Anemochord

3 Min. Lesezeit
Harfe Saiten, Symbolbild zu Anemochord (harp, plucked string instrument, musical instrument, stringed instrument). Foto: Hans / Pixabay.
Harfe Saiten, Symbolbild zu Anemochord (harp, plucked string instrument, musical instrument, stringed instrument). Foto: Hans / Pixabay.

Zusammenfassung

Ein Anemochord ist ein Tasteninstrument, dessen Saiten ein Luftstrom in Schwingung versetzt. Blasebälge liefern die Luft, die Klaviatur lenkt sie: Wer eine Taste drückt, öffnet den Weg für die Luft zu der zugehörigen Saite. Solange die Taste unten bleibt, klingt der Ton weiter. Johann Jacob Schnell baute das Instrument 1789 in Paris, sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven.

Ein Anemochord ist ein Tasteninstrument, dessen Saiten ein Luftstrom in Schwingung versetzt. Blasebälge liefern die Luft, die Klaviatur lenkt sie: Wer eine Taste drückt, öffnet den Weg für die Luft zu der zugehörigen Saite. Solange die Taste unten bleibt, klingt der Ton weiter. Johann Jacob Schnell baute das Instrument 1789 in Paris, sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven.

1789Baujahr
ParisBauort
5Oktaven
LuftstromAntrieb

Wie erzeugt das Anemochord seinen Ton?

Der Ton des Anemochords entsteht, wenn Luft an einer gespannten Saite entlangstreicht und sie in Schwingung versetzt. Blasebälge erzeugen diesen Luftstrom, die Klaviatur verteilt ihn: Jede Taste gibt den Weg zu genau einer Saite frei. Weder ein Hammer noch ein Kiel berührt die Saite, das Anemochord kommt ohne Anschlag aus. Hält der Spieler die Taste, strömt die Luft weiter und die Saite klingt weiter.

MerkmalAnemochord
FamilieSaiteninstrument mit Klaviatur
TonerzeugungLuftstrom regt die Saite an
LuftquelleBlasebälge
BedienungKlaviatur, jede Taste öffnet den Luftweg zu einer Saite
Tonumfangetwa fünf Oktaven
Klangdauerder Ton hält an, solange die Taste unten bleibt
ErbauerJohann Jacob Schnell
Baujahr und Ort1789, Paris
Französischer Nameanémocorde

Was unterscheidet das Anemochord vom Cembalo und vom Hammerklavier?

Der Unterschied liegt in der Dauer des Tons. Beim Cembalo reißt ein Kiel die Saite an, beim Hammerklavier, dem Vorläufer des heutigen Klaviers, schlägt ein Hammer sie an. Beide Mechaniken geben der Saite einen einzigen Stoß mit, danach klingt der Ton ab. Das Anemochord versorgt die Saite dagegen dauerhaft mit Luft. Damit bestimmt die Taste die Länge des Tons und nicht die Mechanik.

Das Anemochord hält seinen Ton, solange die Taste unten bleibt. Cembalo und Hammerklavier regen die Saite einmal an, danach klingt sie aus. Das Anemochord führt der Saite über die gedrückte Taste ununterbrochen Luft zu. Unter den besaiteten Tasteninstrumenten ist das die Ausnahme.

Was unterscheidet das Anemochord von der Äolischen Harfe?

Das Anemochord hat eine Klaviatur und einen Spieler, die Äolische Harfe hat beides nicht. Die Gemeinsamkeit endet bei der Luft als Antrieb. Die Äolische Harfe steht im Luftzug, meist im Freien oder in einem offenen Fenster, und der Wind entscheidet, welche Saiten er anregt und wie lange sie klingen. Beim Anemochord erzeugt ein Blasebalg den Luftstrom, und der Spieler wählt über die Tasten die Tonhöhe. Die Äolische Harfe liefert deshalb wechselnde Klangflächen, das Anemochord gespielte Töne.

Woher hat das Anemochord seinen Namen?

Der Name Anemochord setzt sich aus den griechischen Wörtern anemos für Wind und chorde für Saite zusammen und benennt damit die Bauweise: Luft treibt die Saite an. Im Französischen heißt das Instrument anémocorde.

Wer baute das Anemochord und wann?

Johann Jacob Schnell baute das Anemochord 1789 in Paris. Sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven und entsprach damit dem, was Cembali und Hammerklaviere jener Jahre boten. Das Anemochord setzte sich nicht durch und gehört heute nicht zum gebräuchlichen Instrumentarium. Zu seiner Verbreitung, zu späteren Nachbauten und zu einem eigenen Repertoire fehlen belastbare Quellen.

Häufige Fragen zum Anemochord

Wie funktioniert ein Anemochord?

Ein Anemochord erzeugt seine Töne mit Luft statt mit einem Hammer oder einem Kiel. Blasebälge liefern den Luftstrom, die Klaviatur steuert, zu welcher Saite er gelangt: Eine gedrückte Taste öffnet den Weg zu der Saite, die zu ihr gehört, und der Luftstrom versetzt sie in Schwingung. Der Ton hält an, solange die Taste unten bleibt.

Ist das Anemochord dasselbe wie eine Äolische Harfe?

Nein, das Anemochord ist keine Äolische Harfe. Beide klingen durch Luft, doch das Anemochord hat eine Klaviatur, ein Blasebalg liefert ihm die Luft, und der Spieler bestimmt über die Tasten die Tonhöhe. Die Äolische Harfe hat keine Tasten und keinen Spieler: Sie steht im Luftzug, und der Wind entscheidet, was erklingt.

Wann und wo entstand das Anemochord?

Johann Jacob Schnell baute das Anemochord 1789 in Paris, im Französischen heißt es anémocorde. Sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven. Zum gebräuchlichen Instrumentarium gehört das Anemochord heute nicht.

Weitere Artikel in Saiteninstrumente

Appalachisches Hackbrett

Appalachisches Hackbrett

Das Appalachische Hackbrett, im Englischen Appalachian Dulcimer oder Mountain Dulcimer genannt, ist ein Saiteninstrument aus dem Appalachengebiet der USA. Es entstand vor etwa 150 bis 200 Jahren aus europäischen Kastenzithern wie dem deutschen Scheitholt, die deutsche und schottisch-irische Einwanderer mit in die Berge brachten.

Arpa nottolini

Arpa nottolini

Die Arpa Nottolini, auch Arpa Viggianese genannt, ist eine traditionelle italienische Volksharfe, die ihren Ursprung im 18./19. Jahrhundert im Ort Viggiano in der süditalienischen Region Basilikata hat, nicht, wie oft fälschlich behauptet, in der Toskana oder auf Sizilien. Sie ist eine Variante der Harfe. Wandermusiker aus Viggiano trugen die kleine, tragbare Harfe im 19. Jahrhundert bis nach Nordamerika und in andere Teile Europas, weshalb Viggiano bis heute als "Dorf der Harfenbauer" bekannt ist.

Arpeggione

Arpeggione

Das Arpeggione ist ein seltenes Streichinstrument, das 1823 in Wien vom Instrumentenbauer Johann Georg Staufer erfunden wurde. Es gilt als Bogengitarre: Körperform, Bünde und die sechs Saiten erinnern an eine Gitarre, gespielt wird es aber aufrecht zwischen den Knien und mit einem Bogen gestrichen, ganz wie ein Cello. Es hat einen tiefen, warmen Klang, der sich gut für romantische Musik eignet. Populär wurde es vor allem durch Franz Schuberts "Sonate für Arpeggione und Klavier" (D.

Die Auditorium Westerngitarre

Die Auditorium Westerngitarre

Die Auditorium Westerngitarre bezeichnet eine recht große Art der Gitarre . Die Kennung 000 beschreibt dabei die genaue Größe; Etwas kleinere Modelle werden mit der Kennung 0 versehen, etwas größere als 00. Große Auditorium Gitarren werden dementsprechend mit 000 gekennzeichnet. Eine Auditorium Gitarre ist größer als eine Concert , jedoch kleiner als eine Jumbo.