Der Soprillo ist das kleinste Saxophon der Welt, gestimmt in B eine Oktave über dem Sopran-Saxophon (im sogenannten Sopranissimo-Register). Entwickelt wurde es 1999 vom Münchner Instrumentenbauer Benedikt Eppelsheim, der damit die Saxophonfamilie erstmals konsequent bis in den extremsten Höhenbereich erweiterte. Wie alle Saxophone ist der Soprillo ein Aerophon mit einfachem Rohrblatt und konischer Bohrung, vollständig aus Messing gefertigt und mit einer kompletten, wenn auch stark verkleinerten Saxophon-Klappenmechanik ausgestattet. Mit rund 33 Zentimetern Länge inklusive Mundstück ist er kaum größer als eine Hand und gilt wegen seines extrem hohen Tonumfangs und des sehr festen, präzisen Ansatzes, den er verlangt, als eines der anspruchsvollsten Instrumente der gesamten Saxophonfamilie.
Wie klingt der Soprillo?
Der Klang des Soprillo ist extrem hell, dünn und durchdringend piepsig, eine unmittelbare Folge seiner winzigen Bauform und seiner sehr hoch liegenden Grundtöne, die über dem gewohnten Register aller anderen Saxophone liegen. In geübten Händen kann der Ton dennoch eine erstaunliche Klangfülle und Ausdruckskraft entwickeln, in ungeübten wirkt er schnell schrill und schwer zu kontrollieren. Wegen dieser extremen Tonlage wird der Soprillo fast ausschließlich als Farbinstrument für kurze, virtuose Spitzenpassagen eingesetzt, nicht für lang gehaltene, tragende Melodielinien.
Woraus besteht der Soprillo?
Anders als bei vereinfachten Spielzeug- oder Novitäteninstrumenten besitzt der Soprillo trotz seiner winzigen Größe die vollständige Klappen- und Polstermechanik eines regulären Saxophons, nur extrem kompakt gebaut, um die Grifflöcher trotz des kurzen Rohrs in erreichbarem Abstand für die Finger zu platzieren. Der Korpus besteht komplett aus Messing, versilbert oder lackiert, mit konischer Bohrung wie bei jedem anderen Saxophon. Am Mundstück, das direkt mit einer eingebauten Oktavklappe kombiniert ist, wird mit einer Ligatur ein einzelnes Rohrblatt aus Pfahlrohr befestigt, das den Ton erzeugt, nicht, wie fälschlich behauptet, eine schwingende Membran. Der Tonerzeugungsmechanismus entspricht damit vollständig dem aller anderen Saxophone, lediglich in extremer Miniaturform.
Wie spielt man den Soprillo?
Gespielt wird der Soprillo grundsätzlich wie jedes andere Saxophon: Der Spieler bläst in das Mundstück, das Rohrblatt schwingt und erzeugt den Ton, während die Finger über die eng beieinanderliegenden Klappen die Tonhöhe verändern. Wegen der extrem kleinen Mensur ist jedoch ein außergewöhnlich fester, präziser Ansatz nötig, und schon minimale Abweichungen in Lippendruck oder Luftführung wirken sich stark auf Tonhöhe und Klangqualität aus. Erfahrene Saxophonisten berichten, dass es mehrere Monate intensiver Übung braucht, um die höchsten Töne des Soprillo sauber und kontrolliert zu treffen, entsprechend wird das Instrument fast ausschließlich von professionellen Spezialisten eingesetzt, die bereits über umfassende Erfahrung mit den größeren Saxophonen verfügen.
Typische Musikstile mit dem Soprillo
Da der Soprillo erst 1999 entwickelt wurde, ist sein Einsatzgebiet bis heute klein und stark auf experimentelle und avantgardistische Kontexte begrenzt: freier Jazz, zeitgenössische Komposition und Saxophon-Ensembles, die das komplette Tonhöhenspektrum der Familie, vom Subkontrabass- bis zum Soprillo-Saxophon, demonstrieren wollen. Als Solo- oder Bandinstrument im Mainstream-Jazz, Pop oder Rock spielt er praktisch keine Rolle; er bleibt ein Spezialinstrument für einige wenige Virtuosen und Sammler ungewöhnlicher Blasinstrumente.
Bekannte Lieder mit dem Soprillo
Weil der Soprillo ein derart junges und seltenes Instrument ist, gibt es keine bekannten Songs oder "Hits", die untrennbar mit ihm verbunden sind, Werke wie Vivaldis "Die vier Jahreszeiten" oder Saint-Saëns' "Der Schwan", die ihm in älteren, fehlerhaften Quellen zugeschrieben wurden, sind tatsächlich für Violine beziehungsweise Violoncello komponiert und haben mit dem Soprillo nichts zu tun. Bekannt ist das Instrument in Fachkreisen vor allem durch Saxophonisten wie Vinny Golia, Jay C. Easton, Attilio Berni und Nigel Wood, die es in freien Improvisationen und experimentellen Aufnahmen einsetzen, sowie durch Demonstrationsaufnahmen des Herstellers Benedikt Eppelsheim selbst, die vor allem die technischen Möglichkeiten des kleinsten Saxophons der Welt zeigen.




