Sopranino-Saxophon

3 Min. Lesezeit
Bild: BlurryMe / Shutterstock.com
Bild: BlurryMe / Shutterstock.com

Zusammenfassung

Das Sopranino-Saxophon ist das zweithöchste Mitglied der Saxophonfamilie, in Es gestimmt und eine Oktave höher als das Altsaxophon. Wie alle Saxophone ist es ein Aerophon mit einfachem Rohrblatt und konischer Bohrung, gebaut aus Messing, die Bauform stammt vom belgisch-französischen Instrumentenbauer Adolphe Sax, der die gesamte Saxophonfamilie in den 1840er Jahren patentieren ließ.

Das Sopranino-Saxophon ist das zweithöchste Mitglied der Saxophonfamilie, in Es gestimmt und eine Oktave höher als das Altsaxophon. Wie alle Saxophone ist es ein Aerophon mit einfachem Rohrblatt und konischer Bohrung, gebaut aus Messing, die Bauform stammt vom belgisch-französischen Instrumentenbauer Adolphe Sax, der die gesamte Saxophonfamilie in den 1840er Jahren patentieren ließ. Wegen seiner geringen Größe, seines anspruchsvollen Ansatzes und seiner extrem hohen Tonlage ist das Sopranino-Saxophon bis heute ein Nischeninstrument, das kaum in Musikschulen unterrichtet wird und fast ausschließlich von spezialisierten Profis in der zeitgenössischen Klassik und im experimentellen Jazz gespielt wird.

Wie klingt das Sopranino-Saxophon?

Der Klang des Sopranino-Saxophons ist hell, schlank und sehr präsent, mit einer für Saxophone ungewöhnlich zarten, fast oboenhaften Schärfe in der Höhe. Wegen der extrem kleinen Mensur und des kurzen Rohrblatts reagiert das Instrument sehr direkt und kann rasch überblasen wirken, wenn Ansatz und Luftführung nicht exakt kontrolliert werden. Im Ensemble setzt es sich klanglich deutlich über Alt- und Sopransaxophon hinweg durch und wird deshalb gezielt für glänzende, durchdringende Spitzentöne eingesetzt, etwa in zeitgenössischen Kompositionen oder Saxophonchören, die das komplette Tonhöhenspektrum der Familie ausschöpfen wollen.

Woraus besteht das Sopranino-Saxophon?

Das Sopranino-Saxophon ist, wie die gesamte Saxophonfamilie, aus Messingblech gefertigt und besitzt einen konisch, also kegelförmig zulaufenden Korpus, der sich vom engen Mundstückende zum weiten Schallbecher hin öffnet. Am oberen Ende sitzt das S-Bogen-Mundstück, auf dem ein einzelnes Rohrblatt aus Pfahlrohr mittels Ligatur befestigt wird; das Rohrblatt schwingt gegen die Mundstücköffnung und erzeugt den Ton, der anschließend durch den konischen Korpus verstärkt und geformt wird. Der Korpus ist mit einem dichten System aus gepolsterten Klappen bedeckt, die über Federmechanik die Tonlöcher öffnen und schließen; anders als bei Blechblasinstrumenten gibt es keine Ventile. Je nach Modell wird das Sopranino-Saxophon gerade (wie eine verkleinerte Klarinette) oder mit leicht gebogenem Schallbecher gebaut.

Wie spielt man das Sopranino-Saxophon?

Gespielt wird das Sopranino-Saxophon grundsätzlich wie jedes andere Saxophon: Luft wird durch das Mundstück geblasen und bringt das Rohrblatt zum Schwingen, während die Finger über die Klappen die Tonlöcher öffnen und schließen. Wegen der winzigen Mensur ist jedoch ein sehr präziser, fester Ansatz nötig, kleinste Abweichungen in Lippendruck oder Luftstrom wirken sich hier stärker auf Tonhöhe und Klangqualität aus als bei den größeren Saxophonen. Saubere Intonation in der extrem hohen Lage gilt unter Saxophonisten als eine der größten technischen Herausforderungen der gesamten Familie und erfordert entsprechend viel spezialisierte Übung.

Typische Musikstile mit dem Sopranino-Saxophon

Das Sopranino-Saxophon findet sich vor allem in der zeitgenössischen klassischen Musik sowie im experimentellen und Avantgarde-Jazz, wo es als Klangfarbe für extrem hohe, gläserne Linien eingesetzt wird. Auch in Saxophon-Ensembles und -Chören, die das gesamte Tonhöhenspektrum der Familie, von Kontrabass- bis Sopranino-Saxophon, abdecken wollen, hat es seinen festen Platz. Musiker wie Anthony Braxton und John Zorn haben es im Free Jazz eingesetzt, während der französische Saxophonist Matthieu Metzger im Duo Rhizottome Sopranino-Saxophon mit Akkordeon kombiniert und damit französische Folklore, Klassik und Jazz verbindet.

Bekannte Lieder mit dem Sopranino-Saxophon

Der mit Abstand bekannteste Auftritt des Sopranino-Saxophons in der klassischen Musik ist Maurice Ravels Orchesterwerk "Boléro" (1928): Die Partitur verlangt ein sehr hohes Sopranino-Saxophon, das in der Praxis meist mit einem Es-Sopranino-Saxophon besetzt wird. Darüber hinaus taucht das Instrument vor allem in Aufnahmen aus dem Free Jazz und der zeitgenössischen Musik auf, etwa bei Anthony Braxton und John Zorn, sowie im Duo Rhizottome von Matthieu Metzger, das eigens für Sopranino-Saxophon und Akkordeon komponiert. Klassische Jazzstandards wie "Take Five" oder "My Funny Valentine", die dem Instrument in älteren, fehlerhaften Quellen zugeschrieben wurden, haben mit dem Sopranino-Saxophon nichts zu tun, ein mainstream-tauglicher "Hit" auf diesem Instrument existiert schlicht nicht, weil es fast ausschließlich in spezialisierten Nischen der Musikwelt eingesetzt wird.

Weitere Artikel in Blasinstrumente

Soprillo

Soprillo

Der Soprillo ist das kleinste Saxophon der Welt, gestimmt in B eine Oktave über dem Sopran-Saxophon (im sogenannten Sopranissimo-Register). Entwickelt wurde es 1999 vom Münchner Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim, der damit die Saxophonfamilie erstmals konsequent bis in den extremsten Höhenbereich erweiterte.

Sousaphon

Sousaphon

Das Sousaphon ist eine Bauform der Kontrabasstuba, deren Rohr als Ring um Schulter und Körper des Spielers läuft, statt aufrecht auf einem Ständer zu stehen. John Philip Sousa ließ es sich um 1893 für den Marsch bauen, der Instrumentenbauer J. W. Pepper fertigte 1895 das erste Exemplar. Ein weiter, meist abnehmbarer Schallbecher wirft den Ton nach vorn statt nach oben und macht das Instrument bis heute zur tragenden Bassstimme von Marschkapellen und den Brass Bands aus New Orleans.

Subkontrabass-Flöte

Subkontrabass-Flöte

Die Subkontrabass-Flöte ist das am tiefsten klingende Mitglied der Querflötenfamilie und eines der seltensten Musikinstrumente überhaupt, weltweit existieren nur eine Handvoll Exemplare. Gebaut wurde die erste Subkontrabass-Flöte 1993 von den japanischen Instrumentenbauern Katsuhei Kotato und Teisuke Fukushima; seither fertigen neben ihnen nur wenige spezialisierte Werkstätten, etwa die niederländische Flötenbauerin Eva Kingma, solche Instrumente auf Bestellung.

Subkontrabass-Saxophon

Subkontrabass-Saxophon

Das Subkontrabass-Saxophon ist das größte und tiefste je in Vollformat gebaute Mitglied der Saxophonfamilie, gestimmt in B, eine Oktave unter dem Bass-Saxophon und zwei Oktaven unter dem Tenorsaxophon. Adolphe Sax skizzierte ein Instrument dieser Größe bereits 1846 in seinem Patent unter dem Namen "saxophone bourdon", baute es aber nie. Ein tatsächlich spielbares Exemplar in voller Baugröße entstand erst im September 2012, gebaut vom deutschen Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim. Bis heute sind nur wenige solcher Instrumente bekannt, jedes von ihnen ein Einzelstück.