Autboi

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Die Autboi ist einer Oboe nachempfunden.
Die Autboi ist einer Oboe nachempfunden.

Zusammenfassung

Autboi ist die eingedeutschte Schreibweise von Autbòi, dem okzitanischen Wort für eine traditionelle Schalmei aus dem Bas-Languedoc und den Cevennen in Südfrankreich. Das Instrument bewahrt Merkmale der Barockschalmei, aus der sich im 17. Jahrhundert unter dem französischen Namen Hautbois die heutige Oboe entwickelte. Anders als die moderne Orchesteroboe hat der Autboi kein Klappensystem, sondern sechs offene Grifflöcher und ein freies Doppelrohrblatt. Nach fast vollständigem Verschwinden um die Mitte des 20. Jahrhunderts wird er seit den 1970er Jahren als Instrument regionaler Identität wiederbelebt.

Autboi ist die eingedeutschte Schreibweise von Autbòi, dem okzitanischen Namen einer traditionellen Schalmei aus dem Bas-Languedoc und den Cevennen in Südfrankreich. Der Name geht auf das französische hautbois zurück, wörtlich hohes Holz, unter dem sich im 17. Jahrhundert aus der Schalmei die Oboe entwickelte. Der Autboi hat dabei ältere Baumerkmale bewahrt, die die moderne Orchesteroboe nicht mehr trägt: ein offenes Doppelrohrblatt ohne Kapsel, sechs Grifflöcher ohne Klappenmechanik und einen dreiteiligen, mit Ringen verstärkten Korpus. Mit der historischen Schalmei ist er damit näher verwandt als mit der Oboe des heutigen Sinfonieorchesters.

44-49 cmLänge
6Grifflöcher
C/DGrundton
LanguedocHerkunftsregion

Was ist ein Autboi?

Ein Autboi ist eine traditionelle Schalmei, die im Bas-Languedoc und in den Cevennen gebaut und gespielt wird, zwei Regionen im Süden Frankreichs. Okzitanisch, die romanische Sprache dieser Region, bezeichnet mit autbòi zugleich die dortige Volksschalmei und allgemein die Oboe. Die deutsche Schreibweise Autboi überträgt nur die Lautung, ohne den Gravis auf dem o. Vom Artikel zur modernen Oboe unterscheidet sich dieser Beitrag deshalb im Gegenstand: Dort geht es um das heutige Orchesterinstrument mit Klappensystem, hier um die ältere, bis heute in Südfrankreich gespielte Volksschalmei gleichen Namensursprungs.

Wie ist ein Autboi aufgebaut?

Ein Autboi besteht aus drei ineinandergesteckten Holzteilen von insgesamt 44 bis 49 Zentimetern Länge. Knochen-, Elfenbein- oder Metallringe verstärken die Enden der Teile gegen das Aufplatzen. Das obere Teil trägt eine eiförmige Verdickung, das mittlere zwei hervortretende, umlaufende Stege nahe dem unteren Ende, und der Schallbecher öffnet sich weit. Die Bohrung verläuft konisch, ein trapezförmiges Doppelrohrblatt sitzt am oberen Ende auf. Auf der Vorderseite liegen sechs Grifflöcher, ein Daumenloch fehlt. Der Grundton liegt meist in C oder D.

MerkmalAutboi
FamilieSchalmei, Holzblasinstrument mit Doppelrohrblatt
HerkunftsregionBas-Languedoc und Cevennen, Südfrankreich
Länge44 bis 49 Zentimeter, dreiteilig
Bohrungkonisch
Rohrblatttrapezförmiges Doppelrohrblatt, offen zwischen den Lippen
Grifflöchersechs, kein Daumenloch
Grundtonmeist C oder D
VerstärkungRinge aus Knochen, Elfenbein oder Metall an den Verbindungsstellen

Wie entstand der Autboi aus der Barockschalmei?

Der Autboi bewahrt Merkmale der Barockschalmei, aus der sich im zweiten Drittel des 17. Jahrhunderts die Oboe entwickelte. Pariser Instrumentenbauer am französischen Königshof, darunter die Instrumentenbauerfamilie Hotteterre, teilten die bis dahin einteilige Schalmei in drei trennbare Abschnitte, engten die Bohrung, veränderten das Endstück und setzten zwei Klappen für die tiefsten Töne. Vor allem nahm der Spieler das Doppelrohrblatt jetzt direkt zwischen die Lippen, statt es wie zuvor vollständig im Mund oder in einer Kapsel eingeschlossen zu halten. Diese neue, unter dem Namen hautbois gebaute Oboe verbreitete sich von Frankreich aus über die europäischen Höfe und Orchester. Der Autboi im Languedoc übernahm nur einen Teil dieser Neuerungen und behielt das offene Doppelrohrblatt sowie den ungeklappten Griffumfang. Die ältesten erhaltenen Instrumente stammen aus dem 19. Jahrhundert; wie weit die Bautradition davor zurückreicht, lässt sich daraus nicht ableiten.

Der Autboi ist keine alte Oboe, sondern eine Schalmei, die den Namen der Oboe trägt. Er entwickelte sich neben der Oboe weiter, nicht zu ihr hin, und blieb bei offenem Rohrblatt und Grifflöchern ohne Klappen.

Was unterscheidet den Autboi von der modernen Oboe?

Die moderne Oboe trägt ein dichtes Klappenwerk aus Neusilber, mit dem sie akustisch korrekt platzierte Tonlöcher auch dort erreicht, wo kein Finger hinreicht. Der Autboi kommt ohne jede Klappe aus: Sechs Grifflöcher decken die Finger direkt ab, mehr Töne als diese Grundreihe und ihre Überblasungen lässt das Instrument kaum zu. Auch das Rohrblatt wird unterschiedlich gehalten. Bei der Oboe liegen die Lippen unmittelbar auf den Blättern und regeln darüber Klangfarbe und Stimmung fein. Beim Autboi bleibt das Rohrblatt offener zwischen den Lippen, was die Dynamik einschränkt, der Anblasstelle aber mehr von der ursprünglichen Schalmei belässt. Damit steht der Autboi lautstärke- und griffmäßig näher an der Schalmei als an der Konzertoboe.

Wo wird der Autboi heute gespielt?

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erhielt der Autboi eine technische Modernisierung, verschwand aber bis zur Mitte des Jahrhunderts fast vollständig aus dem Gebrauch. Seit den 1970er Jahren belebt eine Bewegung für okzitanische Regionalkultur das Instrument neu: Es erklingt bei Umzügen, im Karneval und in der Folklore des Bas-Languedoc und der Cevennen und gilt dort als Zeichen regionaler Identität. Ähnlich hat sich die konische Schalmei in anderen Regionen Europas als eigenständiges Volksinstrument gehalten, etwa die bretonische Bombarde und die spanische Dulzaina. Alle drei gehen auf dieselbe mittelalterliche Kegeloboenfamilie zurück, haben sich aber unabhängig voneinander weiterentwickelt.

Was bedeutet der Name Hautbois in der Musikgeschichte?

Hautbois ist die französische Bezeichnung, unter der die Oboe im 17. und 18. Jahrhundert entstand und sich verbreitete, bevor sich im Deutschen der Name Oboe und im Englischen oboe durchsetzten. In der englischsprachigen Musikwissenschaft hat sich dafür der eigene Fachbegriff hautboy erhalten, der die Barockoboe der Jahre bis etwa 1760 von der modernen, klappenreichen Konzertoboe des 19. und 20. Jahrhunderts abgrenzt. Der Autboi trägt mit seinem Namen also nicht die heutige Oboe, sondern das ältere französische Wort dafür, aus einer Zeit, in der Schalmei und Oboe noch nicht so klar auseinandergehalten wurden wie heute.

Häufige Fragen zum Autboi

Ist Autboi ein anderes Wort für Oboe?

Autboi ist im Okzitanischen zwar das allgemeine Wort für Oboe, bezeichnet als Fachbegriff aber eine eigenständige traditionelle Schalmei aus dem Bas-Languedoc und den Cevennen. Sie unterscheidet sich von der modernen Orchesteroboe durch ein offenes Rohrblatt, sechs Grifflöcher ohne Klappen und einen dreiteiligen Korpus mit Verstärkungsringen. Wer die heutige Konzertoboe sucht, findet sie im Artikel zur Oboe.

Woher stammt der Autboi?

Der Autboi stammt aus dem Bas-Languedoc und den Cevennen in Südfrankreich. Er bewahrt Merkmale der Barockschalmei, aus der sich im 17. Jahrhundert am französischen Königshof die Oboe entwickelte, ging diesen Weg aber nicht vollständig mit. Die ältesten erhaltenen Instrumente stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Wie viele Grifflöcher hat ein Autboi?

Ein Autboi hat sechs Grifflöcher auf der Vorderseite und kein Daumenloch. Klappen besitzt das Instrument nicht, die Finger decken die Löcher direkt ab. Der Grundton liegt je nach Bauform meist in C oder D.

Wird der Autboi noch gespielt?

Ja, der Autboi wird noch gespielt, nachdem sein Gebrauch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts fast vollständig erloschen war. Seit den 1970er Jahren belebt die okzitanische Regionalbewegung ihn in Folklore, Karneval und Umzügen des Bas-Languedoc und der Cevennen neu.

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