Die Jinghu ist eine kleine, hochgestimmte Stachelgeige (Chordophon) aus der chinesischen Huqin-Familie und das charakteristische Führungsinstrument des Orchesters der Peking-Oper, Jingju. Sie entstand im 19. Jahrhundert in Peking, als sich aus verschiedenen regionalen Operntraditionen die Peking-Oper herausbildete und die Huqin-Instrumente allmählich die zuvor führende Flöte als Hauptbegleitinstrument ablösten. Korpus und Hals der Jinghu bestehen durchgehend aus Bambus; die kleine, zylindrische Klangdose ist nicht mit Büffelhaut, sondern mit straff gespannter Pythonschlangenhaut bezogen. Die beiden Metallsaiten werden mit einem Pferdehaarbogen gestrichen, dessen Bogenhaar dauerhaft zwischen den Saiten hindurchgeführt ist, sodass der Bogen nicht abgenommen werden kann.
Wie klingt die Jinghu?
Die Jinghu erzeugt einen hellen, durchdringend hohen und klaren Ton mit ausgeprägt nasaler, metallischer Klangfarbe, der weit über ein Orchester trägt. Dieser markante, fast schneidende Klang macht sie zum unverkennbaren Leitinstrument der Peking-Oper, das die Gesangslinien der Sänger eng nachzeichnet und verstärkt.
Woraus besteht die Jinghu?
Korpus und Hals der Jinghu werden aus einem durchgehenden Stück Bambus gefertigt; der kleine, zylindrische Resonanzkörper ist an einer Seite mit straff gespannter Pythonschlangenhaut bespannt, auf der ein kleiner, leichter Steg für die zwei Saiten sitzt. Die beiden Saiten, heute meist aus Stahl oder mit Seide umsponnenem Metall, werden über Wirbel am oberen Ende des Halses gestimmt. Ein Korpus aus Metall oder mit Lederbezug, wie mitunter fälschlich beschrieben, kommt bei der Jinghu nicht vor.
Der Bogen besteht aus einem gebogenen Bambus- oder Holzstab mit Pferdehaarbespannung; anders als bei westlichen Streichinstrumenten ist das Bogenhaar dauerhaft zwischen den beiden Saiten der Jinghu hindurchgeführt, sodass jede Bewegung des Bogens automatisch eine der beiden Saiten anstreicht.
Wie spielt man die Jinghu?
Die Jinghu wird im Sitzen gespielt, der Korpus ruht dabei meist auf dem linken Oberschenkel. Die linke Hand greift die Saiten am nur wenige Zentimeter langen, bundlosen Hals, während die rechte Hand den zwischen den Saiten geführten Bogen führt und dabei ständig zwischen den beiden Saiten wechselt. Typische Spieltechniken sind ausgeprägtes Vibrato, schnelle Glissandi und Tremolo, mit denen die Jinghu die vokalen Wendungen der Opernsänger nachahmt und kommentiert.
In der Peking-Oper übernimmt der Jinghu-Spieler eine Führungsrolle im kleinen Streich- und Blasensemble und muss eng mit dem Gesang und den Perkussionsinstrumenten der Oper interagieren.
Typische Musikstile mit der Jinghu
Die Jinghu ist untrennbar mit der Peking-Oper verbunden, die 2010 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt wurde. Sie begleitet die großen klassischen Stücke des Repertoires wie "Der Abschied der Concubine", "Silang besucht seine Mutter" oder "Die Legende der weißen Schlange" und stützt dabei sowohl die Gesangslinien als auch die stilisierten Bewegungsabläufe der Darsteller.
Außerhalb der Oper wird die Jinghu gelegentlich auch solistisch oder in chinesischen Orchesterwerken eingesetzt, bleibt aber vor allem als Stimme der Peking-Oper bekannt.
Bekannte Lieder mit der Jinghu
- "Bawang Bie Ji" (Der Abschied der Concubine), eines der bekanntesten Stücke der Peking-Oper, in dem die Jinghu die dramatischen Gesangspassagen führt.
- "Silang besucht seine Mutter" (Silang Tan Mu), klassisches Repertoirestück der Peking-Oper mit prominenter Jinghu-Begleitung.
- "Die Legende der weißen Schlange" (Bai She Zhuan), eine der meistgespielten Peking-Opern, ebenfalls von der Jinghu begleitet.
- Wang Shaoqing, bedeutender Jinghu-Musiker des frühen 20. Jahrhunderts, der eng mit dem berühmten Opernstar Mei Lanfang zusammenarbeitete und den modernen Jinghu-Stil mitprägte.



