Chenda

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Bild: Mazur Travel / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Chenda ist eine zylindrische Trommel aus Kerala im Süden Indiens, deren hölzerner Korpus beidseitig mit Kuhhaut bespannt ist. Gespielt wird sie im Stehen mit zwei Holzstöcken, während sie an einem Riemen über der Schulter hängt, nicht mit der bloßen Hand wie viele indische Trommeln. Ihr harter, weit tragender Klang zählt zu den lautesten unter den traditionellen Trommeln Indiens. Sie bildet das Rückgrat der großen Tempelensembles Keralas, etwa beim Panchari Melam, und begleitet das Tanztheater Kathakali sowie das Ritualtanzdrama Theyyam.

Die Chenda ist eine zylindrische Trommel aus Kerala, dem südindischen Bundesstaat an der Malabarküste. Ihr hölzerner Korpus trägt an beiden offenen Enden ein straff gespanntes Fell aus Kuhhaut. Den Ton erzeugen nicht Finger oder Handflächen, sondern zwei harte Holzstöcke, die Kol genannt werden, ein Unterschied zu vielen indischen Handtrommeln. Der Spieler trägt die Chenda an einem Riemen über der Schulter, sodass sie schräg vor dem Körper hängt, und schlägt im Stehen darauf. Ihr Klang zählt zu den lautesten unter den traditionellen Trommeln Indiens und trägt bei Tempelfesten in Kerala über weite Entfernungen.

2Holzstöcke (Kol)
2bespannte Felle
30 cmKorpus-Durchmesser
KeralaHerkunftsregion

Wie ist die Chenda aufgebaut?

Der Korpus der Chenda entsteht aus einem ausgehöhlten Zylinder aus Jackfruchtholz mit rund dreißig Zentimeter Durchmesser. Handwerker spannen über beide offenen Enden mehrere Lagen Kuhhaut, ziehen sie über hölzerne Ringe und schnüren sie mit geflochtenen Lederriemen rund um den Korpus. Diese Kordelspannung hält die Felle straff und lässt sich nachziehen, sobald der Klang nachlässt; die bespannten Ringe werden bei intensivem Gebrauch mehrmals im Jahr ausgetauscht. Die beiden Felle unterscheiden sich in der Lagenzahl: Eine Seite trägt nur ein bis zwei Lagen Leder und klingt dadurch heller, die andere trägt bis zu sieben Lagen und liefert den tieferen, bassigen Ton. Zum Spielen hängt die Chenda an einem breiten Stoffriemen über der Schulter, sodass beide Hände für die Holzstöcke frei bleiben.

MerkmalChenda
FamilieMembranophon, zylindrische Fasstrommel
HerkunftKerala und Tulu Nadu (Karnataka), Südindien
KorpusAusgehöhlter Zylinder aus Jackfruchtholz, rund 30 cm Durchmesser
BespannungBeide Enden mit mehreren Lagen Kuhhaut, mit Lederriemen verschnürt
SpielweiseStehend, am Riemen über der Schulter, mit zwei Holzstöcken (Kol)
HaupteinsatzTempelfeste (Melam), Kathakali, Theyyam

Wie spielt man die Chenda?

Der Spieler steht aufrecht und schlägt mit zwei geraden Holzstöcken, den Kol, auf das Fell. Diese Spielweise unterscheidet die Chenda von vielen Handtrommeln Indiens: Bei der Tabla treffen Finger und Handballen unmittelbar auf das Fell, bei der Chenda übernehmen ausschließlich die Stöcke diesen Anschlag. Der harte Schlag mit Holz statt mit der Haut liefert den scharfen, durchdringenden Ton, der sich auch gegen ein großes Ensemble aus Blasinstrumenten und Becken durchsetzt.

In einem Tempelensemble übernehmen die Chenda-Spieler zwei unterschiedliche Rollen. Als Veekku Chenda schlagen sie mit geradem Stock, ohne das Handgelenk zu drehen, auf das mehrlagige, tiefer klingende Fell und halten damit den Grundrhythmus, den Thalam. Als Uruttu Chenda dagegen rollen sie das Handgelenk und wechseln die Handflächenrichtung von Schlag zu Schlag; gespielt wird dabei das einlagige, hellere Fell. Diese Rolltechnik erzeugt die schnellen, dichten Läufe, mit denen ein Ensemble sein Tempo zum Höhepunkt hin steigert.

Welche Rolle spielt die Chenda bei Tempelfesten in Kerala?

Bei Tempelfesten in Kerala bildet die Chenda das Rückgrat eines festen Ensembles, des Melam. Neben mehreren Chenda-Spielern gehören die Kegeloboe Kuzhal, das Naturhorn Kombu und die Beckenpaare Ilathalam dazu. Die bekannteste Form heißt Panchari Melam: Das Ensemble durchläuft fünf Zyklen mit schrittweise halbierter Taktlänge, von 96 über 48, 24 und 12 bis zu 6 Schlägen, bevor ein abschließender Teil mit drei Schlägen, der Muri-Panchari, den Ablauf beendet. Weil die Zykluslänge sinkt, während das Grundtempo der einzelnen Schläge nahezu gleich bleibt, wirkt die Musik zunehmend dichter und schneller. Während der Prozession umkreist das Ensemble im Uhrzeigersinn den Tempelschrein, begleitet von geschmückten Elefanten, die die Gottheit tragen. Das bekannteste Beispiel ist das Thrissur Pooram, ein Tempelfest in Zentralkerala, bei dem mehrere hundert Musiker gleichzeitig auftreten. Daneben existiert mit dem Thayambaka eine solistische Form: Ein einzelner Spieler improvisiert auf dem hellen Fell seiner Chenda, während mehrere Begleiter auf tiefer gestimmten Chendas und Ilathalam den Grundrhythmus liefern. Eine Thayambaka-Aufführung beginnt langsam und steigert sich über etwa neunzig Minuten bis zu hoher Geschwindigkeit.

Zyklus 1 96 Schläge Zyklus 2 48 Schläge Zyklus 3 24 Schläge Zyklus 4 12 Schläge Zyklus 5 6 Schläge Muri-Panchari 3 Schläge, Abschluss
Panchari Melam durchläuft fünf Zyklen mit halbierter Taktlänge, von 96 bis 6 Schlägen, bevor ein dreischlägiger Schlussteil den Ablauf beendet.

Welche Rolle spielt die Chenda im Kathakali-Tanztheater und bei Theyyam?

Im Tanztheater Kathakali begleitet die Chenda die Gesten und Bewegungen der Darsteller unmittelbar. Der Chenda-Spieler verfolgt die Handlung auf der Bühne und den Gesang der Sänger und passt Schlagmuster und Lautstärke an die jeweilige Szene an, von leisen Passagen bis zu kämpferischen Auftritten. Auch im rituellen Tanzdrama Theyyam im Norden Keralas gehört die Chenda zur festen Begleitung, zusammen mit kleinen Beckenpaaren namens Ilathalam und einer Flöte namens Thottam; die Musiker setzen den Rhythmus für die Tänzer, die Gottheiten aus der lokalen Mythologie verkörpern. In beiden Kunstformen bleibt die Chenda kein reines Rhythmusinstrument im Hintergrund, sondern reagiert unmittelbar auf das Bühnengeschehen.

Woher stammt die Chenda?

Die Chenda stammt aus Kerala und dem angrenzenden Tulu Nadu im Bundesstaat Karnataka, zwei Regionen an der südwestindischen Malabarküste. Bau und Spiel der Chenda liegen traditionell in den Händen weniger Familien; zahlreiche bekannte Chenda-Meister tragen bis heute den Gemeinschaftsnamen Marar, der eng mit dem Instrument verbunden ist. Innerhalb der südindischen Trommeltraditionen nimmt die Chenda eine Sonderstellung ein: Der Dhol aus Nordindien wird zwar ebenfalls mit zwei Stöcken geschlagen, begleitet dort aber Umzüge und Bhangra-Tänze im Freien statt Tempelrituale. Der Ghatam aus der karnatischen Musik Südindiens wiederum kommt ganz ohne gespanntes Fell aus, weil sein Klang allein aus dem gebrannten Tonkörper entsteht. Die Chenda bleibt dagegen fest an das Tempelritual und das Tanztheater Keralas gebunden und wird außerhalb dieses Umfelds selten gespielt.

Häufige Fragen zur Chenda

Was ist eine Chenda?

Die Chenda ist eine zylindrische Trommel aus Kerala in Südindien, deren hölzerner Korpus beidseitig mit Kuhhaut bespannt ist. Gespielt wird sie im Stehen mit zwei Holzstöcken, während sie an einem Riemen über der Schulter hängt. Sie zählt zu den lautesten Trommeln Indiens und begleitet vor allem Tempelfeste und das Tanztheater Kathakali.

Warum ist die Chenda so laut?

Die Chenda klingt laut, weil zwei harte Holzstöcke auf ein straff gespanntes, mehrlagiges Fell aus Kuhhaut treffen, statt dass Finger oder Handflächen den Ton erzeugen. Der harte Anschlag und die straffe Fellspannung liefern einen scharfen, weit tragenden Klang, der sich auch in einem großen Tempelensemble mit Blasinstrumenten und Becken durchsetzt.

Was unterscheidet Veekku Chenda und Uruttu Chenda?

Veekku Chenda und Uruttu Chenda bezeichnen zwei Rollen im Chenda-Spiel. Als Veekku Chenda schlägt der Spieler mit geradem Stock auf das mehrlagige, tiefere Fell und hält den Grundrhythmus. Als Uruttu Chenda rollt er das Handgelenk auf dem einlagigen, helleren Fell und erzeugt damit die schnellen, dichten Läufe eines Ensembles.

Wo wird die Chenda hauptsächlich gespielt?

Die Chenda wird hauptsächlich in Kerala und im benachbarten Tulu Nadu in Südindien gespielt, vor allem bei Tempelfesten wie dem Thrissur Pooram, im Tanztheater Kathakali und im rituellen Tanzdrama Theyyam. Außerhalb dieser religiösen und kulturellen Zusammenhänge kommt sie nur selten zum Einsatz.

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