbey Theatre das Stück und weckte damit über die Grafschaft Kerry hinaus Aufmerksamkeit für das bis dahin kaum beachtete Instrument. Den eigentlichen Durchbruch bewirkte der Komponist Seán Ó Riada in den frühen 1960er Jahren mit seinem Ensemble Ceoltóirí Chualann, das von 1960 bis 1969 bestand und aus dessen Reihen mehrere spätere Chieftains-Mitglieder stammten. Ó Riada setzte den Bodhrán, gespielt unter anderem von Peadar Mercier mit dem Tipper, gezielt als festes Rhythmusinstrument in Arrangements ein, die traditionelle Melodien mit fester Begleitung verbanden. Wie jung diese Rolle tatsächlich war, zeigt ein einzelnes Datum: Der Bodhrán trat beim Fleadh Cheoil, dem größten irischen Musikwettbewerb, offiziell erst 1973 als Wettbewerbsinstrument an. In den 1970er Jahren verbreiteten Gruppen wie Planxty, die Bothy Band und De Dannan das Instrument weiter. Ó Riada selbst bezeichnete den Bodhrán öffentlich als uraltes Instrument der Kelten, eine Herkunftserzählung, die sich mit den belegten Quellen nicht deckt.
Welche Rolle spielt der Bodhrán in der Musik heute?
Heute gehört der Bodhrán zum festen Repertoire irischer Sessions und Konzertbühnen und tritt international in keltisch geprägter Folkmusik neben Fiddle, Flöte und Uilleann Pipes auf. Von anderen Rahmentrommeln unterscheidet er sich deutlich: Der nordafrikanische Bendir trägt zusätzliche Schnarrsaiten auf der Innenseite des Fells und wird ohne Schlägel allein mit der Hand gespielt. Der arabische Riq und das europäische Tamburin ergänzen den Rahmen um Schellenpaare und zählen deshalb zu den Idiophon-Membranophon-Mischinstrumenten, während der Bodhrán ein reines Membranophon bleibt. Auch die nordirische Lambeg-Trommel teilt mit dem Bodhrán nur die irische Herkunft: Sie ist beidseitig bespannt, hängt beim Spielen über den Schultern und gehört zur unionistischen Marschtradition, nicht zur gälischen Sessionmusik. Seit 1987 nutzt eine als Top-End-Stil bezeichnete Technik gezielten Handdruck, um die Tonhöhe des Bodhrán der Melodie der begleiteten Musik anzupassen, statt nur den Rhythmus zu tragen.
Häufige Fragen zum Bodhrán
Ist der Bodhrán ein jahrhundertealtes irisches Instrument?
Nein, der Bodhrán ist als Instrument der irischen Sessionmusik relativ jung. Der Rahmen selbst existierte lange als landwirtschaftliches Sieb zum Worfeln und als improvisiertes Schlaginstrument der Wrenboys am Stephanstag, in der übrigen Musiktradition kam er aber nicht vor. Erst ab den 1960er Jahren etablierte der Komponist Seán Ó Riada ihn mit seinem Ensemble Ceoltóirí Chualann als festen Bestandteil irischer Musik, offiziell beim Fleadh Cheoil sogar erst ab 1973.
Wie spielt man den Bodhrán richtig?
Der Bodhrán wird aufrecht auf dem Oberschenkel gehalten und mit einem beidseitig zugespitzten Holzschlägel, dem Tipper oder Cipín, angeschlagen. Die freie Hand liegt von innen am Fell und steuert durch Druck und Fläche Tonhöhe und Dämpfung: Mehr Druck spannt das Fell und hebt den Ton, eine flache Hand dämpft ihn. Ein Schlag nahe der Mitte klingt tief, ein Schlag am Rand hoch und trocken.
Woraus besteht der Tipper eines Bodhrán?
Der Tipper, auch Cipín genannt, ist ein beidseitig zugespitzter Holzstab aus Esche, Stechpalme oder Hickory, seltener aus Knochen. Beide Enden lassen sich zum Schlagen nutzen: Der Kerry-Stil setzt beide Enden gleichwertig für Rollen ein, der West-Limerick-Stil schlägt überwiegend mit einem Ende und verziert aus der Handgelenksbewegung.
Was unterscheidet den Bodhrán von einem Tamburin?
Der Bodhrán trägt keine Schellen und wird meist mit einem Tipper gespielt, während das Tamburin zusätzlich Metallschellenpaare im Rahmen besitzt und organologisch zu den Idiophon-Membranophon-Mischinstrumenten zählt. Der Bodhrán bleibt dagegen ein reines Membranophon, dessen Klang allein vom Fell und der Handspannung von innen abhängt.




