Ein Stimmgerät für Gitarren zeigt an, ob eine gespielte Saite zu hoch, zu tief oder richtig gestimmt schwingt. Es ersetzt den Tonvergleich nach Gehör durch eine Messung der tatsächlichen Frequenz. Vier Bauarten haben sich durchgesetzt: das Clip-Stimmgerät am Kopf der Gitarre, das Mikrofon- oder Standgerät für akustische Instrumente, das Pedal-Stimmgerät für die E-Gitarre und die App auf dem Smartphone. Alle vier folgen demselben Grundprinzip, unterscheiden sich aber darin, wie sie den Ton aufnehmen.
Wie funktioniert ein Stimmgerät für Gitarren?
Ein Stimmgerät für Gitarren misst die Frequenz einer schwingenden Saite und vergleicht sie mit einem festgelegten Referenzton. Nahezu alle heutigen Geräte arbeiten elektronisch: Ein Sensor oder ein Mikrofon wandelt die Schwingung in ein elektrisches Signal um, ein Prozessor bestimmt daraus die Frequenz in Hertz und gleicht sie mit der gewünschten Zielnote ab. Als Referenz dient der Kammerton A bei 440 Hz, die international vereinbarte Normalstimmung: Der Ton A der eingestrichenen Oktave schwingt bei dieser Stimmung 440-mal pro Sekunde, und alle übrigen Töne der Tonleiter leiten sich rechnerisch von diesem Wert ab. Weicht eine Saite vom Zielton ab, zeigt das Display die Differenz meist in Cent an, also in Hundertstel eines Halbtonschritts, und eine Nadel oder ein Lichtband wandert zur richtigen Seite.
Welche Bauarten von Stimmgeräten gibt es für Gitarren?
Vier Bauarten von Stimmgeräten haben sich für Gitarren durchgesetzt, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie den Ton aufnehmen. Das Clip-Stimmgerät misst die Schwingung direkt am Korpus, das Mikrofon- oder Standgerät nimmt den Klang über die Luft ab, das Pedal-Stimmgerät liegt im elektrischen Signalweg der E-Gitarre, und die App nutzt das eingebaute Mikrofon eines Smartphones. Die folgende Übersicht stellt die vier Bauarten gegenüber.
| Bauart | Signalaufnahme | Typischer Einsatz | Verhalten bei Umgebungslärm |
|---|---|---|---|
| Clip-Stimmgerät | Vibration über den Korpus (Piezosensor) | alle Gitarrentypen, unterwegs und auf der Bühne | unempfindlich, da kein Mikrofon nötig ist |
| Mikrofon- / Standgerät | Schall über ein eingebautes Mikrofon | akustische Gitarre ohne Tonabnehmer | empfindlich, arbeitet am besten in ruhiger Umgebung |
| Pedal-Stimmgerät | elektrisches Signal aus der Signalkette | E-Gitarre mit Tonabnehmer, feste Position auf dem Pedalboard | unempfindlich, da kein akustisches Signal verarbeitet wird |
| App-Stimmgerät | Schall über das Smartphone-Mikrofon | schneller Check ohne eigenes Gerät | empfindlich, wie beim Mikrofon-Stimmgerät |
Wie arbeitet ein Clip-Stimmgerät an der Gitarre?
Ein Clip-Stimmgerät klemmt an der Kopfplatte der Gitarre und misst die Schwingung über einen Piezosensor, der den Körperkontakt statt des Schalls auswertet. Dadurch bleibt es von Umgebungsgeräuschen fast unbeeinflusst und funktioniert auch in einem lauten Proberaum oder direkt hinter der Bühne vor einem Auftritt. Das kleine Display sitzt am Gerät selbst und lässt sich meist drehen, sodass der Spieler es unabhängig von der Haltung der Gitarre ablesen kann. Weil weder Kabel noch Mikrofon nötig sind, eignet sich das Clip-Stimmgerät für akustische Gitarren ebenso wie für E-Gitarren.
Wann eignet sich ein Mikrofon- oder Standgerät zum Stimmen?
Ein Mikrofon- oder Standgerät eignet sich für akustische Gitarren wie die Westerngitarre ohne eingebauten Tonabnehmer, weil es den Ton über ein eingebautes Mikrofon aus der Luft aufnimmt statt über ein Kabel oder eine Klemme am Korpus. Es steht frei auf einem Tisch, einem Notenständer oder in einem Übungspult und braucht keinen Kontakt zum Instrument. Der Nachteil liegt in der Empfindlichkeit gegenüber Umgebungsgeräuschen: Nebengeräusche, andere Instrumente oder Gespräche im Raum verfälschen die Messung, weshalb sich diese Bauart vor allem für ruhige Umgebungen wie das eigene Zimmer oder einen leisen Unterrichtsraum eignet.
Wie schleift man ein Pedal-Stimmgerät in die Signalkette ein?
Der Gitarrist schleift ein Pedal-Stimmgerät mit zwei Klinkenkabeln in die Signalkette der E-Gitarre ein: Ein Kabel führt vom Tonabnehmer zum Pedal, ein zweites vom Pedal weiter zum Verstärker oder zum nächsten Effektgerät. Es steht meist am Anfang der Kette, direkt hinter der Gitarre, damit es das unverfälschte Ausgangssignal misst. Fast jedes Pedal-Stimmgerät lässt sich stummschalten: Aktiviert der Spieler diese Funktion, unterbricht das Pedal das Signal zum Verstärker, sodass er auf der Bühne stimmen kann, ohne dass das Publikum den unfertigen Ton hört. Diese Bauart setzt ein elektrisches Signal voraus und funktioniert deshalb nur mit einem Tonabnehmer, nicht mit einer rein akustischen Gitarre ohne Elektronik.
Was kann ein App-Stimmgerät auf dem Smartphone leisten?
Ein App-Stimmgerät nutzt das eingebaute Mikrofon des Smartphones und wertet den aufgenommenen Ton auf dieselbe Weise aus wie ein eigenständiges Mikrofon-Stimmgerät. Es braucht kein zusätzliches Gerät und liegt bei den meisten Gitarristen ohnehin in der Tasche, was es zur schnellsten Lösung für einen kurzen Check zwischen zwei Stücken macht. Die Genauigkeit hängt an der eingebauten Hardware: Mikrofonqualität und Hintergrundgeräusche wirken sich hier genauso aus wie beim Standgerät. Für den täglichen Gebrauch zu Hause reicht das in aller Regel aus, für eine laute Bühnensituation eignet sich eher ein Clip- oder Pedal-Stimmgerät.




