Die Barockposaune ist die historische Bauform der Posaune, wie sie vom 15. bis ins 18. Jahrhundert gespielt wurde. Ihr Rohr ist enger als das der modernen Posaune, und ihr Schallbecher ist kleiner und weniger stark ausgestellt. Dadurch klingt sie weicher und dunkler als ihr modernes Gegenstück und mischt sich leichter mit Singstimmen und mit den eher leisen Streichinstrumenten der Renaissance und des Barock. Im Englischen heißt das Instrument Sackbut, ein Name, der von altfranzösisch sacquer und bouter, ziehen und stoßen, abgeleitet ist und die Bewegung des Zugs beschreibt. Ensembles der historischen Aufführungspraxis spielen die Barockposaune bis heute, wenn sie Werke aus Renaissance und Barock mit historischem Instrumentarium aufführen.
Wie unterscheidet sich die Barockposaune von der modernen Posaune?
Die Barockposaune trägt ein Rohr mit rund 10 Millimeter Innendurchmesser, die moderne Posaune misst dagegen 11,5 bis 13,5 Millimeter. Am Schallbecher wächst der Unterschied weiter: Er öffnet sich bei der Barockposaune in einem flacheren Winkel und bleibt deutlich unter 20 Zentimeter im Durchmesser, während der Schallbecher der modernen Posaune auf etwa 22 Zentimeter kommt. Auch das Mundstück unterscheidet sich: Es ist flacher und enger als ein modernes Kesselmundstück, und der Übergang vom Kessel in die Rohrseele bildet eine scharfe statt einer runden Kante.
| Merkmal | Barockposaune |
|---|---|
| Familie | Blechblasinstrument, historischer Vorläufer der Posaune |
| Tonerzeugung | Lippenschwingung im flachen, engen Kesselmundstück |
| Tonhöhenwechsel | ausziehbarer Zug, wie bei der modernen Posaune |
| Mensur | rund 10 Millimeter |
| Schallbecher | flacher Öffnungswinkel, Durchmesser deutlich unter 20 Zentimeter |
| Baugrößen | Alt, Tenor, Bass, Kontrabass |
| Werkstoff | Messing |
| Erste Erwähnung | 1468, Hochzeit Karls des Kühnen in Brügge |
Wie klingt eine Barockposaune?
Die Barockposaune klingt leiser, herber und dunkler als die moderne Posaune. Die Ursache liegt im Rohrverlauf: Ein engeres Rohr und ein kleinerer Schallbecher lassen weniger Luftvolumen mitschwingen und dämpfen die oberen Teiltöne stärker, wodurch der Ton weicher und weniger durchsetzungsfähig wird. Genau diese Zurückhaltung macht das Instrument zum passenden Partner für Singstimmen und für die Streichinstrumente der Renaissance und des frühen Barock, die von einem lauten, obertonreichen Blechbläser übertönt würden.
Ein engeres Rohr kostet Lautstärke, nicht Tonumfang. Die Barockposaune nutzt dieselben sieben Zugpositionen wie die moderne Posaune und deckt damit denselben chromatischen Tonraum ab. Der Unterschied liegt allein in Klangfarbe und Durchsetzungskraft.
Woher stammt die Barockposaune?
Die Barockposaune gilt als eines der ältesten Blechblasinstrumente mit einer bis heute im Kern unveränderten Grundkonstruktion. Sie entsteht im 15. Jahrhundert vermutlich aus der Zugtrompete des Spätmittelalters, deren einfacher Zug einem doppelten Zugrohr weicht und dem Instrument dadurch einen deutlich größeren, stufenlos spielbaren Tonraum verschafft. Anders als die Naturtrompete, die nur die Töne der Naturtonreihe erzeugt, deckt die Barockposaune dank ihres Zugs von Beginn an die volle chromatische Tonleiter ab. Die früheste sichere Erwähnung stammt aus dem Jahr 1468: Bei der Hochzeit Karls des Kühnen mit Margarete von York in Brügge traten Instrumente dieser Bauart auf. Vom 16. bis ins 18. Jahrhundert gehörte die Barockposaune fest zu Kirchenkapellen und Stadtpfeiferbanden, bevor Mensur und Schallbecher im 19. Jahrhundert schrittweise zur heutigen, lauteren Bauform der Posaune weiteten.
Welche Musik prägt die Barockposaune?
Giovanni Gabrieli schrieb 1597 mit der Sonata pian e forte eines der ersten Stücke, das genau festlegt, welches Instrument welche Stimme spielt, darunter Barockposaunen neben Zinken. An seiner Wirkungsstätte, dem Markusdom in Venedig, gehörten Posaunisten neben Zinkenisten fest zur Kapelle und prägten den Klang der venezianischen Mehrchörigkeit. Claudio Monteverdi setzte die Barockposaune 1607 in den Unterweltszenen seiner Oper L'Orfeo ein und verwendete sie auch in seiner Marienvesper von 1610. Heinrich Schütz schrieb 1629 mit Fili mi, Absalon ein Werk für Bassstimme und vier Barockposaunen, das die Trauer über den Tod Absaloms in den dunklen Klang der tiefen Blechbläser legt.
Wie wird die Barockposaune heute gespielt?
Ensembles der historischen Aufführungspraxis spielen die Barockposaune, wenn sie Musik bis etwa 1800 möglichst nah am originalen Klangbild aufführen wollen. Die Instrumente dafür sind Nachbauten, gefertigt nach erhaltenen Originalen oder nach historischen Abbildungen und Traktaten wie dem Syntagma Musicum von Michael Praetorius aus dem Jahr 1619. Wer sich auf Alte Musik spezialisiert, lernt den Umgang mit dem engeren Rohr und dem flacheren Mundstück zusätzlich zur modernen Posaune, denn Ansatz und Luftführung unterscheiden sich spürbar. Konzerte und Einspielungen mit Barockposaune finden sich vor allem im Repertoire von Alte-Musik-Ensembles, die Werke von Gabrieli, Monteverdi oder Schütz mit historischem Instrumentarium aufführen.




