Ein Anemochord ist ein Tasteninstrument, dessen Saiten ein Luftstrom in Schwingung versetzt. Blasebälge liefern die Luft, die Klaviatur lenkt sie: Wer eine Taste drückt, öffnet den Weg für die Luft zu der zugehörigen Saite. Solange die Taste unten bleibt, klingt der Ton weiter. Johann Jacob Schnell baute das Instrument 1789 in Paris, sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven.
Wie erzeugt das Anemochord seinen Ton?
Der Ton des Anemochords entsteht, wenn Luft an einer gespannten Saite entlangstreicht und sie in Schwingung versetzt. Blasebälge erzeugen diesen Luftstrom, die Klaviatur verteilt ihn: Jede Taste gibt den Weg zu genau einer Saite frei. Weder ein Hammer noch ein Kiel berührt die Saite, das Anemochord kommt ohne Anschlag aus. Hält der Spieler die Taste, strömt die Luft weiter und die Saite klingt weiter.
| Merkmal | Anemochord |
|---|---|
| Familie | Saiteninstrument mit Klaviatur |
| Tonerzeugung | Luftstrom regt die Saite an |
| Luftquelle | Blasebälge |
| Bedienung | Klaviatur, jede Taste öffnet den Luftweg zu einer Saite |
| Tonumfang | etwa fünf Oktaven |
| Klangdauer | der Ton hält an, solange die Taste unten bleibt |
| Erbauer | Johann Jacob Schnell |
| Baujahr und Ort | 1789, Paris |
| Französischer Name | anémocorde |
Was unterscheidet das Anemochord vom Cembalo und vom Hammerklavier?
Der Unterschied liegt in der Dauer des Tons. Beim Cembalo reißt ein Kiel die Saite an, beim Hammerklavier, dem Vorläufer des heutigen Klaviers, schlägt ein Hammer sie an. Beide Mechaniken geben der Saite einen einzigen Stoß mit, danach klingt der Ton ab. Das Anemochord versorgt die Saite dagegen dauerhaft mit Luft. Damit bestimmt die Taste die Länge des Tons und nicht die Mechanik.
Das Anemochord hält seinen Ton, solange die Taste unten bleibt. Cembalo und Hammerklavier regen die Saite einmal an, danach klingt sie aus. Das Anemochord führt der Saite über die gedrückte Taste ununterbrochen Luft zu. Unter den besaiteten Tasteninstrumenten ist das die Ausnahme.
Was unterscheidet das Anemochord von der Äolischen Harfe?
Das Anemochord hat eine Klaviatur und einen Spieler, die Äolische Harfe hat beides nicht. Die Gemeinsamkeit endet bei der Luft als Antrieb. Die Äolische Harfe steht im Luftzug, meist im Freien oder in einem offenen Fenster, und der Wind entscheidet, welche Saiten er anregt und wie lange sie klingen. Beim Anemochord erzeugt ein Blasebalg den Luftstrom, und der Spieler wählt über die Tasten die Tonhöhe. Die Äolische Harfe liefert deshalb wechselnde Klangflächen, das Anemochord gespielte Töne.
Woher hat das Anemochord seinen Namen?
Der Name Anemochord setzt sich aus den griechischen Wörtern anemos für Wind und chorde für Saite zusammen und benennt damit die Bauweise: Luft treibt die Saite an. Im Französischen heißt das Instrument anémocorde.
Wer baute das Anemochord und wann?
Johann Jacob Schnell baute das Anemochord 1789 in Paris. Sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven und entsprach damit dem, was Cembali und Hammerklaviere jener Jahre boten. Das Anemochord setzte sich nicht durch und gehört heute nicht zum gebräuchlichen Instrumentarium. Zu seiner Verbreitung, zu späteren Nachbauten und zu einem eigenen Repertoire fehlen belastbare Quellen.
Häufige Fragen zum Anemochord
Wie funktioniert ein Anemochord?
Ein Anemochord erzeugt seine Töne mit Luft statt mit einem Hammer oder einem Kiel. Blasebälge liefern den Luftstrom, die Klaviatur steuert, zu welcher Saite er gelangt: Eine gedrückte Taste öffnet den Weg zu der Saite, die zu ihr gehört, und der Luftstrom versetzt sie in Schwingung. Der Ton hält an, solange die Taste unten bleibt.
Ist das Anemochord dasselbe wie eine Äolische Harfe?
Nein, das Anemochord ist keine Äolische Harfe. Beide klingen durch Luft, doch das Anemochord hat eine Klaviatur, ein Blasebalg liefert ihm die Luft, und der Spieler bestimmt über die Tasten die Tonhöhe. Die Äolische Harfe hat keine Tasten und keinen Spieler: Sie steht im Luftzug, und der Wind entscheidet, was erklingt.
Wann und wo entstand das Anemochord?
Johann Jacob Schnell baute das Anemochord 1789 in Paris, im Französischen heißt es anémocorde. Sein Tonumfang lag bei etwa fünf Oktaven. Zum gebräuchlichen Instrumentarium gehört das Anemochord heute nicht.




