Ein Streamingdienst zahlt keinen festen Betrag je Abruf. Diesen Betrag gibt es nicht, obwohl fast jeder Text zum Thema einen nennt. Der Dienst rechnet nicht je Stream ab, sondern gibt einen Anteil seiner Einnahmen weiter und verteilt ihn auf alle Abrufe eines Zeitraums. Was auf einen einzelnen Abruf entfällt, ergibt sich deshalb erst im Nachhinein aus einer Rechnung, in die mehrere Größen eingehen.
Zahlt ein Streamingdienst einen festen Betrag je Abruf?
Nein. Ein Streamingdienst rechnet je Zeitraum und je Markt ab, nicht je Abruf. Er nimmt Geld aus Abonnements und aus Werbung ein, behält davon seinen Teil und gibt den Rest an die Rechteinhaber weiter. Dieser Rest bildet den Topf, aus dem alle Aufnahmen bezahlt werden, die in diesem Zeitraum liefen.
Aus dem Topf erhält jeder Rechteinhaber den Anteil, der seinem Anteil an allen Abrufen entspricht. Der einzelne Abruf trägt also keinen Preis. Er erhöht nur den Anteil, mit dem eine Aufnahme in die Verteilung eingeht.
Daraus folgt unmittelbar, dass derselbe Abruf in verschiedenen Monaten verschieden viel wert ist. Ein Künstler kann in zwei Monaten gleich oft laufen und trotzdem verschiedene Summen abgerechnet bekommen.
| Merkmal | Einnahmen aus Streaming |
|---|---|
| Abrechnungseinheit | Zeitraum und Markt, nicht der einzelne Abruf |
| Verbreitetes Modell | marktanteilsbasierte Verteilung aus einem gemeinsamen Topf |
| Herkunft des Topfes | Abonnements und Werbung, abzüglich des Anteils des Dienstes |
| Empfänger der Zahlung | Rechteinhaber der Aufnahme, also Label oder Vertrieb |
| Weg zum Künstler | Vertrag mit Label oder Vertrieb |
| Urheberseite | getrennte Abrechnung über die Verwertungsgesellschaft |
| Schwankt mit | Einnahmen, Gesamtabrufen, Tarif, Land des Hörers |
| Belastbare Werte | eigene Abrechnung des Vertriebs, Transparenzberichte der Dienste |
Wovon hängen die Einnahmen aus Streaming ab?
Fünf Größen bestimmen, was am Ende in der Abrechnung steht.
- Einnahmen des Dienstes im jeweiligen Markt füllen den Topf. Jedes Land rechnet für sich, weil dort andere Preise gelten und andere Werbeerlöse anfallen.
- Zahl aller Abrufe im selben Zeitraum teilt den Topf. Wächst das Gesamtaufkommen, entfällt auf jeden einzelnen Abruf weniger.
- Anteil aus Abonnements gegenüber werbefinanzierten Abrufen verschiebt das Ergebnis. Ein bezahltes Abo bringt dem Dienst planbares Geld, ein werbefinanzierter Abruf nur das, was der Werbeplatz einbringt.
- Land des Hörers entscheidet, aus welchem Topf gezahlt wird. Ein Abruf aus einem Markt mit hohen Abopreisen wiegt anders als einer aus einem günstigen Markt.
- Kette der Beteiligten zwischen Dienst und Künstler bestimmt, wie viel von der Ausschüttung am Ende ankommt.
Wer bekommt das Geld aus dem Streaming?
Der Dienst zahlt an den Rechteinhaber der Aufnahme, nicht an den Künstler. Rechteinhaber ist das Label oder, bei einer Veröffentlichung in Eigenregie, der digitale Vertrieb. Diese Stelle nimmt die Ausschüttung entgegen, rechnet sie ab und leitet weiter, was der Vertrag vorsieht.
Die Verträge unterscheiden sich stark. Ein Künstler unter Vertrag bei einem Label erhält eine Beteiligung und trägt davon häufig zuerst den Vorschuss und die Produktionskosten ab. Wer über einen Vertrieb selbst veröffentlicht und seine Aufnahmen selbst produziert, behält den Erlös abzüglich der Vertriebsgebühr und trägt alle Kosten allein.
Getrennt davon läuft die Urheberseite. Wer den Song geschrieben oder komponiert hat, wird nicht über die Aufnahme vergütet, sondern über das Werk. Diesen Strang wickelt die Verwertungsgesellschaft ab, gemeinsam mit dem Musikverlag, falls einer beteiligt ist. Wer eigene Songs selbst einspielt, bekommt deshalb Geld aus zwei Richtungen, zu verschiedenen Terminen und in getrennten Abrechnungen.
Rechnen Streamingdienste nutzerzentriert oder marktanteilsbasiert ab?
Beide Modelle verteilen dasselbe Geld nach einer anderen Regel. Verbreitet ist das marktanteilsbasierte Modell.
- Marktanteilsbasiert heißt, dass der Dienst die Einnahmen aller Nutzer eines Marktes zusammenwirft und den Topf nach dem Anteil an allen Abrufen verteilt. Wer oft läuft, bekommt viel, unabhängig davon, wer zugehört hat.
- Nutzerzentriert heißt, dass der Dienst den Beitrag jedes einzelnen Hörers nimmt und ihn auf genau die Aufnahmen verteilt, die dieser Hörer gehört hat.
Der Unterschied wirkt sich vor allem bei Musik mit kleiner, aber sehr aktiver Hörerschaft aus. Welches Modell einen bestimmten Künstler besserstellt, hängt von dessen Repertoire und Publikum ab. Untersuchungen kommen je nach Datensatz zu unterschiedlichen Ergebnissen, deshalb lässt sich die Frage nicht allgemein beantworten.
Der Wert eines Abrufs entsteht erst im Nachhinein. Er steht nicht vorher fest, sondern ergibt sich aus der Rechnung, die der Dienst nach Ablauf des Zeitraums für den jeweiligen Markt aufmacht. Wer einen Betrag je Abruf als feste Größe nennt, gibt bestenfalls einen Durchschnitt aus fremden Daten eines vergangenen Zeitraums weiter.
Was tragen die Einnahmen aus Streaming zum Einkommen bei?
Streaming allein trägt für die allermeisten Musiker keinen Lebensunterhalt. Es liefert Reichweite und einen laufenden Sockel, der größere Teil des Einkommens entsteht anderswo.
- Live-Auftritte bringen die Gage. Wer regelmäßig spielt, plant sein Jahr über Termine und nicht über Abrufe.
- Merchandise verkauft sich am Abend eines Auftritts am besten. Der Erlös bleibt beim Künstler, sobald die Herstellung bezahlt ist.
- Lizenzen für Film, Serie und Werbung werden je Verwendung verhandelt. Hier zahlt der Auftraggeber für das Recht an einer Nutzung, nicht für den Abruf.
- Unterricht bringt Geld zu festen Terminen und lässt sich neben der eigenen Musik betreiben.
Streaming wirkt dabei indirekt. Wer gestreamt wird, füllt eher einen Saal. Wer eine Band gründet, rechnet deshalb von Anfang an mit mehreren Quellen, und auch abseits der Bühne gibt es Möglichkeiten, mit Musik zu arbeiten.
Wo stehen die tatsächlichen Zahlen zu den Einnahmen aus Streaming?
Belastbare Zahlen für den eigenen Fall stehen in zwei Quellen.
- Die eigene Abrechnung des Vertriebs oder des Labels weist Abrufe, Markt und ausgezahlten Betrag je Zeitraum aus. Nur diese Zahlen gelten für die eigenen Aufnahmen.
- Die Transparenzberichte der Dienste legen offen, wie viel ein Dienst insgesamt ausgeschüttet hat und nach welcher Regel er verteilt. Sie beschreiben den Markt, nicht den eigenen Fall.
Jede andere Quelle rechnet mit fremden Daten. Ein Wert aus einem Artikel bildet bestenfalls einen Durchschnitt über viele Künstler, mehrere Länder und einen abgelaufenen Zeitraum. Für die eigene Planung taugt er nicht.
Häufige Fragen zu Einnahmen aus Streaming
Wie viel zahlt ein Streamingdienst je Abruf?
Ein Streamingdienst zahlt keinen festen Betrag je Abruf. Er verteilt nach Ablauf eines Zeitraums einen Anteil seiner Einnahmen auf alle Abrufe in diesem Markt, und daraus ergibt sich der Wert eines Abrufs erst im Nachhinein. Er ändert sich mit den Einnahmen des Dienstes, der Gesamtzahl der Abrufe, dem Tarif des Hörers und dessen Land.
Wer bekommt die Ausschüttung aus dem Streaming?
Die Ausschüttung geht an den Rechteinhaber der Aufnahme, also an das Label oder an den Vertrieb, über den die Aufnahme erschienen ist. Was davon beim Künstler ankommt, regelt dessen Vertrag. Die Urheber des Songs werden getrennt davon über die Verwertungsgesellschaft vergütet, denn sie erhalten Geld für das Werk, nicht für die Aufnahme.
Warum schwanken die Einnahmen aus Streaming von Monat zu Monat?
Die Einnahmen schwanken, weil der Dienst einen Topf verteilt, dessen Größe und dessen Teiler sich beide ändern. Steigen die Einnahmen des Dienstes, wächst der Topf. Steigt die Gesamtzahl der Abrufe im Markt, verteilt sich derselbe Topf auf mehr Abrufe. Deshalb bringen gleich viele eigene Abrufe in zwei Monaten verschiedene Beträge.
Was ist der Unterschied zwischen nutzerzentrierter und marktanteilsbasierter Abrechnung?
Die marktanteilsbasierte Abrechnung wirft die Einnahmen eines ganzen Marktes zusammen und verteilt sie nach dem Anteil an allen Abrufen. Die nutzerzentrierte Abrechnung verteilt den Beitrag jedes einzelnen Hörers auf genau die Aufnahmen, die dieser Hörer gehört hat. Verbreitet ist das marktanteilsbasierte Modell, das nutzerzentrierte kommt bisher nur vereinzelt vor.




