Giuseppe Verdi war ein italienischer Opernkomponist des 19. Jahrhunderts und der prägende Name der italienischen Oper seiner Epoche. Er schrieb rund 26 Opern, von denen Rigoletto, La Traviata und Aida bis heute zu den meistgespielten Werken der Gattung zählen. Verdi stellte die Singstimme und die dramatische Zuspitzung in den Mittelpunkt und ordnete das Orchester dieser Stimme unter, statt es in den Vordergrund zu rücken. Er lebte von 1813 bis 1901, in den Jahrzehnten der italienischen Einigung, und saß zeitweise selbst im ersten italienischen Parlament.
Wer war Giuseppe Verdi?
Giuseppe Verdi war Komponist und, in den 1860er Jahren, Abgeordneter im italienischen Parlament. Er kam am 10. Oktober 1813 im Dorf Le Roncole bei Busseto zur Welt, als Sohn eines Gastwirts. Der Kaufmann Antonio Barezzi aus Busseto erkannte sein musikalisches Talent, finanzierte seine Ausbildung in Mailand und wurde später sein Schwiegervater.
Das Mailänder Konservatorium lehnte Verdi 1832 wegen seines Alters und seiner Klaviertechnik ab. Er nahm stattdessen privaten Unterricht bei Vincenzo Lavigna, Dirigent an der Mailänder Scala, wo Verdi 1839 mit der Oper Oberto debütierte. Kurz darauf starben seine junge Frau Margherita Barezzi und die beiden gemeinsamen Kinder, doch Verdi komponierte weiter und legte 1842 mit Nabucco den Grundstein für seinen Ruhm.
| Merkmal | Giuseppe Verdi |
|---|---|
| Lebensdaten | 10. Oktober 1813 bis 27. Januar 1901 |
| Geburtsort | Le Roncole bei Busseto |
| Sterbeort | Mailand |
| Epoche | italienische Oper des 19. Jahrhunderts |
| Wirkungsstätten | Mailand (La Scala), Busseto, Paris, Kairo |
| Prägende Gattung | Oper, dazu geistliche Chorwerke |
| Wichtigste Librettisten | Francesco Maria Piave, Arrigo Boito |
| Politisches Amt | 1861 Abgeordneter im ersten italienischen Parlament, später Senator |
Wie verlief Giuseppe Verdis Werdegang?
Nach Nabucco schrieb Giuseppe Verdi in gut zehn Jahren mehr als ein Dutzend Opern, eine Phase, die er später selbst als seine Galeerenjahre bezeichnete. Der Gefangenenchor aus Nabucco, ein Stück Chormusik verschleppter Israeliten über ihre verlorene Heimat, traf 1842 die Stimmung eines Publikums, das unter österreichischer Herrschaft in Oberitalien selbst von einem geeinten Land träumte. Verdi wurde dadurch schon zu Lebzeiten zur Symbolfigur der italienischen Einigungsbewegung, des Risorgimento.
1861 ließ sich Verdi auf Drängen des Ministerpräsidenten Camillo Cavour ins neue italienische Parlament in Turin wählen. Nach Cavours Tod im selben Jahr zog er sich von der Parlamentsarbeit weitgehend zurück, wurde aber später zum Senator ernannt und schrieb den Großteil seiner späteren Opern zurückgezogen auf seinem Landgut Sant'Agata bei Busseto.
Welche Opern zählen zu Giuseppe Verdis wichtigsten Werken?
Giuseppe Verdi schrieb rund 26 Opern, von denen ein harter Kern bis heute weltweit auf den Spielplänen steht. Nabucco brachte 1842 den Durchbruch, in den Jahren 1851 bis 1853 folgten mit Rigoletto, Il Trovatore und La Traviata drei Werke, die als seine Trilogia popolare gelten. Später kamen Un ballo in maschera (1859), La forza del destino (1862) und die für die Pariser Oper geschriebene Don Carlos (1867) hinzu.
Mit Aida, die 1871 im Auftrag des ägyptischen Khediven am Opernhaus in Kairo uraufgeführt wurde, und der Messa da Requiem von 1874 zum Gedenken an den Schriftsteller Alessandro Manzoni erreichte Verdi den Höhepunkt seiner mittleren Schaffensphase. Sein Spätwerk bilden die beiden Shakespeare-Opern Otello (1887) und Falstaff (1893), beide nach Textbüchern von Arrigo Boito, mit denen Verdi über siebzigjährig seinen Stil noch einmal weiterentwickelte.
- Nabucco (1842): der Durchbruch, mit dem Gefangenenchor Va, pensiero als bekanntestem Ausschnitt.
- Rigoletto (1851): die Tragödie um einen buckligen Hofnarren, nach einem Theaterstück von Victor Hugo.
- La Traviata (1853): das Schicksal der Kurtisane Violetta, nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas dem Jüngeren.
- Aida (1871): große Oper vor altägyptischer Kulisse, uraufgeführt in Kairo.
- Falstaff (1893): eine der wenigen Komödien in Verdis Werk, entstanden im hohen Alter nach Shakespeares Lustige Weiber von Windsor und Heinrich IV.
Was kennzeichnet den Musikstil von Giuseppe Verdi?
Giuseppe Verdi baut seine Opern um die Singstimme und die dramatische Situation, nicht um die orchestrale Ausarbeitung. Seine Melodien sind direkt erfassbar und bleiben oft nach einmaligem Hören im Ohr, weil sie sich eng an Text und Gefühlslage der Figur orientieren statt an kunstvoller motivischer Arbeit. Besonders dem Bariton gibt Verdi Gewicht: Figuren wie Rigoletto, Giorgio Germont in La Traviata und später Iago in Otello tragen zentrale Konflikte in dieser Stimmlage.
Mit den Jahrzehnten wuchs Verdi über die geschlossene Nummernoper mit Arie, Duett und Chor hinaus. In Otello und Falstaff lässt er einzelne Nummern ineinander übergehen und nähert sich damit, ohne durchgehende Leitmotive, einer fortlaufenden Form, wie sie sein Zeitgenosse Richard Wagner in Deutschland entwickelte. Anders als Wagner bleibt Verdis Orchester dabei durchgehend Begleitung der Stimme, nicht gleichrangiger Träger der musikalischen Aussage.
Verdi baut seine Dramen von der Singstimme her, nicht vom Orchester her. Wo Wagner das Orchester zum Träger der Handlung macht, bleibt es bei Verdi Begleitung; die Melodie der Singstimme trägt die dramatische Aussage.
Welchen Einfluss hat Giuseppe Verdi bis heute?
Giuseppe Verdis Opern gehören bis heute zu den meistgespielten der gesamten Gattung; Rigoletto, La Traviata und Aida stehen in den Spielplänen großer Opernhäuser regelmäßig auf dem Programm. Als man Verdis Sarg einen Monat nach seinem Tod am 27. Januar 1901 in die von ihm gestiftete Casa di Riposo per Musicisti in Mailand überführte, sang eine Menschenmenge auf den Straßen spontan den Gefangenenchor aus Nabucco, dirigiert von Arturo Toscanini.
Die Casa di Riposo, ein von Verdi finanziertes Altersheim für mittellose Musiker, soll er selbst als sein wichtigstes Werk bezeichnet haben. Jüngere italienische Komponisten wie Giacomo Puccini übernahmen Verdis Grundhaltung, die Handlung über die Singstimme zu erzählen, und führten sie im Verismo weiter. Damit bleibt Verdi bis heute Bezugspunkt der italienischen Oper der Romantik.
Häufige Fragen zu Giuseppe Verdi
Welche Opern schrieb Giuseppe Verdi?
Giuseppe Verdi schrieb rund 26 Opern. Zu den bekanntesten zählen Nabucco (1842), Rigoletto (1851), La Traviata (1853), Aida (1871), Otello (1887) und Falstaff (1893). Rigoletto, La Traviata und Aida gehören bis heute zu den weltweit meistgespielten Opern überhaupt.
Warum gilt Giuseppe Verdi als Symbolfigur des Risorgimento?
Giuseppe Verdi gilt als Symbolfigur des Risorgimento, weil sein Gefangenenchor aus Nabucco 1842 die Sehnsucht eines unter österreichischer Herrschaft stehenden Publikums nach einem geeinten Land traf. 1861 ließ er sich zudem auf Drängen von Camillo Cavour ins erste italienische Parlament wählen, zog sich aber nach dessen Tod noch im selben Jahr weitgehend zurück.
Wer schrieb die Textbücher zu Giuseppe Verdis Opern?
Giuseppe Verdis wichtigster Librettist der mittleren Schaffensphase war Francesco Maria Piave, der unter anderem die Texte zu Rigoletto und La Traviata verfasste. Für sein Spätwerk arbeitete Verdi mit dem Komponisten und Schriftsteller Arrigo Boito zusammen, der die Textbücher zu Otello und Falstaff nach Shakespeare-Vorlagen schrieb.
Worin unterscheidet sich Giuseppe Verdi von Richard Wagner?
Giuseppe Verdi und Richard Wagner prägten im 19. Jahrhundert zeitgleich, aber unabhängig voneinander, zwei unterschiedliche Operntraditionen. Verdi stellt die Singstimme und die direkte Melodie in den Mittelpunkt und lässt das Orchester begleiten, während Wagner das Orchester mit durchgehenden Leitmotiven zum gleichrangigen Träger der Handlung macht. Beide gaben im Lauf ihres Werks die geschlossene Nummernoper zugunsten fließenderer Formen auf, kamen dabei aber zu entgegengesetzten Lösungen.




