Barock-Holzflöte

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Bild: Ivan Yohan / Shutterstock.com
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Zusammenfassung

Die Barock-Holzflöte ist die historische Vorform der modernen Querflöte und erzeugt ihren Ton ohne Rohrblatt an einer Anblaskante. Ihr Rohr aus Holz, meist Buchsbaum, ist konisch gebohrt und verengt sich zum Fußende hin, während die moderne Böhm-Querflöte zylindrisch gebohrt ist. Meist trägt sie nur eine einzige Klappe, wo die moderne Flöte ein komplexes Klappensystem besitzt. Entwickelt im späten 17. Jahrhundert in Frankreich durch die Musikerfamilie Hotteterre, lebt sie heute in der historischen Aufführungspraxis fort.

Die Barock-Holzflöte ist die historische Vorform der modernen Querflöte und erzeugt ihren Ton wie diese ohne Rohrblatt, allein durch einen Luftstrom an einer Anblaskante. Ihr Rohr besteht aus Holz und ist konisch gebohrt: Am Kopfstück ist die Bohrung am weitesten, zum Fußende hin verengt sie sich stetig. Die moderne Böhm-Querflöte dagegen ist über die ganze Länge zylindrisch gebohrt und trägt ein komplexes Klappensystem, während die Barock-Holzflöte meist mit einer einzigen Klappe auskommt. Entwickelt wurde sie im späten 17. Jahrhundert in Frankreich, maßgeblich durch die Musikerfamilie Hotteterre. Heute erklingt sie vor allem in der historischen Aufführungspraxis, die Barockmusik auf originalgetreuen Nachbauten spielt.

1Klappe (meist)
konischBohrung
Buchsbaumhäufigstes Material
17. Jh.Entstehungszeit

Was unterscheidet die Barock-Holzflöte von der modernen Querflöte?

Der Unterschied zwischen Barock-Holzflöte und moderner Querflöte liegt in drei Merkmalen: Bohrung, Material und Mechanik. Die Barock-Holzflöte ist konisch gebohrt und verengt sich zum Fußende hin, die moderne Querflöte dagegen ist über den ganzen Korpus zylindrisch gebohrt und verjüngt sich nur im Kopfstück; diese Bauform führte Theobald Böhm 1847 ein. Die Barock-Holzflöte besteht aus Holz, die moderne Flöte fast immer aus Metall. Und wo die moderne Flöte ein Klappensystem mit Achsen und Ringen trägt, das jedes Griffloch unabhängig von der Fingerlänge erreichbar macht, kommt die Barock-Holzflöte mit sechs offenen Grifflöchern und meist einer einzigen Klappe aus.

Konisch statt zylindrisch ist der zentrale Unterschied. Die Bohrung der Barock-Holzflöte verengt sich vom Kopfstück zum Fußende hin, die der modernen Böhm-Querflöte bleibt über die volle Länge gleich weit. Diese Umkehr der Bauweise geht auf Theobald Böhms Neuentwicklung von 1847 zurück.

Barock-Holzflöte: konische Bohrung Kopfstück, weit Fußstück, eng Moderne Böhm-Querflöte: zylindrische Bohrung nur das Kopfstück verjüngt sich, der Rest bleibt gleich weit
Die Barock-Holzflöte verengt sich über ihre ganze Länge zum Fußende hin. Die moderne Böhm-Querflöte bleibt zylindrisch und verjüngt sich nur am geschlossenen Ende des Kopfstücks.

Wie ist die Barock-Holzflöte aufgebaut?

Die Barock-Holzflöte gliedert sich in drei bis vier Teile, die mit in Garn gewickelten Zapfen luftdicht ineinandergesteckt werden.

  • Kopfstück: trägt das ovale Anblasloch, über das der Luftstrom schräg auf die Kante geführt wird.
  • Mittelstück: bündelt die sechs Grifflöcher, die die Finger direkt abdecken, ohne dass eine Mechanik dazwischenliegt. Ab dem frühen 18. Jahrhundert teilten Instrumentenbauer dieses Teil in zwei Hälften.
  • Fußstück: trägt die einzelne Klappe für den Ton Es, die eine kleine Feder in Ruhestellung geschlossen hält.

Viele historische Instrumente kamen mit mehreren austauschbaren Mittelstücken unterschiedlicher Länge, weil der Kammerton von Hof zu Hof und Region zu Region schwankte. Als Werkstoff dient meist Buchsbaum, seltener anderes Hartholz oder Ebenholz.

MerkmalBarock-Holzflöte
FamilieHolzblasinstrument, randgeblasene Flöte
TonerzeugungLuftstrom bricht sich an der Kante des Anblaslochs
Materialmeist Buchsbaum, auch anderes Hartholz oder Ebenholz
Bohrungkonisch, verengt sich vom Kopfstück zum Fußende
Klappenmeist eine Klappe für Es, vereinzelt zwei
Tonumfangd' bis a'''
Teiledrei bis vier: Kopfstück, ein oder zwei Mittelstücke, Fußstück
EntstehungEnde des 17. Jahrhunderts in Frankreich

Wie klingt die Barock-Holzflöte?

Die Barock-Holzflöte klingt leiser und weicher als die moderne Querflöte. Zwei Ursachen liegen zugrunde: Holz dämpft Schwingungen anders als Metall, und die engere, konische Bohrung liefert weniger Klangvolumen als die weite zylindrische Bohrung der modernen Flöte. Das macht sie zu einem Kammermusikinstrument, das neben Cembalo, Laute oder einzelnen Streichern nicht untergeht, gegen ein volles Orchester in einem großen Saal aber nicht bestehen kann.

Woher stammt die Barock-Holzflöte?

Die Barock-Holzflöte entstand im späten 17. Jahrhundert in Frankreich als Weiterentwicklung der einteiligen, zylindrisch gebohrten Renaissance-Querflöte. Die Musikerfamilie Hotteterre gilt als maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt: Sie teilte das Rohr in mehrere Teile, versah das Fußstück mit einer Klappe für den Ton Es und führte die konische Bohrung ein. Jacques-Martin Hotteterre veröffentlichte 1707 mit "Principes de la flûte traversière" die erste gedruckte Flötenschule Europas.

Im Lauf des 18. Jahrhunderts ergänzten einzelne Instrumentenbauer weitere Klappen, um die Intonation zu verbessern. Johann Joachim Quantz, Flötist am Hof Friedrichs des Großen, baute eine zweite Klappe ein, die die Töne Dis und Es getrennt ansprach, weil beide auf der einklappigen Flöte nicht gleich rein klangen. Diese zweite Klappe setzte sich langfristig nicht durch, zeigt aber den Weg zur stärkeren Mechanisierung, den Theobald Böhm im 19. Jahrhundert mit seiner zylindrischen Metallflöte zu Ende führte.

Welche Musik prägt die Barock-Holzflöte?

Johann Sebastian Bach schrieb die Orchestersuite Nr. 2 h-moll BWV 1067 für Traversflöte und Streicher; ihr Schlusssatz "Badinerie" zählt bis heute zu den bekanntesten Solostücken für das Instrument. Georg Philipp Telemann komponierte zwölf Fantasien für Flöte allein, ohne Bassbegleitung, eigens für die Traversflöte. Antonio Vivaldi veröffentlichte um 1728 in Amsterdam sechs Concerti "per flauto traverso" als Opus 10, darunter die programmatisch betitelten Werke "La Notte" und "Il Gardellino".

Heute spielt die historische Aufführungspraxis dieses Repertoire auf originalgetreuen Nachbauten der Barock-Holzflöte, um den Klang der Entstehungszeit wiederherzustellen. Die Flöte als Gattung reicht dabei von der randgeblasenen Barock-Holzflöte über die Blockflöte mit ihrem festen Luftkanal bis zur modernen Böhm-Querflöte.

Häufige Fragen zur Barock-Holzflöte

Was ist der Unterschied zwischen Barock-Holzflöte und Querflöte?

Der Unterschied zwischen Barock-Holzflöte und moderner Querflöte liegt in Bohrung, Material und Mechanik. Die Barock-Holzflöte ist konisch gebohrt, besteht aus Holz und trägt meist nur eine Klappe. Die moderne Querflöte ist zylindrisch gebohrt, besteht meist aus Metall und trägt das Böhm-Klappensystem mit rund sechzehn Klappen.

Aus welchem Holz besteht eine Barock-Holzflöte?

Eine Barock-Holzflöte besteht meist aus Buchsbaum, seltener aus anderem Hartholz oder aus Ebenholz. Das Holz wird gedrechselt und innen konisch ausgebohrt, sodass sich die Bohrung vom Kopfstück zum Fußende hin verengt.

Wie viele Klappen hat eine Barock-Holzflöte?

Eine Barock-Holzflöte hat meist eine einzige Klappe, die den Ton Es bedient. Johann Joachim Quantz ergänzte im 18. Jahrhundert eine zweite Klappe für eine reinere Unterscheidung von Dis und Es, die sich langfristig aber nicht durchsetzte. Ein komplexes Klappensystem wie bei der modernen Querflöte besitzt die Barock-Holzflöte nicht.

Welche Komponisten schrieben für die Barock-Holzflöte?

Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann und Antonio Vivaldi schrieben für die Barock-Holzflöte. Bekannt sind Bachs Orchestersuite Nr. 2 h-moll BWV 1067 mit der "Badinerie", Telemanns zwölf Fantasien für Flöte allein und Vivaldis sechs Concerti "per flauto traverso" Opus 10.

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