Eine E-Gitarre klingt ohne Verstärker nur nach einem leisen, blechernen Zupfen, deshalb entscheidet beim Kauf mehr als nur der Korpus. Wer sich für ein Instrument entscheidet, wägt Bauweise, Hals, Tonabnehmer und Steg gegeneinander ab und plant den Verstärker von Anfang an mit ein. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Kaufkriterien für eine E-Gitarre, nennt grobe Preisspannen und erklärt, worauf beim Kauf eines gebrauchten Instruments zu achten ist. Wer den grundsätzlichen Aufbau und die Geschichte der E-Gitarre nachlesen will, findet das im Artikel zur E-Gitarre.
Worauf achtet man beim Kauf einer E-Gitarre?
Fünf Merkmale entscheiden über Klang und Spielgefühl einer E-Gitarre: Korpusbauweise, Halsform und Mensur, Bundanzahl, Tonabnehmer und Steg.
Welche Korpusbauweise hat eine E-Gitarre?
Der Korpus einer E-Gitarre folgt einer von drei Grundbauweisen. Solidbody besteht aus massivem Holz ohne Hohlraum, klingt laut, kaum rückkopplungsanfällig und bildet den Standard für Rock und Metal. Semi-Hollow trägt einen massiven Mittelblock zwischen zwei hohlen Seitenkammern und klingt wärmer und obertonreicher, verbreitet in Blues, Jazz und teils Rock. Hollowbody, auch Archtop genannt, ist vollständig hohl mit gewölbter Decke, klingt am wärmsten und rundesten und neigt am ehesten zur Rückkopplung.
Wie wichtig sind Halsform und Mensur beim Kauf einer E-Gitarre?
Die Halsform bestimmt, wie die Hand um den Hals greift. Ein C-Profil liegt am flachsten in der Hand und passt für die meisten Handgrößen, ein D- oder U-Profil liegt satter in der Handfläche, ein V-Profil mit spitzerer Kante erleichtert das Umgreifen des Daumens. Die Mensur, also die schwingende Saitenlänge zwischen Sattel und Steg, liegt bei den meisten Modellen zwischen etwa 628 und 648 Millimetern. Eine kürzere Mensur senkt die Saitenspannung und erleichtert Bendings, eine längere strafft die Saiten und macht den Ton definierter.
Wie viele Bünde sollte eine E-Gitarre haben?
Die meisten E-Gitarren tragen 21, 22 oder 24 Bünde. 24 Bünde erweitern den Tonraum am hohen Ende und erleichtern Solospiel in oberen Lagen, wofür der Korpus meist tiefer ausgefräst ist. 21 oder 22 Bünde reichen für Rhythmusspiel und die meisten Songs vollständig aus.
Single-Coil oder Humbucker: welcher Tonabnehmer passt zur E-Gitarre?
Ein Single-Coil-Tonabnehmer besteht aus einer einzelnen Spule, liefert einen hellen, direkten Ton, typisch für Stratocaster- und Telecaster-Bauweisen, nimmt dabei aber leicht ein Brummen von Netzgeräten auf. Ein Humbucker verschaltet zwei Spulen gegenphasig, wodurch sich das Brummen aufhebt, und liefert einen volleren, wärmeren, lauteren Ton, verbreitet bei Les-Paul-Bauweisen und in Rock- und Metal-orientierten Modellen. Manche E-Gitarren kombinieren beide Typen und schalten zwischen ihnen um.
Fester Steg oder Tremolo: was unterscheidet die Stegtypen einer E-Gitarre?
Ein fester Steg hält die Saiten in unveränderlicher Position, hält die Stimmung stabil und macht den Saitenwechsel unkompliziert. Ein Tremolo- oder Vibrato-System lagert den Steg beweglich und lässt sich über einen Hebel andrücken oder anheben, wodurch sich die Tonhöhe aller Saiten gleichzeitig verändert. Das kostet Stimmstabilität und macht den Saitenwechsel aufwendiger, weil die Feder-Mechanik unter der Decke neu eingestellt werden muss.
| Kriterium | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Korpusbauweise | Solidbody für laute, rückkopplungsarme Spielarten, Semi-Hollow und Hollowbody für wärmeren, obertonreicheren Klang |
| Halsform | C-Profil für die meisten Handgrößen, D- oder U-Profil griffiger, V-Profil für Daumenumgriff |
| Mensur | Kürzere Mensur erleichtert Bendings, längere Mensur strafft den Ton |
| Bundanzahl | 24 Bünde für hohe Lagen und Solospiel, 21 bis 22 Bünde für Rhythmus und Songbegleitung |
| Tonabnehmer | Single-Coil für hellen, direkten Ton, Humbucker für vollen, brummfreien Ton |
| Steg | Fester Steg für Stimmstabilität, Tremolo für spielbare Tonhöhenänderung |
Welche Rolle spielt der Verstärker beim Kauf einer E-Gitarre?
Eine E-Gitarre liefert ohne Verstärker nur einen leisen, dünnen Ton, denn der Tonabnehmer wandelt die Saitenschwingung lediglich in ein elektrisches Signal um, das erst der Verstärker hörbar macht. Klangfarbe, Verzerrung und Lautstärke entstehen praktisch vollständig im Verstärker und in dazwischengeschalteten Effekten, nicht im Instrument allein. Wer eine E-Gitarre kauft, plant deshalb von Anfang an einen passenden Verstärker mit ein, sei es ein kleiner Übungsverstärker für zu Hause oder ein leistungsstärkeres Modell für Proberaum und Bühne.
Eine E-Gitarre klingt erst mit Verstärker vollständig. Ohne Verstärkung bleibt nur ein leises Klicken der Saiten hörbar, denn Lautstärke, Verzerrung und ein Großteil der Klangfarbe entstehen im Verstärker, nicht im Instrument.
Welche Preisklassen gibt es bei E-Gitarren?
E-Gitarren teilen sich grob in drei Preisklassen, die sich an Verarbeitung, Hardware und Elektronik unterscheiden lassen, nicht an einem festen Betrag. Die folgenden Spannen sind eine grobe Orientierung, keine tagesaktuellen Preise.
- Einsteigerklasse: niedriger bis mittlerer dreistelliger Eurobereich, oft als Set mit Verstärker und Gigbag, mit einfacherer Hardware für einen soliden Grundklang.
- Mittelklasse: oberer dreistelliger bis niedriger vierstelliger Bereich, mit besser abgestimmten Tonabnehmern und stabilerer Hardware an Steg und Mechaniken.
- Profiklasse: ab mittlerem vierstelligem Bereich aufwärts, mit handverlesenen Hölzern und teils individueller Fertigung bei einzelnen Herstellern.
Rechtshänder, Linkshänder oder kleinere Spieler: worauf achten beim Kauf einer E-Gitarre?
Rechtshänder-Modelle bilden bei praktisch jedem Hersteller den Großteil des Angebots, Linkshänder-Modelle stehen in kleinerer Auswahl bereit. Eine rechtshändig gebaute E-Gitarre lässt sich kaum einfach umdrehen, weil Ausschnitte am Korpus, Reglerposition und Sattelkerbung auf eine Spielrichtung ausgelegt sind. Kleinere Spieler und Spielerinnen profitieren von einer kürzeren Mensur und einem schmaleren, leichteren Korpus, der sich einfacher halten und umgreifen lässt.
Neu oder gebraucht: worauf beim Kauf einer gebrauchten E-Gitarre achten?
Eine neue E-Gitarre kommt ungespielt und meist mit Garantie, eine gebrauchte E-Gitarre kostet für vergleichbare Ausstattung häufig weniger, verlangt aber eine genaue Prüfung vor dem Kauf. Drei Stellen verraten den tatsächlichen Zustand eines gebrauchten Instruments am zuverlässigsten.
- Bundabnutzung: Flache Kerben oder Rillen in den ersten Bünden zeigen, wie stark ein Instrument bespielt wurde, und führen bei starkem Verschleiß zu Schnarrgeräuschen.
- Halskrümmung: Ein Blick von der Kopfplatte entlang des Halses zeigt, ob dieser gerade verläuft oder sich sichtbar wölbt. Die Korrektur über den Halsspannstab gehört in eine Fachwerkstatt, nicht in Eigenregie.
- Elektronik-Kratzen: Ein Knistern beim Drehen der Lautstärke- und Klangregler weist auf verschlissene Potentiometer hin, ebenso ein Aussetzen beim Bewegen des Tonabnehmer-Wahlschalters.
Wer diese drei Stellen vor dem Kauf prüft und die E-Gitarre kurz über einen Verstärker anspielt, erkennt die meisten kostspieligen Mängel, bevor sie zum eigenen Problem werden.
Häufige Fragen zum E-Gitarrenkauf
Welche E-Gitarre eignet sich für Anfänger?
Für den Einstieg eignet sich eine E-Gitarre aus der Einsteigerklasse mit Solidbody-Korpus, geringem Gewicht und passender Mensur, meist im Set mit einem kleinen Übungsverstärker. Wichtiger als ein bestimmtes Modell ist eine saubere Grundeinstellung ab Werk, damit sich die Saiten leicht niederdrücken lassen. Einen strukturierten Lernweg zeigt der Artikel E-Gitarre lernen.
Braucht man für eine E-Gitarre immer einen Verstärker?
Eine E-Gitarre braucht für einen vollständigen, charakteristischen Klang immer einen Verstärker, denn der Tonabnehmer liefert nur ein elektrisches Signal, keinen hörbaren Ton. Ohne Verstärker bleibt nur ein leises, dünnes Klicken der Saiten hörbar. Für leises Üben reicht ein kleiner Übungs- oder Kopfhörerverstärker.
Was kostet eine E-Gitarre?
Eine E-Gitarre kostet je nach Preisklasse unterschiedlich viel: Einsteigermodelle liegen als grobe Orientierung im niedrigen bis mittleren dreistelligen Eurobereich, Mittelklassemodelle im oberen dreistelligen bis niedrigen vierstelligen Bereich, Profimodelle im mittleren vierstelligen Bereich und darüber. Der genaue Preis hängt von Modell, Ausstattung und Händler ab.
Worauf muss man beim Kauf einer gebrauchten E-Gitarre besonders achten?
Beim Kauf einer gebrauchten E-Gitarre lohnt sich ein Blick auf Bundabnutzung, Halskrümmung und Elektronik. Rillen in den ersten Bünden zeigen starke Nutzung, eine sichtbare Wölbung des Halses deutet auf eine notwendige Werkstatteinstellung hin, und Kratzgeräusche beim Regeln von Lautstärke oder Klang weisen auf verschlissene Elektronik hin.




