Kinderlieder sind Lieder, die Kinder selbst singen können. Sie kommen mit wenigen Tönen aus, wiederholen Melodie und Text und enden dort, wo der Atem endet. Das ist keine Frage des Geschmacks: Die Stimme eines Kindergartenkindes umfasst häufig nur sechs Töne, und was darüber hinausreicht, kippt ins Rufen oder bleibt stumm. Wer die Lieder nach Alter aussucht, singt mit der Gruppe statt gegen sie.
Warum haben Kinderlieder einen kleinen Tonumfang?
Kinderlieder haben einen kleinen Tonumfang, weil die Kinderstimme einen kleinen Tonumfang hat. Die Stimmlippen sind kurz, der Kehlkopf sitzt hoch, und die Muskulatur, die Tonhöhe und Lautstärke voneinander trennt, entwickelt sich erst. Ein Kind im Krippenalter singt bequem etwa fünf Töne, im Kindergarten kommen nach oben und unten je ein bis zwei Töne dazu, in der Grundschule wächst der Umfang auf gut eine Oktave. Diese Werte schwanken von Kind zu Kind stark und sind ein Anhaltspunkt, keine Grenze.
Zwei Fehler machen Erwachsene dabei regelmäßig. Sie stimmen das Lied in ihrer eigenen bequemen Lage an, die deutlich tiefer liegt als die des Kindes, und die Gruppe brummt mit, statt zu singen. Und sie wählen Lieder mit weiten Sprüngen, obwohl Kinder Tonschritte sicherer treffen. Wie diese Abstände heißen und wie weit sie reichen, erklärt der Artikel zu den Intervallen.
Ein Kinderlied wird nicht dadurch leicht, dass es kurz ist. Leicht wird es durch wenige Töne, dichte Wiederholung und Schritte statt Sprünge. Alle meine Entchen läuft zu Beginn die Tonleiter aufwärts und bleibt insgesamt innerhalb einer Sexte. Genau deshalb singen Zweijährige es mit.
Welche Kinderlieder gehören zum Grundbestand?
Zum Grundbestand gehören überlieferte Lieder, die seit dem 19. Jahrhundert in Liederbüchern stehen, dazu wenige moderne Titel, die sich in Kitas durchgesetzt haben.
| Lied | Herkunft | Art | Altersgruppe | Rechtsstand |
|---|---|---|---|---|
| Backe, backe Kuchen | überliefert | Klatschlied | Krippe | gemeinfrei |
| Ringel, Ringel, Reihe | überliefert | Kreisspiel | Krippe | gemeinfrei |
| Alle meine Entchen | Volkslied, überliefert | Tonleiterlied | Krippe | gemeinfrei |
| Hänschen klein | Text Franz Wiedemann, 19. Jahrhundert | Erzähllied | Kindergarten | gemeinfrei |
| Der Kuckuck und der Esel | Text Hoffmann von Fallersleben, Melodie Carl Friedrich Zelter | Erzähllied | Kindergarten | gemeinfrei |
| Ein Männlein steht im Walde | Text Hoffmann von Fallersleben, Volksweise | Rätsellied | Kindergarten | gemeinfrei |
| Alle Vögel sind schon da | Text Hoffmann von Fallersleben, Volksweise | Jahreszeitenlied | Kindergarten | gemeinfrei |
| Auf der Mauer, auf der Lauer | Volkslied, überliefert | Weglasslied | Kindergarten | gemeinfrei |
| Bruder Jakob | überliefert, nach dem französischen Frère Jacques | Kanon | Grundschule | gemeinfrei |
| In der Weihnachtsbäckerei | Rolf Zuckowski, 1980er Jahre | Jahreszeitenlied | Kindergarten | geschützt |
Die Altersangabe ist ein Erfahrungswert, kein Test. Ein Kanon wie Bruder Jakob verlangt, dass eine Gruppe die eigene Stimme gegen eine zweite hält, und das gelingt selten vor dem Schulalter.
Welche Kinderlieder passen in die Krippe?
In die Krippe passen Lieder mit Bewegung und Berührung, weil Kinder unter drei Jahren den Text noch nicht tragen. Backe, backe Kuchen klatscht, Ringel, Ringel, Reihe dreht die Gruppe im Kreis, Kniereiterverse werden gesprochen statt gesungen. Die Melodie darf sehr kurz sein und sich in jeder Strophe unverändert wiederholen. Kinder in diesem Alter singen erst mit, wenn sie das Lied vorhersagen können.
Welche Kinderlieder passen in den Kindergarten?
Im Kindergarten trägt der Text mit. Erzähllieder wie Hänschen klein und Der Kuckuck und der Esel haben eine Handlung, Rätsellieder wie Ein Männlein steht im Walde eine Pointe, und Jahreszeitenlieder binden das Singen an den Kalender: Alle Vögel sind schon da im Frühjahr, Laterne, Laterne im November. Dazu kommen Weglasslieder wie Auf der Mauer, auf der Lauer, bei denen in jeder Strophe eine Silbe verschwindet und die Gruppe den Puls trotzdem halten muss.
Welche Kinderlieder passen in die Grundschule?
In der Grundschule kommen Kanons, längere Strophen und erste Begleitungen dazu. Bruder Jakob und Hejo, spann den Wagen an lassen sich mehrstimmig singen, sobald die Klasse die Melodie sicher beherrscht. Viele Kinderlieder tragen eine Begleitung aus nur zwei Akkorden, der Tonika und der Dominante, und liegen damit im Bereich, den eine Blockflöte oder eine Gitarre nach wenigen Stunden schafft. Woher diese beiden Akkorde kommen, zeigt der Artikel zur Dur-Tonleiter.
Welche Kinderlieder sind gemeinfrei?
Gemeinfrei sind Kinderlieder, deren Urheber vor mehr als 70 Jahren gestorben sind. Bei überlieferten Volksliedern wie Alle meine Entchen oder Backe, backe Kuchen ist überhaupt kein Urheber bekannt, sie sind frei. Ebenso frei sind die Texte von Hoffmann von Fallersleben und die Melodie von Carl Friedrich Zelter, denn beide starben im 19. Jahrhundert.
Moderne Kinderlieder sind geschützt. Rolf Zuckowski und Detlev Jöcker leben, ihre Lieder stehen unter vollem Urheberrecht. Für eine Einrichtung wird das praktisch, sobald ein Fest für alle offen ist, ein Video ins Netz geht oder eine Aufnahme entsteht: Dann greift das Nutzungsrecht, und der Träger braucht eine Lizenz. Wer diesen Weg vermeiden will, greift zum überlieferten Bestand, denn der kostet nichts und darf aufgenommen werden.
Häufige Fragen zu Kinderliedern
Welche Kinderlieder eignen sich für Zweijährige?
Für Zweijährige eignen sich Kinderlieder mit Bewegung, kurzer Melodie und ständiger Wiederholung, etwa Backe, backe Kuchen, Ringel, Ringel, Reihe und Alle meine Entchen. Kinder in diesem Alter singen zunächst einzelne Wörter und den Schluss einer Zeile mit, nicht die ganze Strophe. Dieselben drei bis vier Lieder täglich wirken besser als ein großes Repertoire.
Wie groß ist der Tonumfang von Kinderliedern?
Der Tonumfang von Kinderliedern liegt meist bei einer Sexte, also sechs Tonstufen, und beginnt häufig bei c'. Alle meine Entchen reicht von c' bis a' und passt damit in jede Altersgruppe. Lieder, die eine Oktave oder mehr verlangen, gehören erst in die Grundschule.
Sind Kinderlieder urheberrechtlich frei?
Kinderlieder sind nur frei, wenn ihre Urheber vor mehr als 70 Jahren gestorben oder gar nicht bekannt sind. Auf überlieferte Volkslieder trifft das zu, auf moderne Titel von Rolf Zuckowski oder Detlev Jöcker nicht. Für öffentliche Aufführungen, Videos und Tonträger braucht ein geschütztes Lied eine Lizenz, für das Singen in der Gruppe stellt sich die Frage in der Regel nicht.
Wie lernen Kinder ein neues Kinderlied?
Kinder lernen ein neues Kinderlied über das Vormachen, nicht über Erklärungen. Die erwachsene Person singt das ganze Lied mehrmals in gleicher Tonhöhe vor, die Kinder steigen zuerst am Zeilenende ein, dann bei der ganzen Zeile. Eine Bewegung zu jeder Textzeile beschleunigt das Behalten, weil sie den Ablauf ohne Text erinnerbar macht.




