Ode an die Freude

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Redaktion
Kontrabässe und Violoncelli lehnen an Stuhlreihen auf einer leeren Bühne. Foto: RoAll / Pixabay.
Kontrabässe und Violoncelli lehnen an Stuhlreihen auf einer leeren Bühne. Foto: RoAll / Pixabay.

Zusammenfassung

Ode an die Freude bezeichnet streng genommen ein Gedicht von Friedrich Schiller aus dem 18. Jahrhundert. Umgangssprachlich meint der Ausdruck die Melodie aus dem Schlusssatz von Beethovens neunter Sinfonie, die dort zuerst als Instrumentalthema erscheint und erst später mit Gesang unterlegt wird. Die Europahymne ist dieselbe Melodie ohne Text. Das Thema schreitet fast nur von einem Ton zum Nachbarn und umfasst eine Oktave, und genau daraus folgt seine Singbarkeit.

Ode an die Freude bezeichnet zwei verschiedene Dinge. Streng genommen heißt so ein Gedicht von Friedrich Schiller aus dem 18. Jahrhundert. Umgangssprachlich meint der Ausdruck die Melodie, die Ludwig van Beethoven im Schlusssatz seiner neunten Sinfonie zuerst als Instrumentalthema einführt und erst später mit Gesang unterlegt. Dieselbe Melodie dient seit 1972 als Europahymne, dort ohne jeden Text. Ihr auffälligstes Merkmal ist der enge Bau: Sie schreitet fast nur von einem Ton zum Nachbarn und umfasst eine Oktave.

1824Uraufführung
4.Satz der Sinfonie
D-DurTonart des Themas
OktaveTonumfang

Was ist die Ode an die Freude?

Ode an die Freude ist der Titel eines Gedichts und im täglichen Sprachgebrauch der Name einer Melodie. Schiller nannte sein Gedicht An die Freude, das Wort Ode benennt die Gattung und gehört nicht zu seinem Titel. Ludwig van Beethoven vertonte einen Teil dieser Verse im vierten Satz seiner neunten Sinfonie. Weil diese Vertonung die bekannteste blieb, wanderte der Titel des Gedichts auf die Musik über.

Wer heute Ode an die Freude sagt, meint deshalb fast immer Beethovens Thema und selten Schillers Text. Denselben Namen trägt zudem die Europahymne, eine Fassung der Melodie ohne Worte.

MerkmalOde an die Freude
GedichtAn die Freude von Friedrich Schiller, 18. Jahrhundert
MelodieFreudenthema aus dem vierten Satz der neunten Sinfonie
Komponist der MelodieLudwig van Beethoven
WerkSinfonie Nr. 9 d-Moll (op. 125)
Uraufführung7. Mai 1824 in Wien
Tonart des ThemasD-Dur
Tonumfang des Themaseine Oktave
Schrittweitefast durchgehend Sekunden
Bau des Themasvier gleich lange Abschnitte, drei davon fast gleich
Erster Auftritt im SatzVioloncelli und Kontrabässe, einstimmig, ohne Begleitung
Besetzung des SchlusssatzesOrchester, vier Gesangssolisten, gemischter Chor
Europahymneseit 1972 beim Europarat, seit 1985 in der Europäischen Gemeinschaft, ohne Text

Der Titel meint das Gedicht, gemeint ist meistens die Melodie. Schiller schrieb die Verse, Beethoven die Melodie für den Schlusssatz seiner neunten Sinfonie. Die Europahymne ist wiederum diese Melodie, und zwar ohne Schillers Text.

Wie ist die Melodie der Ode an die Freude gebaut?

Die Melodie bewegt sich fast durchgehend in Sekundschritten, also von einem Ton zu seinem unmittelbaren Nachbarn. Größere Sprünge stehen nur im dritten ihrer vier Abschnitte: zwei Terzen und ein Fall auf den tiefsten Ton des Themas. Der Schritt zum unmittelbaren Nachbarn heißt in der Reihe der Intervalle Sekunde.

Der Tonumfang beträgt eine Oktave. Nimmt man den einen tiefen Ton am Ende des dritten Abschnitts heraus, bleibt eine Quinte, also der Abstand vom Grundton D bis zum A darüber.

Der Bau der vier Abschnitte ist ebenso sparsam. Der erste bleibt offen und endet auf einem Ton, der weiterdrängt. Der zweite wiederholt ihn und schließt auf dem Grundton ab. Der dritte weicht ab und führt nach unten. Der vierte greift den zweiten wörtlich wieder auf. Damit folgt das Thema dem Muster aus Vordersatz und Nachsatz, mit dem die Wiener Klassik ihre Themen baut.

Drei Eigenschaften machen diese Melodie singbar:

  • Sekundschritte: Wer sie singt, muss kein Intervall treffen, sondern nur zum nächsten Ton weitergehen. Sprünge geraten ungeübten Stimmen schief, Schritte nicht.
  • Enger Umfang: Eine Oktave deckt fast jede ungeübte Stimme ab. Weder oben noch unten kommt jemand an seine Grenze.
  • Wiederholung: Von vier Abschnitten gleichen sich drei fast vollständig. Wer den ersten kann, kennt drei Viertel des Themas.
A G Fis E D Tonhöhe Erster von vier Abschnitten. Die Abschnitte zwei und vier wiederholen ihn fast unverändert. Jeder Ton liegt neben dem vorigen oder auf derselben Stufe. Umfang hier: D bis A, eine Quinte.
Die Punktreihe zeigt den Tonhöhenverlauf. Zwischen zwei Punkten liegt nie mehr als ein Schritt zum Nachbarton.

Wie steigert Beethoven das Thema der Ode an die Freude?

Beethoven stellt das Thema zuerst nackt hin und legt in jedem weiteren Durchgang eine Schicht darüber. Violoncelli und Kontrabässe spielen es einstimmig, leise und ohne jede Begleitung. Im zweiten Durchgang übernehmen Bratschen und Violoncelli die Melodie, ein Fagott setzt eine Gegenstimme dazu. Im dritten greifen die ersten Violinen sie in höherer Lage auf, die übrigen Streicher begleiten. Im vierten spielt das ganze Orchester, die Bläser tragen die Melodie, und die Lautstärke erreicht ihren Höhepunkt.

Der Satz beginnt nicht mit diesem Thema. Ein lauter, scharf dissonanter Einwurf des Orchesters eröffnet ihn, danach spielen die tiefen Streicher in freier, sprechender Bewegung, und Bruchstücke der drei vorangegangenen Sätze klingen kurz an.

Gesang tritt erst nach den vier Instrumentaldurchgängen hinzu. Der laute Einwurf vom Satzanfang kehrt zurück, dann singt der tiefste der vier Gesangssolisten allein, danach antwortet der Chor. Die Steigerung läuft damit über fünf Stufen.

Besetzung Durchgang Was hinzukommt Violoncelli und Kontrabässe 1 Thema allein, ohne Begleitung dazu Bratschen und Fagott 2 eine Gegenstimme im Fagott dazu erste Violinen 3 Melodie in höherer Lage volles Orchester 4 Bläser übernehmen, laut Bass-Solist, dann Chor 5 Text kommt hinzu Die Balkenlänge steht für die Zahl der beteiligten Stimmgruppen. Blau markiert die Stufe mit Gesang.
Das Thema wandert von den tiefen Streichern durch das Orchester nach oben. Erst auf der fünften Stufe kommen Singstimmen dazu.

Warum singen Chor und Solisten die Ode an die Freude?

Gesangsstimmen und Chor in einer Sinfonie waren zur Entstehungszeit ungewöhnlich. Die Gattung war bis dahin rein instrumental, und Beethoven brauchte Stimmen für Schillers Verse. Das Finale stellt deshalb vier Gesangssolisten und einen gemischten Chor neben das Orchester.

Für die Ausführenden ändert das die Anlage: Ein Chor probt allein den Schlusssatz, vier Solisten setzen erst im letzten Satz ein. Der Chorpart gilt in der Chormusik als anstrengend, weil Beethoven besonders die Sopranstimme lange in großer Höhe hält.

Wer schrieb den Text der Ode an die Freude?

Friedrich Schiller schrieb das Gedicht An die Freude im 18. Jahrhundert. Es wendet sich an die Freude, als wäre sie eine Person, und ruft zur Verbrüderung aller Menschen auf.

Beethoven vertonte nicht das ganze Gedicht. Er wählte einzelne Strophen aus, ordnete sie um und wiederholte Zeilen mehrfach. Die Worte, mit denen der Solist einsetzt, stammen nicht von Schiller, sondern von Beethoven selbst. Erst danach singt der Chor den Anfang des Gedichts.

Warum ist die Europahymne die Ode an die Freude ohne Text?

Der Europarat nahm 1972 die Melodie an, nicht das Lied. Herbert von Karajan richtete dafür eine Instrumentalfassung ein. 1985 übernahm die Europäische Gemeinschaft dieselbe Hymne.

Die Hymne bleibt ohne Text. Als Grund nennen die europäischen Einrichtungen die Gleichbehandlung der Sprachen: Ein Text stünde in einer Sprache und setzte alle übrigen zurück.

Im 20. Jahrhundert nahmen sehr verschiedene Regierungen und Bewegungen dieselbe Melodie für sich in Anspruch, darunter einander feindlich gesinnte. Ihr Bau bleibt davon unberührt: Sie ist kurz, schreitet in Nachbartönen und bleibt in jeder Besetzung erkennbar.

Häufige Fragen zur Ode an die Freude

Ist die Ode an die Freude ein Gedicht oder eine Melodie?

Ode an die Freude bezeichnet streng genommen das Gedicht von Friedrich Schiller aus dem 18. Jahrhundert. Umgangssprachlich meint der Ausdruck die Melodie aus dem Schlusssatz von Beethovens neunter Sinfonie. Beides hängt zusammen, weil Beethoven Teile des Gedichts in diesem Satz vertonte, ist aber nicht dasselbe.

Wer schrieb die Ode an die Freude?

Den Text schrieb Friedrich Schiller im 18. Jahrhundert, die Melodie Ludwig van Beethoven für den vierten Satz seiner neunten Sinfonie. Beethoven vertonte nicht das ganze Gedicht, sondern wählte Strophen aus und ordnete sie um. Die Sinfonie wurde am 7. Mai 1824 in Wien uraufgeführt.

Warum hat die Europahymne keinen Text?

Die Europahymne besteht nur aus der Melodie des Freudenthemas. Der Europarat nahm sie 1972 an, die Europäische Gemeinschaft 1985. Als Grund für den Verzicht auf Worte nennen die europäischen Einrichtungen die Gleichbehandlung der Sprachen: Ein Text müsste in einer Sprache stehen und würde alle übrigen zurücksetzen.

Warum lässt sich die Melodie der Ode an die Freude so leicht singen?

Die Melodie schreitet fast nur in Sekunden, also von einem Ton zum unmittelbaren Nachbarn, und umfasst eine Oktave. Größere Sprünge stehen nur im dritten ihrer vier Abschnitte. Drei der vier Abschnitte gleichen einander fast vollständig, sodass ein Sänger nur zwei verschiedene Teile lernen muss.

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