Lili Marleen

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Redaktion
Eine Straßenlaterne leuchtet durch kahle Bäume im Nebel. Foto: ErikTanghe / Pixabay.
Eine Straßenlaterne leuchtet durch kahle Bäume im Nebel. Foto: ErikTanghe / Pixabay.

Zusammenfassung

Lili Marleen ist ein deutsches Lied, dessen Text 1915 als Gedicht eines Soldaten im Ersten Weltkrieg entstand und dessen bekannte Melodie erst Ende der 1930er Jahre hinzukam. Bekannt wurde es ab 1941 über einen deutschen Militärsender im besetzten Belgrad, der die Aufnahme von Lale Andersen regelmäßig sendete und weit über die eigenen Truppen hinaus zu empfangen war. Musikalisch ist Lili Marleen ein einfaches Strophenlied ohne Tonartwechsel und mit geringem Tonumfang, das sich ohne Noten und ohne Begleitung singen lässt. Die bekannte Aufnahme unterlegt es mit einem gleichmäßigen Grundschlag und Bläsern, obwohl der Text von einem Abschied handelt und kein Marschthema kennt.

Lili Marleen ist ein deutsches Lied, dessen Text 1915 als Gedicht eines Soldaten im Ersten Weltkrieg entstand und dessen bekannte Melodie erst Ende der 1930er Jahre folgte. Bekannt wurde es ab 1941 über einen deutschen Militärsender im besetzten Belgrad. Musikalisch ist es ein einfaches Strophenlied: eine Melodie für alle Strophen, kein Tonartwechsel, geringer Tonumfang, dazu eine Schlusszeile, die in jeder Strophe wiederkehrt. Genau diese Machart macht das Lied ohne Noten und ohne Begleitung singbar.

1915Text als Gedicht
1939bekannte Aufnahme
1941Verbreitung im Rundfunk
StrophenliedForm

Was ist Lili Marleen?

Lili Marleen ist ein Strophenlied auf einen Text von Hans Leip und eine Melodie von Norbert Schultze, das die Sängerin Lale Andersen 1939 aufnahm. Die Aufnahme gehört zur Unterhaltungsmusik ihrer Zeit, aus der später der Schlager hervorging: eine Frauenstimme vor einer kleinen Begleitgruppe, eine eingängige Melodie, ein kurzes instrumentales Vorspiel.

MerkmalLili Marleen
TextHans Leip, 1915 als Gedicht
Erstdruck des Textes1937, in einem Gedichtband Leips
Musik der bekannten FassungNorbert Schultze, Ende der 1930er Jahre
Ältere VertonungRudolf Zink, setzte sich nicht durch
Bekannte AufnahmeLale Andersen, 1939
Verbreitungab 1941 über einen deutschen Militärsender in Belgrad
FormStrophenlied, gleichbleibende Melodie, wiederkehrende Schlusszeile
Besetzung der AufnahmeFrauenstimme, Bläser, Schlagwerk
Sprachendeutsch, dazu Fassungen in weiteren Sprachen

Wie entstand Lili Marleen?

Lili Marleen entstand in drei Schritten, die Jahrzehnte auseinanderliegen.

  • Der Text entstand 1915. Hans Leip schrieb ihn als Soldat im Ersten Weltkrieg, als Gedicht ohne Melodie. Gedruckt erschien er erst 1937, in einem Gedichtband Leips.
  • Die Vertonung folgte Ende der 1930er Jahre durch Norbert Schultze. Sie war nicht die erste: Rudolf Zink hatte dasselbe Gedicht bereits vertont, ohne dass sich seine Fassung durchsetzte.
  • Die Verbreitung begann 1941 über den Rundfunk, nicht über den Handel: Ein deutscher Militärsender im besetzten Belgrad spielte die Aufnahme zu einer festen Zeit am Abend.

Der Text kennt den Zweiten Weltkrieg deshalb nicht: Er stammt aus dem Ersten.

Gedicht Text eines Soldaten im Ersten Weltkrieg Vertonung heute bekannte Melodie ältere Fassung bleibt liegen Verbreitung Militärsender Belgrad sendet die Aufnahme 1915 1939 ab 1941 Sprachfassungen deutsch englisch französisch italienisch weitere Die Achse zeigt die Reihenfolge der Schritte, nicht die Abstände nach Jahren.
Text, Vertonung und Verbreitung sind drei getrennte Vorgänge. Erst der dritte machte das Lied bekannt, und von ihm gehen die Fassungen in anderen Sprachen aus.

Wie ist Lili Marleen musikalisch gebaut?

Lili Marleen ist ein Strophenlied: Jede Strophe trägt dieselbe Melodie, und die Schlusszeile jeder Strophe kehrt wieder. Einen Refrain mit eigener Melodie gibt es nicht. Die wiederkehrende Schlusszeile übernimmt dessen Aufgabe: Sie schließt jede Strophe hörbar ab, ohne dass ein eigener Abschnitt dafür nötig wäre. Drei Eigenschaften machen die Melodie leicht zu behalten.

  • Kein Tonartwechsel. Das Lied bleibt durchgehend in einer Tonart. Wer die erste Strophe getroffen hat, trifft auch die letzte.
  • Geringer Tonumfang. Die Melodie verlangt keine hohe Lage und keine weiten Sprünge. Sie liegt im Bereich einer ungeschulten Stimme.
  • Gleichmäßige Zeilen. Die Zeilen sind ähnlich lang und paarweise gebaut, sodass die Fortsetzung nach der ersten Hälfte vorhersehbar bleibt.

Diese Bauweise erklärt die Verbreitung. Ein Lied mit gleichbleibender Melodie, ohne Tonartwechsel und ohne große Sprünge kann jeder nach zweimaligem Hören mitsingen, ohne Noten und ohne Begleitung. Damit verhält es sich wie ein Stück aus der Volksmusik, obwohl es einen bekannten Textautor und einen bekannten Komponisten hat.

Lili Marleen verbreitete sich über eine Melodie, die ohne Noten auskommt. Gleichbleibende Strophenmelodie, wiederkehrende Schlusszeile, kein Tonartwechsel, kleiner Tonumfang: Diese vier Merkmale genügen, damit Menschen ein Lied auch dort weitergeben, wo niemand ein Instrument und niemand Notenpapier hat.

Warum klingt die bekannte Aufnahme von Lili Marleen wie ein Marsch?

Die Aufnahme von 1939 klingt nach Marsch, weil ihre Begleitung nach Marsch gebaut ist, nicht weil die Melodie es wäre. Ein Schlagwerk hält einen gleichmäßigen, betonten Grundschlag, das Tempo bleibt von Anfang bis Ende gleich, und Bläser setzen kurze Einwürfe zwischen die Gesangszeilen. Das Vorspiel stellt diesen Schlag auf, bevor die Stimme einsetzt, und legt die Hörweise für die Aufnahme fest. Diese Mittel gehören zur Militärmusik, und dorthin ordnet das Ohr die Aufnahme ein.

Der Text trägt dieses Thema nicht. Er handelt von einem Abschied und von der Hoffnung auf ein Wiedersehen, nicht von einem Marsch, einer Schlacht oder einem Sieg. Zwischen Begleitung und Inhalt liegt damit ein hörbarer Abstand. Dass er aus dem Arrangement stammt und nicht aus dem Lied selbst, zeigen die späteren Fassungen: Sobald der gleichmäßige Schlag wegfällt, klingt dieselbe Melodie langsam und getragen.

Wovon handelt der Text von Lili Marleen?

Der Text von Lili Marleen beschreibt einen Abschied an einem festen Ort: Eine Laterne vor einem Tor markiert die Stelle, an der sich zwei Menschen getroffen haben und wiedersehen wollen. Der Text spricht in der ersten Person, aus der Sicht dessen, der fortgeht; die späteren Strophen stellen das Wiedersehen infrage. Der Name im Titel steht am Ende jeder Strophe und ist damit zugleich Titel und wiederkehrender Schluss.

Wie verbreitete sich Lili Marleen über den Rundfunk?

Lili Marleen verbreitete sich ab 1941 über einen deutschen Militärsender im besetzten Belgrad, der die Aufnahme allabendlich zu einer festen Zeit spielte. Seine Reichweite umfasste große Teile Europas und Nordafrika, sodass Hörer auf beiden Seiten der Front das Programm empfangen konnten.

Aus dieser Reichweite folgte die Übertragung in andere Sprachen: Es entstanden englische, französische, italienische und weitere Fassungen. Sie übernehmen die Melodie und setzen einen eigenen Text darauf, sind also keine Übersetzungen. Auf alliierter Seite entstanden außerdem deutschsprachige Gegenfassungen mit neuem Text auf dieselbe Melodie.

Zur Haltung der nationalsozialistischen Propaganda gegenüber dem Lied kursieren mehrere Darstellungen, die einander widersprechen. Sie reichen von Duldung bis zu einem zeitweiligen Verbot, und dieser Artikel gibt keine davon als gesichert aus. Belegt ist der Widerspruch selbst: Ein Lied ohne Kriegsthema wurde über einen Militärsender in weiten Teilen Europas bekannt.

Wie klingen die späteren Fassungen von Lili Marleen?

Die späteren Fassungen von Lili Marleen unterscheiden sich vor allem in Besetzung und Tempo. Die eine Richtung besetzt das Lied orchestral, mit Streichern und ohne den betonten Grundschlag; es klingt dann langsamer und näher am Chanson. Die andere reduziert die Begleitung auf wenige Instrumente, sodass die Singstimme allein trägt. Was sich zwischen den Fassungen ändert, sind Begleitung, Tempo und Klangfarbe der Stimme; die Melodie und die Abfolge der Strophen bleiben gleich.

Beide Wege funktionieren, weil die Substanz des Liedes in der Melodie und in der wiederkehrenden Schlusszeile liegt und nicht im Arrangement. Genau daran hängt die Frage nach Cover oder Original: Was in diesen Fassungen wechselt, ist die Begleitung, nicht das Stück.

Häufige Fragen zu Lili Marleen

Wer schrieb Lili Marleen?

Den Text von Lili Marleen schrieb Hans Leip 1915 als Soldat im Ersten Weltkrieg, zunächst ohne Melodie. Die heute bekannte Vertonung stammt von Norbert Schultze und entstand Ende der 1930er Jahre. Eine ältere Vertonung von Rudolf Zink setzte sich nicht durch. Die bekannte Aufnahme von 1939 singt Lale Andersen.

Aus welchem Jahr stammt Lili Marleen?

Lili Marleen trägt drei Jahreszahlen: 1915 entstand der Text als Gedicht, 1939 die bekannte Aufnahme, und ab 1941 sendete ein Militärsender im besetzten Belgrad das Lied regelmäßig.

Warum wurde Lili Marleen auf beiden Seiten der Front gehört?

Beide Seiten konnten Lili Marleen hören, weil der Sender, der es spielte, große Teile Europas und Nordafrika erreichte. In der Folge entstanden Fassungen in anderen Sprachen, darunter englische, französische und italienische.

Ist Lili Marleen ein Marschlied?

Nein, Lili Marleen ist ein Strophenlied über einen Abschied, und sein Text hat kein Marschthema. Der Marschcharakter entsteht in der Aufnahme von 1939 durch die Begleitung: ein gleichmäßiger, betonter Grundschlag, ein gleichbleibendes Tempo und kurze Einwürfe der Bläser. Spätere Fassungen ohne diese Begleitung klingen getragen.

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