Der Erhu ist ein zweisaitiges Streichinstrument aus China und gehört zur Huqin-Familie der chinesischen Streichinstrumente. Ein kleiner sechs- oder achteckiger Resonanzkörper trägt auf der Vorderseite eine Bespannung aus Pythonschlangenhaut oder, seit der Artenschutz strenger geworden ist, oft aus Kunststoff. Der lange Hals besitzt kein Griffbrett: Die Finger der linken Hand greifen die Saiten frei in der Luft, ohne Widerlager. Das Pferdehaar des Bogens läuft fest zwischen den beiden Saiten hindurch und lässt sich vom Instrument nicht trennen. Seit Liu Tianhua Anfang des 20. Jahrhunderts ein eigenes Solorepertoire begründete, klingt der Erhu neben Volksmusik und Pekingoper auch im modernen chinesischen Orchester und in Filmmusik.
Wie ist der Erhu aufgebaut?
Der Resonanzkörper des Erhu ist meist sechseckig, seltener achteckig oder rund, und besteht aus dichtem Hartholz wie Sandelholz oder Palisander. Die Vorderseite trägt eine gespannte Membran aus Pythonschlangenhaut, die Rückseite bleibt offen. China regelt den Handel mit Python seit der Aufnahme in das Artenschutzabkommen streng und verlangt für Häute aus zertifizierter Zucht ein eigenes Herkunftszertifikat; deshalb greifen Hersteller zunehmend zu einer Kunststoffmembran, die etwas flacher klingt, dafür aber ohne Zertifikat auch ins Ausland reisen darf.
Auf den langen Hals aus Holz ist kein Griffbrett montiert. An seiner Spitze sitzen zwei Wirbel, mit denen der Spieler die beiden Saiten stimmt; sie laufen über einen kleinen Steg auf dem Resonanzkörper zu einem Saitenhalter am unteren Ende. Die innere Saite klingt auf D4, die äußere auf A4, eine Quinte darüber. Früher bestanden beide aus gedrehter Seide, heute meist aus Stahl, teils nylonumsponnen.
| Merkmal | Erhu |
|---|---|
| Familie | Huqin, chinesische Streichinstrumente |
| Saiten | 2, aus Stahl oder Seide |
| Stimmung | Quinte, meist D4 und A4 |
| Resonanzkörper | Sechs- oder achteckig, Hartholz |
| Bespannung | Pythonschlangenhaut oder Kunststoff |
| Hals | Lang, ohne Griffbrett |
| Bogen | Fest zwischen den Saiten montiert, Pferdehaar |
| Spielhaltung | Sitzend, Instrument senkrecht zwischen den Knien |
Warum hat der Erhu kein Griffbrett?
Ohne Griffbrett drückt die linke Hand die Saite nicht gegen eine feste Unterlage, sondern hält sie allein durch den Druck der Fingerkuppe in der Luft. Das unterscheidet den Erhu grundsätzlich von der Geige, deren vier Saiten beim Greifen auf das Griffbrett treffen und dort einen klar abgegrenzten Ton ergeben. Beim Erhu bestimmt allein die Fingerposition die Tonhöhe, und der Spieler zieht den Übergang zwischen zwei Tönen stufenlos statt in festen Schritten. Diese Technik erzeugt das gleitende, der menschlichen Stimme nahe Klangbild, für das das Instrument bekannt ist.
Der Erhu kennt keinen festen Bund und kein Griffbrett. Die Tonhöhe entsteht allein aus Fingerdruck und Fingerposition in der Luft, deshalb klingen Übergänge zwischen Tönen stufenlos statt abgesetzt.
Wieso läuft der Bogen des Erhu zwischen den Saiten?
Beim Bau des Erhu fädelt der Instrumentenbauer das Pferdehaar des Bogens zwischen die beiden Saiten und befestigt es dort dauerhaft am Bogenstab aus Bambus. Bogen und Instrument bilden dadurch eine feste Einheit, die sich, anders als bei der Geige, nicht voneinander trennen lässt. Beim Spielen dreht der Musiker das Handgelenk und drückt die Haare wahlweise gegen die innere oder die äußere Saite, um zwischen beiden zu wechseln; ein Ansetzen des Bogens wie bei der Geige entfällt.
Woher stammt der Erhu?
Streichinstrumente kamen über die Seidenstraße aus Zentralasien nach China; Reiter- und Steppenvölker nutzten schon früh gestrichene Instrumente mit wenigen Saiten. In China erscheint mit der Xiqin erstmals ein solches Instrument in schriftlichen Quellen der Tang-Zeit (618 bis 907). Während der Song-Zeit (960 bis 1279) setzte sich der Pferdehaarbogen durch, und aus dieser Linie entwickelte sich die gesamte Huqin-Familie, zu der neben dem Erhu auch der höher gestimmte Gaohu gehört.
Bis ins frühe 20. Jahrhundert blieb der Erhu vor allem Begleitinstrument der Volksmusik und der Oper. Der westlich ausgebildete Geiger Liu Tianhua komponierte ab 1917 eigene Solostücke für den Erhu, entwickelte Spieltechnik und Notation weiter und brachte das Instrument in den 1930er-Jahren in die Lehrpläne chinesischer Konservatorien. Seither lehren Musikschulen und Konservatorien den Erhu vom Grundschulalter bis zum Studium.
Das bekannteste Solostück der Instrumentengeschichte stammt von einem anderen Musiker: Abing (Hua Yanjun), ein blinder Straßenmusiker aus Wuxi, hinterließ mit "Erquan Yingyue" (Der Mond spiegelt sich in der Zweiten Quelle) eine der meistgespielten Erhu-Kompositionen überhaupt. Musikforscher zeichneten das Stück 1950 auf, kurz vor Abings Tod im selben Jahr, seither zählt es zum festen Repertoire jedes Erhu-Spielers.
Welche Rolle spielt der Erhu in der Pekingoper?
In der Pekingoper führt der Jinghu die Melodie, ein kleineres, höher gestimmtes Mitglied der Huqin-Familie mit scharfem, durchdringendem Klang. Der Erhu begleitet ihn als zweite Stimme, tiefer und weicher, und bildet zusammen mit Jinghu und der Laute Yueqin die melodische Begleitgruppe; die Pekingoper nennt diese Gruppe Wenchang, im Unterschied zur perkussiven Wuchang-Gruppe für Kampf- und Bewegungsszenen.
Wo erklingt der Erhu heute?
Im modernen chinesischen Orchester bildet der Erhu die Hauptstimme der gestrichenen Saiteninstrumente; der höher gestimmte Gaohu und der tiefere Zhonghu ergänzen ihn zusammen mit Bassvarianten, ähnlich der Rolle der Geigen im westlichen Sinfonieorchester. Filmmusik greift ebenso auf ihn zurück: Der Soundtrack zu "Crouching Tiger, Hidden Dragon" (2000) setzt den Erhu neben ein westliches Orchester, um der Musik eine chinesische Klangfarbe zu geben. Auch in Popmusik und Fusion-Projekten dient sein gesanglicher Ton als markantes Klangelement.
Häufige Fragen zum Erhu
Wie viele Saiten hat der Erhu?
Der Erhu hat zwei Saiten, gestimmt in der Quinte auf D4 und A4. Früher bestanden sie aus gedrehter Seide, heute meist aus Stahl, teils nylonumsponnen. Beide laufen über einen kleinen Steg auf dem Resonanzkörper zu einem Saitenhalter am unteren Ende des Instruments.
Hat der Erhu ein Griffbrett?
Nein, der Erhu hat kein Griffbrett. Die linke Hand hält die Saiten allein durch Fingerdruck in der Luft, ohne dass die Finger dabei etwas Festes berühren. Das erlaubt stufenlose Übergänge zwischen Tönen, wie sie ein Griffbrett mit fester Anschlagstelle nicht zulässt.
Woraus besteht der Resonanzkörper des Erhu?
Der Resonanzkörper des Erhu ist meist sechseckig, seltener achteckig oder rund, und besteht aus Hartholz wie Sandelholz oder Palisander. Die Vorderseite trägt eine Membran aus Pythonschlangenhaut oder, zunehmend aus Gründen des Artenschutzes, aus Kunststoff; die Rückseite bleibt offen.
Welches Stück gilt als bekanntestes Erhu-Solostück?
Als bekanntestes Erhu-Solostück gilt "Erquan Yingyue" (Der Mond spiegelt sich in der Zweiten Quelle) von Abing. Der blinde Straßenmusiker aus Wuxi schuf es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts; Musikforscher zeichneten es 1950 auf, kurz vor seinem Tod, seither gehört es zum festen Repertoire jedes Erhu-Spielers.




