Johannes Brahms war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent der Romantik, der die Formen der Wiener Klassik mit neuer harmonischer und satztechnischer Dichte verband. Er wuchs in Hamburg auf und lebte ab 1862 überwiegend in Wien, wo er bis zu seinem Tod 1897 als Pianist und freischaffender Komponist arbeitete. Sein Werk reicht von vier Sinfonien und zwei Klavierkonzerten über Kammermusik bis zum Deutschen Requiem und mehr als zweihundert Liedern. Im Gegensatz zur Neudeutschen Schule um Franz Liszt und Richard Wagner hielt er an den überlieferten Formen der Sonate, der Variation und der Fuge fest und entwickelte sie weiter.
Wer war Johannes Brahms?
Johannes Brahms war ein deutscher Komponist, Pianist und Dirigent, der von 1833 bis 1897 lebte und zu den bedeutendsten Komponisten der Romantik zählt. Er komponierte in nahezu allen Gattungen außer der Oper: vier Sinfonien, zwei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, Kammermusik, Klavierwerke, Chorwerke und mehr als zweihundert Lieder. Ab 1862 lebte er überwiegend in Wien und arbeitete dort ab 1875 als freischaffender Komponist und Pianist ohne feste Anstellung. Sein Berliner Verleger Fritz Simrock brachte den größten Teil seines Werks heraus.
| Merkmal | Johannes Brahms |
|---|---|
| Lebensdaten | 1833 bis 1897 |
| Geburtsort | Hamburg |
| Sterbeort | Wien |
| Epoche | Romantik |
| Wirkungsstätten | Hamburg, Detmold, Wien |
| Werkgattungen | Sinfonie, Konzert, Kammermusik, Klavierwerk, Chorwerk, Lied |
| Instrument | Klavier |
| Verleger | Fritz Simrock, Berlin |
| Besonderheit | vollendete seine erste Sinfonie erst mit 43 Jahren |
Wie verlief Johannes Brahms' Werdegang?
Johannes Brahms wuchs in Hamburg auf, wo sein Vater Johann Jakob Brahms als Musiker in Tanzkapellen und im Stadttheater arbeitete und ihm den ersten Klavierunterricht vermittelte. 1853 ging Brahms mit dem Geiger Eduard Reményi auf Konzertreise und lernte dabei den Geiger Joseph Joachim kennen, der ihn an Robert und Clara Schumann in Düsseldorf empfahl. Robert Schumann veröffentlichte noch im selben Jahr in der Neuen Zeitschrift für Musik den Aufsatz Neue Bahnen und stellte den zwanzigjährigen Brahms darin als kommenden Komponisten vor. Nach Robert Schumanns Zusammenbruch 1854 und seinem Tod 1856 unterstützte Brahms Clara Schumann und blieb ihr bis zu ihrem Tod 1896 freundschaftlich verbunden. Von 1857 bis 1859 leitete er als Chorleiter und Pianist die Winterkonzerte am Hof in Detmold, dazwischen kehrte er wiederholt nach Hamburg zurück. Ab 1862 lebte er in Wien, leitete dort zeitweise die Wiener Singakademie und von 1872 bis 1875 die Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde, bevor er sich ganz auf das Komponieren verlegte.
Welche Werke von Johannes Brahms zählen zu den wichtigsten?
Johannes Brahms' Werkverzeichnis reicht von der Kammermusik bis zur groß besetzten Chormusik. Vier Werke zeigen seinen Personalstil besonders deutlich.
- Ein deutsches Requiem, op. 45: Brahms schrieb es 1865 bis 1868 und vertonte darin deutsche Bibeltexte statt der lateinischen Totenmesse.
- Sinfonie Nr. 1 c-Moll, op. 68: Die Uraufführung fand 1876 in Karlsruhe statt, nach über zwanzig Jahren Arbeit an dem Werk.
- Violinkonzert D-Dur, op. 77: Brahms schrieb es 1878 für den Geiger Joseph Joachim.
- Klarinettenquintett h-Moll, op. 115: Brahms komponierte es 1891 für den Klarinettisten Richard Mühlfeld.
Auf die Erste folgten drei weitere Sinfonien: die Zweite 1877, die Dritte 1883 und die Vierte 1885. Im Finalsatz der Vierten baut Brahms eine Passacaglia über ein Basslinienthema aus einer Kantate von Johann Sebastian Bach.
Johannes Brahms brauchte über zwanzig Jahre bis zu seiner ersten Sinfonie. Nach dem Vorbild der neun Sinfonien von Ludwig van Beethoven empfand er die Gattung als so hoch belastet, dass er erste Skizzen aus den 1850er Jahren erst 1876 als vollständiges Werk vorlegte, im Alter von 43 Jahren.
Was kennzeichnet den Stil von Johannes Brahms?
Johannes Brahms hielt an den überlieferten Formen der Wiener Klassik fest, während viele Zeitgenossen sie erweiterten oder aufgaben. Er schrieb Sonatenhauptsätze, Variationszyklen und Fugen und verzichtete auf programmatische Titel oder außermusikalische Vorlagen, wie sie die sinfonische Dichtung bei Liszt oder das Musikdrama bei Richard Wagner prägten. Innerhalb dieser klassischen Formen entwickelt er seine Themen jedoch durchgehend weiter, statt sie unverändert zu wiederholen: Ein kurzes melodisches oder rhythmisches Motiv kehrt in immer neuer Gestalt wieder und trägt ganze Sätze. Wegen dieser durchgehenden motivischen Arbeit zählte ihn der Kritiker Eduard Hanslick zur Gegenposition der Neudeutschen Schule um Liszt und Wagner, während der Komponist Arnold Schönberg Brahms später in seinem Essay Brahms, der Fortschrittliche als Wegbereiter moderner Musik beschrieb.
Welchen Einfluss hat Johannes Brahms bis heute?
Die vier Sinfonien, die Konzerte und das Deutsche Requiem gehören seit ihrer Entstehung zum festen Bestand der Konzertprogramme großer Orchester, ebenso die Kammermusik in kleineren Besetzungen. Seine 21 Ungarischen Tänze für Klavier zu vier Händen, von denen er einen Teil selbst orchestrierte, zählen bis heute zu den meistgespielten Stücken des klassischen Konzertrepertoires, und sein Wiegenlied op. 49 Nr. 4 von 1868 ist als Melodie eines der bekanntesten Stücke der klassischen Musik überhaupt. Komponisten wie Max Reger und, mit eigener Begründung, Arnold Schönberg beriefen sich später ausdrücklich auf seine Technik der motivischen Arbeit. Sein Grab liegt seit 1897 auf dem Wiener Zentralfriedhof, in unmittelbarer Nähe der Gräber von Beethoven und Franz Schubert.
Häufige Fragen zu Johannes Brahms
Wann lebte Johannes Brahms?
Johannes Brahms lebte von 1833 bis 1897. Er kam am 7. Mai 1833 in Hamburg zur Welt und starb am 3. April 1897 in Wien.
Welche Werke schrieb Johannes Brahms?
Johannes Brahms schrieb vier Sinfonien, zwei Klavierkonzerte, ein Violinkonzert, das Deutsche Requiem, umfangreiche Kammermusik und mehr als zweihundert Lieder. Zu seinen bekanntesten Einzelwerken zählen die Sinfonie Nr. 1 c-Moll, das Klarinettenquintett h-Moll und die Ungarischen Tänze für Klavier. Eine Oper schrieb er nicht.
Wie war das Verhältnis zwischen Johannes Brahms und Clara Schumann?
Johannes Brahms und Clara Schumann verband von ihrem Kennenlernen 1853 bis zu Clara Schumanns Tod 1896 eine enge Freundschaft. Brahms lernte sie über den Geiger Joseph Joachim kennen und unterstützte sie nach dem Zusammenbruch und Tod ihres Mannes Robert Schumann. Über die genaue Art dieser Beziehung kursieren bis heute Vermutungen, belegt ist die jahrzehntelange Freundschaft.
Warum gilt Johannes Brahms als Gegenspieler von Richard Wagner?
Johannes Brahms gilt als Gegenspieler von Richard Wagner, weil beide im Streit um die Zukunft der Musik im 19. Jahrhundert für entgegengesetzte Positionen standen. Brahms hielt an den überlieferten Formen der Sinfonie, der Kammermusik und der Variation fest, während Wagner die Oper zum durchkomponierten Musikdrama umbaute und mit dem Leitmotiv arbeitete. Der Kritiker Eduard Hanslick stellte beide öffentlich als Gegenpole dar, Brahms selbst beteiligte sich kaum öffentlich an dem Streit.




