Instrumentenbauer ist keine einzelne Berufsbezeichnung, sondern der Sammelname für acht eigenständige Handwerksberufe. Jeder von ihnen hat eine eigene Ausbildungsordnung, eine eigene Gesellenprüfung und eine eigene Werkstatt. Ein Geigenbauer und ein Metallblasinstrumentenmacher teilen weder das Material noch die Werkzeuge noch die Prüfungsinhalte. Wer nach dem Beruf Instrumentenbauer sucht, meint deshalb fast immer genau einen dieser acht Berufe und entscheidet sich vor der ersten Bewerbung, welchen.
Welche Ausbildungsberufe gibt es im Instrumentenbau?
Acht Ausbildungsberufe teilen den Instrumentenbau unter sich auf. Die Grenze zwischen ihnen verläuft am Werkstoff und an der Bauweise, nicht an der Musikrichtung. Ein Zupfinstrumentenmacher baut die Gitarre ebenso wie Laute, Mandoline und Zither, ein Geigenbauer dagegen die gesamte Violinfamilie von der Geige bis zum Kontrabass.
| Ausbildungsberuf | Baut und setzt instand |
|---|---|
| Geigenbauer | Geige, Bratsche, Violoncello und Kontrabass, also die gesamte Violinfamilie |
| Bogenmacher | Bögen für Streichinstrumente, aus Fernambukholz und Rosshaar |
| Zupfinstrumentenmacher | Gitarren, Lauten, Mandolinen und Zithern |
| Holzblasinstrumentenmacher | Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Oboe, Fagott und Saxophon |
| Metallblasinstrumentenmacher | Trompete, Posaune, Horn, Tuba und die übrigen Blechblasinstrumente |
| Klavier- und Cembalobauer | Klavier und Flügel in der Fachrichtung Klavierbau, historische Tasteninstrumente in der Fachrichtung Cembalobau |
| Orgel- und Harmoniumbauer | Orgeln und Harmonien, mit den Fachrichtungen Orgelbau und Pfeifenbau |
| Handzuginstrumentenmacher | Akkordeon, Bandoneon, Konzertina und Handharmonika |
Zwei Zuordnungen überraschen regelmäßig. Das Saxophon besteht aus Metall, gehört aber zu den Holzblasinstrumenten, weil ein Rohrblatt den Ton erzeugt, und deshalb baut es der Holzblasinstrumentenmacher. Der Bogen wiederum ist kein Instrument, trägt aber einen eigenen Beruf: Der Bogenmacher lernt in seiner Ausbildung nichts anderes.
Wie läuft die Ausbildung zum Instrumentenbauer ab?
Die Ausbildung läuft dual: Der Auszubildende arbeitet im Handwerksbetrieb und besucht daneben die Berufsschule. Die Regelausbildungszeit liegt je nach Beruf bei drei bis dreieinhalb Jahren, am Ende steht die Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Zwei dieser Berufe trennen sich in Fachrichtungen: Der Klavier- und Cembalobauer wählt zwischen Klavierbau und Cembalobau, der Orgel- und Harmoniumbauer zwischen Orgelbau und Pfeifenbau.
Die Betriebe sind klein: eine Werkstatt mit dem Meister und ein bis zwei Gesellen, über das ganze Land verstreut. Weil in jedem einzelnen Beruf bundesweit nur wenige Lehrlinge im Jahr anfangen, bündeln einzelne Berufsschulen den Unterricht in Fachklassen für das gesamte Bundesgebiet. Der Unterricht läuft dann im Block: Die Auszubildenden reisen mehrmals im Jahr für einige Wochen an und wohnen währenddessen vor Ort.
Neben dem dualen Weg unterrichten Berufsfachschulen und Fachschulen einzelne dieser Berufe vollzeitschulisch. Als Ausbildungsorte für den Musikinstrumentenbau sind Mittenwald in Oberbayern, Klingenthal im sächsischen Vogtland und Ludwigsburg in Baden-Württemberg bekannt. Welchen Beruf ein Ort anbietet, ändert sich über die Jahre, deshalb gehört das aktuelle Programm der Schule vor die Bewerbung.
Was bringt die Meisterprüfung im Instrumentenbau?
Die Meisterprüfung berechtigt dazu, eigene Lehrlinge auszubilden. Sie besteht aus vier Teilen: der fachpraktischen Prüfung mit einem Meisterstück, der fachtheoretischen Prüfung, dem betriebswirtschaftlichen und rechtlichen Teil und der Ausbildereignung. Davor liegt die bestandene Gesellenprüfung im selben Beruf.
Der Meisterbrief öffnet außerdem den Zugang zu einem Hochschulstudium, auch ohne Abitur. Ob er zusätzlich Voraussetzung dafür ist, einen eigenen Betrieb zu führen, regelt die Handwerksordnung für jeden Beruf getrennt. Auskunft darüber gibt die zuständige Handwerkskammer.
Wie sieht der Arbeitsalltag eines Instrumentenbauers aus?
Reparatur und Wartung tragen den Betrieb, nicht der Neubau. Das unterschätzen die meisten Bewerber, weil sie sich den Beruf über das fertige Instrument vorstellen. In vielen Werkstätten entsteht ein neues Instrument nur wenige Male im Jahr, während Kundeninstrumente jede Woche hereinkommen.
Ein Geigenbauer schneidet Stege an, zieht Saiten auf, macht klemmende Wirbel gangbar, leimt offene Fugen und Risse, richtet Griffbretter ab und stellt den Stimmstock. An einer neuen Geige sitzt er Wochen, an diesen Arbeiten Stunden. Die Stunden zahlen die Miete.
In den anderen Berufen sieht es genauso aus. Ein Holzblasinstrumentenmacher wechselt Polster, prüft die Klappen auf Dichtigkeit und richtet die Mechanik nach. Ein Metallblasinstrumentenmacher entfernt Beulen, lötet gerissene Nähte, macht festsitzende Züge und Ventile wieder gangbar und reinigt zugesetzte Rohre. Ein Klavier- und Cembalobauer stimmt, reguliert die Mechanik und intoniert die Hammerköpfe. Dasselbe Klavier sieht er über Jahre immer wieder.
Am deutlichsten zeigt sich das im Orgelbau. Eine Pfeifenorgel steht in der Kirche und nicht in der Werkstatt, ein Neubau bindet ein Team über Monate. Den Rest der Zeit füllen Stimmen, Intonation, Reinigung und Reparatur an Instrumenten, die andere gebaut haben, manche vor Jahrhunderten.
Welche Fähigkeiten braucht ein Instrumentenbauer?
Fünf Fähigkeiten verlangt der Beruf, und die Handarbeit ist nur eine davon.
- Materialkenntnis. Der Instrumentenbauer wählt den Werkstoff, bevor er ihn bearbeitet, und korrigiert diese Wahl später nicht mehr. Im Streichinstrumentenbau trägt Fichte die Decke, Ahorn den Boden und die Zargen, Ebenholz das Griffbrett. Im Blechblasbau entscheidet die Legierung mit über die Ansprache: Gelbmessing, Goldmessing mit höherem Kupferanteil, Neusilber. Dazu kommen Grenadill für Klarinette und Oboe, Filz für Hammerköpfe und Zinn-Blei-Legierungen für Orgelpfeifen.
- Feinmotorik. Die Toleranzen liegen im Zehntelmillimeter. Ein Steg, der einen halben Millimeter zu hoch steht, erschwert das Greifen spürbar. Ein Klappenpolster, das an einer Stelle nicht aufliegt, lässt den Ton absacken. Diese Arbeit läuft von Hand und unter Sichtkontrolle, nicht an der Maschine.
- Geduld. Zwischen den Arbeitsschritten liegen Wartezeiten, die niemand abkürzt. Leim bindet ab, Lack trocknet durch, frisch bearbeitetes Holz setzt sich. Wer den nächsten Schritt zu früh beginnt, macht den vorigen zunichte.
- Ein geschultes Gehör. Die Arbeit endet nicht am Werkstück, sondern an der Abstimmung. Der Klavierbauer stimmt und intoniert, der Orgelbauer legt die Ansprache jeder einzelnen Pfeife fest, der Geigenbauer verschiebt den Stimmstock um Millimeter und hört, was sich am Klang ändert. Dieses Hören lernt man nur am Instrument.
- Kundengespräch. Der Kunde beschreibt sein Problem selten in Fachbegriffen. Er sagt, das Instrument klemme oder klinge dumpf, und der Instrumentenbauer übersetzt das in eine Ursache, eine Maßnahme und einen Aufwand. Er sagt außerdem ab, wenn eine Reparatur die Substanz beschädigen würde.
Der Neubau macht den Ruf, die Reparatur macht den Betrieb. Wer eine Ausbildung im Instrumentenbau beginnt, verbringt den größten Teil seiner Arbeitszeit an Instrumenten, die jemand anderes gebaut hat. Wer ausschließlich bauen will, sollte das vor der Bewerbung wissen.
Häufige Fragen zum Beruf Instrumentenbauer
Ist Instrumentenbauer ein eigener Ausbildungsberuf?
Instrumentenbauer ist kein eigener Ausbildungsberuf, sondern der Sammelname für acht Handwerksberufe: Geigenbauer, Bogenmacher, Zupfinstrumentenmacher, Holzblasinstrumentenmacher, Metallblasinstrumentenmacher, Klavier- und Cembalobauer, Orgel- und Harmoniumbauer sowie Handzuginstrumentenmacher. Jeder hat eine eigene Ausbildungsordnung und eine eigene Gesellenprüfung. Ein Wechsel zwischen ihnen bedeutet eine neue Ausbildung.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Instrumentenbauer?
Die Ausbildung im Instrumentenbau dauert je nach Beruf drei bis dreieinhalb Jahre. Sie läuft dual, also im Handwerksbetrieb mit begleitendem Berufsschulunterricht, und endet mit der Gesellenprüfung vor der Handwerkskammer. Über eine Verkürzung bei einschlägiger Vorbildung entscheidet die Kammer im Einzelfall.
Braucht ein Instrumentenbauer einen Meisterbrief?
Der Meisterbrief berechtigt einen Instrumentenbauer dazu, Lehrlinge auszubilden, und gilt als Zugang zu einem Hochschulstudium ohne Abitur. Ob er darüber hinaus Voraussetzung für einen eigenen Betrieb ist, regelt die Handwerksordnung je Beruf. Wer sich selbstständig machen will, klärt das vorher mit der zuständigen Handwerkskammer.
Was macht ein Instrumentenbauer den ganzen Tag?
Ein Instrumentenbauer repariert, wartet und stimmt mehr, als er neu baut. Der Alltag besteht aus Kundeninstrumenten: Stege, Saiten und Risse beim Geigenbauer, Polster und Klappenmechanik im Holzblasbau, Beulen und festsitzende Züge im Blechblasbau, Stimmen und Regulieren am Klavier. Ein kompletter Neubau kommt in vielen Werkstätten nur wenige Male im Jahr vor.




