Franz Schubert war ein österreichischer Komponist, der die Wiener Klassik zur Romantik hin öffnete. In gut fünfzehn Jahren als Komponist schrieb er rund 600 Lieder, neun Sinfonien, mehrere Streichquartette sowie Klaviersonaten und Kirchenmusik. Bekannt wurde er vor allem für seine Kunstlieder, in denen das Klavier die Stimmung des Textes mitträgt, statt ihn nur zu begleiten. Schubert starb 1828 in Wien im Alter von 31 Jahren, ein Jahr nach Beethoven, den er verehrte.
Wer war Franz Schubert?
Franz Schubert war ein Komponist der Wiener Klassik und frühen Romantik, geboren am 31. Januar 1797 in Wien-Himmelpfortgrund und gestorben am 19. November 1828 in Wien. Er lebte sein ganzes Leben in oder nahe Wien und verließ die Stadt nur für wenige kurze Reisen. Anders als Haydn, Mozart oder Beethoven hatte er nie eine feste Anstellung als Kapellmeister oder Hofmusiker, sondern lebte von Kompositionsaufträgen, Verlagshonoraren und der Unterstützung von Freunden.
Wie verlief Schuberts Werdegang?
Schubert erhielt ersten Musikunterricht von seinem Vater und seinem älteren Bruder Ignaz und kam 1808 als Sängerknabe an die Wiener Hofkapelle. Über diese Stelle besuchte er das Stadtkonvikt, ein kaiserliches Internat, in dem ihn Antonio Salieri mehrere Jahre lang in Komposition unterrichtete. Nach dem Stimmbruch verließ Schubert das Konvikt und arbeitete kurze Zeit als Lehrer an der Schule seines Vaters, eine Tätigkeit, die ihm wenig lag.
Schon 1814 und 1815 entstanden mit Gretchen am Spinnrade und Erlkönig, beide nach Texten von Johann Wolfgang von Goethe, zwei Lieder, die in der Musikgeschichte oft als früher Höhepunkt der Gattung gelten. Ab etwa 1816 lebte Schubert überwiegend vom Komponieren und wohnte zeitweise bei Freunden. In seinem Freundeskreis entstand die Schubertiade, private Abende, an denen Schubert eigene Lieder und Klavierstücke vorstellte, oft gemeinsam mit dem Sänger Johann Michael Vogl.
Welche Werke schrieb Franz Schubert?
- Erlkönig (D 328), 1815 komponiert, vertont Goethes Ballade und lässt das Klavier im Anschlag der rechten Hand den Galopp des Pferdes nachbilden.
- Die schöne Müllerin (D 795), ein Liederzyklus von 1823 nach Gedichten von Wilhelm Müller.
- Winterreise (D 911), ein Liederzyklus von 1827, ebenfalls nach Gedichten von Wilhelm Müller.
- Sinfonie Nr. 8 h-Moll (D 759), Unvollendete, 1822 begonnen und nur mit zwei vollständig ausgearbeiteten Sätzen überliefert.
- Sinfonie Nr. 9 C-Dur (D 944), Die Große, 1825 und 1826 entstanden; die Uraufführung fand erst 1839 in Leipzig statt.
- Forellenquintett A-Dur (D 667) für Klavier und Streicher, dessen vierter Satz Variationen über Schuberts eigenes Lied Die Forelle bringt.
- Streichquartett Nr. 14 d-Moll (D 810), Der Tod und das Mädchen, dessen zweiter Satz ein gleichnamiges früheres Lied Schuberts variiert.
- Streichquintett C-Dur (D 956), 1828 kurz vor seinem Tod entstanden, mit zwei Violoncelli statt der sonst üblichen zwei Bratschen.
| Merkmal | Franz Schubert |
|---|---|
| Lebensdaten | 31. Januar 1797 bis 19. November 1828 |
| Geburtsort | Wien-Himmelpfortgrund |
| Sterbeort | Wien |
| Epoche | Wiener Klassik und frühe Romantik |
| Wirkungsstätte | Wien |
| Prägende Gattungen | Kunstlied, Sinfonie, Streichquartett, Klaviersonate |
| Werkverzeichnis | Deutsch-Verzeichnis, Kürzel D |
| Besonderheit | komponierte rund 600 Lieder, ohne je eine feste Kapellmeisterstelle zu bekleiden |
Was kennzeichnet Schuberts Stil?
Schubert macht das Klavier im Lied zu einer eigenständigen Stimme statt zu einer bloßen Begleitung. Die Klavierfigur bildet oft ab, wovon der Text handelt: In Gretchen am Spinnrade drehen sich gleichmäßige Sechzehntel wie ein Spinnrad, in Erlkönig wiederholen sich Achteltriolen wie Hufschläge. Bricht die Erzählung ab, hält auch die Klavierfigur inne, so am Ende von Gretchen am Spinnrade, wenn das Rad kurz stillsteht.
Harmonisch wechselt Schubert oft unvermittelt zwischen Dur und Moll auf demselben Grundton, was eine Zeile gegenüber der vorigen umfärbt, ohne die Tonart zu verlassen. Dazu setzt er entlegene Tonartwechsel ein, die in der Wiener Klassik vor ihm selten vorkommen, etwa Rückungen um eine große Terz anstelle der sonst üblichen Quintverwandtschaften.
Bei Schubert trägt das Klavier die Handlung mit, nicht nur die Melodie. Eine wiederkehrende Klavierfigur kann bei ihm ein Bild sein, ein Spinnrad, ein Galopp, ein Bach, und bricht ab, sobald sich die Szene im Text ändert.
Welchen Einfluss hat Franz Schubert bis heute?
Schubert veränderte, was ein Klavierlied leisten kann, und spätere Komponisten der Romantik knüpften daran an, darunter Robert Schumann und Johannes Brahms. Ein großer Teil seines Spätwerks wurde erst nach seinem Tod bekannt: Schumann entdeckte 1838 die Partitur der neunten Sinfonie im Nachlass von Schuberts Bruder Ferdinand und vermittelte die Uraufführung 1839 in Leipzig unter der Leitung von Felix Mendelssohn Bartholdy.
Schuberts Lieder gehören seither zum festen Bestand des Liederabends, jener Konzertform, in der eine Sängerin oder ein Sänger mit einer Pianistin oder einem Pianisten einen Zyklus oder eine Auswahl von Kunstliedern vorträgt. Winterreise und Die schöne Müllerin stehen bis heute regelmäßig auf solchen Programmen. Sicher überliefert ist, dass Schubert 1827 als einer der Fackelträger an Beethovens Begräbnis teilnahm und ein Jahr später auf eigenen Wunsch in dessen Nähe beigesetzt wurde, zunächst auf dem Wiener Währinger Friedhof, von dem beide Gräber später auf den Wiener Zentralfriedhof umgebettet wurden.
Wer sich für die weitere klassische Musik Wiens interessiert, findet in Schubert eine Brücke zwischen Ludwig van Beethoven und den Liedkomponisten der Romantik. Sein Streichquintett D 956 setzt statt der zweiten Bratsche ein zweites Cello ein und verstärkt damit den tiefen, satten Klang des Ensembles. Fast alle seine Lieder sind für Singstimme und Klavier geschrieben.
Häufige Fragen zu Franz Schubert
Wie viele Lieder komponierte Franz Schubert?
Franz Schubert komponierte rund 600 Lieder, dazu kommen Sinfonien, Kammermusik, Klavierwerke und Messen. Die genaue Zahl schwankt je nach Zählweise leicht, weil einzelne Lieder in mehreren Fassungen vorliegen. Otto Erich Deutsch ordnete Schuberts Gesamtwerk 1951 in einem chronologischen Werkverzeichnis, dessen D-Nummern bis heute zur Bezeichnung seiner Werke dienen.
Warum heißt Schuberts achte Sinfonie die Unvollendete?
Schuberts achte Sinfonie heißt die Unvollendete, weil von den vier üblichen Sätzen einer Sinfonie nur zwei vollständig ausgearbeitet vorliegen. Schubert begann 1822 mit der Komposition und legte danach Skizzen zu einem dritten Satz an, führte sie aber nicht zu Ende. Warum er die Arbeit abbrach, ist nicht überliefert.
Wer war Wilhelm Müller für Franz Schubert?
Wilhelm Müller war ein deutscher Dichter, dessen Gedichte Franz Schubert seinen beiden großen Liederzyklen Die schöne Müllerin und Winterreise zugrunde legte. Müller starb 1827, im selben Jahr, in dem Schubert die Winterreise komponierte, und erlebte die Vertonung seiner Gedichte nicht mehr. Die beiden kannten sich nicht persönlich.
Woran starb Franz Schubert?
Franz Schubert starb am 19. November 1828 in Wien im Alter von 31 Jahren. Die Totenbeschau nannte damals Typhus als Todesursache. Schubert litt bereits seit 1822 unter einer chronischen Erkrankung, die ihn wiederholt schwächte, weshalb Historiker bis heute diskutieren, wie beide Leiden zusammenhingen. Er wurde auf eigenen Wunsch in der Nähe von Beethovens Grab beigesetzt.




