Der Gaohu ist ein zweisaitiges chinesisches Streichinstrument aus der Huqin-Familie und die höher gestimmte Schwester der Erhu. Der Musiker Lü Wencheng entwickelte ihn in den 1920er-Jahren aus der Erhu, um der kantonesischen Musik und der Kantonoper eine hellere, durchsetzungsfähigere Stimme zu geben. Dafür ersetzte er die Seidensaiten durch Stahlsaiten, stimmte das Instrument eine Quart höher und änderte die Spielhaltung: Der Gaohu ruht traditionell zwischen den Knien statt auf dem Oberschenkel. In der kantonesischen Musik führt der Gaohu bis heute die Melodie, im modernen chinesischen Orchester übernimmt er als höchste Stimme der Huqin-Gruppe eher Verzierungen und Gegenstimmen über der Erhu.
Wie unterscheidet sich der Gaohu von der Erhu?
Der Gaohu unterscheidet sich von der Erhu in drei baulichen Punkten und im Klang: ein kleinerer, meist runder Resonanzkörper statt des sechseckigen Erhu-Korpus, Stahlsaiten statt Seiden- oder Nylonsaiten und eine Stimmung, die eine Quart höher liegt. Die Erhu ist auf d' und a' gestimmt, der Gaohu auf g' und d''. Kleinerer Korpus und höhere Stimmung machen den Ton des Gaohu heller und durchsetzungsfähiger, gleichzeitig aber insgesamt leiser als den der Erhu, weil die kleinere Resonanzfläche weniger Klangvolumen erzeugt.
| Merkmal | Gaohu | Erhu |
|---|---|---|
| Familie | Huqin, Stachelgeige | Huqin, Stachelgeige |
| Resonanzkörper | meist rund, kleiner | meist sechseckig, größer |
| Saiten | 2, Stahl | 2, Stahl oder Nylon |
| Stimmung | g' und d'' | d' und a' |
| Spielhaltung | meist zwischen den Knien | auf dem linken Oberschenkel |
| Führende Rolle in | kantonesischer Musik, Kantonoper | Nationalorchester (Minyue) |
Der Gaohu ist keine kleinere Erhu, sondern eine gezielt umgebaute Erhu. Lü Wencheng veränderte Saitenmaterial, Stimmung und Spielhaltung, um aus der Erhu ein Instrument zu machen, das sich gegen ein Ensemble durchsetzt.
Wer hat den Gaohu entwickelt?
Der Musiker und Komponist Lü Wencheng (1898-1981) entwickelte den Gaohu in den 1920er-Jahren aus der Erhu, gemeinsam mit seinem Lehrer Situ Mengyan. Beide veränderten drei Dinge: Sie ersetzten die Seidensaiten durch Stahlsaiten, stimmten das Instrument höher und verlagerten die Spielhaltung vom Oberschenkel zwischen die Knie. Ziel war eine Stimme, die sich in der kantonesischen Musik und der Kantonoper (Yueju) gegen ein Ensemble durchsetzt. Lü Wencheng komponierte selbst zahlreiche Stücke für die neue Besetzung, darunter \"Pinghu Qiuyue\" (Herbstmond über dem ruhigen See) aus den 1930er-Jahren, das bis heute zu den bekanntesten Werken der kantonesischen Instrumentalmusik zählt.
Woraus besteht der Gaohu?
Der Gaohu ist wie die Erhu eine Stachelgeige: Sein Resonanzkörper ist meist rund und kleiner als der der Erhu, die Vorderseite ist mit Pythonschlangenhaut bespannt, die Rückseite bleibt offen. Auf den langen, bundlosen Hals ist kein Griffbrett aufgebracht, die Finger der linken Hand greifen die beiden Saiten frei in der Luft. Zwei Wirbel am oberen Ende des Halses stimmen die Stahlsaiten, die über einen kleinen Steg auf dem Resonanzkörper laufen. Der Bogen aus Pferdehaar ist beim Bau fest zwischen die beiden Saiten gefädelt und lässt sich nicht vom Instrument trennen, weshalb der Gaohu ausschließlich gestrichen und nie gezupft wird.
Wie hält und spielt man den Gaohu?
Der Gaohu ruht in der traditionellen kantonesischen Spielweise zwischen den Knien des sitzenden Spielers, der lange Hals zeigt nach oben. Das unterscheidet ihn von der Erhu und den meisten anderen Huqin-Instrumenten, die auf dem linken Oberschenkel liegen. Die Haltung zwischen den Knien dämpft Nebengeräusche des Korpus und unterstützt den hellen, durchsetzungsfähigen Ton. In modernen Orchesterbesetzungen liegt der Gaohu dagegen häufig wie die Erhu auf dem Oberschenkel.
Weil der Bogen fest mit dem Instrument verbunden ist, wechselt der Spieler zwischen den beiden Saiten, indem er das Handgelenk dreht und die Bogenhaare gegen die jeweils andere Saite drückt. Glissando und Vibrato gehören zum festen Repertoire an Spieltechniken, ein Plektrum kommt wegen der festen Bogenverbindung nie zum Einsatz.
Wie klingt der Gaohu?
Der Gaohu klingt heller und durchdringender als die Erhu, weil sein Resonanzkörper kleiner ist und seine Saiten eine Quart höher gestimmt sind. Gleichzeitig ist sein Gesamtklang leiser als der der Erhu, denn die kleinere Resonanzfläche strahlt weniger Klangvolumen ab. Der Ton bleibt trotzdem tragfähig genug, um sich über einem Ensemble hörbar zu behaupten, weshalb der Gaohu in der kantonesischen Musik häufig die Führungsstimme übernimmt.
Welche Rolle spielt der Gaohu in der Musik?
In der kantonesischen Musik und der Kantonoper ist der Gaohu das Leitinstrument und führt die Melodie. Im modernen chinesischen Nationalorchester (Minyue) sitzt der Gaohu dagegen im Huqin-Register neben Erhu und Zhonghu und übernimmt dort meist die höchste Stimme: Er verziert die Melodie, spielt Gegenstimmen oder verstärkt die Harmonie, während die Erhu die Melodie führt. Verwandte Huqin-Instrumente wie die Jiaohu oder die Banhu unterscheiden sich vor allem im Material des Resonanzkörpers und in der Stimmung, folgen aber demselben Grundprinzip: zwei Saiten und ein Bogen, dessen Haare fest zwischen ihnen eingefädelt sind.
Häufige Fragen zum Gaohu
Was ist ein Gaohu?
Der Gaohu ist ein zweisaitiges chinesisches Streichinstrument aus der Huqin-Familie und die höher gestimmte Schwester der Erhu. Lü Wencheng entwickelte ihn in den 1920er-Jahren für die kantonesische Musik und die Kantonoper, indem er die Erhu mit Stahlsaiten, einer höheren Stimmung und einer veränderten Spielhaltung ausstattete.
Was unterscheidet Gaohu und Erhu?
Der Gaohu unterscheidet sich von der Erhu durch einen kleineren, meist runden Resonanzkörper, Stahlsaiten statt Seiden- oder Nylonsaiten und eine um eine Quart höhere Stimmung auf g' und d'' statt d' und a'. Traditionell ruht der Gaohu zwischen den Knien, die Erhu auf dem linken Oberschenkel.
Wer hat den Gaohu erfunden?
Der Musiker Lü Wencheng entwickelte den Gaohu in den 1920er-Jahren gemeinsam mit seinem Lehrer Situ Mengyan aus der Erhu. Beide veränderten Saitenmaterial, Stimmung und Spielhaltung, um der kantonesischen Musik eine hellere, durchsetzungsfähigere Stimme zu geben.
Wie wird der Gaohu gestimmt?
Der Gaohu wird auf g' und d'' gestimmt, eine Quart höher als die auf d' und a' gestimmte Erhu. Die höhere Stimmung ergibt zusammen mit dem kleineren Resonanzkörper den hellen, durchsetzungsfähigen Ton, der den Gaohu in einem Ensemble hervortreten lässt.




