Gusli

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A Russian gusli: wing-shaped or helmet-shaped wooden zither body. Bild: KI generiert.
A Russian gusli: wing-shaped or helmet-shaped wooden zither body. Bild: KI generiert.

Zusammenfassung

Die Gusli ist ein russisches Zupfinstrument aus der Familie der Zithern: Mehrere Saiten liegen ohne Griffbrett parallel über eine flache Fläche gespannt. Die älteste Bauform trägt wenige Saiten in einem flügel- oder helmförmigen Holzkörper, eine jüngere, rechteckige Bauform trägt deutlich mehr Saiten. Archäologische Funde aus Nowgorod belegen das Instrument bereits im 11. Jahrhundert, unter anderem die berühmte Slowischa-Gusli von 1975. Trotz des ähnlichen Namens ist die Gusli nicht mit der einsaitigen, gestrichenen Gusle vom Balkan zu verwechseln.

Die Gusli ist ein russisches Zupfinstrument aus der Familie der Zithern: Mehrere Saiten liegen ohne Griffbrett parallel über eine flache Fläche gespannt. Beide Hände zupfen oder streichen über die Saiten, ein Bogen kommt nicht zum Einsatz. Die älteste Bauform trägt wenige Saiten in einem flügel- oder helmförmigen Holzkörper, eine jüngere Bauform liegt rechteckig auf einem Tisch und trägt deutlich mehr Saiten. Archäologische Funde aus Nowgorod belegen das Instrument bereits im 11. Jahrhundert. Trotz des ähnlichen Namens ist die Gusli nicht mit der einsaitigen, gestrichenen Gusle vom Balkan zu verwechseln.

4 bis 66Saiten, je nach Bauform
11. Jh.älteste Funde in Nowgorod
keinGriffbrett
keinBogen, nur Hand

Wie ist die Gusli aufgebaut?

Die Gusli besteht aus einem flachen Holzkorpus, über den mehrere Saiten parallel gespannt sind. Ein Griffbrett besitzt das Instrument nicht: Jede Saite klingt in einer festen Tonhöhe, wie bei einer Harfe, nicht durch Abgreifen wie bei einer Gitarre. An einer Kante des Korpus sitzen die Stimmwirbel, mit denen jede Saite einzeln gestimmt wird. In der Instrumentenkunde zählt die Gusli damit zu den Zithern: Wie bei der Zither liegen die Saiten über eine flache Fläche, nur ohne die bundierte Griffseite mancher anderer Zithertypen. Gespielt wird die Gusli auf dem Schoß oder auf einem Tisch liegend, nie freihändig wie eine Gitarre.

MerkmalGusli
FamilieZither, gezupftes und gestrichenes Saiteninstrument
Körperflacher Holzkasten: flügel-, helm- oder rechteckig-tischförmig
Saitenzahl4 bis 14 (flügelförmig), 11 bis 36 (helmförmig), 55 bis 66 (rechteckig)
Stimmungältere Bauformen diatonisch, Konzertform chromatisch über eine Klaviatur
Spielweisebeide Hände zupfen oder streichen die Saiten, kein Bogen
HerkunftsraumRussland, besonders der Nowgoroder Raum

Welche Bauformen hat die Gusli?

Die älteste bekannte Bauform trägt wenige Saiten in einem flügelförmigen Korpus: vier bis vierzehn Saiten, angeordnet in einem spitz zulaufenden, fächerartigen Holzkörper. Eine zweite frühe Bauform ist helmförmig gerundet und trägt deutlich mehr Saiten, meist zwischen elf und sechsunddreißig, diatonisch gestimmt; sie war vor allem im Nordwesten der Rus, im Raum um Nowgorod, verbreitet. Eine jüngere, rechteckige Bauform liegt wie eine Tischplatte vor dem Spieler und trägt mit 55 bis 66 Saiten wesentlich mehr Töne als die älteren Formen und erlaubt dadurch ein deutlich größeres Tonmaterial.

Flügelförmig 4 bis 14 Saiten älteste Bauform Helmförmig 11 bis 36 Saiten verbreitet um Nowgorod Rechteckig (Tisch-Gusli) 55 bis 66 Saiten jüngere Bauform ältere Bauform jüngere Bauform
Je jünger die Bauform, desto mehr Saiten trägt die Gusli: vom flügelförmigen Ur-Typ bis zur rechteckigen Tisch-Gusli mit über fünfzig Saiten.

Wie spielt man die Gusli?

Bei der helmförmigen Gusli liegt das Instrument quer auf dem Schoß, die Saiten verlaufen waagerecht. Die rechte Hand streicht in einer Bewegung über alle Saiten, während die linke Hand von unten durch eine Öffnung im Korpus einzelne, nicht benötigte Saiten mit den Fingern abdämpft. So entsteht aus dem vollen Saitenklang ein einzelner Akkord, ohne dass der Spieler jede Saite für sich anschlägt. Bei der flügelförmigen Gusli funktioniert das Dämpfen nach demselben Prinzip, nur über eine kleinere Öffnung. Die rechteckige Tisch-Gusli mit ihren deutlich mehr Saiten wird dagegen mit beiden Händen einzeln gezupft: Jeder Finger greift eine bestimmte Saite, Melodie und Begleitung entstehen gleichzeitig in getrennten Stimmen, ähnlich wie beim Spiel auf einem Klavier.

Wie alt ist die Gusli?

Die älteste erhaltene Gusli stammt aus Nowgorod und wurde 1975 bei Ausgrabungen an der Fundstelle Troizki geborgen. Das Instrument trägt eine eingeritzte kyrillische Inschrift, aus der sich sein Name "Slowischa" ableitet, und wird auf das 11. Jahrhundert datiert. Insgesamt haben Archäologen in Nowgorod acht erhaltene Gusli-Fragmente aus dem Mittelalter geborgen. Die älteste schriftliche Erwähnung des Instruments in einer Nowgoroder Chronik stammt aus dem Jahr 1170.

Welche Musik prägt die Gusli?

Die Gusli ist eng mit der Bylinen-Tradition verbunden: Wandernde Sänger begleiteten damit gesungene Heldenepen, ähnlich wie mit der Gusle auf dem Balkan, nur auf einem grundlegend anders gebauten Instrument. Die bekannteste Figur dieser Tradition ist der legendäre Nowgoroder Kaufmann Sadko, dessen Geschichte Nikolai Rimski-Korsakow 1897 als Oper vertonte; im Stück tritt Sadko selbst als Gusli-Spieler auf. Auch die fahrenden Spielleute, die Skomorochen, nutzten das Instrument für ihre Auftritte. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nahm der Musiker Wassili Andrejew die Gusli in sein Orchester für russische Volksinstrumente auf, neben Balalaika und Domra. Der Komponist Nikolai Fomin entwickelte für dieses Orchester eine Konzertform mit eingebauter Klaviatur, die das chromatische Spiel erleichtert und bis heute in russischen Volksmusikorchestern verwendet wird.

Was unterscheidet die Gusli von der Gusle?

Trotz des ähnlichen Namens hat die Gusli mit der Gusle vom Balkan nur die Herkunft aus dem slawischen Sprachraum gemeinsam. Die Gusli trägt mehrere Saiten, von vier bei der flügelförmigen bis über sechzig bei der rechteckigen Bauform, und wird ausschließlich mit den Fingern gezupft oder gestrichen, nie mit einem Bogen. Die Gusle dagegen ist ein einsaitiges, seltener zweisaitiges Instrument mit einem aus einem Stück Holz geschnitzten, fellbespannten Korpus, das ausschließlich mit einem Bogen gespielt wird. Beide Instrumente begleiten eine mündliche Erzähltradition mit gesungenen Heldenepen, doch organologisch gehören sie unterschiedlichen Gruppen an: Die Gusli zählt zu den Zithern, die Gusle zu den Streichinstrumenten mit einer einzigen Saite.

Gusli und Gusle sind trotz des ähnlichen Namens grundverschiedene Instrumente. Die Gusli hat mehrere Saiten und wird gezupft oder gestrichen, die Gusle genau eine Saite und wird ausschließlich mit dem Bogen gespielt.

Häufige Fragen zur Gusli

Was ist eine Gusli?

Die Gusli ist ein russisches Zupfinstrument aus der Familie der Zithern: Mehrere Saiten liegen ohne Griffbrett über einen flachen Holzkorpus gespannt. Je nach Bauform trägt sie zwischen vier und über sechzig Saiten. Gestimmt und gespielt wird sie ausschließlich von Hand, ein Bogen kommt nicht zum Einsatz.

Ist die Gusli mit der Gusle vom Balkan verwandt?

Nein, die Gusli ist nicht mit der Gusle verwandt, auch wenn sich die Namen ähneln. Die Gusli ist ein mehrsaitiges Zupfinstrument aus Russland, die Gusle ein einsaitiges Streichinstrument vom Balkan. Beide begleiten eine Erzähltradition mit gesungenen Heldenepen, sind aber unterschiedlich aufgebaut und werden unterschiedlich gespielt.

Wie viele Saiten hat eine Gusli?

Eine Gusli hat je nach Bauform zwischen vier und über sechzig Saiten. Die älteste, flügelförmige Bauform trägt vier bis vierzehn Saiten, die helmförmige Bauform elf bis sechsunddreißig. Die jüngere, rechteckige Tisch-Gusli trägt 55 bis 66 Saiten und damit ein deutlich größeres Tonmaterial.

Woher stammt die Gusli?

Die Gusli stammt aus Russland, die ältesten erhaltenen Exemplare wurden in Nowgorod ausgegraben. Das berühmteste Fundstück, die sogenannte Slowischa-Gusli, wurde 1975 bei Ausgrabungen an der Fundstelle Troizki geborgen und auf das 11. Jahrhundert datiert. Die älteste schriftliche Erwähnung des Instruments in einer Nowgoroder Chronik stammt aus dem Jahr 1170.

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